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Ausgabe:

1890

Spalte:

625-628

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Staehelin, Hans

Titel/Untertitel:

Die gnostischen Quellen Hippolyts in seiner Hauptschrift gegen die Häretiker. - Sieben neue Bruchstücke der Syllogismen des Apelles. Die Gwynn‘schen Cajus- und Hippolytus-Fragmente. Zwei

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 25.

626

Der Unterfchied zwifchen der von Corffen und von
mir vorgetragenen Hypothefe ift erheblich, aber nicht
fundamental. Ich habe nachzuweifen verflicht, dafs
Euagrius einen alten Dialog im Ganzen treu reproducirt
habe, Corffen fieht in diefem Dialog eine Quelle des
Euagrius, aber er fieht doch noch mehr als eine Quelle
in ihm : Der Verlauf und Erfolg der Unterredung in der
Altercatio Sim. et Theoph. ift eine Reproduction der
Altercatio las. et Papisci, und die Uebereinftimmung er-
ftreckt fich am Schlufs auch nach Corffen bis auf den
Ausdruck (S. 2S f.). Die wefentliche Differenz zwifchen

Wiederholungen, aber mit Ernft, Gründlichkeit und Be-
fonnenheit. Der Verf. hat fich der mühfeligen und
grenzenlos unerquicklichen Aufgabe unterzogen, die Berichte
Hippolyt's in den fog. Philosophumena über die
gnoftifchen Schulen genau zu durchforfchen und mit
einander zu vergleichen. Die Anregung dazu ift ihm gegeben
durch die in der Hermathcna 1885 (vgl. diefe Ztg.
1885 Sp. 506) kurz hingeworfene Hypothefe Salmon's,
wonach die häretifchen Schriften, auf Grund deren Hipp,
hier berichtet, fämmtlich von einem Fälfcher fabricirt
und dem nach folchen Quellen emfig fuchenden Ge-

uns liegt alfo darin, dafs ich die Berührungen der Alter- ; lehrten als echte in die Hände gefpielt feien. Nach einem

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catio Sim. et Tlicoph. mit Tertullian und Cyprian aus der
gemeinfamen Benutzung der Altercatio las. et Papisci
erklären wollte, Corffen dagegen zu zeigen verflicht, dafs
Euagrius jene Lateiner als Quellen benutzt habe. Ich
brauche nicht erft zu fagen, dafs ich die Hypothefe
Corffen's feiner Zeit forgfältig erwogen habe; denn fie
fcheint ja die nächftliegende zu fein. Was mich u. A.
von ihr zurückbrachte, war die Schwierigkeit, anzunehmen
, dafs Euagrius den alten Dialog direct benutzt hat,
dafs er aber zugleich aus folchen Quellen fchöpfte, die
felbft nicht unabhängig von dem Dialoge find. Das ift
ja nicht unmöglich, aber die Annahme ift keine einfache.
Nach Corffen hat Euagrius aus dem Dialoge und Tertullian
gefchöpft; Tertullian felbft aber erklärt er für
abhängig vom Dialog. Dem gegenüber ift meine Hypothefe
unftreitig die einfachere. Sie braucht deshalb nicht
die richtige zu fein, ja ich geftehe, dafs ich durch manche
Ausführungen Corffen's ftutzig geworden bin. Aber zu
einer genauen Revifion der ganzen Frage habe ich noch
nicht die Zeit gefunden, auch ift hier nicht der Ort, fie
zu unternehmen. Vor Allem mufs der Text der Altercatio
neu durchgearbeitet werden. Seit 6 Jahren befitze
ich die Collation der Handfchrift von Monte Caffino für
die Altercatio, durch welche der Text erheblich ver-
beffert werden kann. Ich bedauere, dafs ich von dem
Vorhaben Corffen's, über die Altercatio zu fchreiben,
nichts gewufst habe; ich hätte ihm fonft gerne diefe Collation
zur Verfügung geftellt.

Im Einzelnen ift in der Unterfuchung Corffen's viel
Lehrreiches zu finden, wie das bei einem fo hervorragenden
Kenner der lateinifchen Kirchenväter nicht
anders zu erwarten. Unbegründet ift die Bemerkung zu
adv. lud. auf S. 8 init., es fei unfchicklich — und eben deshalb
verrathe fich hier der gedankenlofe Compilator —,
dafs Juden in einer an ihre eigene Adreffe gerichteten
Schrift über die Bedeutung eines hebräifchen Worts
aufgeklärt werden. Faft die gefammte altchriftliche anti-
jüdifche Literatur, jedenfalls die ältefte, fetzt mindeftens
auch chriftliche Lefer voraus und ift zu einem grofsen
Theile gar nicht verftändlich, wenn man die Adreffe ,an
die Juden' ftreng nimmt. Die Ausführung auf S. 29, dafs
das Signum fidei ffilii deir) refp. signaculum, welches der
Jude am Schlufs erbittet, nicht die Taufe fein könne, ift
mir nicht recht verftändlich.

Berlin. A. Harnack.

Staehelin, Hans, Die gnosiischen Quellen Hippolyts in seiner
Hauptschrift gegen die Häretiker. - Sieben neue Bruch-
ftücke der Syllogismen des Apelles. Die Gwynn'-
fchen Cajus- und Hippolytus-Fragmente. Zwei Abhandlungen
von A. Harnack. [Texte u. Unter- ein folcher überhaupt möglich ift, da fteilt "fich Hi'pp.':

einleitenden Paragraphen, in welchem er über den Stand
der Frage referirt, fondert Staehelin in $ 2 zunächft die
Abfchnitte von Pialos. V—X aus, die einem derartigen
Verdacht keinenfalls unterliegen, weil fie entweder aus
älteren Quellen, namentlich Irenaeus, faft wörtlich übernommen
find oder auf genauer perfönlicher Kenntnifs
beruhen. $ 3 zählt dann die übrig bleibenden Stücke auf
— aus den Büchern V—VIII —; es find die Referate über
die Naaffener, von St. mit A bezeichnet, über den Araber
Monoi'mos (A1), über die Beraten (B), die Sethianer (C).
den Gnoftiker Juftin (D), Simon Magus (E), das valen-
tinianifche Syftem (F), die Bafilidianer (G) und über die
Doketen (H). Durchweg haben hier dem Hippolyt fchrift-
liche Quellen vorgelegen, die nach feiner Ueberzeugung
aus dem Kreife der betreffenden Ketzer herrührten, und
denen er mit Treue folgt. Auf den erften Blick aber
fällt dem Lefer die mannigfache Aehnlichkeit diefer Berichte
auf, und fo ftellt denn St. in einem erften Haupt-
abfchnitt, S. Ii—40, die allgemeine Verwandtfchaft der-
felben mit einander, A mit A , A und A1 mit B, diefe
drei wieder mit C u. f. w. feft, um weiterhin (S. 40 ff.)
die reichlichen Einzelberührungen in den befprochenen
Relationen aufzuzeigen und diefen Theil feiner Unterfuchung
S. 55 ff. zu krönen mit einer Beobachtung der
Schriftcitate in jenen Stücken. Hier herrfcht nicht blofs
im Allgemeinen merkwürdige Uebereinftimmung, oder
Benutzung der gleichen Bibelworte in gleicher Form feitens
ganz verfchiedener Häretiker, fondern diefelbe Ver-
fchmelzung auseinanderliegender Schriftftellen, namentlich
von Col. 1, 19 mit 2, 9, fowie von Joh. 4, 10 mit 4, 14,
begegnet jene bei Monoi'mos und den Beraten, diefe bei
Naaffenern, Scthianern und Juftin. S. 60 f. fafst St. die Re-
fultate zufammen; mit Ausnahme von F, weifen alle diefe
Relationen die merkwürdigfte Verwandtfchaft auf; man
kann kaum umhin, eine Hand in ihnen allen wahrzunehmen
. Nun erhebt fich die Frage, in welcher Zeit denn
diefer Kranz von Schriften entftanden fei. St. findet, in
relativ fpäter Zeit, in Hippolyt's Gegenwart. Das lehrt
der Umfang, den bei ihnen die h. Schrift bereits hat,
und die Formeln, mit denen die Citate eingeführt
werden. Noch deutlicher fpricht dafür der allgemeine
Charakter der Berichte, die einen Zufammenhang zwifchen
dem Namen der Secte (wie Ophiten, Sethianer, Peraten)
und ihrer Lehre fchon nicht mehr erkennen laffen und
deren verfchwommene Unklarheit und Unbeftimmtheit
gegenüber verwandten Theorien (am ftärkften in den
peratifchen nonäartioi) im günftigften Falle als fpäte Entartung
zu erklären wäre. Zuletzt wird (S. 84 ff.) ein Vergleich
zwifchen diefen Relationen und dem, was andere
Kirchenfchriftfteller, befonders Irenaeus und Clemens AI.
über diefelben Härefien mittheilen, vorgenommen; wo

Eichungen zur Gefchichte der altchriftlichen Literatur
von O. v. Gebhardt u. A. Harnack, 6. Bd. 3. Hft]
Leipzig,

Hinrichs, 1890. (III, 133 S. gr. 8.) M. 4. 50.

Den gröfsten Teil des vorliegenden Heftes (108 S.)
füllt die lirftlingsarbeit eines jungen Schweizer Theologen

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Faflung immer als die jüngere heraus; ja, abgefehen von
den Valentinianern, die auf einer fpäteren Stufe der Entwicklung
fehr wohl das gelehrt haben können, was Hipp,
ihnen zufchreibt, find die Verbindungslinien zwifchen
den fonft beglaubigten Lehrfyftemen und den bei Hipp,
befchnebenen fehr fchwache und wirr durch einander

Lic. H. Staehelin. Sie ift nicht gerade anziehend ge- laufende. Sonach tritt St. der Thefe Salmon's bei, er-
fchrieben — das war bei ihrem Stoff allerdings kaum j klärt Hipp.'s Quellenfchriften für Erfindungen, die er fich
möglich, bisweilen etwas breit und nicht ganz ohne | von einem gefchickten Betrüger hat auffchwatzen laffen;