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Ausgabe:

1890 Nr. 12

Spalte:

315-316

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gümbel, L.

Titel/Untertitel:

Bibelkunde für höhere Unterrichts-Anstalten 1890

Rezensent:

Bornemann, Wilhelm

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Seite 1

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3T5 Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 12. 3'^

tionen für 10 altteftamentliche und 12 neuteftamentliche | Erwartung der unmittelbar bevorftehenden Parufie bei
Gefchichten, welche auf der Unterftufe der Volksfchule ! den älteften Chriften wird kaum erwähnt, gefchweige
zur Behandlung kommen follen. Als Anhang ift eine j denn gewürdigt; der Philemonbrief wird zu den Paftoral-
zweckmäfsige Ueberficht über die behandelten Gefchich- : briefen gerechnet, die Chronologie des Paulus nach der
tennebft den herangezogenenBibelfprüchen, Liederverfen, I Apoftelgefchichte gegeben; als Gegner des Stephanus
Katechismusftücken und Gebeten gegeben; dann find eine j werden die Pharifäer genannt; die Schriftgelehrten
Reihe gut ausgewählter Gebete für die Unterftufe und ,bahnten den Weg zur Anbetung Gottes im Geift'; die
einige Lehrbeifpiele in Frage und Antwort angefügt. Bei | Bibel = rb ßlßliov züv ßißUwv u. f. w.) Befonders werden
einzelnen biblifchen Gefchichten wird zunächft 1) ein j den die erften 12 Seiten manchen von einer weiteren
fehr inftructiver Abfchnitt über die Behandlung jeder j Leetüre oder gar vom Gebrauche des Buchs abhalten.
Gefchichte im Allgemeinen, voll guter Beobachtungen 1 Sie find fo fchwach und von einer fo unglaublichen
und beachtenswerther praktischer Winke, vorausgefchickt; > Naivetät, dafs es mir ein pfychologifches Räthfel ift, wie
dann folgt 2) der Wortlaut der Erzählung, mit der nöthi- fie von demfelben Verf. flammen können wie das übrige

gen Anfchmiegung an das kindliche Verftändnifs und
mit Pietät gegenüber der biblifchen Darftellung; alsdann

Buch. Die pädagogifchen Winke betreffs der zu (teilenden
Aufgaben, der zu machenden Uebungen und Zu-

3) eine fachgemäfse und methodifch treffliche Erläute- ' fammenftellungen gehören in das Vorwort, nicht in den
rung; 4) meift eine zweckmäfsige, der kindlichen An- | für Schüler beftimmten Text. Recht unfruchtbare und

fchauung angepafste Erklärung der zugehörigen Bilder
von Schnorr von Carolsfeld, Ehrenberg, Pefsler; endlich
5) eine Anknüpfung der Lehrftücke. Auch diefer letzte
Abfchnitt ift ftets gewandt und inhaltsreich, dürfte aber
zuweilen etwas zu weit gehen. Sonft habe ich an dem
Büchlein kaum etwas auszufetzen, es fei denn, dafs die
Gefchichte Jofeph's doch reichlich gekürzt erfcheint, und
hie und da eine erläuternde Bemerkung mit einem Fragezeichen
zu verfehen ift. Aufserordentlich dankenswerth
ift auch die Einleitung mit ihren kurzen, praktifchen Rath-
fchlägen. Ueberall merkt man in dem Verf. den gewiegten
Pädagogen und den bewährten Praktiker auf diefer
Stufe des Religionsunterrichts. Die Schrift ift eigentlich
für Volksfchullehrer berechnet. Aber kein Lehrer, welcher
in einer Vorfchule oder in der Sexta und Quinta einer
höheren Schule Religionsunterricht zu ertheilen hat, follte
an diefem Büchlein vorübergehen. Man kann und darf
zwar nicht alles unmittelbar herübernehmen und nachahmen
. Aber man kann an diefer Arbeit ftudiren, wie
man die biblifchen Gefchichten für diefen Zweck vorbereiten
, auffaffen, erzählen, erläutern und verwerthen mufs.

Magdeburg. W. Bornemann.

verfehlte Aufgaben find es, wenn die Schüler aus den
Evangelien die Stellen zufammenftellen follen, wo Jefus
der Menfchenfohn genannt wird, oder wenn fie, damit
die vollftändige Leetüre der Bücher der Könige und der
Chronica bewirkt werde, die Reihe der Könige in Juda
und in Ifrael mit Angabe der Stellen, wo ihre Gefchichte
erzählt wird, fchriftlich aufftellen follen. Wie fich das,
was p. 23, Z. 8—3 v. u. und das, was p. 23, Z. 3—1 V.U.
gefagt ift, mit p. 3, Z. 17 ff. und p. 21, Z. 7 ff. reimt, ift
mir unverftändlich. Auf weitere Ausftellungen mufs ich
hier verzichten. Nur durch gründliche Umarbeitung und
Kürzung kann das Buch für die Schule brauchbar werden.

Magdeburg. W. Bornemann.

Jahresberichte über das höhere Schulwesen, hrsg. von Conr.
Rethwifch. 3. Jahrg. 1888. Ergänzungsheft. Berlin,
Gaertner, 1889. (gr. 8.) M. —.60.

Inhalt: Evangelifche Religionslehre v. Prof. Dr. Leop. Witte.
(24 S.)

Als Ergänzungshefte zu den lehrreichen Jahresberichten
über das höhere Schulwefen' follen fortan auch jährliche
Ueberfichten über die Arbeiten auf den Gebieten
der evangelifchen und katholifchen Religionslehre er-
fcheinen. Die letztere wird Curat Brunner in München
behandeln; für den evangelifchen Religionsunterricht hat
der Herausgeber an Prof. D. Leopold Witte in Schul-
pforta einen bewährten, belefenen und umfichtigen Be-
richterftatter gewonnen. Es kann hier nicht meine Aufgabe
fein, die Urtheile des Recenfenten, denen ich allerdings
nicht überall beiftimmen kann, meinerfeits zu
kritifiren. Auch wird eine relative Vollftändigkeit der
Befprechungen erft allmählich zu erreichen fein; in eigen-

Gümbel, Gymn.-Prof. L., Bibelkunde für höhere Unterrichts-
Anstalten. Stuttgart, Grein er & Pfeiffer, 1890. (V,73S. 8.)
cart. M. —.75.

Der Verf. ffellt neben die vorhandenen Lehrbücher
der Bibelkunde, die er entweder zu knapp und daher
trocken oder zu umfangreich und daher zu aufhaltend
nennt, feine Arbeit als einen Verfuch, die richtige Mitte
zu treffen. Ob das wirklich einem ,praktifchen Bedürf-
nifse' entfprach, bezweifle ich. Für die Schüler können

folche Bücher nicht knapp genug fein, der Lehrer aber i thümlicher Weife ergänzen fich für das Jahr 1888 Witte
bedarf mehr, als was G. bietet. Die Anfchaulichkeit aber und Hempel (letzterer in den ,Pädagogifchen Jahresbe-
und das Leben foll durch die Perfon des Lehrers in den richten' von Albert Richter, Leipzig, Brandftetter).
Unterricht kommen; ein Schulbuch, welches die Trocken- Immerhin hat Witte in dem diesjährigen Jahresbericht
heit knapper Zufammenftellung fürchtet, wird weitläufig, 1 nicht weniger als 45 Schriften (1—6 zum /Unterrichts-
aber nicht intereffant werden. Auch das Buch des Verf.'s ! betrieb', 7—13 allgemeine Lehrbücher, 14—31 Katechis-
ift dort am brauchbarften, wo es den richtigen Stoff in ! musbearbeitungen, 32—45 biblifche Gefchichte und Bibel-
möglichft kurzer, präcifer Form darbietet ohne weitere künde) befprochen und dabei befonders das Problem der
Reflexionen, die man dem mündlichen Unterricht vor- i Schulbibel erörtert.

behalten mufs. Manche andern Stücke des vorliegenden Uebrigens verdient ein anderer Punkt hier noch erBuches
aber müffen als überflüffige und fchädliche Zu- j wähnt zu werden. In einer andern Abtheilung der Jahres-
thaten betrachtet werden. Zumal entbehren die allge- I berichte' find von einem andern Recenfenten eine Reihe

meineren Beweisführungen faft überall der ftrengen, logi-
fchen Beweiskraft und bewirken, dafs das fonft ganz ver-
ftändige und nicht unbrauchbare Büchlein als mangelhaft
bezeichnet werden mufs; z. B. find p. 3—6. p. 7. 8. p. IO
—12. p. 39—45 Abfchnitte, die entweder ganz geftrichen
oder erheblich verändert und gekürzt werden müffen.
Neben mehrfachen Druckfehlern find auch ungenaue,
unfichere und unrichtige Angaben nicht vermieden. (Das
Buch Daniel aus der Zeit des Exils; von der apokalyp-
tifchen Literatur verräth der Verf. keine Ahnung; die

von Büchern, welche mehr das Gebiet der confeffionellen
Polemik und Irenik berühren, in einer Weife befprochen,
welche fchwerlich dem Berichterftatter über den evangelichen
Religionsunterricht recht und lieb fein kann. Wenn
die jämmerlich confufen oder tendenziöfen ,Kirchlichen
Zeit- und Streitfragen des evangelifchen Pfarrers Martin
Leo' (Dortmund, Meyer), die noch dazu höchft wahr-
fcheinlich gar nicht von einem evangelifchen Pfarrer,
fondern von einem Katholiken flammen, alfo unter falfcher
Flagge fahren, aus lauter vermeintlicher Unparteilichkeit