Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1890 Nr. 7

Spalte:

179-181

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Law, Thomas Graves

Titel/Untertitel:

A historical sketch of the conflicts between Jesuits and Seculars in the reign of Queen Elizabeth 1890

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

179 Theologifche Literaturzeitung. 1890. Nr. 7. 180

zuweilen faft ans Vulgäre ftreifend; durch lebendige
römifche Erinnerungen weifs er feiner Erzählung einen
guten Hintergrund zu geben. Man erhält meift den
Eindruck eines Mannes, der nicht erft zum Zweck der
für weitere Kreife berechneten Auffätze feine Studien
gemacht hat, fondern fich auch vor dem wiffenfchaft-
lichen Publicum legitimiren könnte und zum Theil legi-
timirt hat, was doch eigentlich erft die Berechtigung zu
populärer Ausführung verleiht. Auch die Auswahl des
mitgetheilten Stoffes ift gefchickt, nirgends überladen;
man hat oft Gelegenheit, den dabei bewiefenen Takt
anzuerkennen; fo wenn H. S. 173 auf ausführliche Darlegung
feiner originellen Anflehten über die Entftehung
des altchriftlichen Bilderkreifes verzichtet, und die Frage
in suspenso läfst. — Leider find Ungenauigkeiten im
Einzelnen nicht feiten; auch findet fich eine Reihe finn-
ftörender Druckfehler. S. 75 wird von dem Brief des
,Bifchofs' Clemens, S. 76 von einem ,Brief' des Cajus ,an
die Kleinafiaten' gefprochen; S. 160 wird der Epifkopat
des Kailift an das Ende des 3. Jahrh.'s gerückt; S. 51
der chriftliche Priefterftand als ein aus dem Judenthum
eingedrungenes Element bezeichnet; und ich möchte auch
noch einmal bemerken, dafs auf dem Grabftein de Roffi,
Inscr.. I S. 210 wirklich der Candelaber, nicht der ,Laden-
tifch eines Krämers' (S. 158) abgebildet ift. Für die
auch von H. vertretene Anficht de Roffi's, dafs die Chriften-
gemeinde fich die ftaatliche Anerkennung als Begräbnifs-
genoffenfehaft verfchafft hätte, ift wenigftens die — S. 130
fehr unvollftändig beigebrachte — Stelle Tertull. apol.
39 (nicht 10) Oehler I, p. 258 fr. nicht anzuführen. Die allerdings
deutlich erkennbare Bezugnahme auf das antike Ver-
einswefen dort beruht auf Entgegenfetzung; und wenn als
Zweck der freiwilligen Oblationen jede Art von Wohlthätig-
keit angegeben wird, fo ift klar, dafs Tert. weit entfernt
ift, auf den Umftand, dafs auch Arme auf Gemeindekoften
beerdigt wurden, irgend welches Gewicht zu legen. —
Indefs das find Einzelheiten. Im Ganzen ift die Schrift
eine erfreuliche Leiftung; vor allem, wenn man fie mit
der parallelen katholifchen, aber auch proteftantifchen
Literatur vergleicht; und es ift diefer ,erften Reihe' baldige
Fortfetzung und weitefte Verbreitung zu wünfehen.

Berlin. Hans Achelis.

Law, Thomas Graves, A historical sketch of the conflicts
between Jesuits and Seculars in the reign of Queen Elizabeth
, with a reprint of Christopher Bagshaw's ,True
relation of the faction begun at Wisbich' and illustrative
documents. London, Nutt, 1889. (CLIII, 172 S.
gr. 8.) geb.

In diefem Buche wird ein kleiner, aber intereffanter
Abfchnitt aus der Gefchichte der englifchen Katholiken
in den letzten Regierungsjahren der Königin PTifabeth
mit Benutzung vieler (meift fehr feltener) gedruckter und
ungedruckter Quellen ausführlich und gründlich und in
anfprechender Darfteilung behandelt. Diejefuiten liefsen
fich die Wiederbekehrung Englands fehr angelegen fein;
fie follte aber ihr Werk fein und die zahlreichen englifchen
Weltgeiltlichen follten nur in Abhängigkeit von
ihnen dabei mitwirken. Ihr Hauptbeftreben war, nach
der feierlichen Excommunication und Abfetzung Elifa-
beth's durch Pius V. England unter das fpanifche Scepter
zu bringen und auch den König Jakob von Schottland
von dem englifchen Throne auszufchliefsen. Robert Par-
fons, die Seele diefer Beftrebungen, entwickelte diefen
Plan in einer 1594 erfchienenen Schrift ganz offen (S. 56)
und fprach in einer zweiten Schrift von 1596 ebenfo
offen die Erwartung aus, dafs die zu erwartende Gegenreformation
gründlicher fein werde als die unter der
katholifchen Maria (S. XXV). Die grofse Mehrzahl der
Weltgeiltlichen wollte von diefen politifchen Plänen nichts
wiffen: fie wollten loyale Unterthanen der Königin PTifabeth
fein und verlangten nur Freiheit oder Duldung für
ihre Religion (S. I. XX. CXXII. 96. 157). Sie wollten fich
auch denjefuiten nicht unterordnen, fondern wünfehten,
dafs den englifchen Katholiken wieder Bifchöfe gegeben
würden. Der Gegenfatz zwifchen den Jefuiten und den
meiften Weltgeiltlichen wurde fo fcharf, dafs man von
diefen die Klage hörte, fie hätten eine härtere Verfolgung
von den Jefuiten zu erdulden als von den Ketzern (S. 109.
120). Die Oppofition gegen diejefuiten trat namentlich
hervor bei ihren Beftrebungen, die auf dem Feftlande
gegründeten Seminare, zu Rom, Douay u. f. w. unter ihre
Leitung zu bringen, und in dem Schlöffe Wisbeach auf
der Infel Ely, wo eine gröfsere Zahl von Jefuiten und
Weltgeiltlichen von der englifchen Regierung internirt
gehalten wurde. Im Jahre 1598 gelang es den Jefuiten,
in Rom die Ernennung eines ihnen ganz ergebenen Weltgeiltlichen
, Georg Blackwell, zum Vorgefetzten der in
England und Schottland wirkenden Geiftlichen mit ausgedehnten
Vollmachten und dem Titel ,Erzpriefter'
durchzufetzen: die englifchen Jefuiten ftanden nicht unter
feiner Jurisdiction, dagegen wurde er angewiefen, fich
in allen wichtigen Angelegenheiten mit ihrem Superior
Henry Garnet zu benehmen. ,Alle Katholiken, fagt ein
Weltgeiltiicher in einer Streitfchrift, follen jetzt von Blackwell
abhangen, er von Garnet, Garnet von Parfons und
Parfons von dem Teufel, welcher der Urheber aller Rebellionen
, Verräthereien, Mordthaten und Projecte ift,
welche diefer böfe Jefuit bisher gegen Ihrer Majeltät
Krone und Leben erfonnen hat" (S. LXV). Blackwell
fteigerte durch fein rückfichtslofes Auftreten den Widerwillen
, mit welchem feine Ernennung bei den Weltgeift-
lichen aufgenommen wurde. Es kam zu bitteren Streitigkeiten
und zu wiederholten Reclamationen bei der Curie,
und 1602 gelang es den mit Vorwiffen der englifchen
Regierung nach Rom gefchickten Deputirten, ein Breve
zu erwirken, worin Blackwell angewiefen wurde, fich nicht
mehr von den Jefuiten berathen zu laffen und einige
feiner bisherigen Gegner als Affiftenten anzunehmen. —
1606 wurde H. Garnet als Mitwiffer um die Pulverver-
fchwörung hingerichtet, 1608 Blackwell, weil er den von
Jakob I. vorgefchriebenen Treueid geleiftet, vom Papfte
abgefetzt. Es folgten ihm noch zwei Erzpriefter. Dann
wurde 1623 zwar nicht ein eigentlicher Bifchof, aber ein
Titularbifchof als apoftolifcher Vicar mit bifchöflicher
Jurisdiction ernannt, und zwar zuerft Dr. William Bifhop,
der in dem Streite mit Blackwell eine hervorragende
Rolle gefpielt hatte, dann Richard Smith. Unter ihm
erneuerte fich 1629 der Streit mit denjefuiten, an welchem
fich jetzt auch zu Gunften Smith's franzöfifche Theologen
und die Parifer Sorbonne (fie gab fchon 1600 ein Gutachten
gegen Blackwell ab, S. 123) lebhaft betheiligten
(Reufch, Index 2, 382).

Law fuhrt feine Erzählung nur bis zum J. 1603. Er
fchliefst fie mit der Bemerkung: Die gegen Blackwell
opponirenden Geiftlichen haben vielleicht mehr, als man
gewöhnlich annimmt dazu beigetragen, dafs die letzten
fpanifchen Pläne gegen England fcheiterten und Jakob I.
ohne Widerftand den Thron beftieg. Jedenfalls haben
fie das politifche und kirchliche Uebergewicht der Jefuiten
gebrochen. Dazu trugen freilich auch andere Ereignifse
bei. Zu derfelben Zeit kamen englifche Benedictiner aus
italienifchen und fpanifchen Klöftern nach Fingland, etwas
fpäter FYanciscaner. Beide Orden wirkten in einem ganz
anderen Geilte als die Jefuiten, und es gelang diefen nicht
mehr, ihren früheren Einflufs wieder zu gewinnen (vgl.
Reufch, Index 2, 333).

Der erfte Theil des Buches fchliefst mit genauen
bibliographifchen Notizen über die 1598—1603 erfchienenen
Streitfchriften (darunter auch eine von den Weltgeiltlichen
1602, alfo bald nach dem Erfcheinen des Originals
, veröffentlichte Ueberfetzung des Catechisme des
Jesuites von Et. Pasquier); die wichtigfte derfelben ift
nebft einigen intereffanten Documenten im zweiten Theile