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Ausgabe:

1890

Spalte:

406-409

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Röhm, J. B.

Titel/Untertitel:

Zur Tetzel-Legende. Offener Brief an G. Kawerau in Kiel 1890

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 16. 406

^ j- v fmter ten wir bald auch einen belferen lateinifchen Text — die

4. Tor« llnaf* «cu n ade).- Tunc dixit mihi pan ^ ^ Perpetua, diefe Perle unter den Märtyreracten,

tfbg, Kigia ätow, 1än *v meus: d0!>ff f!tanta eenau zu durchforfchen, im Einzelnen zu erklären und
iuyäh,> d£u6uaxi inaf/stt; magna digmtatc es « ^x gefchichtlichen Werth ans Licht zu ftellen. Ich

tooavir, ovaa, wg ti ahr'r 11t postidcs. vermutnej dafs fich bei näherer Unterfuchung ergeben

auag. ■ ■*;„„,„cr.adumcal- wird, dafs der Lateiner zwar Ueberfetzung des Griechen

log tlg tov jtqiütov ßatliinv Quasiprtmumgi aaumcai j ^ infofem eine gewiffe Selbftändigkeit bel.tzt, als

i&iiqda liußtyttL cassem. ( j „pipren | er'eine gleichzeiti ge Ueberfetzung darftellt, die ebenfo

Der Ueberfetzer hat i»g n für «ig «S 0 ' ' für den Gottesdieft beftimmtgewefen ill, wie die griechifche

ir^,1. Ä; S.»i-«y. AI*««* /fort *»« rMWW I Niederfchrift. Dasfelbe wird wohl auch von den Acten

der fcillitanifchen Märtyrer gelten. Doch darf ich mich
auf diefe PTagen hier nicht einlaffen; fie nur zu berühren,
hat keinen Werth. Bemerkt fei, dafs die Herausgeber
erwiefen haben, dafs die kürzere lateinifche Geftalt der

5. Metct öi luloag dliyag Post paucos dies rumor
xywiur uiUeirxiiäg axova- cucurritutaudircmur. b>upcr-
ai-aiaaär rxaotyirtxo öe venit autem et de avttate
Kai b naxr]o btfite rroUiJc pater mens consumptns tae-
imodruiiag uagcuroiiuvog xai dio, ascendit ad mc.
ayißi} TTgog ue

- 'II----J I----.-----j--- - ' UttU,.!!, UUlü V.l.. .YU. .U.^UUl^ll^ VJ^l IUI L C1V-1

r> ngög fie. ,'| Acten der Perpetua nicht aus dem längeren Lateiner,

Hier ift nicht nur das ,supeivenit' und ,ut audircmur fondern direct aus dem Griechen gefloffen ift. Damit ift

11 , r 1____ ____d^ic ///> mittäte1. Uer La- ,. r---~:±-^ J__i"^_:„.-l---___1 _____:_r__ ti„-

auffallend, fondern vor allem das ,de civitate . Der Lateiner
hat ix rijc noluog ftatt ex njs ao'hjS gelelen

1U11UV.1 11 1.111 VV.I. l_*VW WVBU . 1 s. w...- Ii ^>,I1V11.11 Xlfc. L'iuim 11k

die Originalität des Griechen noch einmal erwiefen. Wie
völlig neu ift es für uns, dafs man noch am Anfang des

«"» "|> '■"-----' ----- ■ ,---------,---------- ------— — -«■•• — "& cy...

6. Kai xh vutga fr ») Alio die cum prandercmus, ^ Jahrh. in der chriftlichen (montaniftifchenr) Gemeinde
'•joioin ioTiir'muv'/'»'« d'-Oio- subito rapti sumus ut audi- j zu Carthago griechifch gefchrieben hat, und wie feltfam

' ift es, dafs wir die wichtigfte nordafrikanifche Märtyrer-
acte in originaler Geftalt aus Jerufalem erhalten haben!

t

üiöutv. remur.

Hier hat der Lateiner ftatt uigiaxo eine von ägiaiMo
abgeleitete Form gelefen. Sehr richtig bemerken die
Herausgeber: ,1t is not probable, t/tat breakfast zuith the
prisoucrs zvas so formal and protracted an affair, t/iat
Perpetua, zvlw in gencral makes little account of such
trijics, would havc thought the Interruption of their meal
U'orthy of special mention'.

11. Kai dt) igil.O-övTtg tov Et liberati primam iam
rtgCjiov xnofior qyäg i.afiixgb- vidimus luccm immciisam.

Berlin. A. Harnack.

Röhm, Domcapitul. J. B., Zur Tetzel - Legende. Offener
Brief an Herrn Prof. Dr. G. Kawerau in Kiel. Hildesheim
, Borgmeyer, 1890. (33 S. S.l M. —. 30.
Scharf und klar hatte Kawerau in feinem offenen

rnror ei'önim: I Brief an Röhm (vgl. Nr. 5. S. 118) die Frage feftgeftellt, die

18. diu xnixo xt]v J/"W' Adeo ammas nostras ad- I er nach Röhm's Wunfeh zu behandeln hatte: Ift das

tfiwv jcaged(ü/.a,uir. ^ diximus. Tetzelwort: ,Sobald das Geld etc.' echt oder apokryph?

20. oc Txagtiaxf/.ei avijr Qui ei adhacrebat. Wollte Röhm als Anwalt Tetzel's antworten, dann mufste

Der Zufammenhang lehrt hier und in Bezug auf den er den Echtheitsbeweis Kawerau's durch eingehende

vorigen Satz, dafs der Grieche die correcte Ueberliefe- Unterfuchung der Quellen und Befchaffung neuer Be-

rung bietet. Geht aus diefer Vergleichung hervor, dafs weismittel entkräften. Aber es war nicht leicht, in

der Lateiner nicht das Original fein kann, fo zeigt doch Kawerau's Waffenrüftung eine Lücke zu entdecken. Das

andererfeits der Grieche lateinifche Worte {rrguixibgiov, hat auch Röhm empfunden, denn er hat lieh zu einer

ttaxgiova) und Latinismen. Jenes will wenig befagen. Antwort nur entfchloffen, ,weil man ihm fagte, fein

Dagegen wären Latinismen, wie biluovxai o'inveg — ,vi- Schweigen könnte böswillig mifsdeutet werden" (S. 25).

derint qui1 (c. 1) wohl anzumerken gewefen. Sie können Je fchwerer die Aufgabe, einen um fo kräftigeren An-
m. E. das gewonnene Ergebnifs nicht umftofsen, aber '■■ lauf mit gefammelten Kräften durfte man erwarten

na. £>■ f,"-"---- —o------- . . ..- .„

lie find doch der Beachtung werth. Noch wichtiger ift
die Beobachtung, welche die Herausgeber nicht verzeichnet
haben dafs der Grieche in der einen Handfchnft, in

ICtUl Hill. v, V.IOlillllV.lLl.ll 11 III LLIl UUI Ul 111,111 1.1 11 ,11 11.11.

Aber man wird nicht bald etwas Verworreneres und Zerfahreneres
zu lefen bekommen, als die Antwort Röhm's,
der es an innerer Sammlung und Beherrfchung der Sache
fehlt. Ift doch der innere Widerfpruch, den Röhm

___i. ■ * 1— wi__l_____.]— 'P__l__i r_l______rc- —

naDen, uais ----- — . . ~M

, , uns vorliegt an nicht wenigen Stellen ver- i »«-«»"• hu<-h w^i iiiuhi^imi, nuuu

weiciaer er ^ Ebenfo Correcturen vom Lateiner 1 nach wenigen Wochen an den Tag legt, fchon auffällig.

f wie er fie diefem zu Theil werden läfst. Gleich j Erft war er mit vollem Vertrauen in Kawerau's guten
empian^t, wi f hweri;ch in Ordnung: Ei xa nalaia Willen, in feine wilfenfchafthche Unbefangenheit, Grund-
der tu,gan».- (yt',eftJ, ^£0r, (larSom vxa /.ai lichkeit und Wahrheitsliebe an ihn herangetreten. Jetzt
x,lS arraxeiloivxa, öiu xoixö laxx ye- ' verlangt er erft guten Willen von ihm, traut ihm kein
Oixodr^ «hü* rxagovoia tßv = unbefangenes Urtheil über die Ablafslehre der katholi-
yguiunva, "«, ■< k h $ „ . doBaatil, öiaxi ur, **i fchen Kirche und keine genaue Kenntnifs der Jefuiten
ngayuaxviv ^^*ß *T^8 M kx&oa&ya&ft**d*i- Er kanzelt Kawerau ab, weil er von .Verehrern

r« *«,.•« ^*!2^%Sa*3wj firctcrafidciexem- jefuitifcher Moral' geredet, und legt ihm als römifcher
taar^*S**«*frÄ»//« ot edificationem hominis , Priefter eine Bufsle.ftung auf. Ja den Mann, vor deffen
pla *J<*£*™ Fittens sunt digesta, ut lectioue Geleh, famkeit er einen folchen Refpect hat, dafs er ihn
operantia, ^SLSrtK rcrum et deus honoretur et zu einer Monographie über Silvefter Prierias auffordert
corum ^T^^^ cf mva documenta acque utriquc (S. 22, N. l), will er erft zu Janffen und gut katholifchen
homo ^^fXjÄ Es ift ftatt öbyuaxa Dogmatikern in die Schule fchicken; von diefem Ma
causae conmmeniia ^"GQ c_____lofM ,,„h fetzt er voraus, er habe in feinem Urtheil „her Hie Tel

rnn"-nientia et di^eranturr es in itatt ooytiaxa i Hugumunciii m ^v.nun. icmciccii, von uicicni mann
wohl i adti-'uaxa oder "ein Synonym zu lefen, und aus- fetzt er voraus, er habe in feinem Urtheil über die Jefu-
o °f llen find 'im Griechifchen die dem Lateinifchen ,ct iten nur Anderen nachgefprochen. Wer in feinem Ur-
ho nnfortctuA entfprechenden Worte. Zahlreicher aber theil fo fchwankend ift, dem fehlt es an der inneren
. TJi» HinaS Hie Stellen, an denen der unverftändliche Durchbildung feines Wefens, wie wir fie von berechtigten
lind allerdings d e *ra« , Wortführern in wiffenfr.haftlirhen Kranen fördern Wahr-

lind allerdings die btellen, an uenen wi uuvciuaiiuiii-iit -.....m,uu,.8 n.v. vYH iic vuii iÄ.im„i,s,ii

La* ner durch den Griechen berichtigt wird. Eine ge- Wortführern in wiffenfehaftlichen Fragen fordern. Wahr
naue Veredeichung der beiden Texte fleht noch aus. haft kläglich ift, wie Röhm erft i j Seiten rnft allen mog

m

6

naue VercdeichuncT der beiden i exxe nenr noen aus. «.mgueu uy wie ivumii an i/ oeuen mu auc„ „m

Trotz& der umfangreichen und trefflichen Einleitung, liehen Zeitungsausfchnitten und Excerpten füllt, ehe ih
welche die Herausgeber vorausgefchickt haben — auf- | einfällt, von was er zu handeln hat, und dann nach w
fallender Weife nennen fie weder Münter, noch Ufener, . kurzen Seiten feinen Gegenftand wieder verläfst, um fein
noch die fcillitanifche Martyreracte -, bleiben noch viele i Kaleidofkop wieder zu fchutteln. Alle möglichen
Fragen unoelöft Es ift eine fchöne Aufgabe, nun auf Schlechtigkeiten des Proteftantismus halt er kawerau
Grund einer ficheren Ueberlieferung — hoffentlich erhal- vor, welche diefer unbefehen als baare Münze hinnehmen