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Ausgabe:

1890

Spalte:

417-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gesenius, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Hebräische Grammatik. Völlig umgearbeitet von E. Kautzsch. 25., vielfach veränd. u. verm. Aufl. mit einer neuen Bearbeitung der Syntax 1890

Rezensent:

Philippi, Fr.

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. HarittCk, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 17. 23. Auguft 1890. 15. Jahrgang.

Gefenius' Hebräifche Grammatik, 25. Aufl.
bearb. von Kautzfeh (Philippi).

Delitzfch, Meftianifche Weiffagungen in ge-
fchichtlicher Folge (Siegfried).

Völter, DieKompofitionder paulinifchen Hauptbriefe
, I (O. Holtzmann).

Mayor, The Latin Heptateuch (Gebhardt).

Paftor, Nachwort zum zweiten Bande der Ge-
fchichte der Päpfte (K. Müller).

Caedicius, Ancien plan de Constantinople
(Ph. Meyer.)

Baur, Christus und die Gemeinde, Predigten
(Diegel).

Riehm, Liturgifche Andachten (Achelis).
Tiling, Taufe und Abendmahl (Achelis).
Spitt a, Drei kirchliche Feftfpiele (Achelis).
Cuntz, C. W. Th. Ninck (Schloffer).

Gesenius'. Willi., Hebräische Grammatik. Völlig umgearbeitet
von Prof. E. Kautzfch. 25., vielfach veränd.
u. verm. Aufl. mit einer neuen Bearbeitung der Syntax
. Schrifttafel und Facfimile der Siloah-Infchrift beigefügt
von J. Euting. Leipzig, F. C. W. Vogel,
1889. (XII, 548 S. gr. 8.) M. 6. —
Der Verf. hat in der That grofsen Fleifs und grofse
Mühe darauf verwandt, die Jubelausgabe der Gefenius'-
fchen Grammatik auf der Höhe der VViffenfchaft zu erhalten
, und es trefflich verftanden, in den gegenwärtigen
Stand der VViffenfchaft der hebr. Sprache einzuführen.
Davon legen fchon die kleinen Nachbefferungen Zeug-
nifs ab, wie z. B. $ 23, 3 Anm. 3: Jof. 10, 24 ftatt in der
vorig. Aufl. 19, 24: $ 103, 2, a: 1 Sam. 31, 7 ftatt in
der vorigen 30,7; $ 48, 4, wo es früher hiefs: ,fämmt-
liche Pluralformen', jetzt ,faft fämmtliche Pluralformen',
ferner bezeugen es das Stellenregifter, das jetzt ca.
92 Spalten gegenüber ca. 50 der vorigen Aufl. umfafst, vor
Allem aber die neu hinzugekommen Zufätze, die ftarken
Erweiterungen und die völligen Umarbeitungen der Grammatik
'). Wenn es aber an einem Werke ftets etwas aus-
zufetzen geben wird, fo gilt das vor Allem von einem
Lehrbuch der Grammatik. Es fei mir daher geftattet,
von den mancherlei Ausftellungen, die ich an diefer
Auflage der Grammatik zu machen habe, beifpielsweife
nur einige anzuführen, die fleh allerdings fchon zum Theil
auch gegen die vorige richten. Der Verf. möge daran
das Intereffe erkennen, das ich an feiner Arbeit nehme.

In dem Paragraph ,Ausfprache und Eintheilung der
Confonanten'2; bezeichnet Kautzfeh noch in diefer
Auflage die Litterae rtr~J2 ohne Dag. lene unrichtig
als .Aspiratae1-, während er richtig ihre Ausfprache
(wenigftens zur Zeit der Punctation) als Spirantes oder
Hauchlaute angiebt3).

Für eine Inconfequenz mufs ich es auch halten,
wenn er in diefer Auflage das Zugeftändnifs macht,
dafs man r, in, iia, iltW, 1?. n*1? etc. wie wau, chai,
göi etc. au'sfprechen foll4), und trotzdem 1 und 1 für
Reibelaute erklärt, bei 1 den Zufatz der vorigen Auflage
beibehaltend: ,wie engl, ttf, fehr nahe dem 115)'.
Wenn aber 1 und 1 von den Punctatoren, wo fie confo-
nantifche Function haben, ftets als Reibelaute gefpro-
chen fein follen, woher wiffen wir denn, dafs man 1 und 1
nach einem heterogenen Vocal wie u und i ausge-
fprochen hat? Kautzfeh beruft fleh auf die Dialecte.
Hätte man dann nicht aber in diefem Falle nach dem

1) S. Vorw. p. V, Note 1.
») S. 6, 3.

3) Auch die Bezeichnung diefer Laute mit Rukkachä im Syrifchen
als .Affricaue bei Noldeke (f. Kurzgef. fyr. Grammatik 2) ift nicht zutreffend
. Eine Affricata von b ift doch bw!

4) S. § 8, 5.

5) S. i 5. 2.

confequenten Schriftfyftem der Punctatoren eine andere
Punctation erwartet, etwa ein oder in etc.? Und wenn
die ganze Lehre von den Vocalbuchftaben erft bei
meiner Anficht von der Befchaffenheit des 1 und 1 recht
verftändlich, ja eigentlich erft erklärt wird, wenn neuere
Forfcher behaupten, dafs 1 und 1 in der That noch im
Vulgär-arab. als confonantifche Vocale ausgefprochen
werden '), follen wir da wirklich auf die Auferftehung
eines Zeitgenoffen David's warten, der uns belehre, wie
1 und 1 etwa zu jener Zeit gefprochen fei 2)? Und wiederum
wenn lirptjp = Ke (altiu (a = conf. 11) gefprochen werden
foll, fo ift nicht einzuteilen, wie Kautzfeh von Verwandlung
des 11 in den entfprechenden Confonanten (foll
heifsen Reibelaut) reden kann3). Es erweckt in der That
den Anfchein, als wenn Kautzfeh meine Auseinander-
fetzung über den unberechtigten Gegenfatz von Vocal
und Confonant nicht recht gewürdigt hat4). Auch ift es
inconfequent, wenn er $ 26, I die Regel aufftellt: Jede
Sylbe beginnt nothwendig mit einem Confonanten' '), während
er in der dazu gehörigen Note 2 felbft zugiebt,
dafs fie auch event. mit einem Vocal beginnen kann,
was natürlich um fo häufiger der Fall ift, wenn man
1 und 1 als confon. Vocale anfleht. Ferner mufs ich es
als einen Mangel an Confeqenz in der Darftellung anfeilen
, wenn Kautzfeh in Fällen wie nxsin?, ntnj§,
i")E3 etc. und zwar fchon in der vorigen Auflage, von
Wiederkehr des urfprünglichen ä oder aber erneutem
Uebergange eines Sc/r'toa »tob. in einen kurzen Vocal
redet''), während es fleh hier doch nur um Erhaltung
eines urfprünglichen Vocals a oder aber eines urfprünglichen
anderen kurzen Vocals handelt, der hier unter
Umftänden nicht in einen anderen Vocal übergeht oder
zu Sch'zva viob. fich verflüchtigt. Ebenfo ift es durchaus
inconfequent, wenn er fchon in der vorigen Auflage die
Annahme A. Müller's, Nöldeke's, Stade's u.a. von
derEntftehung der Formen y"y vom fprachgefchichtlichen
Standpunct aeeeptirt"), und doch an der alten Ableitung
fefthält, weil ,die Mafora von der Annahme contrahirter
Formen ausging' oder fie ,dem Sprachbewufstfein der
uns überlieferten Sprachperiode' entfpricht. Auch kann
ich nicht billigen, wenn Kautzfeh fehr beachtenswerthe
Anflehten von Gelehrten einfach regiftrirt, ohne auf

1) Vergl. Glafer in Sitzungsbb. der k. böhm. G. tWW, 18S5 p. 9
und befonders van Berchem im Joum. äsiat. 1889 p. 94.

2) S. Kautfch /. c. | 26, 1 Note 2.

3) S. 58, 3a.

4) So heifst es 26 Note 2: ,0b aber von Haus aus jedes anlaut.
• und -1 nicht als Confonant, fondern als confonant. Vocal anzufehen
fei' etc. Hier wird zwifchen Confonant und confonant. Vocal ein
Unterfchied gemacht, während er zwifchen Reibelaut und Sonor refp.
confon. Vocal gemacht werden follte.

5) Confonant hier wieder in falfchem Sinn für Geräufchlaut genommen
.

6) Vgl. j 63, 2; 95 Anm. 2; i 102, 2 Anm. a.

7) S. I 67 Note 1.

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