Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1890 Nr. 5

Spalte:

110-111

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Swete, Henry Barclay

Titel/Untertitel:

The Psalms in Greek according to the Septuagint 1890

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

109

Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 5.

110

handlung der heiligen Schrift und den Folgen, welche The Psalms in Greek according to the Septuagint, ed. by
diefelbe für den erbaulichen Gebrauch hat. Er führt zu- I Henry Barclay Swete, D.D. Cambridge, at the Uni-
nächft aus. was unter wiffenfchaftlicher Behandlung zu versit press, 1889. (XIV u. S. 211—424. 8.) geb
verliehen fei. ,Das Eigenthümliche derfelben belleht . / ' * K * * ; f •

darin, dafs He von jedem Do^ma in Bezug auf die hl. '■ Im Jahrg. 1887, Nr. 24 der Theol. Litztg. hat Referent
Schrift abftrahirt Vor allem abftrahirt fie von dem alten den erften Band einer neuen vortrefflichen Handausgabe
Infpirationsbegriff der die Schrift direkt zu einem Werk der Septuaginta befprochen, welche unter Leitung von
des hl Geiftes mächt Sie geht von der Vorausfetzung D. Swete von der Cambridge University Press veranllaltet
aus, dafs die hl Schrift ebenfo entftanden ift, wie andere ; wird. Aus dem noch nicht erfchienenen zweiten Bande
Schriften entftehen, und dafs fie diefelben Schickfale ge- , liegt nun zunachft der Text der Pfalmen in einer Separathabt
hat, die auch'andere Schriften haben. Sie fucht die 1 Ausgabe vor.

hl. Schrift nicht aus der Dogmatik der Kirche, fondern Ueber den Plan der Ausgabe fei aus unferer früheren

aus fich felbft zu verliehen. Sie will, wie de Wette in Anzeige nur folgendes wiederholt. Es iil nicht die Ab-
der Vorrede zur erften Ausgabe feiner Einleitung ins ficht, eine eigene Recenfion des Septuaginta-Textes zu
A. T. fagt: Die Erfaffung der Erfcheinungen der bibl. geben, fondern es foll nur der Text der Haupt-Hand-
Literatur in ihren acht gefchichtlichen Verhältnifsen und fchriften in zuverläffiger Weife und für einen billigen
Eigenthümlichkeiten' (S. 14 f.). »Aber wenn fie nun z. B. [ Preis allgemein zugänglich gemacht werden. Der abge-
den Pentateuch zertrümmert, den Evangelien den Vor- druckte Text ift derjenige des Vaticanus oder, wo
zug der Autopfie nimmt, die Apokalypfe auf jüdifchen diefer fehlt (Gen. 1—46, Pfalm 105—137), derjenige einer
Urfprung zurückführt, oder wenn fie die hl. Gefchichte anderen, ihm an Rang nahe ftehenden Handfchrift.
in ein buntes Gewirr von Sagen, Mythen, Allegorien und Unter dem Text werden die Varianten der übrigen
hiftorifcb.cn Reminifcenzen, aber felbft auch von Ge- wichtigften Uncialhandfchriften mitgetheilt, jedoch nur
fchichtsfälfchungen auflöft? Hört dann nicht einfach alle folcher, welche durch Eaclimile's oder Typendruck beGebundenheit
an die Schrift auf? Ift's dann noch möglich, ! reits publicirt find (was aber bei allen Haupthandfchriften
überhaupt einen praktifchen Gebrauch im Intereffe des j jetzt der Fall ift). In der Orthographie find die Eigen-
Glaubens von ihr zu machen?' (& 19). Auf diefe Fragen j thümlichkeiten der abgedruckten Handfchrift möglichft
antwortet der Verfaffer in treffender Ausführung, dafs beibehalten. Die wichtigeren Schreibfehler und die nicht
alle derartigen Bedenken die unbefangene wiffenfchaft- j in den Text aufgenommenen Lesarten ihrer verfchiedenen
liehe Forfchung nicht hemmen können und dürfen. Das j Hände werden in den Anmerkungen notirt.
hegt nicht nur im Intereffe der Wahrheit, fondern auch | Nach diefen Grundfätzen wird alfo hier für Pfalm
im Intereffe des Glaubens. Denn gerade die unbefangene j I—105, 26 und dann wieder für Pfalm 137, 6 bis zum
hiftorifche Forfchung wird den mannigfaltigen Reichthum Schlufs (nach der griechifchen Zählung) der Text des
der Schrift nur immer voller erfchliefsen (S. 21—31). 1 Vaticanus gegeben, dagegen für Pfalm 105,27—137,6
Die eigentlichen Schwierigkeiten liegen darin, dafs das i (wo der Vaticanus fehlt) der Text des Sinaiticus.
theologifche Lehramt und die Gemeinde der Laien fich Unter dem Text werden die Varianten folgender fünf
gegenüber flehen wie das Princip der fortfehreitenden Handfchriften mitgetheilt: 1) Des Sinaiticus in den-
Bewegung und das des Beharrens (S. 31 f.). Aus diefem | jenigen Partien, wo der Text des Vaticanus zu Grunde
Gegenfatz ergiebt fich für die praktifche Benützung in : gelegt ift. Die Pfalmen find in diefer Handfchrift lücken-
der Gemeinde einerfeits die Pflicht der Vorficht, anderer- J los erhalten. 2) Des Alexandrinus. In demfelben
feits aber auch die Pflicht, von den wirklichen Fort- fehlen Pfalm 49, 19—79, lo- 3) Eine wichtige und merk-
fchritten ftets aufs neue fich befruchten zu laffen. würdige Handfchrift ift das Psalterium Graeco-Lati-

2. In dem Vortrag ,Ueber den gegenwärtigen Stand num Veronense (in Swete's Apparat mit R bezeichnet),
der johanneifchen Frage' habe ich zunächft eine kurze aus dem 6. Jahrhundert, im Abendlande gefchrieben, auf
Gefchichte der Kritik von Bretfchneider (1820) bis zur j der linken Seite den griechifchen Text, auf der rechten
Gegenwart gegeben. Als bedeutfam tritt in diefer Ge- den lateinifchen Text enthaltend, erfteren auch mit
fchichte befonders dies hervor, dafs noch in den beiden lateinifchen Buchilaben gefchrieben. Einige Lücken
Decennien, welche durch Baur beherrfcht find (etwa ; (Pf. 1, 1—2, 7. 65, 20—68, 3. 68, 26—33 - find von fpäterer
1844—1867), die Beftreitung des johanneifchen Urfprungs Hand ergänzt. Diefe Handfchrift ift in dem grofsen
nicht wefentlich über den Kreis der Baur'fchen Schule Varianten-Apparat von Parfons nicht berückfichtigt
hinausgeht; dafs aber in den beiden letzten Decennien die und überhaupt für dieSeptuaginta-Kritik bisher nicht ver
Zahl der Gegner bedeutend gewachfen ift, und die Po- werthet, abgefehen von ihrer Benützung für Pfalm 1—5

fition der Vertheidiger fich erheblich geändert hat. Sehr
befonnene und vorfichtige Forfcher erklären, an dem
johanneifchen Urfprung nicht fefthalten zu können. Und

in Lagarde's Specimcn. Swete giebt die Varianten nach
dem freilich nicht diplomatifch-genauen Abdruck bei
B i a n c h i n i, Vindiciac canoniearum scr/pturarum, t. /, Romae

die Vertheidiger geben in mehr oder weniger hohem 1740. 4) Ebenfalls abendländifchen Urfprungs ift das

Mafse zu, dafs die Gefchichte hier mit äufserfter F'reihert
behandelt und durch die fubjective Auffaffung des Evan
gelitten umgebildet ift. — In dem zweiten Theile des

berühmte Psalterium purpureum Turicense (von
Swete mit T bezeichnet), mit Silber auf purpurfarbiges
Pergament gefchrieben, nach Tifchendorf's Urtheil aus

Vortrags habe ich verbucht, in fachlicher Gruppirung die dem 7. Jahrhundert. Es fehlen darin jetzt Pf. 1—25. 30,
Hauptpunkte zu befprechen, welche bei Entfcheidung der ; 2—36, 20. 41, 6—43, 3. 58, 14—59, 5- 59- 9—10. 59, 13 —
kritifchen Frage in Betracht kommen. Sie laffen fich ! 60, i. 64, 12—71,4. 92, 3— 93, 7. 96, 12-97,8. Der Text
unter zwei Rubriken bringen: I) Das Johannes-Evangelium ift von Ti fchendorf in feinen Monumenta sacra inedita
und die Synoptiker, Iii Das Johannes-Evangelium und t. IV, 1869, herausgegeben worden. 5) Von Wichtigkeit
der Apoftel Johannes. Üeberall habe ich verfucht, den find endlich auch die Londoner Papyrus-Fragmente,
Stand" der Fragen möglichft objectiv darzuftellen, das welche Hogg im J. 1836 in Theben in Aegypten geeigene
Urtheil dabei nur andeutend. Ich darf wohl hoffen, funden hat (von Swete mit U bezeichnet). Sie enthalten
dafs gerade die gedrängte objective Darfteilung des auf dreifsig Papyrusblättern zwei zufammenhängende
gegenwärtigen Standes Manchen willkommen fein wird. Stücke der Pfalmen (Pf. 10, 2—18, 6. 20, 14—34, 6).
Giefsen E Schürer Ihr Alter ift fchwer zu beftimmen; die Urtheile der Pa-

' läographen fchwanken zwifchen dem 4. und 7. Jahrhundert.
,Ihre Lesarten find oft einzig oder ftimmen mit dem
Hebräifchen oder den Ueberfetzungen oder patriltifchen
Citaten gegen alle anderen bekannten Handfchriften'.