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1891 Nr. 10

Spalte:

244-245

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Holy Bible 1891

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1891. Nr. 10.

244

Grätz, Die Entftehung der LXX-Ueberfetzung des Pen-
tateuches (III, 150—156). Sie ift zur Zeit des Ptolemäus
Philometor angefertigt!!

Auf die talmudifche und mittelalterliche Literatur
beziehen fich: A. Neubauer, Ueber die Wohnfitze
der zehn Stämme (I, 14—28,95—114, 185—201,408—423).
In diefer umfangreichen, durch alle vier Nummern des
erften Jahrgangs hindurchgehenden Abhandlung werden
mit grofser Gründlichkeit und umfaffender Gelehrfam-
keit die verfchiedenen Anflehten über die Wohnfitze der
zehn Stämme zufammengeftellt. Den Anfang machen
die biblifchen Angaben, den Schlufs zwei jüdifche Reifende
unferes Jahrhunderts. Die meiften Angaben find
der talmudifchen und mittelalterlichen Literatur entnommen
. — Ifidor Harris, Der Urfprung und die Entwicke-
lung der Maffora (I, 128—142, 223—257). — J. H. Weifs,
Das Studium des Talmud im 13. Jahrhundert (I, 289—313).

— Meifels, Don Ifaak Abarbanel (II, 37—52). — Sim-
mons, Troftfchreiben des Maimun ben Jofeph, des
Vaters des Maimonides, an die Juden in Fez während
einer dortigen Verfolgung im J. 1471 der feleucidifchen
Aera = 1160 nach Chr.; englifche Ueberfetzung und
arabifcher Text (II, 62—101, 335 ff.). — Rofin, Die Ethik
des Ibn Gebirol (III, 159—181).

Der neueren Gefchichte und Literatur der Juden find
folgende Artikel gewidmet: Kauffmann, Vier hebräifche
Grabfchriften aus England (I, 89—94). Es find Grab-
fchriften aus dem 17. Jahrhundert, deren Text einft dem
berühmten Hebraiften Wagenfeil mitgetheilt worden
war, aus deffen Nachlafs auf der Leipziger Raths-Bibliothek
fie hier abgedruckt werden. — Ritter, Samuel
Holdheim, der jüdifche Reformer, f 1860 (I, 202—215).

— Zangwill, Englifches Judenthum (I, 376—407). —
S. A. Hirfch, Samfon Raphael Hirfch als jüdifcher Re-
ligionsphilofoph (II, 109—138). — Kauffmann, Don
Jofeph Naffi, Begründer von Colonien im heiligen Lande
(II, 291—310). — Friedländer, Rabbi Adler (II, 369—
385). — Bacher, Sabbatarier in Ungarn (II, 465—493).

— Chotzner, Ifaak Erter, ein moderner hebräifcher
Humorift (III, 106—119). — Kauffmann, Jair Chajim
Bacharach (III, 292—313). — Einzelne Beiträge zur Gefchichte
der Juden in England finden fich I, 284 h" 286k
439 k III, 364k — Von biographifchen Artikeln über hervorragende
Perfönlichkeiten der Neuzeit find noch zu
erwähnen: Jacobs, Der Dichter Browning als religiöfer
Lehrer (II, 230—256). — Kauffmann, Prof. Franz De-
litzfch (II, 386ff.)

Auch dogmatifche Stoffe und religiöfe Fragen
kommen in den vorliegenden Heften zur Behandlung,
theils in hiftorifch-darftellenderForm, theils in Erörterung
der eigenen Anficht des Verfaffers. Ein Auffatz von
Schechter über ,die Dogmen des Judenthums' (I, 48—61,
115—127) tritt der Anfchauung entgegen, dafses im Judenthum
nur auf das rechte Handeln ankomme und alle
Meinungen über religiöfe Dinge frei feien (eine Anfchauung
, auf welche fchon manche Reformer gegenüber dem
chriftlichen ,Dogmen-Wefen' fich viel zu gute gethan
haben). Sch. betont dem gegenüber, dafs das Judenthum
nicht nur die Handlungen, fondern auch die Gedanken
regele, und dafs ein Leben ohne leitende Principien und
Gedanken nicht lebenswerth fei. — Eine ähnliche Tendenz
verfolgt: Simon, Die Stellung des Glaubens in
der jüdifchen Religion (II, 53—61). — Den Charakter
hiftorifcherDarftellungen haben dieAuffätze von: Caftelli,
Das künftige Leben in der rabbinifchen Literatur (I,
314—352). — Montefiore, Odgers und Schechter,
Die Lehre von der göttlichen Vergeltung im Alten Tefta-
mente, im Neuen Teftamente und in der rabbinifchen
Literatur (III, 1—51). — Owen, Optimismus und Peffi-
mismus in der jüdifchen Philofophie (III, 182 —207). —
Kohut, Perfifche und jüdifche Legenden über den erften
Menfchen (III, 231—250).

Von Auffätzen über verfchiedene Gegenftände feien

nur noch hervorgehoben: M. FTiedmann, Ueber die
Liturgie des Neujahrstages (I, 62—75). — Schechter,
Das Kind in der jüdifchen Literatur (II, 1—24). — Gottheil
, Ueber eine unbekannte hebräifche Ueberfetzung
der Sprüche des Aefop (II, 533—539).

Bibliographifche Üeberfichten haben für das J. 1889
Neubauer, und für das Jahr 1890 Schechter gegeben
(II, 191 ff. III, 314 ff.). Sonft find einzelnen hervorragenden
Werken umfangreichere Recenfionen gewidmet. Doch
wäre es fehr dankenswerth, wenn dem Gebiet der kriti-
fchen Bibliographie eine noch gröfsere Aufmerkfamkeit
gewidmet würde. Die erften Jahrgänge der Revue des
etudes juives haben darin ausgezeichnetes geleiftet. Seit
mehreren Jahren vermifst man darin fehr ungern die
frühere Vollftändigkeit. Die englifche Zeitfchrift könnte
fich ein grofses Verdienlt erwerben, wenn fie die Aufgabe
, welche ihre franzöfifche Rivalin hat fallen gelaffen,
ihrerfeits wieder aufnähme.

Kiel. E. Schür er.

The Holy Bible — edited with Various Renderings and
Readings from the best Authorities, by (Old Testament
) Rev. T. K. Cheyne, Rev. S. R. Driver, (New
Testament) Rev. R. L. Clarke, Alfred Goodwin,
Rev. W. Sanday. London, Eyre and Spottiswoode,
[1890]. (XXIV, 979, 329 S. gr. 8.)

Die erfte Auflage diefer Bibelausgabe (1876) ift in
der Theol. Litztg. 1878 Nr. 8 von Dieftel angezeigt und
mit Recht warm empfohlen worden. Eine revidirte Ausgabe
erfchien 1880. Die jetzt vorliegende ift in durchgreifenderer
Weife verbeffert und daher (in einer Vorbemerkung
des Verlegers) als second edition bezeichnet.
Die Bearbeiter des Alten Teftamentes find diefelben geblieben
wie bei der erften Auflage: Cheyne und Driver.
Das Neue Teftament war in der erften Auflage von
Clarke und Goodwin bearbeitet. An Stelle des letzteren
ift jetzt Sanday getreten; und erfterer ift, nach-

| dem er noch an der Neubearbeitung theilgenommen
hatte, im J. 1888 geftorben, fo dafs die neue Vorrede
nur von Cheyne, Driver und Sanday unterzeichnet
ift. Ihre Namen bürgen für die Gediegenheit des Werkes;
und Ref. ift überzeugt, dafs die genauefte Durchprüfung
des Einzelnen das günftige Vorurtheil nur beftätigen
wird. Mit einem felbftverleugnenden Fleifse, wie er in
Deutfchland von angefehenen Gelehrten nicht leicht auf
eine populäre Aufgabe verwendet wird, ift hier ein Werk
gefchaffen, um welches wir die englifchen Bibellefer wohl
beneiden können.

Da die Anzeige Dieftel's manchem unferer Lefer
nicht zur Hand fein wird, fo fei hier das Nöthigfte zur
Charakterifirung des Werkes wiederholt. Die , Varioruiu
Bilde' (fo nennen die Verleger der Kürze halber ihre

! Ausgabe) ift in erfter Linie nicht für Theologen beftimmt
(obwohl fie auch diefen guteDienfle leiften kann), fondern
für Bibellefer, welche mit den Grundfprachen nicht bekannt
find, und welche fich doch über die Refultate der
neueren Textkritik und Auslegungswiffenfchaft orientiren
wollen. Der gebotene Text ift derjenige der autorifirten

I englifchen Ueberfetzung. Unter dem Texte aber werden
zwei Reihen von Anmerkungen gegeben: Various Renderings
und Various Readings. l)Für die abweichenden
Ueberfetzungen find die beften älteren und neueren Exe-
geten benützt, namentlich englifche und deutfehe, beide in
grofser Zahl. Die Lifte der für das Alte Teftament benützten
Exegeten weift neunzig Namen auf, die Lifte der
neuteftamentlichen dreiundfechzig. Darunter find freilich
manche, die nur für Einzelnes in Betracht kommen; aber
die Zahl der durchgängig benützten ift immer noch erheblich
. Die Auswahl der Varianten ift eine fo knappe,
dafs die Anmerkungen nur einen kleinen Bruchtheil der
Seite einnehmen. Denn die Herausgeber wollten nicht