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Ausgabe:

1890

Spalte:

49-52

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Riehm, Ed.

Titel/Untertitel:

Alttestamentliche Theologie 1890

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N£t 3.

Riehm, Allteftamentliche Theologie (Siegfried).
Vogelftein, Der Kampf zwifchen Prieftern und

Leviten feit den Tagen Ezechiels (Siegfried).
Bacher, Aus der Schrifterklärung des Abul-

walid Merwän Ihn Ganäh (Siegfried).
Saadia, Das Buch Hiob überfetzt und erklärt,

hrsg. von Cohn (Schwally).

8. Februar 1890.

Otto, Commentar zum Römerbrief 2. Thl.

(Weiffenbach).
Corssen, Epistularum Paulinarum Codices graece

et latine scriptos Augiensem Boernerianum

Claromontanum examinavit etc. Specimen alte-

rum (Zimmer).

15. Jahrgang.

Paulson, Symbolae ad Chrysostomum patrem I

(Krüger).
Jahn, Dionysiaca (Harnack).
Schaff, Church and State in the United States

(Koehler).

Winterftein, Der Begriff der Kirche im kirchlichen
Vermögensrecht (Koehler).
Kurzgefafste Mittheilungen.

Riehm. weil. Prof. D. Ed., Alttestamentliche Theologie.

Bearb. und hrsg. von Stadtpfr. K. Pahncke. Halle,
Strien, 1S89. (XV, 44° S. gr. 8.) M. 8.50.

Auch dies Werk des fei. Riehm wird von der grofsen
Zahl der Schüler und Verehrer desfelben mit Dank hingenommen
werden, und auch in weiteren Kreifen wird
man gern hören wollen, wie der Verdorbene fich die
Entwickelung der israelitifchen Religion gedacht hat.
Die Arbeit des Herausgebers fcheint in dem vorliegenden
Falle verwickelter gewefen zu fein, als bei der Einleitung
in das A. T. Es war nur eine gewiffe Zahl von Paragraphen
mit den dazu gehörigen Erläuterungen für den
Druck fertig geftellt, während für das Uebrige der
Herausgeber auf Niederfchriften R.'s angewiefen war,
aus deren verfchiedentlichen Redactionen er erft einen
das Wefentliche enthaltenden Text herftellen mufste.
Für einzelne Abfchnitte waren fogar die Erläuterungen
ganz und gar erft zu fchreiben (vgl. Vorrede p. VIII f.).
— Man mufs dem Herausgeber nachrühmen, dafs es ihm
gelungen ift, ein im Ganzen wohl zufammenhängendes
und lesbares Buch auf diefen Grundlagen herzuftellen.
Auch die Correctur ift forgfältig gewefen. Wir fügen zu
p. XVI noch hinzu: S. 302 FJfi ft. 5|Sri; S. 259 tri3 beffer
02 (erfteres ift nur Dan. 11,6). Einzelne Unebenheiten,
wie dafs S. 233 Smend S. 119 citirt wird, während wir
erft S. 235 erfahren, dafs ein Auffatz aus Studien und
Kritiken von 1884 gemeint ift, fowie einzelne Defecte
neuefter Literatur find nicht erheblich. Merkwürdig ift,
was aber auf R. felbft fällt, dafs er fich faft das ganze
Werk hindurch mit Jhvh und jhvhiftifch quält, während
er doch S. 237 u. a. ohne Weiteres fTjfp rVYiF fchreibt. —
Was nun das Werk felbft anlangt, To verfteht fich von
felbft, dafs wieder ungemein viel fleifsige und feine
Einzelarbeit darin fteckt. Wir verweifen nur auf S. 238
die genaue Unterfuchung über die Erwähnung fchrift-
licher Gefetzesaufzeichnungen bei den Propheten, S. 311 f.
über die Ausdrücke für Gebetsverkehr mit Gott; vgl. auch
S. 130 ff., 140—146 u. a. m. Im Allgemeinen aber können
wir nicht fagen, dafs man durch diefe biblifche Theologie
eine Vorftellung von der wirklichen Entwickelung der
israelitifchen Religion erhielte. Schon die ganze Anlage
des Werkes macht dies unmöglich. Der Verf. fchickt
voraus einen grundlegenden Theil, welcher das eigen-
thümliche Wefen der altteftamentlichen Religion im
Einklänge mit und im Unterfchiede von den andern
Religionen darlegen und fodann den Zufammenhang
diefer Religion mit dem Chriftenthum, fowie den Unter-
fchied von dem letztern behandeln foll. Das heifst aber
nach unferm Dafürhalten mit dem Ende anfangen, denn
wie können denn alle diefe Fragen erledigt werden, bevor
man die Religion des A. T.'s felbft kennen gelernt

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hat? Es kommt denn in der That auch über fehr allgemeine
und problematifche Refultate nicht hinaus. —
In dem 2. hiftorifchen Theil bekommen wir nun die
eigentliche Unterfuchung der Frage. Der Verf. beginnt
mit der Religion der Patriarchen, deren Charakteri-
firung in den Quellen er für etwas der Wirklichkeit
Entfprechendes hält. In Folge deffen haben denn bereits
die Patriarchen den einen wahren Gott verehrt
(S. 47), fich im Gegenfatz zur polytheiftifchen Naturreligion
der Canaaniter (S. 49) und zugleich zu einem
fittlichen Wandel verpflichtet gefühlt (S. 51), auch einen
Cult von ganz vortrefflicher Einfachheit und fchöner
Symbolik geübt (S. 52). Man fühlt fich dadurch fo befriedigt
, dafs man kaum nach etwas Befferem verlangt.
Trotzdem erfcheint der Mofaismus, der aber nur die
Religion der Patriarchen wiederherftellt (S. 53) ohne
eigentlich neue religiöfe Erkenntnifse zu bringen, vielmehr
bringt er im Wefentlichen Cultordnungen, die aber
nur mündlich gegeben wurden (S. 54 f.). Danach fcheint
es, als kämen wir eigentlich im Grunde nicht vorwärts.
Denn Mofe erkennt Jahve als denjenigen, dem wefen-
haftes Sein zukommt (S. 60) und betont eine abfolute
Wefensverfchiedenheit Jahve's von den Gottheiten anderer
Völker (S. 65), welche doch, wie wir oben fahen, bereits
Abraham herausgefunden hatte. Auch über die charakte-
riftifchen Grundzüge des Mofaismus werden wir nicht
recht klar, denn im Dekalog werden keine Opfer . . .
überhaupt keine beftimmten äufserlichen Culthandlungen
gefordert (S. 74), und doch hat fich, wie wir vorhin hörten,
Mofe vorzugsweife mit dergleichen befchäftigt, und es
werden diefen feinen Anordnungen die Seiten 82—152
gewidmet, auf denen uns der wefentlichfte Gehalt des
PC vorgetragen wird. Die folgenden Ausführungen
über die Grundgedanken des Mofaismus bewegen fich in
einer Höhe der Anfchauungen, dafs man ftaunt, wie
Alles dies in einer Zeit habe gedacht werden können,
der fo wilde Scenen wie die der Richterzeit folgten.
Man erkannte z. B. fchon damals, dafs der Menfch feiner
felbft bewufste freie Perfönlichkeit fei (S. 170). Für die
Charakteriftik der Gedankenwelt diefer Periode werden
S. 176. das Buch Hiob. S. 177, Pf. 90 verwendet u. a. m.
Auf den Mofaismus läfst dann der Verf. den Prophetismus
folgen. Aber wenn wir erwarten, diefer nun werde
etwas Neues bringen, fo finden wir uns fehr enttäufcht.
Er fetzt das Gefetz, wenn auch als mündlich überliefertes,
voraus (S. 206). Er macht ,den mofaifchen Grundgedanken
des Gottkönigthums und die Grundgefetze des
Gottesftaates geltend' (S. 193), er erhält das Bewufstfein
Israels von feiner Beftimmung lebendig (S. 209), er bleibt
vielfach bei dem flehen, was der Mofaismus gebracht
hat (S. 258); die göttlichen Eigenfchaften betont er wie
Mofe (S. 259), er bringt fie nur zu allfeitigerem Ausdruck