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Ausgabe:

1890 Nr. 21

Spalte:

528

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Spengler, Heinr.

Titel/Untertitel:

Der kleine Pilgerstab. Morgen- und Abendandachten, nebst Gebeten für besondere Zeiten und Verhältnisse des Lebens 1890

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Seite 1

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527 Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 21. 528

Das vorliegende Schriftchen wird in weiteren Kreifen Spengler, Heinr., Der kleine Pilgerstab.. Morgen- und

vorausfichtlich wenig beachtet, weil wenig verstanden Abendandachten, nebft Gebeten für befondere Zeiten

werden. Wem es_ aber Bedürfnis ift die behandelten und Verhältnifse des Lebens. Bielefeld, Velhagen

Probleme wiiienfchattlich zu durchdenken, der möge es 0 T,, . n ,„„, - „ ^ .

fieh nicht entgehen laffen. & KlaunS> l89°- (VIII, 39^ S} gr. 8.) M. 2.50,; geb.

p. n. iC ,r 7r.., , M. 3.50; m. Goldfehn. M. 4.50.

Darmftadt. K. Kohler. J D J

Spengler's ,Pilgerftab' ift eines der beliebtesten und

"-1--- | am meiften gebrauchten neueren Andachtsbücher. Da-

■ 1» n' n ' W r /i . „ .,....... i für zeugt fchon die Thatfache, dafs es binnen zehn Jahren

Huckstadt, Paft. Dr. Lrnlt, Ehre sei Gott in der Hohe. acht Aunagen eriebt hat. Steht nun auch folche einem
Zwanzig Feftpredigten. Anklam, 1889, Schmidt's Buche zugewandte Gunft nicht immer im richtigen VerVerl
. (VIII, 139 S. gr. 8.) M. I. 60; geb. M. 2.— hältnifs zu feinem inneren Werthe, fo ift es doch hier

In den zwanzig Predigten für Feftzeiten und feltliche 1 1v,irklich d|r Falk Das b™'äh$ kch, auch an ^«»«J
Tage des kirchlichen Lebens finden die allgemein ge- > kleineren Ausgabe, die ihre Entftehung dem wiederholt
bräuchlichen Feite, mit Ausnahme des Reformationsfeftes, j dnngend geltend gemachten Bedürfnis nach einem bil-
Berückfichtigung. Als Texte dienen theils die Perikopen j Andachtsbuch für weniger bemittelte Lefer ver-

theils freigewählte Abfchnitte. Die Predigten zeugen ! dankt Jle,lftrnlcht etwa nur eIn Auszug aus dem, gro-
von fleifsifem Schriftftudium und von fehr forgfältiger I Aeren fondeurn nach Anordnung und Inhalt für

Ausarbeitung. Es ift dem Verfaffer ernftlich darum zu | dieffn Zweck neu bearbeitet. Um ein kurzer gefafstes
thun, die Schriftwahrheit darzulegen und den Hörern zu I Fuck ^ gewinnen, mufste darauf verzichtet werden bebezeugen
. Auch nach der formalen Seite zeigen die F?nd?5e ^fÄ^u für 7tS ?! 'w '
Predigten beachtenswerthe Vorzüge. Die Einteilungen ' Das Buch entha t aber doch folche für ftebzehn Wochen,
find correct und meiltens erfchöpfend, wenn auch hin 1 nan?kch für acht gewöhnliche Wochen für ^
und wieder ein Ausdruck genauer gefafst fein könnte, i uad far ,fec^ Paffionswochen ausserdem Morgen- und
Für die Karfreitagspredigt ift das Thema ,Die Kreuzes- ! Abendandachten für fammthehe hefttage fodann eine

. n , ö.u 1 u a-__a c- a- tn l reichhaltige Auswahl von Gebeten für befondere Zeiten

predigt von Golgatha' zu unbeftimmt, und für die Öfter- A ,r =>.... ., rv . , A , , . , a .
feftpredigt empfiehlt fich eine andere Faffung als die un- I und Verhältnifse. Dm einzelnen Andachten beftehen
feftlicheÜeberfchrift: ,Die Frauen in der Frühe des Öfter- i ™eift aus einem schriftwort mit beigefügter_ kurzer
morgens' mit der zwar correcten, aber allzu formalen , f}^leeun& kurzem Gebet und Liedwort. In einzelnen
Tr- ,? •, r r a \7 r* u u • t Wochen ift die Auslegung durch längere, mehr betraen-

Eintheilung: 1. auf dem Wege zum Grabe, 2. beim Ver- vv"~* r ö,-- r 1 ^a c i„ cn^n

•1 •„, r* u f , »To Au tende Gebete erfetzt. Eigenthumhch ift Spengler, lenon

weilen im Grabe, 3. auf dem Wege vom Grabe. Auch .clilA ^ & 1 & -

j _ v„rr.~ „ r -a a ti ta u tu j„„ in dem grofseren ,Pilgerftab', die befonders reicnucne

bei der Paftionspredigt ift das ihema ,Der Verrath des 1 " j a v u r A t?„a a „^tItt-

tt , r ,]■ u j 1 tu • u.. u-ir v 1 Verwendung des Kirchenliedes. Paft jede Andacnt

Herrn' lprachhch und logifch nicht zu billigen. Zu , ,"... r . .? . j „ u t r rv ,,„u

W-u ift. a dc a 1 ^ j n ,,b, -c- a fchhefst mit einem oder mehreren Verfen. Durch ganze
einnachten und Pfingften kommt das Recht des Feft- ;L T u- a u <- <- t ;*>a^ a;q q,0iiö t,™ a,t«
. u ■ a tt a j -ru 1 j j tu "i Wochen hindurch vertreten Lieder die Stelle von Aus-

tages auch in der Fällung des Themas und der Theile ■ Es ift das nicht nach jedermanns

beffer zur Geltung. Die Behandlung des Eingangs der j G^hGack. Aber die Anordnung diefes Andachtsbuchs
Predig zeigt eine gewiffe Ungle.chmafs.gkeit; dieler ift , , Freiheit der Auswahl, und wer von

namheh feltener als Uebergang vom Text zum Thema , J,. K ^ , , „ j „„' r>0aö

n„„„ AoTt^-a:.,™. iAu„>j5u _____i/r.i den Liedern Gebrauch macht, wird nur das Befte aus

denn als Exordium behandelt, und nur ein einziges Mal,
bei der Kirchweihpredigt, hat dies Exordium die richtige
Stellung vor dem Texte. Das mit Recht fchon längft
als veraltet erklärte Sufpirium nach der Eintheilung
fcheint auf der Kanzel des Verfaffers noch locales Ge

unferem Liederfchatz hier vereinigt finden.

Die Auslegungen und Gebete find kurz und gut.
Die ganze Andacht nimmt feiten mehr als den Raum
einer Seite ein. Der Verf. bietet keine eigenen Aus-

lcneuiL aui uer ivaiuci ues v erianers noen locaies vie- , r, • . Ct n . . j „ ii70_i„n

, , .. , . c j ^ r . • • j tt a- t. I legungen, fondern hat geeignete Stellen aus den Werken

wohnheitsrecht zu haben; es findet fich in jeder Predigt ,."'*>.',,. ,.. , b b -r, ar , , c^v,,-ff n^Pr

, <•.., . , r, r... tu r • r~ u 4. faft ausfehhefshch neuerer Prediger und Schnttlteller

als ein ausgeführtes und oft ausführlicheres freies Gebet. 'alL ... m ^, .. r. r ■ v u0^-Kö;f0f P-«

Einen befonderen Mangel zeigen diefe .Feftpredigten' ausgewählt, zum Theil für feinen Zweck bearbeitet Es

rHrin. dnfs fie des eipenH.rhen kftrharakr-r« enrhehren ! f«»d Namen von gutem Klang, die uns da entgegentreten,

darin, dafs fie des eigentlichen Feftcharakters entbehren
Wir wollen die im ganzen lehrhafte Predigtart nicht be-
anftanden. Die Neigung des Verfaffers geht aber allzu-
fehr darauf aus, die Predigt in fich felbft abzurunden,
als mit der Predigt auf die Hörer einzuwirken und die
Heilswahrheit ihnen eindringlich zu machen. Dabei wird
die Gefahr nicht vermieden, dafs die Predigt in den Ton
der Schilderung oder Befchreibung verfällt, und die
häufigen Ausrufe und Ausrufungszeichen ändern daran
nicht viel, fondern der Lefer vermifst vielfach den Eindruck
, den das gefprochene Wort auch ihm noch machen
follte. Auch da, wo der Prediger ein Urtheil ausfpricht,
bleibt er im Ausdruck häufig gar zu allgemein. Wir
haben vergeblich nach Stellen gefucht, aus denen man
auf das Leben und auf den Zuftand der Gemeinde des
Verfaffers fchliefsen könnte, oder wo man merkte, hier
hat die Predigt gefafst. Eine concretere Geftaltung
der Sprache und praktifche Ausprägung der chriftlichen
Wahrheit würde die Andringlichkeit und Wärme der
Rede Reigern und den Prediger in nähere und engere
Berührung mit den Hörern bringen. Am auffallendften
war es uns, dafs in der Confirmationsrede über die
rechte Fürbitte wohl von ,diefen Kindern', hin und wieder
auch einmal von ,euern Kindern' die Rede ift, aber auch KTailSS, Gefängn.- Geiftl. F. A. Karl., Die Gefangenen und
nicht ein Wort an die Kinder felbft gerichtet wird. die Verbrecher unter dem Einflüsse des Christenthums.

Halle a. S. A. Wächtler. Gefchichtlicher Ueberblick, umfaffend die erften V}

Leute auch von fehr verfchiedener Art, wie Hofacker
und G. Langhans, M. Frommel und Kingsley, Stöcker und
R. Rothe; ferner: Dryander, Gerok, Ahlfeld, Kögel,
Müllenfiefen, Wenger, Luger u. f. w. Die Auswahl ift
überaus gefchickt getroffen. In ihrer Knappheit bietet
jede Betrachtung doch einen abgerundeten Gedanken
und giebt darin etwas Beftimmtes und Behältliches mit
in den Tag hinein, oder läfst die Tagesgedanken in
einen klaren Schlufsklang austönen. Es ift gerade das,
was ein Menfch, der innerliche Bedürfnifse hat, in der
unruhigen Haft unferes Lebens braucht, und gewifs
würde nicht wenigen, die eine Sitte der Hausandacht
nicht kennen, eine folche bald lieb, ja unentbehrlich
werden, wenn fie dazu durch dies Buch Anleitung empfingen
. Es follten nur Alle, die mit Ref. von dem
Segen der Hausandacht überzeugt find, und von deren
Wiedereinführung viel für das innerliche Leben unferes
Chriftenvolkes erwarten, fich die Empfehlung diefes
Buches angelegen fein laffen.

Giefsen. Gg. Schloffer.