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Ausgabe:

1890

Spalte:

161-166

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delitzsch, Franz

Titel/Untertitel:

Iris. Farbstudien und Blumenstücke 1890

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack. Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.
Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 7. 5. April 1890. 15. Jahrgang.

Delitzfch, Iris (Bau<Kflm). ' Hafenclever, Aus Gefchichte und Kunft des

Chantepie de la Sauffaye. Lehrbuch der Chriftenthums (H. Achelis).

Religionsgefchichte 2 Bd. (IL Holtunann), j Law, A historical sketch of the conflicts between

w-Sr'rtr£ rrd,Methodfder theologlfchen ! fesuits and Seculars in the reign of Queen

Wiffenfchaft iH. Holtzmann). r?i:.„k„.v, rc.r^v,',

t r tv v ■ _i j ti u_i • ir> j. Elizabeth (Keulch .
J enfen, Die Kosmologie der Babylomer (Buddej.

Sellin, Die verbal-nominale Doppelnatur der Bibliographie des Benedictins de la Congregation

hebräifchen Participien und Infinitive (Schwally). | de France (Reufch).

Soden, Der Brief des Apoftels Paulus an die Trede, Das Heidentum in der römifchen Kirche,

Philipper (O. Holtzmannk I. Thl. (Reufch).

Runze, Studien zur vergleichenden Religions-
wiflenfchaft, i. Hft.: Sprache und Religion
(Ehrhardt).

Spitta, Die pfych'dogifche Forfchung und ihre
Aufgabe in der Gegenwart (Ehrhardt).

Beyfchlag, Erkenntnifspfade zu Chrifto. 2.

Sammlung (Baffermann).
Schwalb, Elias der Prophet (.Hans).
Moeller, In Stille und Sturm (Schloffer).

Delitzsch, Franz, Iris. Farbenftudien und Blumenftücke. | definirbar Anziehenden, Gewinnenden und Erhebenden,

Leipzig, Dörffling & Franke, 1888. (176 S. gr. 8.)
M. 4. —

Die folgende vor bald einem Jahre gefchriebene Be-
fprechung hat meinem nun heimgegangenen Lehrer vorgelegen
. Er fchrieb mir darüber am 22. Mai 1889: .Betrachte
fie wie ein mir gedichtetes Carmen, wie ich fie
betrachten werde als einen von Freundeshand mir vorweiches
feine intimen Gefpräche im kleinen Kreife, noch
mehr im abgefchloffenen Tete-a-tete den zahlreichen
feiner Freundfchaft gewürdigten Jünglingen in nun fchon
faftunüberfehbaren Studentengenerationen gewährt haben.
Eigenthümlich und wunderbar ift auch hier zunächft alles:
aufsergewöhnlich pflegt die äufsere Umgebung diefer
vertrauten Gefpräche zu fein, zu welchen der grofse Gelehrte
aus der Stille der Studirftube fleh auf feine Weife

gehaltenen Spiegel! Diefe Deine 12 Seiten find nicht | zurückzieht in die Unruhe vielbefuchter Locale, um durch

blofs ein Conterfei meiner Perfon, fondern auch ein
Selbftconterfei — mich zeichnend haft Du Dich felbft
gezeichnet. Ich lege grofsen Wert auf diefes Schrift-
ftück — es ift mir ein fchönes Abendrot unferer alten
f reundfchaft, ich werde es lefen und wieder lefen und
mir dabei meines Deficits bewufst werden, bewufst aber
auch Deiner unerlofchenen Liebe, die Dich dermafsen
zu meinem Panegyriker gemacht .... Wenn ich einmal
geftorben bin, dann haft Du vor andern ein Recht,
mich zu charakterifiren'. Und am 6. Juli: , . . . ich kann
nicht umhin, dabei zu bleiben, dafs dergleichen erft nach
meinem Tode gedruckt werden darf. — Jetzt übergebe
ich die Befprechung der Oeffentlichkeit, ohne daran zu
beffern und ohne fie umzuwandeln in einen Nekrolog.
Sie foll bleiben fo wie Delitzfch fie gelefen, und ich
möchte diefes eine Mal das Bild des als lebend Gezeichneten
als folches noch fefthalten. Es ift ein unvoll-
ftändiges Bild. Ich hoffe, dafs ich fpäter einmal an anderem
Orte werde fagen können, was er war und was

den Trouble umher zu der Sammlung tiefernfter Gefpräche
fich zu concentriren. Wunderbar ift auch die
Art des Verkehrs. Er ift ein Greis im weifsen Haar feit
den zweiundzwanzig Jahren, dafs wir ihn kennen; er ift
nicht fichtbar gealtert feitdem, und mindeftens fieben
Studentengenerationen haben feine Ehrwürdigkeit der
Erfcheinung in der gleichen Weife gekannt und verehrt.
Und diefer Ehrwürdige läfst fich im Zwiegefpräche zu
der Jugend herab, faft als ob er ihres gleichen wäre.
Ganz ungefährdet ift diefe Gleichftellung nicht; fie kann
erfchüttert werden durch eine Geradheit und Schroffheit
des Tadels, wie der freie Student fie nur von einem fo
geliebten Lehrer erträgt. Der Autor ift — darf ich es
ehrerbietigft fagen — dadurch vielleicht etwas verwöhnt
worden, und manches fcharfe Wort, welches er — nicht
über Studenten — drucken liefs, werden diejenigen anders
beurtheilen, welche ihn in folchen Zwiegefprächen
kennen lernten. Ich habe mancherlei Urtheile über
Delitzfch's Bücher, auch über feine Vorlefungen gehört,
er mir war. I über die Gefpräche mit ihm nur eines: trotz deffen, was

Marburg i. H., den 12. März 1890. der empfangende und öfters leidende Theil dabei riskirt,

- nur ein Wort der Liebe und der Dankbarkeit. Das

Wer den aufsergewöhnlichen Mann in feiner Eigen- will um fo mehr befagen, als das perfönliche Urtheil des
art kennen lernen will, welcher feit anderthalb Menfchen- verehrten Lehrers immer durch fubjective Wahrhaftigaltern
ein Lehrer der ftudirenden Jugend unferer Heimath keit, nicht aber immer durch eine objective Gerechtig-
und fremder Länder, ein auf vielen Zweigen der theo- ; keit ausgezeichnet ift, welche fein Urtheil über das von
logifchen Wiffenfchaft unermüdlich thätiger Schriftfteller, ; anderen unter den irrenden Menfchen erhöbe. Es giebt
in diefem langen Zeitraum einen perfönlichen Einflufs j wenige Zweige des menfehlichen Wiffens, für welche
ausgeübt hat, der nicht zu ermeffen ift nach dem Um- . Delitzfch nicht Intereffe und Verftändnifs befäfse: wie
fange jener offenkundigen Leiftungen — der wird neben ! Theologifches, fo Philologifches und Naturvviffenfchaft-
der Biblifchen Pfychologie desfelben am bellen das oben liches ift feine Sphäre. Aber grofse Kreife des menfeh-
genannte Buch zur Hand nehmen: ,Die Gegenftände der j liehen Lebens flehen ihm unverftanden gegenüber, wenn
vorliegenden Auffätze', bekennt der Verf. felbft, ,find I auch nicht unbekannt; denn er ift durch manche hinalte
Schofskinder meines Gedanken- und Gefühlslebens' j durchgegangen, und fie wurden ihm doch nicht vertraut
(S. III). Wer Delitzfch nur auf dem Katheder gehört j Gerade diefe theilweife Verftändnifslofigkeit — dem ver-
oder nur einen feiner Commentare gelefen hat, vielleicht ! ehrten Lehrer felbft nicht überall unbekannt und pfycho-
nicht ohne Befremden über manches Singuläre und zur j logifch wohl zu erklären — kräftigt und vertieft VerSache
nicht Gehörende, was ihm hier aufftöfst, hat keine
Ahnung von dem Feffelnden, von — der verehrte Autor
verzeihe den Ausdruck — von dem Charme, dem un-

ftändnifs und Bedürfnifs für Mittheilung und Theilnahme
auf jenen Gebieten, wo er, mit den andern denkend und
mit ihnen fühlend, aus reicher Hand austheilt, ohne zu

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