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Ausgabe:

1890

Spalte:

141-143

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lightfoot, J. B.

Titel/Untertitel:

Essays on the work entitled Supernatural Religion 1890

Rezensent:

Schürer, Emil

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ug kS' 2'6- 287)- Eine durchgängige Vergleichung der
nolften'fchen Auslegung hätte vielleicht auf nicht wenigen
Punkten zu einer ungleich präciferen Faffung des
Gedankenganges und Zulämmenhanges geführt; ohne
fGveifel auch'auf eine einfachere Dispofition. Die hier
befolgte gliedert fich folgendermafsen: i, I—10 Einleitung
; i, II—2, 21 Apologetifcher Theil: Beweis der Unabhängigkeit
des Paulus von Menfchen; 3, 1—4, II« prinzipieller
Beweis aus dem Wefen des Chriftenftandes;
4» 12—5, 12: Gegenfatz von Knechtfchaft und Freiheit;
5« 13—6, io: Paränefe; 6, 11 —18 Schlufs. Es folgt eine
Eeberfetzung (S. 277—286) und eine längere Betrachtung
über die Echtheit (S. 287—414), 'n welcher befon-
ders die Auseinanderfetzung mit Loman (S. 294—408),
weil fie den tiefgehenden Einflufs des Paulinismus auf die
gefammte urchriftliche Literatur meift in der Nachfolge
Scholten's befpricht, von Belang ift. Zum Schluffe werden
noch einige Einleitungsfragen abgehandelt. Die
Lefer werden aus den bekannten Gründen im römifchen
Galatien gefucht (S. 415—419). Da die Gemeinden fo-
nach auf der erften Miflionsreife geftiftet worden find,
ift der Brief fchon um 53 gefchrieben (S. 419f.) und durch
eine judaiftifche Invafion von Jerufalem aus motivirt zu
denken (S. 420—424).

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Lightfoot, BishopJ. B.. DD., D. C. L., LL. D., Essays on
the work entitled Supernatural Religion. Reprinted from
the Contemporary Review. London, Macmillan 6k
Co, 1889. (AI, 324 S. gr. 8.) geb.
Das anonyme Werk Supernatural Religion, deffen
zwei erfte Bände 1S74 und deffen dritter 1877 erfchienen,
hatte fich zur Aufgabe gefetzt, nachzuweifen, dafs die
Wunder, welche den übernatürlichen Charakter der chrift-
lichen Religion darthun follen, 1) an fich unglaublich
feien, und 2) auch nicht durch irgendwie ausreichende
Zeugnifse verbürgt feien; letzteres deshalb, weil fich die
Exiftenz unterer Evangelien nicht früher als gegen Ende
des zweiten Jahrhunderts, alfo erft etwa anderthalb Jahrhunderte
nach den von ihnen berichteten Ereignifsen
nachweifen lafTe. Zu diefem negativen Zwecke unter-
fuchte der Verf. die äufseren Zeugnifse für die Exiftenz
und den Gebrauch unferer Evangelien mit folcher Ausführlichkeit
, dafs diefe Unterfuchung den gröfsten Theil
feines umfangreichen Werkes einnimmt (f. die Anzeige
in der Theol. Litztg. 1877, Nr. 20).

Das ungeheuere Auffehen, welches das Werk fofort
bei feinem Erfcheinen erregte, veranlafste unter Anderen 1
auch J. B. Lightfoot, einzelne Punkte in dem Beweisverfahren
des Verfaffers einer eingehenderen Prüfung zu
unterziehen. Seine Unterfuchungen erfchienen in Form
einzelner Artikel in der Contemporary Review und behandelten
folgende Gegenftände: I) Einleitung (Contemp.
Rev.1874, December), II) Das Schweigen desEufebius
{Contemp. Review 1875, januar), III) Die Ignatianifchen
Eriefe (1875, Februar), IV) Polykarp von Smyrna
(1875, Mai), V) Papias von Hierapolis, erfter Artikel
(1875, Auguft), VI) Papias von Hierapolis, zweiter Artikel
(1875, October), VII) ,Die fpätere Schule des Johannes
', d. h. die kleinafiatifchen Schriftfteller, befonders
Melito und Apollinaris (1876, Februar), VIII, Die Kirchen
von Gallien (1876, Auguft), IX) Tatian's Diateffaron
(1877, Mai). Eine p'ortfetzung diefer Artikel, welche
von Lightfoot beabfichtigt war, ift unterblieben, da er
durch anderweitige literarifche Arbeiten und fpäter auch
durch feine praktifchen Berufspflichten als Bifchof von
Uurham daran verhindert wurde. Es ift aber mit Freude
fu begrüfsen, dafs er nun, mehr als zwölf Jahre nach
'hrem erften Erfcheinen, auf vielfaches Drängen von
freunden und Berufsgenoffen fich entfchloffen hat, die
werthvollen Unterfuchungen durch einen Sonder-Abdruck

leichter zugänglich zu machen. Der Abdruck ift ein unveränderter
. Nur in Form kurzer Anmerkungen find zuweilen
kleine Berichtigungen und Ergänzungen gegeben.
Infolge deffen repräfentiren nun allerdings einige der
Artikel nicht mehr ganz den heutigen Stand der lite-
rarifchen Arbeit. Namentlich gilt dies von Nr. III über
Ignatius und Nr. IX über Tatian. Ueber Ignatius hat
Lightfoot felbft inzwifchen eine grofse und gelehrte Monographie
veröffentlicht {The Apostolic Fathers, Part II: S.
Ignatius. S. Polycarp, 2 Bde. in 3 Abthlgn, London 1S85;
vgl. Theol. Litztg. 1886, Nr. 14: ,wohl die gelehrtefte und
forgfältigfte patriftifche Monographie, welche im 19. Jahrhundert
erfchienen ift'); über Tatian's Diateffaron, deffen
Anlage früher ganz unbekannt war, find wir jetzt auf's
Genauefte unterrichtet, feitdem der armenifch erhaltene
Commentar Ephräm's zum Diateffaron durch Möfinger's
lateinifche Ueberfetzung allgemein zugänglich gemacht
worden ift (Evangelii concordantis expositio facta a Sancto
Ephraemo, ed. 67. Moesinger, Venetiis 1876). Zu einer
Aenderung in den Refultaten würde indeffen die Berück-
fichtigung diefer neueren Literatur nicht geführt haben.
Denn wie für Lightfoot felbft die Hauptrefultate in Betreff
der ignatianifchen Briefe fchon vor Veröffentlichung
feiner grofsen Monographie feftftanden, fo hat auch die
Entdeckung des Diateffaron den wichtigften Punkt, nämlich
dieBenützungdesJohannes-Evangelium's in demselben,
nur vollauf beftätigt. — In Einzelheiten allerdings würde
die Berückfichtigung der neueren Literatur zu Modi-
ficationen Veranlaffung gegeben haben. So z. B. bei
Papias. Es war fchon aus Georgios Hamartolos bekannt
, dafs Papias berichtet hat, der Apoftel Johannes
fei von den Juden getödtet worden (ruh 'lovdaUüV äpx~
Qttirh. Lightfoot glaubt, dafs diefe Notiz fich auf Jakobus
bezogen habe, und dafs ihre Beziehung auf Johannes nur
durch eine Lücke des Textes entftanden fei (Essays
p. 211 sq.). Nun hat aber neuerdings de Boor ein anonymes
, wahrfcheinlich aus Philippus von Side Ilaramendes
Bruchftück veröffentlicht, in welchem es heifst: 77a-
m'ag sv zw devziow l.hyy Xiyei, ort 'iwmtng 6 Qtto'/.öyog
y.ai Imuoßos " aoe%q>OS «fror i.rb lovdctuov ävrQtitißav
(Texte und Unterfuchungen, herausgeg. von Gebhardt
und Harnack, V. Bd., 2. Heft 1888, S. 170). Hiernach
ift doch kaum zu bezweifeln, dafs die Notiz wirklich bei
Papias geftanden hat. Dasfelbe Fragment beftätigt auch
die ohnehin wahrfcheinliche Annahme, dafs Papias die
Zeit Hadrian's überlebt hat.

Die Unterfuchungen Lightfoot's befchränken fich
nicht darauf, die Benutzung unferer Evangelien und anderer
Schriften des Neuen Teftamentes bei den behan-
1 delten Schriftftellern nachzuweifen. Sie gehen auch vielfach
auf Erörterung biographifcher und literarhiftorifcher
Einzelfragen, welche diefe Schriftfteller betreffen, ein,
und zwar ftets mit folcher Sorgfalt und Umficht und mit
fo erfchöpfender Kenntnifs des Materiales, dafs Niemand
ohne Belehrung von ihnen fcheiden wird. Im Urtheil
wird man ihm freilich nicht immer beipflichten können.
Wie confervativ dasfelbe ift, mag daraus erhellen, dafs
er die Abfaffung der Apokalypfe und des Evangeliums
Johannis durch denfelben Verfaffer für möglich hält
(S. 15. 131 f. 214/), desgleichen die Abfaffung der Apoftel-
gefenichte durch Lucas, den Begleiter Pauli (S. 291).

Sehr dankenswerth ift, dafs Lightfoot als Anhang
auch noch eine Abhandlung aus der Contemporary Review
1878 (Mai) beigegeben hat, welche nicht zu den
gegen Supernatural Religion gerichteten gehört, nämlich
über Discoveries illustrating the Acts of the Apostles. Sie
bezichen fich auf die faft gleichzeitig (1877) erfchienenen
Werke von Cesnola über Cypern und Wood über den
Diana-Tempel zu Ephefus, welche beide ein reiches, durch
Ausgrabungen gewonnenes Material an Infchriften mittheilen
. Auf einer der cyprifchen Infchriften wird der
Proconful Sergius Paulus erwähnt: ewi Fiavlov [ctv»]i-
nctToc. Die Infchriften vom Diana-Tempel illuftriren in