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Ausgabe:

1890

Spalte:

243-244

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kögel, Rudolf

Titel/Untertitel:

Neue Christoterpe. Ein Jahrbuch. 11. Jahrg. 1890 1890

Rezensent:

Meyer, Ernst Julius

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Seite 1

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243

Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 9.

bekennenden Lobgefang der Gemeinde, fowie die Aneignung
des Heils im Dank-, Bufs-, Bittgebet und im Ausdruck
der Hoffnung den Kern bilden. Ob diefer Kern
feinen Platz vor oder nach der Predigt zu finden habe,
und welche Reihenfolge der einzelnen Momente die an-
gemeffene fei, will er nicht entfcheiden. Nur eine Ein

zu dem Bilde des wahren Glückes (,Striche zum Bilde
des Glücks'), als deffen Grundelement er die Einfalt bezeichnet
, die Einfalt derGottinnigkeit undGotteskindfcham
zu der aus der Fülle der Weltcultur immer wieder zu"
rückzukehren eine freilich für unfer Gefchlecht, für diele
Zeit hochgefteigerter Weltcultur, doppelt fchwere Aut'

leitung, die in die cultifche Stimmung überleitet, und eine gäbe ift. An den Ton, den W. Baur anfchlägt, kling1

Schlufsliturgie, in der die empfangenen Eindrücke aus
klingen, hält er jedenfalls für geboten. Ebenfo richtig
find die Forderungen, dafs das Moment des Lobes und
Dankes und der feiernden Anbetung ftärker hervortrete,
dafs die Liturgie eine ebenfo fcharfe wie klare und der
Gemeinde unmittelbar verftändliche Gliederung bekomme,

ein Artikel von E. Dennert an: ,Stimmen der Natur-
Auf Grund feinfter und forgfältigfter Naturbetrachtung
läfst er die Stimmen der lebenden Natur in ihrer ganzen
reichen Mannigfaltigkeit bis zur Stimme des Menfche"-
die in ihrer Erhabenheit über die Thierfprache gepriefe"
wird, laut werden und entwirft mit vieler Liebe und rm

c!an7.minreJenH- Cla vd,deSe Gru"dt°ndurch, den ! dichterifcher Hand ein höchft anfchauliches und leben*
ganzen Gottesdienft hindurchklinge. Endlich verlangt 1 volles Bild, das die Harmonie im erofsen I oblied der
er weitere Ausbildung der Nebengottesdienfte, die als Fi- | Schöpfung 'ahnen lafs«J De " nach fe S theoRg.fchen
K Aertw ' Gehalt bedeutendfle Artikel ift der von P Kiepert:

K .t^rhiTm r r " e^ anrdVeBSCvhr,fti feVCS Fn den 'Etwas von der Gotteslehre im erften Mofesbuctr.
IX if u'i^A^n^ Gefch«chte der ,Klrche und ! göttliche Pädagogie mit ihrer wunderbaren Weisheit wird
de S C e Leben der Gegenwart) den einzelnen Claffen t an den Haupt|eftalten der Gefchichte de Patriarchen,
nicht ,n ei ?r m W« Vm.fHauPtrS°tteusdienft i befonders eingehend an Jacob, an feinen Verirrungen und

Weife finde n 1 "It Bedurfmfsf entgehenden j Läuterungskämpfen in ihrem Zufammenhang mit finnig**
fi7klfei.n,den- ~ Die klar und warm gefcnnebene Schrift j Benutzung auch der einzelnften Züge verfolgt und dar»*

ift trefflich geeignet, weitere Kreife für die Reform des

Gottesdienftes zu intereffiren und in die rechte Richtung
zu weifen.

Giefsen. J. Gottfchick.

Neue Christoterpe. Ein Jahrbuch, hrsg. von R. Kögel,
W. Baur u. E. Frommel. Bremen, Müller, 1890.
(363 S. 8.) M. 4. -

Die ,Neue Chriftoterpe' ift bereits in das zweite Jahrzehnt
eingetreten und hat fleh in weiten chriftlichen ,

Kreifen eingebürgert. Bewährte Mitarbeiter, die faft jeden bezeichnet, fo dürfte diefes Urtheil bei aller Anerkenn""»

zugleich ein Stück Theodicee geboren. Der/Artikel zeigt
in vorbildlicher Weife, wie die rechte Belehrung von felbu
ohne alle Aufdringlichkeit zur Erbauung wird. W"*
neben der göttlichen Pädagogik die menfehliche Pädagogik
in ,Haus und Schule' zu thun hat und was das
richtige Verhältnifs diefer beiden grofsen Erziehungs'
factoren zu einander ift, davon handelt L. Renner, der
in lichtvoller Weife den in unfern Tagen nur zu

felü

verkannten und verleugneten Gedanken ausführt, dafs dem
Haus die eigentliche Erziehung der Kinder zufällt und dm
Schule feine Gehülfin ift. Wenn er dabei Palmer als den
namhafteften'Theologen unter den modernen Pädagoge^

EmSS^^J!^ H- Bey^- der die Gefchichte
der Wiedertäufer in Munfier' behandelt. Eine intereffante
farcfmngefchichtliche Gefialt aus diefem JahSuSert ^
U Witte in Luigt Defanctis vor, dem italienifchen Fr"'

inzwifchen feit dem Erfcheinen diefes, des 11. Jahrgangs,
entriffen worden mit den beiden Süddeutfchen, Karl
Gerok und Max Frommel, von denen der letztere
auch nach feiner Ueberfiedelung nach Norddeutfchland
den Naturboden nicht hat verleugnen können, aus dem
er erwachfen war. Wie warm fein Herz für feine füd

deutfehe Heimath gefchlagen, aber auch wie er die nord- | teftanten, der aus einem wegen feiner hervorragende"
deutfehe Art und.Eigentümlichkeit zu würdigen und ' Gaben hochgefeierten römifchen Priefter und Glied des
nf'f '1 TT"k " r^V^x*"^!? ha>,beweid e'n Auffatz I Ordens der Camilliften nach fchweren inneren und äufsere"
N ederflrhVe^ .Norddeutfch und Süddeutfch, | Kämpfen zu einem begeifterten evangelifchen Pfarrer

terelW Schwaben' in welchem er eine in- : wurde. Zwei eigentümliche Erzählungen bieten H.

tereffante Parallele zwifchen beiden zieht, neben einem Schreibershofen und Max Vorberg, die eine: ,d>e

Sieben utä ^ r'h W Gabe fUS ^ ! rÖmifche LamPe< ift eine antike MärtySVgefchRhte, die
reichen Hand. Sein Bruder Emil Frommel umrankt ! in Rom, die andere: .zweierlei Feuer- eine mittelalterliche
«v^Ktrchenjahrsbetrachtung: .Pfingftrofen und Hirn- : Sectirergefchichte, de in Köln f^ f«W
melsfchluffel' die Adventszeit auf Pfingften, die fieben j feffelflAnd ■ mit^t^^(^g^^iX

Sonntage nach Oftern und den Himmelfahrtstag mit einem
reichen Gewinde finniger und fruchtbarer Gedanken und
mit tiefbeweglichen Erinnerungen aus feiner Seelforge,
die in diefe Zeit des Kirchenjahres fallen. In Erinnerungen
ergehen fich auch O. Funcke und W. Baur, die
beide ein Stück Selbftbiographie bieten und Erlebnifse
und Eindrücke ihrer erftenjugend wiedergeben. O.Funcke
befchränkt fich auf diefes Thema. Mit Behagen und
mancherlei Nutzanwendungen erzählt er ,aus der Jugendzeit
', befchreibt feine Heimath im Bergifchen und das
Leben im Elternhaufe, wobei er befonders feiner Mutter
ein Ehrendenkmal fetzt, deren originelles Bild er mit
rührender Pietät und mit lebensvollen Zügen zeichnet.
W. Baur entwirft ein anziehendes und anmuthendes Bild
feiner im fteten Umgang mit der Natur und in frifcher
Urfprünglichkeit verlebten Kindheit, das den Lefer in
eine nach Lebensweife und Sitte noch einfache Zeit und
in eine Gegend verfetzt, die fich von den Einflüffen der
Cultur freier erhalten hat. Diefes Bild erweitert fich dem
Verf., indem er ihm eine bedeutfame Perfpective giebt,

ftellenweife nicht frei von Künftelei und namentlich dlt
letztere ohne verhöhnenden Abfchlufs. Unter den Gedichten
ift neben dem grofs angelegten Gedicht vo"
M. Kögel: ,das Denkmal zu Worms' unfers Erachte"5
das bedeutendfle die .Herbftklage' von C. von Helle";
,Das Vaterunfer der Seligen' von W. Klofe ift e,n
Paraphrafe des Vaterunfers, die bei aller darauf verwendeten
Kunft doch, wie alle folche Paraphrafe"'
kalt läfst.

Dresden. Meier.

Bibliographie

von Cuftos Dr. Johannes Müller.

Berlin W., Opernplau, Königl. Bibliothek.

Ccutfobe "Literatur.

Scharling, H., Reifebilder aus Paläftina. Aus dem Dän. v- ruj S-)
latzen. Bremen. Heinfms Naclif., 1890. (87 S. m. 1 Ab"11 1°

Delff, H. K. H., Das vierte Evangelium, e. authent. Bericht üb.