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Ausgabe:

1890

Spalte:

484

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Marbach, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Psychologie des Frimianus Lactantius. Ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie 1890

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 19.

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Anforderungen an den Prediger als den Gebrauch diefer.
Der Gebrauch von Redensarten und Schlagwörtern,
welche gang und gäbe find, thut's auch nicht, giebt aber
oft Anlafs, auf Dinge einzugehen, welche nur fcheinbar
naheliegen und dem Verftändnifs nicht förderlich find.

Halle a'S. A. Wächtler.

Behm, Paft. Dr. Heinr., D. Johannes Bachmann, f Konfi-
ftorialrat, o. Prof. theol. etc. in Roftock .Blätter zu
feinem Gedächtnis, nebft einer Auswahl feiner Gedichte
'. Roftock, [Stiller], 1888. (82 u. 83 S. gr. 8.)
M. 1. 50.

Die Blätter zum Gedächtnifs an D. Johannes Bachmann
, geb. zu Berlin 1832, geft. zu Roftock 1888, geben
einen Umrifs feines Lebens- und Charakterbildes, vom
Schwiegerfohn mit liebevoller Hand gezeichnet. Das Bild
des Jünglings und des Mannes zeigt viele feine und
fchöne Züge; rührend ift das Verhältnifs zu den Eltern
und die Innigkeit der perfönlichen Beziehungen durch's
ganze Leben. Bei der Schilderung des Lebensganges
empfangen wir viele werthvolle Mittheilungen aus der
Gefchichte des kirchlichen Lebens in Berlin und in
Roftock. Mit Recht verzichtet der Verfaffer darauf, die
theologifche Richtung B.'s weiter zu begründen oder zu
rechtfertigen, aber der Lefer gewinnt überall den Eindruck
von der liebenswürdigen Lauterkeit eines in feiner
Ueberzeugung gebundenen Gewiffens. Die beigegebene
Auswahl aus den Gedichten B.'s foll ein Zeugnifs feines
Innenlebens und Beweis des Geiftes fein, welcher der
Chriften Kraft ift; auch die ihn nicht gekannt haben,
werden fich freuen an der zarten und tiefen Empfindung,
welche in diefen Liedern zum Ausdruck kommt, ob fie
die Aneignung biblifcher Wahrheiten oder die perfön-
liche Stimmung und Erfahrung ausfprechen.

Halle a'S. A. Wächtler.

Miinkel's, D. K. K., nachgelassene Schriften, nebft einem
Lebensbilde des Entfchlafenen von Konfift.-Präf. D.
Dr. Otto Mejer. Hrsg. von Gen.-Superint. D. Max
Frommel, Linden-Hannover, Manz, 1889. (IV,I95S.
m. Portr. gr. 8.) M. 3. 80.

Den Meiften wird Münkel bekannter fein aus feinen
vortrefflichen Predigten, als aus den Auffätzen im ,Neuen
Zeitblatt', welches er 32 Jahre lang herausgab oder ,ver-
fafste', wie feine Freunde mit Recht fagen konnten. Die
nachgelaffenen Schriften find 30 Auffätze ähnlicher Art,
wie das N. Zeitbl. fie brachte, und eine Abhandlung
über Rechtfertigung', welche fchon in jenem zu lefen
war. Vorher geht ein kurzes Vorwort von Max Frommel
und ein werthvolles Lebensbild von O. Mejer, welcher
Münkel's charaktervolle Perlönlichkeit auf dem Grunde
des hannoverfchen kirchlichen Lebens zeichnet. Vielleicht
hätte es fich gelohnt, noch Einiges aus dem N.
Zeitbl. in diefe Sammlung aufzunehmen. Bei dem ent-
fchiedenen Confeflionsftandpunkte, von welchem aus er
die Erfcheinungen der Zeit und Gefchichte nicht feiten
mit Schärfe beurtheilt, zeigt M. doch ftets ein verftänd-
nifsvolles Wohlwollen für andere Richtungen und ver-
gifst nie, dafs in der unvollkommenen Welt überall
unvollkommene Zuftände find; eine Verwerthung kirchlicher
Zwecke im politifchen Intereffe, welche ihm f. Z.
zugemuthet wurde, hat er mannhaft abgelehnt. Mit
grofser Nüchternheit prüfend, tritt er für die Wahrheit
mit einer Kraft der Begeifterung ein, welche zeigt, dafs
er fie in der Tiefe erfafst hat. Dabei zeugen feine Arbeiten
— auch unter den vorliegenden find wahre Cabinet-
ftücke, z. B. Schwärmerei und Begeifterung, die Unfehlbarkeit
nach der heil. Schrift u. a. — von nicht geringerer
Sorgfalt als feine Predigten, mit denen er es fo genau

nahm, dafs er die zu haltende fchon eine volle Woche
vorher niederfchrieb, damit er nicht eine zu leicht gearbeitete
halten müfste.

Halle a/S. A. Wächtler.

Kurzgefasste Mittheilungen.

Marbach, Diac. Dr. Friedr., Die Psychologie des Firmianus
Lactantius. Ein Beitrag zur Gefchichte der Pfycho-
logie. Halle, Pfeffer, 1889. (VII, 80 S. gr. 8.) M. 1. 50.

Die beiden Theile diefer Darfteilung der pfychologifchen Anfchau-
ungen des Lactanz behandeln: die Seele in ihrem Sein (Realität, Sub-
ftanz, Entftehung, Einheit, Sitz und Thätigkeit, fowie Sinnesphyfiologie
und Sprachtheorie, endlich Erkenntnifsfähigkeit des Menfchen) und die
Seele in ihrem Handeln (Werthunterfchied zwifchen Seele und Körper,
Willensfreiheit, Unterfchied zwifchen Menfchen und Thieren, Affectenlehre,
Unfterblichkeitslehre). Der Verfaffer geht dabei von dem Gedanken aus,
dafs die im erften Theil rubricirten Themata das Intereffe Lactanzens nur
in geringem Mafse erweckt haben, und er fomit hier gegenüber der alten
Philofophie felbftändige Bahnen nicht eingefchlagen hat. Dagegen hat
die Ueberzeugung von der Stellung der Einzel feele im Weltganzen und
ihrem hohen ethifchen Werth, die in der alten Philofophie nur angebahnt,
erft im Chriftenthum zur vollen Entfaltung gekommen ift, fich dem chrift-
lichen Rhetor fo aufgedrungen, dafs er in den Fragen moralifch-prak-
tifcher Art, wie fie im zweiten Theil behandelt werden, zu der antiken
Philofophie, auch gerade der Stoiker, denen er fonft foviel verdankt, eine
entfehieden gegenfätzliche Stellung einnimmt. Der Einzelunterfuchung
geht eine allgemeine Einleitung und eine kurze Darfteilung des Dualismus
' Lactanzens voran (f. über die letztere Frage jetzt Brandt, die
dualiftifchen Zufätze bei Lactanz. Diefe Zeitung 1890, Nr. 8), die, wie
es bei folchen Gelegenheiten zu gehen pflegt, zu kurz und vielleicht etwas
oberflächlich ausgefallen ift, während die Einzelbehandlung von forgfäl-
tiger Bafchäftigung des Verfaffers mit feinem Autor zeugt.

G. Krüger.

1. Duilhe de Saint Projet, F., Apologie des Christenthums

auf dem Boden der empirischen Forschung. In Vorträgen,
mit Zufätzen und einer Einführung von Carl Braig,
Doctor der Philofophie und Stadtpfarrer zu Wildbad.
Freiburg i Br., Herder, 1889. (LXXXVIII, 680 S. gr. 8.)
M. 6. —

2. Baumstark, Dr. Chriftian Eduard, Das Christenthum in

seiner Begründung und seinen Gegensätzen. Chriftliche
Apologetik auf anthropologifcher Grundlage. 3 Bde.
Heidelberg, C. Winter, 1889. (XV, 400 S.; VI, 543 u.
VI, 485 S. gr. 8.) M. 24. —

Wieder zwei katholifche Apologetiken. Die katholifche Theologie
ift in diefen Dingen wohl auf dem Plan. Sie ftellt fich in die vorderfte
Reihe der Vertheidiger gegen die Angriffe von Seiten der Naturwiffen-
fchaft. Sie nimmt dabei als ihr Eigenthum auf befondere Weife in An-
fpruch, was doch jeder nicht materialiftifchen Weltanfchauung angehört.
Sie hält dabei Auge und Sinn auch gegenüber den Fortfehritten der
Wiffenfchaft offen und nimmt für die katholifche Kirche in Anfpruch,
was von der Kirche in jenem Zeitpunkt der Gefchichte gilt, als unter
ihrem Schatten die barbarifchen Völker des europäifchen Nordens für
die Bildung erzogen wurden.

Wenn aber innerhalb diefes Standpunkts Unterfchiede ftattfinden, fo
können fie fich nicht fchärfer ausprägen, als in den beiden Büchern, die
oben neben einander geftellt find. In dem einen fpricht der franzöfifche
Katholik mit aller Eleganz feiner Sprache, mit allem Feuer feines reli-
giöfen Standpunktes. Der Verfaffer, wie der Ueberfetzer find beide be-
geifterte Schüler des heiligen Thomas, in dem fie den Gipfel aller Wiffenfchaft
verehren. Geiftreich werden die Einwürfe der Gegner widerlegt,
wird aus dem Lager ihrer Wiffenfchaft felbft Material herbeigeholt,
um das Gebäude der kirchlichen Wahrheit fefter zu gründen, erfolgreicher
zu vertheidigen. Aber das höchfte Beweismittel ift immer: Roma locuta
est. Eine unwiderlegliche Inftanz ift ein Befchlufs einer Kirchenverfamm-
lung und wo ein folcher fehlt, wenn auch über Dinge, über die er gar
nicht vorhanden fein kann, oder auch über folche, über die man nach
Analogiefchlufs gar wohl auch ein Urtheil im katholilchen Sinn abgeben
könnte, da läfst man die Entfcheidung offen, da meint man frei zu fein
und rühmt fich diefer Freiheit als einer inneren, als einer der Freiheit
der Forfchung vollkommen entfprechenden. So weicht man keinen Schritt
von der Ueberlieferung, aber das fchärfere Auge nimmt doch Angriff-
ftellen wahr, an denen nur die kirchliche Autorität in die Brefche
treten kann.

Ganz anders Baumftark. Bei ihm find es nicht nur Worte, wenn er
' von der Bedeutung der Wiffenfchaft redet, hier fpricht nicht der römifche,
fondern der deutfehe Katholik, der noch Katholik ift und fein will, aber
I er kennt höhere Wahrheitsinftanzen, als die Kirche Roms. Er giebt an