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Ausgabe:

1890 Nr. 18

Spalte:

448-450

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gedeon, Manouel Io.

Titel/Untertitel:

Kanonikai diataxeis, Epistolai, lyseis, thespismata ton agiotaton patriarchon Konstantinoupoleos apo Gregoriou tou Theologou mechri Dionysiou tou apo Adrianoupoleos. Tomos b 1890

Rezensent:

Meyer, Philipp

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Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 18.

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vielleicht noch erreichen können, wenn er nicht vergeffen
hätte, dafs fo Vieles, das, in feiner Einzelheit für fich betrachtet
, wohl merkwürdig und auch für die Gefchichte
lehrreich fein kann, doch erft dann in feinem wahren
Lichte lieh zeigt, wenn es in dem allgemeinen Zufammen-
hang, in welchen es fich eingliedern mufs, durch die
Einheit des Ganzen getragen und gehalten wird. — Im
II. und III. Abfchnitt wird der Umftand nicht ftark genug
betont, dafs der blinde Religionshafs der blutdürftigen
Männer aus der Schreckenszeit gröfstentheils durch die
antirepublikanifchen Wühlereien und Hetzereien der roya-
liftifch gefinnten katholifchen Geiftlichkeit wenn nicht erzeugt
, fo doch genährt und bis zum tobfüchtigen Wahnfinn
gefteigert wurde. Gerade im Elfafs war das in einem
hohen Mafse der Fall. Man denke nur an die Haltung
des Cardinais von Rohan, des damaligen Bifchofs von
Strafsburg. Nachdem derfelbe fich über den Rhein zurückgezogen
hatte, machte er feine Refidenz Ettenheim
zu dem Sammelplatz der aus Auswanderern zufammen-
gefetzten ,fchwarzen Legion', welche das Elfafs bedrohend,
im Bunde mit fremden Mächten, durch Waffengewalt eine
Gegen-Revolution herbeizuführen und die alte Ordnung
wiederherzuftellen fich beftrebte. Diefe beftändigen
Reizungen erklären bis auf einen gewiffen Grad, ohne
fie zu rechtfertigen, die fanatifche Erbitterung gegen
Alles, was an Religion erinnerte, die blinde Verfolgungs-
fucht, welche bald keinen Unterfchied zwifchen Prote-
ftanten und Katholiken mehr machte, und überhaupt all
die fchmählichen Exceffe, welche an der Kirche und an
deren Dienern verübt wurden. — Eine letzte Bemerkung
foll fich auf den Schlufsabfchnitt beziehen, der, obgleich
er die längfte Periode behandelt (1795—1802), nur einige
kurze Seiten (S. 197—212), umfafst und auffallend ab-
fticht gegen die Ausführlichkeit des vorhergehenden Ca-
pitels. Offenbar fehlt da eine nähere Beleuchtung jener
immer noch bedenklichen Zeit, in welcher allmählich ein
Bedürfnifs nach Religion wieder fühlbar wird bei dem
nüchtern gewordenen Volke, das fich nach geordneten
kirchlichen Zufländen wieder zurückfehnt, nachdem es
zuerft mit Begeifterung die neuen Ideen und Grundfätze
begrüfst, und fpäter irregeleitet und terrorifirt, den Glauben
verleugnet und in die Verläfterung alles Heiligen mit ein-
geftimmt hatte. Gewifs hätte es fich der Mühe gelohnt,
diefes, in pfychologifcher Hinficht, fo intereffante Moment
einer eingehenderen Erörterung zu unterziehen.

Doch alle diefe Bemerkungen, zu welchen meiftens
der nicht ganz richtige Titel Veranlaffung gegeben,
nehmen dem Buche nichts von feinem reellen Werth,
noch von feinem eigenthümlichen Reiz. In feiner an-
fprechenden Form wurde es von den gebildeten Prote-
ftanten des Reichslandes, für welche es eigentlich ge-
fchrieben ift, mit grofser Gunft aufgenommen. Und mit
Recht; denn jeder findet darin lehrreiche Mittheilungen
über die gefchichtliche Vergangenheit der ihm bekannten
Localitäten, ja oft über denkwürdige Ereignifse in feiner
eigenen Familie. Einen bleibenden Werth aber hat die
Schrift für den Kirchenhiftoriker fo wie für den Kultur-
hiftoriker: beide finden darin einen reichen Schatz ungedruckten
Materials mit genauer Quellenangabe, viele
recht charakteriftifche, meift unbekannte Anekdoten, kurz
eine Menge fchriftlicher, von Augenzeugen herrührender
Aufzeichnungen, welche der Verfaffer aus alten Kirchenbüchern
und Pfarr-Regiftern, aus Gemeinde- und Landes-
Archiven und mitunter auch aus Familienfchriften mit
lobenswerthem Fleifs gefammelt, mit Gewandtheit in den
Text eingeflochten und gefchickt verwerthet hat zu feinen
anfehaulichen, in gefälligen Gruppirungen fkizzirten Revolutionsbildern
aus dem kirchlichen Leben des
Elfafs. Kurz, das Buch ift ein dankenswerther Beitrag
zur Kirchengefchichte des Elfafs in der immer noch nicht
gründlich durchforfchten Zeit der franzöfifchen Revolution.

Strafsburg i/E. L. Will.

Jenkins, Rector Robert C., M. A., The life of Valentin

Alberti, D. D., Professor of Divinity etc., briefly sketched.
With portrait. London, Nutt, 1889. (XV, 128 S. m.
Fcfm. gr. 8.) geb.

Ein englifcher Nachkomme des Leipziger Theologen
Valentin Alberti (geft. 1697) hat in diefem, vornehm ausgeflutteten
, dem Rector magn. der Univ. Leipzig gewidmeten
, Buche alle ihm zugänglichen Familiennachrichten
gefammelt und um das Lebensbild des Genannten
gruppirt. S. 1—41 und 107—126 legen demgemäfs mehr
ein Zeugnifs ab für den pietätvollen Sinn des Verf.'s, als
dafs fie ein wiffenfehaftliches Intereffe erwecken könnten.
Auf S. 42—106 wird von der theologifchen Wirkfamkeit
Alberti's berichtet. Ein erfter Abfchnitt giebt ohne tieferes
Eindringen Nachricht über Streitfchriften gegen Pufendorf,
Cartefius — Coccejus, {,Ji7tXovv Kärina% Jefuiten und Bof-
fuet, während der folgende fich mit dem Cpllcgium philo-
biblicum und den anfchliefsenden pietiftifchen Wirren
befchäftigt. Des Verfaffer's Sympathien gehören nicht
dem ftreitbaren Orthodoxen. Je höher er vielmehr die
Verdienfte jenes Inftituts veranfchlagt (S. 80: wlwse results
have been so fruitful in innumerable contributions to hemteneu-
tical and exegetical learning; cf. S. XIII), um fo mehr ift
er beftrebt, die in Alberti's Verhalten zu demfelben eingetretene
Veränderung gegen den Vorwurf der Feind-
feligkeit möglichft zu fchützen. Es wäre ihm diefs aber
noch mehr geglückt, wenn er Ereignifse, die mehr in
zeitlichem, als in unmittelbar fachlichem Zufammenhang
mit einander flehen, fchärfer gefondert hätte. Spener
kann doch nur in fehr allgemeinem Sinne als the real
founder jenes Inftituts bezeichnet werden. Denn er hat
den Betheiligten feine Rathfchläge erft faft zwei Monate
(7. Sept.) nach der Gründung desfelben (15. Juli) zukommen
laffen. Francke felbft aber hatte in diefer Zeit weder
feine ,Bekehrung' erlebt, noch den Umgang Spener's und
der Hamburger Pietiften genoffen. Sein Intereffe mufs
damals, wenigftens in erfter Linie, auf wiffenfehaftliche
Exegefe gerichtet gewefen fein (Kramer, Francke I, S. 22.
25). Endlich aber hat der Verf. die fpäteren biblifchen
Vorlefungen Francke's u. A. gar nicht bestimmt von dem
coli, philobibl. unterfchieden und dadurch die Verwirrung
fortgefetzt, die Kramer (a. a. O. S. 57) mit Recht an
früheren Darftellungen gerügt hatte. Alberti aber mochte
umfo mehr berechtigt fein, den Vorfitz im Collegium,
welches von den amtlichen Unterfuchungen kaum berührt
wurde, aufzugeben, als dasfelbe neben jenen andersartigen
Unternehmungen faft bedeutungslos geworden war, und
feine Fortführung uur einer mittelbaren Beförderung fremder
Beftrebungen, nicht aber dem Sinne entfprochen
hätte, in welchem dasfelbe urfprünglich gegründet war.
Ueber die fpäteren, zwifchen Spener und Alberti ge-
wechfelten Streitfchriften wird ebenfalls nur unvollständiger
Bericht erftattet. Denn fein Commentar über Joel 2
ift nicht Alberti's letztes Wort gewefen. Vielmehr hat
er noch Anderes nachfolgen laffen (f. die Gefch. d. Piet.
v. Schmid, S. 241. Ritfehl II, S. 214).

Rumpenheim. S. Eck.

Teöeoiv, Mavovijl 7w., Kavovixat öiaxä^ets, 'Emotokai,
kvoetq, &EG7ilo/.iaxci xüv ctyuozdiwv 7raxqiao%wv Kiovaxav-
tivov7CoIeojs anb rq'nyoqiov xov Qeoköyov /-itZQi Jio-
vvotov xov anb lAdqiavovnöketos. Töttos ß'■ (naoetg-
xrpta xrg ,E%y.krioiaaxr/.r]s Idlij&elog'.) Konftantinopel,
(Lorentz & Keil), 1890. (475 S. gr. 8.) M. 12. —

Den erden Theil diefes Werkes, das den verdienstvollen
Sammlungen von Rhallis und Potlis und von
Miklofich und Müller völlig ebenbürtig wird, habe ich
in diefer Zeitfchr. Jahrg. 1889, Nr. 10 anzeigen dürfen.
Der Verf. hat meine Anzeige in feiner '.Etoctyr. 'AI. 1889
Nr. 29 griechifch erfcheinen laffen und mir dabei ein