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Ausgabe:

1890

Spalte:

596-598

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gunning, J .H.

Titel/Untertitel:

Het protestantsche Nederland onzer dagen, uit een kerkelijk-godsdienstig oogpunt beschouwd en historisch toegelicht 1890

Rezensent:

Axenfeld, C.

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Utrum apostoli emiserint tria vota substantialia rcligionis? Acta alljährlich auch Acta der Jefuiten herauszugeben, theo-
Utrum fuerint clerici religiosi? logifche,philofophifcheundliterarifche Abhandlungen nebft

Dankenswerth ift die Mittheilung der Erlaffe gegen lateinifchen und deutfchen Gedichten. Eigenthümlich ift
laxe Moral von den Generalen Nickel und Oliva (Nr. 45, 1 die Bemerkung, jedes Stück muffe mit dem Namen des
47, 49, 56); das letzte ift übrigens bereits von Friedrich ! Verfaffers unterzeichnet fein, damit es nicht gehe wie
veröffentlicht und von mir (Moralftreit. I, 129) befprochen bei den Memoires de Trevoux, von denen ein franzöfifcher
worden. Nach einem Schreiben des Generals Centurione j Jefuit auf die Frage, was die Herausgeber machten, ge
von 1756 war das Buch von Bufenbaum damals noch
das gewöhnliche Lehrbuch (S. 134); in einem Schreiben
des oberdeutfchen Provinciais von 1764 wird ein 1762 erantwortet
habe: Quid agent} Unus aliquid scribit et reli-
qui duo ipsum laudant.

Zum Schluffe bringt der Band einen fehr intereffan-
fchienenes Buch von L. Wagemann vorgefchrieben (S. 444). i ten Nachtrag zu dem erften, einen bisher ungedruckten
Im Anfchlufs an die Würzburger Statuten von 1749 be- Brief des Ignatius von Loyola an Herzog Albrecht V.

merkt P. S. 427: ,Wer die Philofophie nicht gehört und
in ihr die Magifterwürde nicht erhalten, durfte die fcho-
laftifche Theologie nicht hören. Diefen Leuten ftanden
jedoch die Nachmittags-Vorlefungen über Moraltheologie
[Cafuiftik] offen, weshalb fie theologi a prandio und
beim gewöhnlichen Volke „Mörtelträger" hiefsen. So war
Trägheit und Unwiffenheit gebrandmarkt und andern-
theils den geringeren Köpfen doch noch einige feelfor-
gerliche Thätigkeit in unwichtigen Beneficien [doch wohl
auch im Beichtftuhle] übrig gelaffen' (vgl. S. 349).

Intereffant ift ein Schreiben Oliva's von 1680, worin
im Auftrage Innocenz' XI. empfohlen wird, einige Patres
(zu Miffionszwecken) Arabifch und Chaldäifch ftudiren
zu laffen (Nr. 57). Hebräifch gehörte zu dem regelmäfsi-
gen Studienplane der Jefuiten, wurde aber freilich fehr
ftiefmütterlich behandelt: nach den Statuten der philo-
fophifchen Facultät zu Ingolftadt von 1649 las der
Profeffor des Hebräifchen Samstags eine Stunde und fiel

von Bayern vom 20. Jan. 1556 über die Berufung der
Jefuiten nach Ingolftadt, die im Auftrage des Ignatius ge-
fchriebene Inftruction für die dorthin gefandten Patres
und Reformvorfchläge, welche diefe 1561 dem Herzog
überfandten.

Bonn. F. H. Reufch.

Gunning, Predikant Dr. J. H., Het protestantsche Nederland
onzer dagen, uit een kerkelijk-godsdienstig oogpunt
beschouwd en historisch toegelicht. Groningen,
J. B. Wolters, 1889. (144 S. gr. 8.)

Der begabte junge Pfarrer der Niederländifch-refor-
mirten Kirche in der Stadt Gouda, öftlich vom Haag,
Johannes Gunning, den theologifchen und kirchlichen
Kreifen feiner Heimath durch mehrere tüchtige Arbeiten
wohlbekannt — 1881 erfchien ,De Goddelijke Vergelding',
diefe Vorlefung in der Faftenzeit und an anderen F"aft- i feine Erftlingsfchrift, durch welche er den Grad eines

tagen aus (S. 280; vgl. S. 349); nach dem oberrheinifchen
Studienplane von 1664 las täglich der Exeget (Scripturista)
3/4, dann der Hcbraeus 1/i Stunde (S. 391); noch 1749
wurde in Würzburg nur eine Stunde , Theologia pole-
mico-scripturistica nebft Hebräifch' vorgetragen; 1764grün-

Doctors der Theologie an der Univerfität in Utrecht erlangte
, 1883 eine Biographie des originellen Predigers
H. J. Büdding, 1885 ,De Godfpraken van Arnos', ein
Commentar zum Propheten Arnos u. a. — hat in vorliegender
Schrift eine werthvolle Skizze von dem gegen-

dete dann der dortige F"ürftbifchof eine eigene Profeffur | wärtigen Zuftand und Leben der Proteftanten feines

der Exegefe (S. 429. 430). Die Kirchengefchichte fand
erft 1832 einen Platz in der Ratio studiorum. Eine Vorlefung
über Gefchichte wurde in Würzburg feit dem Anfange
des 18. Jahrhunderts gehalten, fpäter nach der
Historia pragmatica von Daude (S. 429. 427; vgl. Allg.
D. Biogr. 4, 769). Dafs in einem Studienplane für das

Vaterlandes geliefert. Was Dr. Gerth van Wijk in Herzog
's Real-Encyklopädie 2. Aufl. S. 254 ff. und Profeffor
van Oofterzee 1879 in feinem Vortrag auf der Evangel.
Allianz in Bafel mehr fummarifch berichteten, und was
Gloel in feiner intereffanten Schrift über Hollands kirchliches
Leben 1885 als Ergebnifs flüchtiger Reife-Beobach-

Gymnafium in Bamberg von 1646 für eine Claffe auch des j tungen mittheilte, dafs ift hier durchaus felbftändig aus
Horatius Turfellinus Epitome historiarum vorgefchrieben den — ftets forgfam citirten — Quellen gefchöpft, mit
wird, veranlafst P. zu der Bemerkung: ,Man überfehe | gröfserer Ausführlichkeit vorgeführt und namentlich durch
nicht die ausdrückliche Anführung des Gefchichtsunter- j unparteiifche Befprechung auch der hauptfächlichen
richts' (S. 261). In den FYeiburger Lectionsplänen (S. 242) j aufserkirchlichen proteftantifchen Gemeinfchaften Niederfehlt
fie übrigens; erft in dem von 1769 finden fich für 1 lands, welche dort einen breiten Raum einnehmen, bealle
Claffen die Rudimenta historica, das wunderliche
Buch des Jefuiten Max Dufresne (f. Baader, Gel. Bayern
S. 266; Der Freymüthige 1782, II, 484).

Eine fehr untergeordnete Stellung nahm in dem
Lehrplane der jefuitifchen Gymnafien der Religionsunterricht
ein. Von der oberrheinifchen Provinz wird 1664
berichtet: Catechismus habetur diebus Veneris in tribus
inferioribus classibus; rhetoribus et humanistis aliquis ido-
neus dictat ad praxin per modum controversiarum cateche-
ticam ledionem, ex qua examinantur (S. 396; vgl. S. 181.
405. 412). 1749 wird in Würzburg gerügt, die recitatio
Canisii fei bisher so/um exerdtium memoriae gewefen, und
vorgefchrieben, ut textus scripturae sacrae, controversiae,
historiae ordinariis Canisii quinque capitibus, paucis sattem
verbis, adjiciantur (S. 434). In dem Freiburger Studienplane
von 1769 (S. 246) wird ein Katechismus von Wider-
hofer und für die unteren Claffen Evangelium latinum, für
die oberen Evangelium graecum und Actus apost. gracct
vorgefchrieben.

Ein fehr intereffantes, freilich nicht in die Monumenta
paedagogica gehörendes Stück ift der S. 444 abgedruckte,
kurz vor der Aufhebung des Ordens gefchriebene Vordeutend
erweitert worden. Wen follte das Schickfal des
Proteftantismus in dem Lande, das fich religiöfe und
bürgerliche Freiheit von allen in Europa zuerft und allein
errang, nicht auf's höchfte intereffiren? Welchen grofsen
Einflufs hat der ruhmreiche Unabhängigkeitskampf der
Niederländer auf die Politik und welche Bedeutung die
Entwickelung und Ausbildung des reformirten Lehrbegriffs
und Kirchenthums dort für einen grofsen Theil der
proteftantifchen Welt gehabt! Aber dafs auch die gegenwärtigen
Nachkommen jener Märtyrer des evangelifchen
Glaubens bei aller Schwachheit und Zerfpaltung, welche
der Verf. nicht verdeckt, fondern mit Bedauern zugiebt,
noch ebenbürtige Kinder jenes kräftigen Geiftes der
Niederländifchen Reformation find, — den Eindruck wird
ein Jeder von dem Bilde des regen und reichen Lebens
gewinnen, welches der Verf. in frifcher, feffelnder Sprache,
voll Pietät für die grofse Vergangenheit feines Volkes,
aber auch ganz aufgefchloffen für die Bedürfniffe der
neuen Zeit, uns fchildert. Von den 4 Millionen Einwohnern
des Königreichs der Niederlande find doch
immer noch die Mehrheit, etwa 21/2 Millionen Proteftanten,
wenngleich der Verf. nicht ohne Schmerz zugleich

fchlag eines ungenannten bayerifchen Jefuiten, nach Ana- j das Wachsthum der Römifchen Kirche an Macht und
logie der von verfchiedenen Akademieen herausgegebenen Zahl verzeichnet und dies mit Recht der Zerfplitterung