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Ausgabe:

1890

Spalte:

441-442

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dillmann, August

Titel/Untertitel:

Der Prophet Jesaia, für die 5. Aufl. erklärt von A. D 1890

Rezensent:

Siegfried, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 18. 6. September 1890. 15. Jahrgang.

Dill mann, Der Prophet Jefaja (Siegfried).

Holtzmann, Das Ende des jüdifchen Staats-
wefens und die Entftehung des Chriftenthums
(Weizfacker).

Frohfehammer, Die Philofophie des Thomas
von Aquino (Gottfchick).

Schneider, Gefchichte der evangelifchenKirche
des Elfafs in der Zeit der franzöfifchen Revolution
. 17S9—1802 (Will).

Jenkins, The life of Valentin Alberti (Eck).
reätoiv, Kavovixcd diazügfig, Töfiog ß'

(Ph. Meyer).
Hooijkaas, Coup d'oeil sur l'ancienne eglise

catholique de Hollande (Reufch).
Trede, Das Heidentum in der römifchen Kirche,

2. Tl. (Reufch).

Wörnhart, Maria die wunderbare Mutter Gottes

und der Menfchen (Reufch).
Staudinger, Die Gefetze der Freiheit. I. Bd.

Das Sittengefetz (Kraufs).
Brecht, Kirche und Sklaverei (Stamm).
Wacker, Die Laienpredigt und der Pietismus

in der lutherifchen Kirche (Eck).
Pf leiderer. Erlebnifse eines Feldgeiftlichen im

Kriege 1S70 71 (Köfllin).

Dill mann. Prof. Dr. Aug. Der Prophet Jesaia, für die

5. Aufl. erklärt von A. D. (Kurzgefafstes exeget.
Handbuch zum Alten Teftament, 5. Lfg.) Leipzig,

Hirzel, 1890. (XXIX, 544 S. gr. 8.) M. 8 —
Es ift bekannt, dafs wir an einem geradezu gemein-
fchädlichen Ueberflufs von biblifchenCommentaren leiden,
welche, ad hoc gearbeitet, von dem Wulfe der das Bibelwort
begleitenden Fünfälle aus Vergangenheit und Gegenwart
vollgeftopft, die Pein aller Berichterftatter in Literaturzeitungen
bilden, während andere fleh durch Nichtlefen
vor derartigen Mifshandlungen fchützen können. Man
kann es daher verliehen, dafs ein Gelehrter von der Bedeutung
Dilimann's ,nicht aus Liebhaberei für diefe Art
fchriftftellerifcher Thätigkeit' (p. V) fleh wieder dazu herbeigelaufen
hat, einen Commentar zu arbeiten. Dennoch
muffen wir ihm dankbar dafür fein, dafs er uns auch
über Jefaja ein Nachfchlagebuch geliefert hat, welches
die bekannten Vorzüge Dillmann'fcher Commentare an
fleh trägt, nämlich: fcharf zufammenfaffende Redaction
faft des ganzen in Betracht kommenden Stoffes hinfleht-
lich der fprachlichen, textkritifchen, hiftorifchen, archäo-
lomfchen und biblifch-theologifchen Fragen, infonderheit
auch Berückflchtigung der neueren affyriologifchen
Forfchungen, abfolute Zuverläffigkeit der einzelnen Mit-
theiluno-en und das Alles getragen und durchdrungen
von einem befonnenen Urtheil und einer tief gegründeten
orientaliftifchen und theologifchen Bildung. So ift denn
ein Werk entftanden, welches thurmhoch hinausragt über
die Knobel'fche Arbeit (1843. 1854. 1861) mit ihrer
hausbackenen Trivialität und Unfähigkeit, den Geift eines
Propheten zu würdigen, ander der feinfinnige Di efte 1(1872)
nur weni°- hatte ändern können, weil es damals nur galt,
die nothwendigften Nachträge und Verbefferungen anzubringen
. — Eins nur möchten wir vor allen Dingen
für künftige Neubearbeitungen wünfehen, dafs die freilich
allen Theilen des kurzgefafsten exeget. Handbuches eigen-
thümliche, häfsliche gloffatorifche Form der Exegefe aufgegeben
würde. Erft eineUeberfetzung des Ganzen gewährt
einen Einblick in die Gefammtauffaffung des Auslegers
. — Sodann aber würden wir eine Erklärung der
jefajanifchen Weisfagungen nach chronologifcher Anordnung
der nach der zufälligen Reihenfolge der Capitel
vorziehen. Erft, wenn jene durchgeführt ift, gewinnt der
Lefer einen Einblick in den Aufbau der prophetifchen
Orakel. Ebenfo wäre die abgefonderte Behandlung der
unzweifelhaft unechten Stücke erwünfeht. Zwifchen
C 20 und 21. 1—10 klaffen z. B. zwei Jahrhunderte; von
21,11 ab kehren wir wieder in die jefajanifche Zeit zurück
. Es ift doch kaum durchführbar, das Jefajabuch in
diefer Anordnung zu lefen. Man bleibt beftändig in den

verwickelten Unterfuchungen des Einzelnen flecken und
gelangt zu keiner Auffaffung des Ganzen und feiner
Gruppen. Hier thäte eine durchgreifende Aenderung der
ganzen Anlage des Commentars noth. —

In das Meer der Einzelheiten hinabzutauchen, davor
fchrecken wir zurück. Der Raum würde hier bei
Weitem nicht reichen, und man könnte einem Werke,
welches folche Maffen in fleh befafst, doch nicht gerecht
werden. Abweichende Auffaffungen in der Exegefe einzelner
Stellen zu erörtern, würde ein unfruchtbares Thun
fein. — Bei Jef. 7 vermiflen wir eine Berückflchtigung von
Giefebrecht, die Immanuelweisfagung (Theol. Studien
und Kritiken 1888 H. 2. S.217—264). — Unter den neueren
Commentaren ift der von Knabenbauer (1 SS 1), der zur
Gefchichte der katholifchen Exegefe viel beibringt, nicht
erwähnt vgl. p. XXVIII; auch der lateinifche Commentar
desfelben Verf.'s (Regensburg 1SS8) fehlt. — Auf S. 435
ift die feltfame Abhandlung von C. Egli über das Land
Sinim (Zeitfchr. für wiffenfchaftl. Theol. VI, 400 ff.),
welche Sinim auf einen Curdenclan deutet, vielleicht ab-
fichtlich ausgelaffen. — Auf S. 454 hätten wir Vatke's
bibl. Theol. Bd. I S. 528 f. gern eine befondere Erwähnung
gegönnt. — Doch laffen wir diefe Kleinigkeiten.
Möge aus dem thesaurus, den der Verf. den Theologen
bietet, recht reichlich gefchöpft werden.

Jena. C Siegfried.

Holtzmann, Lic. Osk., Das Ende des jüdischen Staatswesens
und die Entstehung des Christenthums. Mit Illuftrationen
(der Allgemeinen Gefchichte in Einzeldarftellungen,
herausgegeben von Wilhelm Oncken, I. Abtheilung,
6. Theil: Gefchichte des Volkeslsrael, II. Band, 2. Hälfte).
Berlin, Grote, 1888. (406S.gr. 8.) Subfcr.-Pr. M. 14.50;
Einzelpr. M. 24. —

Diefes Buch gehört einem allgemeinen Gefchichts-
werke an; es befteht aber ganz für fleh, und fordert durch
feinen Inhalt ganz befonders die Aufmerkfamkeit jedes
Theologen, und daher auch die Befprechung in der theologifchen
Literaturzeitung. Diefe hätte fchon vor einem
Jahre erfolgen follen; und dafs es jetzt erft gefchieht, ift
lediglich meine Schuld, welche ich nur auf "äufsere Um-
ftände abwälzen kann. Es gereicht mir aber heute noch
zum Vergnügen, die übernommene Pflicht zu erfüllen,
weil ich das Buch aufrichtig empfehlen kann. Es deckt
fleh im wefentlichen mit dem, was wir Neuteftamentliche
Zeitgefchichte nennen, doch mit dem Unterfchiede, dafs
es in diefelbe auch die Neuteftamentliche Gefchichte
felbft, wenigftens in ihrem wefentlichften Theile einbezogen
hat. Was nun die erftere betrifft, fo wird auch
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