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Ausgabe:

1891

Spalte:

297-300

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutschmid, Alfr. von

Titel/Untertitel:

Kleine Schriften. 1. Band: Schriften zur Aegyptologie und zur Geschichte der griechischen Chronographie. 2. Band: Schriften zur Geschichte und Literatur der semitischen Völker und zur ältesten

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Kiel.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 12. J3- Juni l89i- 16. Jahrgang.

Gutfchraid, Kleine Schriften 1. u. 2. Bd.
(Schürer).

Nikel, Die Lehre des Alten Teftamentes über
die Cherubim und Seraphim (Gunkel).

Texts and Studies ed. by Robinson, vol. I,

No. 1: The apology of Aristides ed. by

Harris (Harnack).
Rönfch, Collectanea philologa (Schürer).
Seche, Les derniers Jansenistes (Reufch).
Trede, Das Heidentum in der römifchen Kirche,

3. u. 4. Tl. (Reufch).

Weber, Das neue Gefangbuch für die evan-
gelifch-reformirte Kirche der deutfchen Schweiz
(Achelis).

Tiesmeyer und Zauleck, Deutfehes Kinder-

gefangbuch (Achelis).
Bornemann, Bittere Wahrheiten (Ritfehl).

Gutschmid, Alfr. von, Kleine Schriften. Herausgegeben von
Franz Rühl. 1. Bd. Schriften zur Aegyptologie und
zur Gefchichte der griechifchen Chronographie. 2. Bd.
Schriften zur Gefchichte und Literatur der femitifchen
Völker und zur älteften Kirchengefchichte. Leipzig,
Teubner, 1889—1890. (XII, 573 u. VIII, 794 S. gr. 8.)
M. 38.—

Nur mit wehmüthigem Gefühle kann man diefe beiden

lehrter, welches Umfangs und welcher inneren Selb-
ftändigkeit fie immer fein mochten, dann aber ferner
alle lediglich referirenden Anzeigen neuer Bücher und
einige wenige andere Auffätze, zum Theil politifchen Inhalts
, welche nur zur Zeit ihres Erfcheinens Intereffe in
Anfpruch nehmen konnten. Ebenfo durfte faft Alles
übergangen werden, was fpäter in gröfseren Werken Gut-
fchmid's Aufnahme und Verwerthung gefunden hatte'.
S. V: ,Für die ganze Sammlung find vier

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ftattlichen Bande zur°Hand nehmen. An Umfang des ! ^ ÄL «

Wiffens auf dem Gebiete der alten Gefchichte ift Alfred
von Gutfchmid von Keinem der Mitforfchenden übertroffen
, wohl von Keinem auch nur erreicht worden. Und
es war nicht ein roher Wiffensftoff, welchen er bei fich
angefammelt hatte: auch an Selbftändigkeit des Urtheils
und eindringendem Scharffinn der Kritik war er einer
der Erften. So hat er als Schriftfteller und Lehrer einen
weitreichenden Einfiufs ausgeübt. Fast die ganze jüngere
Generation der alten Hiftoriker ift von ihm unmittelbar
oder mittelbar angeregt und angeleitet worden. Mitten
aus diefer rüftigen Arbeit heraus ift er uns nun, menfeh-
lich angefehen, durch einen vorzeitigen Tod entriffen
worden — im Befitze faft unerfchöpflicher Vorarbeiten
auf den verfchiedenften Gebieten des Wiffens, die jetzt
keine Verwerthung mehr finden können.

Gutfchmid's vielfeitige Intereffen und feine Neigung,
den Arbeiten Anderer kritifirend zu folgen und durch fie
zur eigenen Arbeit fich anregen zu laffen, hat es mit
fich gebracht, dafs er keine zufammenfaffenden Werke
gröfseren Umfangs abgefafst hat. Mit befonderer Vorliebe
fchrieb er Recenfionen, in welchen er oft in knapper
Form werthvolle Refultate feiner Studien niederlegte.
Aber felbft feine gröfseren Abhandlungen find vielfach
durch Arbeiten Anderer veranlafst. Man kann diefe
Zerfplitterung, wenn diefer Ausdruck überhaupt geftattet
ift, bedauern. Der Werth des Geleifteten ift dadurch nicht
beeinträchtigt worden. Denn niemals hat er die Feder
ergriffen, ohne den Stoff völlig zu beherrfchen und das
Problem bis auf den Grund durchgearbeitet zu haben.
Allerdings aber macht der Umftand, dafs Gutfchmid's
Lebensarbeit in faft unzähligen, verhältnifsmäfsig kleineren
und zerftreuten Publicationen niedergelegt ift, eine
Sammlung unerläfslich, wenn nicht Vieles bald in Ver-
geffenheit gerathen foll. Mit lebhaftem Danke ift es daher
zu begrüfsen, dafs Herausgeber und Verleger fich
zu diefer Publication entfchloffen haben. Ueber den
Plan derfelben fagt Rühl im Vorwort S. IV:

,Die Sammlung foll diejenigen Arbeiten Gutfchmid's
umfaffen, welche nicht felbftändig erfchienen find, oder

vorliegende erfte Band die Schriften zur Gefchichte
Aegyptens und zur Gefchichte der griechifchen Chronographie
, der zweite die Schriften zur Gefchichte der Semiten
und zur älteren Kirchengefchichte, der dritte wird
diejenigen zur Gefchichte der nichtfemitifchen Völker
Afiens und der vierte diejenigen zur griechifchen, römifchen
und mittelalterlichen Gefchichte umfaffen.'

An ungedrucktem Material, welches zur Veröffentlichung
geeignet gewefen wäre, hat fich in Gutfchmid's
Nachlafs weniger gefunden, als Viele gehofft hatten.
Theils waren es Arbeiten, welche jetzt veraltet fein
würden; theils folche, welche nicht abgefchloffen find
und weder in der vorliegenden Form herausgegeben, noch
von fremder Hand ergänzt werden konnten. ,Es wird
verfucht werden, diefen Theil des Nachlaffes auf andere
Weife der Wiffenfchaft zu Gute kommen zu laffen' (Vorwort
S. IV). ,Immerhin blieb eine nicht ganz unbeträchtliche
Anzahl von uugedruckten Auffätzen übrig, welche
Aufnahme in die vorliegende Sammlung forderten und
verdienten'. Von diefen ungedruckten Abhandlungen
find fünf in die vorliegenden beiden
Bände eingereiht.

Die gröfsere Hälfte des erften Bandes ift der Gefchichte
und Alterthumskunde Aegyptens gewidmet
. Der umfangreichfte Auffatz ift der aus dem
,Philologus' 1855: De verum Aegyptiacarum scriptoribus
Graecis ante Alexandrum Magnum. Dazu kommen elf
kleinere Abhandlungen und zweiundzwanzig Recenfionen
über neuere Werke zur Aegyptologie. Vorangeftellt ift,
gleichfam als Programm des Ganzen, die bisher ungedruckte
Rede beim Antritt der ordentlichen Profeffur
der Philologie zu Jena 1877. Sie verbreitet fich über die
Verfuche, das Verhältnifs der uns erhaltenen Gefchicht-
fchreiber des Alterthums zu ihren uns nicht erhaltenen
Quellen zu ermitteln, und zeigt, welche Fehler hierbei
vielfach gemacht worden find und unter welchen Bedingungen
folche Unterfuchungen fruchtbar geführt werden
können. Zwei andere bisher ungedruckte Stücke
des erften Bandes find Nr. VI: De Aegyptiacis apud

welche wie die beiden in diefen Band aufgenommenen Diogenem Laertium eorumque fontibus, und Nr. VIL De
Programme von Kiel und Tübingen, nicht als dauernd i capituhs nonnulhs Aegyptiacis apud Stephanum Byzantium
zugänglich erachtet werden können. Auszufchliefsen de fontibus unde hausti sint.

waren einmal alle Beiträge zu den Werken anderer Gc- Die kleinere Hälfte des erften Bandes umfafst die

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