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Ausgabe:

1890 Nr. 1

Spalte:

424-425

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mayor, John E. B.

Titel/Untertitel:

The Latin Heptateuch 1890

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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425 Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 17. ^26

werden foll durch: ,et dominus cunctis quam magna
fidelibus addat'? Das heifst doch gewifs nicht den
Schreiber, fondern den Dichter verbeffern wollen, und
auch Emendationen, wie die zu Exod. 87 f. (,Sef für ,Nec'
und ,reprendet obstetrices si iura ducis' für ,referre ad
meritas haec si iussa' [A iura']) oder zu Jof. 368 (für tabuere
in' läfst der Verf. die Wahl zwifchen ,structas',
.stabiles' und, ,best of all', .habitatas'), wird man von dem
Vorwurf der Gewaltfamkeit nicht freifprechen können.
Unter den Conjecturen der früheren Herausgeber, welche
der Verf. anführt, verdienen namentlich diejenigen Are-
valo's Beachtung; eine nicht unbeträchtliche Zahl der-
felben hat durch die fpäter bekannt gewordenen befferen
Handfchriften Beftätigung gefunden, vgl. z. B. Gen. 259.
353. 910. 911. 927. 959. 988. 1017. 1023. 1025. Aber auch
unter den jetzt zum erften Male vorgefchlagenen Emendationen
finden fich viele gelungene, und überhaupt zweifeln
wir nicht daran, dafs diefe Vorarbeit, in welcher die
Belefenheit des Verf.'s ein reiches Material an Parallel-
ftellen aus anderen Autoren vereinigt hat, der neuen
Ausgabe fehr zu Batten kommen wird. Eine werthvolle
Zugabe bildet der ausführliche Index, in welchem nicht
nur die feltenen Wörter und Wortformen, fondern auch
Buchftabenvertaufchungen, Verftöfse gegen die Profodie
und dergl. berückfichtigt find. Dafs die Ausftattung des
Buches eine vorzügliche ift, verfteht fich bei der Cambridge
Untversity Press von felbft.

Berlin. O. v. Gebhardt.

Pastor, Prof. Dr. L., Nachwort zum zweiten Bande der Geschichte
der Päpste. Freiburg i. Br., Herder, 1890.
(38 S. gr. 8.)

Diefes .Nachwort' ift der Theol. L.-Z. eingefandt worden
, wünfcht alfo wohl eine Anzeige. Es enthält die Antwort
auf die Befprechung, welche v. Druffel in GGA. Pa-
Bor's Gefchichte der Päpfte L gewidmet und von der ich
hier Jahrg. 1S88 Nr. 16 Bericht erftattet hatte. Die Antwort
ift aufserordentlich bezeichnend. Sie enthält im
wefentlichen drei Elemente: 1) neue breite Zufammen-
ftellung von Lobfprüchen, die dem Verf. geworden find;
2) perfönliche Liebenswürdigkeiten gegen v. Dr.; 3) fachliche
Widerlegungen. Ich gebe von den beiden letzteren
einige Proben.

Zu 2 . Viermal wird, wenn ich recht gezählt, v. Dr.
als Honorarprofeffor titulirt (S. 5. 6. 16. 19) und was P.
damit meint, 'bezeichnet der vornehme Satz: ,Vielfach
wurde auch die Anficht ausgefprochen, Herr v. Dr. beab-
fichtio-e, durch feine „Kritik" meine akademifche Lauf-
bahnzm fchädigen. Man denke fich nun das Vergnügen,
welches der viel ältere und feiner Anficht nach hundertfach
bedeutendere Münchener Honorarprofeffor empfinden
mufste, als genau drei Monate nach dem Erfcheinen feiner
Kritik der ... Angegriffene . . . zum ordentlichen Profeffor
befördert wurde. Wahrlich, Minifter v. Lutz verdient den
fchärfften Tadel, dafs er ein folches, nun fchon faft ein
Vierteljahrhundert lang leuchtendes Licht bis zur Stunde
noch immer nicht mit diefer fo heifs .erfehnten Würde
bekleidet hat' . . . ,Ein längeres Verweilen bei den „lite-
rarifchen Verdienffen" des Herrn v. Dr., wie bei feinem
Verfuche, in Oefterreich eine ordentliche Gefchichtspro-
fefiur zu erhalten, würde indeffen hier zu weit führen, fo
dankbar das Thema auch fein würde.' — Wie oft das
Wort ,altkatholifch' vorkommt, habe ich nicht gezählt.
Aber als bezeichnend erwähne ich wenigftens den Schlufs-
fatz S. 33, wo P. bemerkt, ,dafs mich bei diefer echt
„altkatholifchen" Leiftung nur das eine überrafcht hat,
dafs fie Aufnahme in ein Blatt, wie die GGA.
gefunden hat, ein Blatt, deffen Hauptmitarbeiter,
de Lagarde, fchon 1874 den Altkatholicismus in fchärf-
fter Weife verurtheilt hat'.

Zu 3). Von der Laif von Nachweifen, welche v. Dr.

über P.'s Arbeitsweife gegeben, befpricht P. im ganzen
12 Numern (nach meiner Zählung; die Numern im
Folgenden flammen alfo von mir) und thut die übrigen
mit der Bemerkung ab (S. 34), dafs fich ihre Unwahrheit
auf den erften Blick ergebe. Jene 12 Numern find
durchaus Quisquilien und ihre Widerlegung berührt meid
nicht einmal den Punkt, den v. Dr. in's Auge gefafst
hatte. 1) 2 Seiten, d. h. der Abdruck der ganzen Anzeige
des LCBL, werden darauf verwendet, um nachzuweisen,
dafs dort nicht P. feinem Lehrer Janffen als Vorbild vorgehalten
werde. (Es fcheint v. Dr. eine Verwechslung
des LCB1. mit der DLZ. begegnet zu fein.) 2) Eine weitere
Seite und darüber befchäftigt fich mit der Bemerkung
v. Dr.'s, die Angaben P.'s und Gottlob's über das
Contifforialarchiv Bimmen nicht zufammen. 3) Ebenfo-
' viel Raum erfordert die Erörterung über eine Depefche,
die y. Dr. nicht, wie P.'s Erwiderung vorausfetzt, .angezweifelt
', fondern lediglich auf ihren Werth geprüft hatte.
4) 8 Seiten nehmen Stellung zum Vorwurf der Entlehnungen
, die P. ohne genügende Bezeichnung vollzogen
. Wenn v. D. fagt, zuweilen fei bemerkt: ,Das
obige wörtlich nach N.', aber niemand werde ahnen, dafs
■ z. B. S. 60 f. ein mehr als eine Seite grofser Ab-
fchnitt aus Höfler Behe, fo erwidert P., er habe ja ausdrücklich
bemerkt: .Obiges wörtlich aus'. Wenn v. Dr.
ihm vorwirft, dafs er ein gänzlich unbegründetes
Urtheil Rohrbacher's abfchreibe. und diefen Vorwurf
durch ein Citat aus Nider begründet, welches das Gegen-
theil befage, fo antwortet P. entrüfiet, er habe ja Rohrbacher
dreimal als Quelle genannt. Wenn v. Dr. klagt,
P. citire Janus', wenn er kleinliche Polemik gegen ihn
treibe, nenne ihn dagegen nicht, wenn er ihn benütze,
und wenn er an einer andern Stelle fich u. a. auf eine
bei Janus angeführte Thatfache beruft, um zu zeigen,
wie P. die Henkerarbeit des Nicolaus V. verhülle, fo fagt
P. darauf, er habe den Janus wiederholt citirt, freilich
nach v. Dr. noch lange nicht oft genug. . . . Denn nach
ihm fcheine allein in Janus' Heil zu fein, — darum nämlich
, weil v. Dr. feine Erörterungen über das Verhält-
nifs des PapBthums zur Reform im Gegenfatz gegen P.
dahin zufammenfafst: es zeige fich alfo, dafs Janus durchaus
recht habe, wenn er fage: u. f. w. — Im felben Stil
find die übrigen Erwiderungen gehalten. Ich erwähne
nur noch einige Beifpiele. So Nr. 7 (S. 25): v. Dr. hatte
unter anderen Quellen auch ein von P. überfehenes
Werk von Malavolti angeführt, um zu zeigen, dafs die
Sache in Wahrheit ganz anders liege als bei P. Darauf
antwortet P., als ob v. Dr. ihm lediglich den Vorwurf gemacht
hätte, jenes Werk überfehen zu haben.

Mit S. 27 geht P. auf die Vorwürfe gegen feine
Edition ein. v. Dr. hatte immer wieder gezeigt, dafs P.
zu viel Spreu aufnehme. Darauf antwortet diefer (S. 27 ,
er habe doch ausdrücklich bemerkt, es fei nicht auf
eine eigene Urkundenfammlung abgefehen, eine Bemerkung
, die etwa dann richtig wäre, wenn v. Dr. das Gegen-
theil beklagt hätte, v. Dr. hatte 8) bei Gelegenheit
von Nr. 39 der Aktenfiücke gefagt, Pafior verfchweige
den eigentlichen Zweck der Sendung EBouteville's nach
Frankreich, die Aufhebung der pragmatifchen Sanction;
man müffe ihn bei Reumont fuchen. P. antwortet:
.Wenn . . . Nr. 39 . . . thatfächlich kein Wort über die
p. S. enthält, fo ifi dies nach v. Dr. natürlich meine
Schuld'. 9) Die bisher unentfchiedene Frage, ob fchon
Cahxt III. den V. Ferret heilig gefprochen habe, hatte
P. in bejahendem Sinne durch Veröffentlichung der bisher
unbekannten Canonifationsbulle zu entfcheiden geglaubt
, v. Dr. dagegen hatte aus der in derfelben Hf.
enthaltenen Canonifationsbulle Pius' II. nachzuweifen gebucht
, dafs die des Calixt blofser Entwurf geblieben fein
mulfe. Darauf vertheidigt fich P. gegen die »Verdächtigung
«, dafs er die betreffende Hf. nicht angefehen. In
Nr. 9—11 werden über 2 Seiten (30—32) daran verwendet
, um einige Correcturen zu den Texten, die v. Dr.

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