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Ausgabe:

1890

Spalte:

232-237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Duchesne, L.

Titel/Untertitel:

Origines du culte chrétien. Ètude sur la liturgie latine avant Charlemagne 1890

Rezensent:

Gottschick, Johannes

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(im Auguft diefes Jahres flarb Pontano) oder doch nicht
lange darnach erfolgt fein mufs. Sie galt aller Wahr-
fcheinlichkeit nach dem Klofter S. Domenico in Neapel,
welchem, wie wir durch Joh. Lomeier (De bibliothecis
über singularis. Ed. IL Ultrajecti 1680, p. 268) wiffen,
Eugenia nach dem Tode ihres Vaters einen grofsen
Theil der Bibliothek desfelben zum Gefchenk machte.
Gardthaufen's Befchreibung diefer Handfchrift im 32.
Bande der Berichte über die Verhandlungen der kgl.
Sächf. Gefellfch. d. Wiffenfch. zu Leipzig, Philof.-hiftor.
Claffe (1880), hätte Greg, nicht erwähnen follen, ohne
zugleich gegen die darin enthaltene Behauptung zu prote-
ftiren, dafs ,die Subfcription (mit dem Datum 1291) erft
fpäter von anderer Hand hinzugefügt wurde und unfer
Codex felbft ungefähr 100 Jahre älter fein mag'. S. 503
(Ew. 169) heifst es von der Bibliotheca Vallicelliana:
,hodie possidet hanc bibl. Societas Romana'. Aber die
Socictä Romana di storta patria, welche leicht etwas deutlicher
hätte bezeichnet werden können, ifl nur mit der
Aufficht über die Bibliothek und der Verwaltung der-
felben betraut (durch königl. Decret vom 15. Oct. 1884);
Eigenthümer ift der Staat. S. 534 (Ew. 394) konnte
die Provenienz des Cod. Vallicell. F 17 der Infchrift
,Bibliothecae Congregationis Oratorii de urbe ex libris
Achillis Statii' entnommen werden. Ebendaf. (Ew. 396)
wäre als Vorbefitzer des Cod. Chis. R. IV. 6 Agoftino
Patrizi, Bifchof von Pienza (-[ 1496), zu nennen gevvefen.
S. 556 (Ew. 565, 2pe) durfte nicht verfchwiegen werden,
dafs Belsheim's Ausgabe des Cod. Petrop. caes. Muralti
53 (VI. 470) völlig unbrauchbar ift1). S. 584 vermifst
man die Bezeichnung der Bibliothek, in welcher der
Verf. den Cod. Ew. 816 in Corcyra fah. Zu S. 587 bemerke
ich nachträglich, dafs Ew. 844 aus dem Klofter
S. Spirito zu Feltre flammt, und dafs Ew. 845 aus 313
befchriebenen Blättern befteht, wovon 301 auf den Text
der Evangelien entfallen. S. 618 wird erwähnt, dafs Act.
12 von Io. Lascaris i. J. 1518 ,Petro Merieli' gefchenkt
worden fei. Andere haben ,Petro Masieli' gelefen. Die
neue Lesart befriedigt fo wenig wie die ältere. Der
Cod. Chis. R. V. 29 (Act. 169) flammt, wie Ew. 396,
aus der Bibliothek des Bifchofs Patrizi von Pienza. In
der Unterfchrift ift cinb zr]g oeßuoLiiag (nicht ttyiag) iiovijg
iwv bdqywv zu lefen. S. 637 wird Act. 178 noch als in
Cheltenham befindlich bezeichnet. Die Handfchrift gehört
aber feit 1887 der Königlichen Bibliothek zu Berlin.
S. 639 wäre zu (Act. 205) Apoc. 181 die ovvoiiug o/okim)
7caQuxeittiaa vub äq/tPa ävak'lov knia/.öitov -/.aiaugkig
v.aniiuön/.lug zu erwähnen gewefen. Zum Schlufs ver-
beffere ich einige Druckfehler. S. ii (Ad interim) Z. 5
ift ,passus' ft. ,passum' zu lefen, S. 473 (Ew. 42) zwei-

1) Das Evangelium des Marcus nach dem griechifchen Codex Theo-
dorae Imperatricis purpureus Petropolitanus aus dem Qten Jahrhundert.
Zum erften Mal herausgegeben von J. Belsheim (Mit einem Facfimile).
Nebft einer Vergleichung der übrigen 3 Evangelien in demfelben Codex
mit dem Textus receptus (Christiania Videnskabs-Selskabs Forhandlinger
1885. No. 9). Christiania 1885. Dafs der Abdruck des Textes von
Druckfehlern wimmelt [vgl. z. B. Mc. 1,2 naxuoxevaoei, v. 10 naxa-
ßaivov, v. 12 xev (ft. xnv), v. 35 £§£/#ev (ft. tStj/.Osv), v. 44 Movoeq,
v. 45 xeqvooelv u. egeiioiq, 3, 13 uTteld-ov, v. 17 BavTjpeysq, v. 21
eSexuxai (ft. £qtoxuxat), v. 23 ctvxoiq (ft. avxovq), v. 31 XuXovvxeq
(ft. xaX.), 4, 3 eSeX&ev (ft. EqnX&ev) u. f. w.] ift noch nicht das
Schlimmfte. Ganz unbrauchbar wird die Ausgabe dadurch, dafs B. an
vielen Stellen den Text des der Collation zu Grunde gelegten Exemplars
mit dem der Handfchrift vermifcht und fo die unfinnigften Lesarten zu
Tage gefördert hat, an denen die Handfchrift felbft ganz unfchuldig ift.
So lieft man z. B. Mc. Kyll tpmvn eyevexo ex x<ov ovpavuiv r/xovaO-rj,
v. 33 >/ noXtq oXrj r/v owrjyiievtj rjv, 4, 33 xoiavxaiq nuQttßoXcuq
noXXuiq nugaßoXcuq, 5, 2 e&X&ovxoq ctvxea, v. 23 em9n; xuq yeigag en
uvxrj xaqysittaq, 13, 19 ola ov yeyovaoiv noxe xoiavxn, v. 28 bxav
avxrjq riörj b xXaäoq avxTjq. Wiederholt hat aufserdem der Herausgeber
falfch gelefen, fo dreimal (Mc. 6, 23. 14, 29. Mt. 10, 23) j; uv ft.
2«», Mc. 3, 12 (p. 42) ov xai ft. ovx eia, 7, 2 evevixpavxo ft. ef*eii-
ipavxo, 8, 35 tr av ft. eav, 9, 22 xcu ft. xe, 10, 32 01 StaxoXov-
9-ovvxeq ft. 01 St ttXoX., II, 15 f|foyeoev ft. eSty.etv. Ich breche hier
ab, da die angeführten Beifpiele genügen werden, das oben ausgefprochene
Urtheil zu rechtfertigen.

mal ,Pithoeo' ft. ,Pithaeo', S. 476 Z. 23 ,mutilis' ft. ,mutili',
S. 488 Z. 1 v. u. ift ,dedit' zu ftreichen, S. 495 (Ew. 128),
536 (Ew. 410) u. 540 (Ew. 448) ift die Bezeichnung des
Inhalts der Handfchrift (EvvF) ausgefallen, S. 500 Z. 14
ift (Alexander! VIII ft. VII zu lefen, S. 505 Z. 3 ,871' ft-
,870', S. 518 Z. 6 v. u. .Silvestri' ft. ,Silvestris', S. 525
Z. 7 ,Medicaeus' ft. ,-caei', S. 544 Z. 11 .monasterio' ft.
-rii', S. 573 Z. 9 v. u. ,Tengnagelii' ft. ,Tenag.', S. 578
Z. 19 Atoviiov ft. Atnvz., ebendaf. Z. 20 ,Aeginae' (wie
S. 577 Z. 1 v. u.) ft. ,Aiginae S. 592 Z. 25 ztx ft. zad,
s- 593 Z. 17 ,Björnsthal' ft. ,Björnstahl', S. 617 Z. 1 v. u.
.Paul' ft. ,Perl'.

Berlin. O. v. Gebhardt.

Duchesne, Abbe L., Origines du culte chretien. Etüde sur
la liturgie latine avant Charlemagne. Paris, Thorin,
1889. (VIII, 504 S. gr. 8.)

Der Verf. giebt im Vorwort über die Abfichten feines
Werkes Rechenfchaft. Es ift aus Vorlefungen hervorgegangen
und auf den Wunfeh der Hörer veröffentlicht.
Er hofft mit ihm Anfängern und befchäftigten Perfonen
eine willkommene kurze Ueberficht zu geben. Der Haupt-
titel, den er felbft un peu ambüieux nennt, kommt auf
Rechnung des Verlegers. Seine eigentliche Absicht hat
D. im Nebentitel angedeutet. Diefelbe geht dahin, von
der Entwicklung der lateinifchen Liturgie während der
Zeit vom 4—9. Jahrhundert, insbefondere von der galli-
kanifchen Liturgie, ein deutliches Bild zu geben. Der
Haupttitel ift wenigftens infofern nicht ungerechtfertigt,
als diefe Zeit die der Urfprünge des heutigen römifch-
katholifchen Gottesdienftes genannt werden kann, und
als der Verf. auf die Anfänge des chriftlichen Gottesdienftes
im 1. u. 2. Jahrhundert und auf die Entwicklung
der orientalifchen Liturgie feit dem 4. Jahrhundert kurz
eingegangen ift. Aufser von der Mefsliturgie handelt er
von den Riten des Katechumenats und der Taufe, der
Ordination, Kirchweihe, Nonnenweihe, Verföhnung der
Büfser, dem Horengottesdienft. On sera toujours a Peglise,
a Passemblee chretiennc, fo motivirt er feine Auswahl.
Das 1. Capitel (/es circonscriptions ecclesiastiques) giebt die
Grundlage für das Verftändnifs der liturgifchen Entwicklung
und Verzweigung, indem es die Entwicklung
der Verfaffung von Einzelgemeinden zu Diöcefen, kirchlichen
Provinzen, Patriarchaten, Nationalkirchen fkizzirt.
Das 2. Capitel behandelt kurz la messe en Orient, zunächst
die der Urzeit, dann die der apoft. Constitutionen
und die Verzweigungen und Fortbildungen der orientalifchen
Liturgien. Der übrige Inhalt des Capitels ift dem
abendländischen Gottesdienft gewidmet. Die orientalifchen
Riten werden nur zur Vergleichung herbeigezogen.
Cap. 3 handelt von den beiden liturgifchen Typen des
Abendlandes, Cap. 4 von liturgifchen Formeln und
Büchern, Cap. 5 von den .alten Büchern der lateinifchen
Liturgie', Cap. 6 und 7 von den chriftlichen Feften. Cap.
9 bis 16 handeln, abgefehen von C. 11 le costumc litur-
gique, von den übrigen oben genannten liturgifchen Acten.
Ein Appendix enthält bisher ungedruckte ordincs romani
aus der Abtei St. Amand, die der Verf. in einem Manu-
feript des 9. Jahrhunderts aufgefunden, zwei gallikanifche
r'ormulare für die Kirchweihe und die Plauptftellen aus
der Reife der Silvia, die den jerufalemifchen Gottesdienft
gegen Ende des 4. Jahrhunderts befchreiben.

Duchesne, dem Harnack (Th. L.-Z. 1888 Col. 349)
nachrühmt, dafs die römifche Kirche in Deutfchland zur
Zeit keinen Kirchenhiftoriker befitze, der fich an Gelehr-
famkeit, Kritik und Freimuth mit ihm meffen könne, hat
auch in diefem Buche diefe Eigenfchaften in glänzender
Weife bewährt. Wenn er felbft fagt: au fond il riy a
ici que des notes de cours, fo ift das fehr cum grano salis
zu verliehen. Er hat die Forfchung über die Gcfchichte
der lateinifchen Liturgie in fehr wefentlichen Punkten