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Ausgabe:

1890 Nr. 7

Spalte:

169-170

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Duhm, Bernhard

Titel/Untertitel:

Ueber Ziel und Methode der theologischen Wissenschaft. Antrittsvorlesung in der Aula der Universität zu Basel 1890

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Seite 1

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l69 Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 7.

170

j> ? '94- 25a. 260 f. 266T. 297. 393 zu citiren wären,
wi' c'ner etwa'gen 2. Auflage ist Manches zu verbeffern,
. o. 122, Z. 2 v. o. keinen, S. 125, Z. 10 v. u. Staats-
Wet?te*cS- '45' Z. 5 v. o. Nyx, S. 157, Z. 14 v. u. be-
fftjtL 1 Z. 21 v. u. Diefes, S. 186, Z. 12 v. u. wie

V««tt als), S. 187, Z. 4 v. o. Demiurgen, S. 255, Z. 10
• u. fptcurea S. 285, Z. 7 v. o. unwahrfcheinlich, S. 347,
* 0 v o. Araber. Der Name Tatius S. 235 ifl mit fal-
d en Lettern gefetzt, Hausrath's Buch S. 259 wäre nach
Th " ^u^- m 4 Bdn. 1873—77 anzuführen, die Form
Wöh rid 180 mufs der' aucn fonll~ gebrauchten> Se"
328 f -len ^'atz maCnen; ftar-t von e'ner weinenden S.
i ipricht man von einer feufzenden Creatur fRöm.
«, 22. 23).

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Duhm, Bernh., Ueber Ziel und Methode der theologischen
Wissenschaft. Antrittsvorlefung in der Aula der Universität
zu Bafel. Bafel, Schwabe, 1889. (31 S. 8.)
M. 1. __

Der Verfaffer, der fleh mit diefer, am 7. Mai 1889
gehaltenen, Antrittsvorlefung als ordentlicher Profeffor
g r. die altteftamentlichen Fächer auf der Univerfität zu
ale' einführte, hat, feitdem er vor 15—17 Jahren theils
, e Paulinifche Auffaffung und Behandlung des Gefetzes-
egnffes neu beleuchtet, theils im Anfchluffe an Kuenen
A. eine neue Auffaffung der religionsgefchichtlichen
edeutung der Propheten begründen half, ein hartnäcki-
~~s Stillfchweigen beobachtet. Vorübergegangen ift da-
lom v°n der Entwickelung und Fortbildung unferes theo-
Suchen Willens und religiöfen Denkens an ihm nichts,
"u er fchickt fleh, wie Jeder, der diefe anregende Rede
s der Hand legt, zugeftehen wird, jetzt an, das Wort
j*J dem Anfpruch, gehört, und mit der Ausficht, be>
^rnpft

zu werden, wieder zu ergreifen. Dabei fehlt es
Pof an Röckblicken und Rückgriffen auf jene beiden
.'honen, zumal auf die altteftamentliche. Aber von da
afl'tet 'lcn der Gesichtskreis nach anderen Seiten aus, um
uj erithalben die Linie wahrzunehmen, welche die Ge-
lete der Religion und der Theologie gegenfeitig abgrenzt
. .Der wiffenfehaftliche Theologe will die Wahr-
Yy1* und nur die Wahrheit'. ,Er ifl immer nur auf dem
f eSe, niemals am Ziel. Er folgt in befcheidener Ent-
crnung der lebendigen Gefchichte, die fleh zwifchen Gott
Im den Pewobnern diefes kleinen Planeten abfpielt'.
r Pereich derjenigen Fächer wenigftens, die Re-
c rent einigermafsen überfieht, ifl dies freilich die einzig
B rvfCte' wenngleich nicht herkömmliche, Stimmung der
etheiligten. Wie aber fleht es mit der fyftematifchen
w re°'?gie? ,Die Religion hat die Wahrheit und die Ge-
lo'cyf'' und 'ebt davon; die Wiffenfchaft, auch die theo-
guche, kennt den Begriff abfoluter Gewifsheit nicht'.
' ann ifl aDer die fyflematifche Theologie die Disciplin
d r Hypothefe. Fan Syflem der abfoluten Wahrheit,
**" W fleh abgefchloffenen Gewifsheit darf fie nicht fein
lieh "° mufste denn annehmen, was fie wiffenfehaft-
d. "er Weife nicht annehmen darf, dafs jene Gefchichte,
ih Religion nennen, zu Ende fei und darum nach
eni ganzen Inhalt und Zweck vollkommen erkannt
din könne*. Deutlicher konnte der casus belli aller-
in fS ,caunl formulirt werden. Um das Reformproject
j. 'einen wefentlichen Zügen abzufchliefsen, fei noch
» "zugefügt, dafs der Verfaffer, um ,der heillofen Identi-
2u ru"g von Religion und Theologie kräftig entgegen-
„j 'r .'' obhgatorifche Einfügung fämmtlicher Reli-
a^ "en in die wiffenfehaftliche Theologie, andererfeits
]a eJ auch Entladung der letzteren auf dem Wege ver-
ej gt' «dafs fämmtliche Religionsgemeinfchaften durch
ejgene veranflaltungen ihre künftigen Beamten mit ihrem
dif pj1 um',chen Leben, ihren Anforderungen und Bernsen
vertraut machten'. In Wirklichkeit dürfte

diefe nachfolgende Seminarbildung gemeinhin nur den
Schwamm darfteilen, welcher über die, aus vorangehender
Facultätsbildung haften gebliebenen. Hieroglyphen gezogen
wird. Ohne Reform beforgt dies jetzt wenigftens
in einer erheblichen Anzahl von Fällen ,die Praxis' noch
ficherer. Die vorgefchlagene Reform felbft aber würde
wohl darauf hinauslaufen, die theologifche Facultät in
der philofophifchen auf- und untergehen zu laffen. Wer
diefes Ziel nicht bewufst anftrebt, wird die Bedeutung
der Rede vielleicht auf der Linie der akademifchen Erörterungen
fuchen. Doch glaubt der Unterzeichnete
nicht, dafs man über den Vorfchlag bezüglich der allgemeinen
Religionsgefchichte fo gerade nur zur Tagesordnung
übergehen dürfen oder können wird. Vgl. Jean
Reville in der Revue de Pktstairt des religions 1889: foi-
seignement de riiistoire des religions aux ctats-unis et en
Europe.

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Jensen, P., Die Kosmologie der Babylonier. Studien und
Materialien. Mit einem mythologifchen Anhang und
3 Karten. Strafsburg, Trübner, 1890. (XVI, 546 S.
gr. 8.) M. 40. —

Der vorliegende flarke Band follte anfangs der erfle
Theil eines Werkes über die Mythologie der Babylonier
im weiteften Sinne fein; die eigentliche Theologie und
Mythologie füllten ihm folgen. Ueber der Arbeit hat fleh
der Verf. entfchloffen, fleh auf den Theil zu befchränken,
in dem er feileren Boden unter den Pufsen fühlte, und
der befcheidene Zufatz ,Studien und Materialien' deutet
an, dafs ihm auch hier noch unter der Aufarbeitung des
Stoffes die Aufgaben fleh dehnten, und er fleh bewufst
ift, von dem Abfchlufs eines feftgefügten und vollftän-
digen Aufbaues noch weit entfernt zu fein. Was er aber
geboten hat, ift ungemein viel und von hohem Werthe.
P ur die Grundlegung des Ganzen kam es Jenfen fehr zu
flatten, dafs er ausreichende aftronomifche Kenntnifse befitzt
, um den von den Infchriften gebotenen Stoff an der
Wirklichkeit der Erfcheinungen vorläufig zu mefifen, fleh
von den Bewegungen, den denkbaren Stellungen und Veränderungen
der Himmelskörper eine eigene Vorftellung
zu machen und dann den Aftronomen von Fach, die ihm
ihre Hülfe liehen, klar gefafste Aufgaben zur endgültigen
Entfcheidung vorzulegen. Wie viel auf diefem Wege zu
erreichen ifl, dafür bietet das Buch felblt fchon die Probe.
Während feines langwierigen Druckes, als der aftronomifche
Theil fchon gefetzt und abgezogen war, erfchien
das Werk von Plpping und Strafsmaier ,Aftronomifch.es
aus Babylon', in welchem mit grofsem Aufwand von Ge-
lehrfamkeit, Scharfflnn und Fleifs eine Mafife ganz neuen
keilfehriftlichen Stoffes aus der Arfacidenzeit verarbeitet
ift. Darin fand Jenfen neben manchem Zuwachs die volle
Bestätigung für eine Reihe von Ergebnifsen, die er auf
ganz anderem Wege gewonnen hatte (vgl. S. 310 ff.), wie
denn die Reihe weiterer Bestätigungen fleh durch die
Nachträge (S. 491 ff.) bis in die Wörterverzeichnifse (S.
519 ff.) hinzieht. Dafs durch diefes immer erneute Heran-
fluthen von Stoff und Gedankenverbindungen das Lefen
des Buches erfchwert wird, war ein unvermeidliches Uebel;
doch hat der Verf. fonft alles Mögliche gethan, um die
Ueberficht zu erleichtern. Abgefehen von einem mythologifchen
Anhang über Gottheiten, deren richtige Auffaffung
für die Kosmologie unerläfslich ift, zerfallt das
Werk in 3 Hauptabfchnitte: 1) Die Welt und ihre Theile
(S. 1—260), 2) Die Weltfchöpfung und Weftbildung (S.
263-364), 3) Die Sintfluth (S. 367—446). Steht der dritte
Abfchnitt, Umfchrift, Utberfetzung und Auslegung der
berühmten Sintflutheinlage aus dem G/s(ubar-Epos, ziemlich
felbftändig da, fo tritt der zweite, trotzdem ihm ebenfalls
ein zufammenhängender Text zu Grunde liegt, in
die innigste Verbindung mit dem ersten, der aus der