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Ausgabe:

1891 Nr. 14

Spalte:

356-357

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dashian, P. J.

Titel/Untertitel:

Zur Abgar-Sage 1891

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 14.

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logien. Dabei verfehlt er nicht, auf die wichtigeren I
Werke aus der neueren Literatur, die diefem Gegenftande
gewidmet find, aufmerkfam zu machen. — Unter dem
Text benimmt er alle Stellen aus Bibel und heidnifcher
Literatur, die bei Juftin citirt werden oder anklingen,
auch feine Selbftcitate. S. 76 f. bringen ein Verzeichnifs
der Bibelftellen, S. 78—84 ein Namen- und Sachregifter.
Eine neue Textrecenfion zu liefern hat fich der Herausgeber
nicht verpflichtet gehalten; mit Recht; er druckt
den Otto'fchen Text ab, doch zeigen die ,Anmerkungen'
zur Textkritik S. 74 f., dafs er in einigen Fällen fleh
von feinem Vorgänger emaneipirt hat. Einige hier
mitgetheilte Verbefferungsvorfchläge werden erwogen
werden.

Leider ift eine grofse Zahl von Druckfehlern flehen
geblieben, die meiften bei Lefe-, feltener bei Inter- j
punktionszeichen, doch auch ftark ftörende wie S. 70,9
u(ptiaQCOL ftatt (itfiragca und 58, 9 0 ftatt rj oder S. 46, 2
XQiarog ft. ygioiov. Diefe Fehler find am reichlichften j
in dem fonft fo fchätzbaren Regifter vertreten, wo gerade
die Zuverläffigkeit der Zahlen zu wünfehen übrig läfst
(z. B. bei ngouigtoig . sleidrega ft. ekevlrsgu, 7, 13 ft. 7,11,
und 57, 6 ift ganz falfch; bei xi^ogia 1. iai ft. rät und
37, I ft. 36, I; bei nzolttiutog 1. 61, 26 ft. 62, 26; bei äia-
y.ovoi 1. 58, 5 ft. 57, 5; bei Idlt^äi'dgua 1. 61, 11 ft. 62, 11).
Dafs einzelne Artikel fehlen, die confequenter Weife gegeben
werden müfsten, wie a(>Qaßiy.r] (sie) yij 53, 15,
Jiöaxovgot 18, 3 oder loyiy.ai diva/ueig 7, 17, foll dem
Verf. nicht zum Vorwurf gemacht werden; aber bedenklicher
ift, dafs die Stellen nicht immer vollftändig aufgezählt
werden und fo eine Irreführung des Benutzers
nahe liegt, z. B. bei dna&^g fehlt neben 7, 11 (das übrigens
hinter 20, 18 zu rücken wäre) 49, 30, bei ßctc-ßagoi
4, 20, bei örj/.novgy6g 5, 24, bei diday/na 3, 32, bei hezv-
<s i,utlv 56, 23 u. f. w. Nicht minder bedauerlich ift die
V erwendung der Klammer [ ] ebenfo für auszuftolsende
Interpolationen (z. B. 2, 11. 63, 28. 72, 15 ff. 24 f.) wie
für unentbehrliche Zufätze zum überlieferten Texte (z. B.
23, 27. 41, 16. 64, 20), während wieder andere auf Con- 1
jectur beruhende Einfchübe in den handfehriftlichen Text j
ganz unmarkirt bleiben, z. B. das ort 31, 15 oder das j
niy vor vorjoavzeg 27, 17. Warum nicht confequent alle
Zuthaten der Editoren durch eckige Klammern ( ) ausgezeichnet
worden find, wie es fonft üblich ift, begreife
ich nicht.

Solche kleine Ausftellungen ändern nichts an dem
begründeten Wunfche, dafs diefe fo wohlfeile Ausgabe
eines der wichtigften Documente aus dem chriftlichen
Alterthum nicht blofs unter den Studenten viele dankbare
Freunde finde.

Marburg. Ad. Jülich er.

Harris, Prof. J. Rendel, The Diatessaron of Tatian. Apre-
liminary study. London, C. J. Clayand Sons, 1890.
(VII, 68 S. m. 2 Lichtdr.-Taf. gr. 8.) geb.

Um die Studenten in das Diateffaron, welches eine
fo unvollkommene und verwickelte Ueberlieferung hat
und doch für das Studium der Evangelien unentbehrlich
ift, einzuführen, hat Harris die vorftehende Arbeit veröffentlicht
. Sie macht in der Hauptfache nicht den An-
fpruch darauf, Neues zu bringen; fie will auch nicht die
umfangreicheren Arbeiten von Zahn und Hemphill er-
fetzen, fondern den richtigen Gebrauch der Zeugen für
das Diateffaron lehren. Diefen Zweck erfüllt fie in ihrer
erften Hälfte, und in Einzelheiten — namentlich das
Verhältnifs des Diateffarons zu einigen Evangelienhand-
fchriften refp. Recenfionen betreffend — bringt fie
auch Neues; diefes Neue aber ift mehr kühn als einleuchtend
. Harris hat mich in meiner Schätzung des
Arabifchen Tatian und der grofsen und fucceffiven Veränderungen
, welche das urfprüngliche Werk erft im

Syrifchen, dann im Lateinifchen und noch im Arabifchen
(vgl. das Verhältnifs von Cod. A und B) erlitten hat,
nur beftärkt, ebenfo in der Ueberzeugung, dafs Tatian
eine griechifche Harmonie der Evangelien gefchrieben
hat. Beigegeben ift der Abhandlung ein Facfimile der
Marcus-Fragmente im Cod. Wd, deren Inhalt Verwandt-
fchaft mit dem Text des Diateffarons (mit dem urfprüng-
lichen Text?) aufweifen. Was Harris über einen Pre-
Tatian und über eine Harmonie der Paffionszeit aus
ältefter Zeit bemerkt, ift fehr rafch gefolgert und hätte
m. E. in einer ,Preliminary Study' entweder gar nicht
oder mit gröfserer Vorficht vorgetragen werden follen.

In den ,Forfchungen z. Gefch. d. NTlichen Kanons
u. f. w.' 4. Theil hat Dr. Sellin den Text des von
A. C i a s c a edirten arabifchen Diateffarons einer Prüfung
unterzogen (S. 225—246). Das Schlufsergebnifs diefer
gründlichen und dankenswerthen Unterfuchung lehrt,
wie weit diefer arabifche Text von dem urfprünglichen
Diateffaron entfernt ift und wie gering die Hülfe ift, die
er bei der Reconftruction desfelben gewährt. Es bleibt
doch nicht viel mehr als die Reihenfolge der Perikopen
übrig — und auch diefe ift vielfach geftört —, wenn
Sellin alfo zufammenfafst: ,Der arabifche Text ift offenbar
die Ueberfetzung eines überarbeiteten Diateffarons
Tatian's. Diefe Ueberarbeitung hat auf Grund der Pe-
fchittha, wahrfcheinlich im 5. oder 6. Jahrh., ftatt-
gefunden; ihr Zweck ift gewefen, den Text des Diateffarons
dem der verbreiteten Bibelüberfetzung anzunähern
, nicht aber, ihn ängftlich diefer zu conformiren
[dann wäre nichts mehr vom alten Tatian übrig geblieben |.
Vielmehr ift jener noch an vielen Stellen erhalten. Da
nun aufser der Pefchittha kein Bibeltext herangezogen,
in der fpäteren Zeit nur die Philoxeniana auf den Text
des Arabers eingewirkt hat, Ueberarbeiter und Ueberfetzer
gewiffenhaft verfahren find, fo wird auf Grund einer
durchgängigen Vergleichung desfelben mit Ephraem und
Aphraates auf der einen, der Pefchittha und Philoxeniana
auf der anderen Seite, wenn man befonnen verfährt,
der Text der arabifchen Ueberfetzung ein brauchbares
Mittel, Beiträge zur Reconftruction des urfprünglichen
Tatian'fchen Textes zu liefern". Solche Beiträge hat
Sellin felbft bereits geliefert und ebenfo Harris S. 42
bis 59. Man mufs indeffen hinzufügen, dafs diefe Beiträge
fich faft ausnahmslos auf verhältnifsmäfsig unbedeutende
Minutien beziehen. Der Araber hat im
Texte alles das getilgt, was dem Tatian'fchen
Werke fein Gepräge und feine Originalität verlieh
, fowohl die zahlreichen ,apokryphen'
Stücke als die einfehneidenden Textcorrec-
turen. Auch in folchen Fällen alfo, wo mühfame Nach-
forfchung mit einiger Wahrfcheinlichkeit den echten
Tatiantext aus dem Araber gewinnt, ift's der Hamlet
ohne den Hamlet, d. h. man gewinnt LAA, die für
Tatian und fein Unternehmen wenig oder gar nicht
charakteriftifch find, fondern nur in der allgemeinen Ge-
fchichte der Elvangelientexte ihre Stelle finden. Für die
Kritik der Compofition des Diateffarons bleibt dem
Araber, wie bemerkt, eine gewiffe Bedeutung. Doch
bietet auch hier das Zufammentreffen mit dem Lateiner
nicht ohne Weiteres fichere Gewähr.

Zahn hat im 2. Bande feiner Gefchichte des NTlichen
Kanons S. 530 ff. wiederum ausführlich vom Diateffaron
auf Grund der Ciasca'fchen Publication gehandelt.

Berlin. A. Harnack.

Dashian, P. J., Zur Abgar-Sage. |Aus: ,Wiener Zeitfchr.
für die Kunde des Morgenlandes'.] Wien, Holder,
l89°- (55 S. gr. 8.)

Diefe Studie enthält eine eingehende Kritik des
Werkes von Tixeront, Les Origines de l'eglise d' Edesse
(vgl. diefe Ztg. 1888 Nr. 26) in folchen Fragen, die mit