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Ausgabe:

1889

Spalte:

161-162

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meulenbelt, Hendrik Huibrecht

Titel/Untertitel:

De prediking van den profeet Ezechiel 1889

Rezensent:

Smend, Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

1M° 7. 6- April 1889. 14. Jahrgang.

Meulenbelt De prediking van den profeet j Sulchan-Arukh oder das Ritual- und Gefetz- j Baur, Prinzefs Wilhelm von Preufsen (Härtung)

Ezechiel (Smend). b"ch d« Judenthums, in's Deutfche überfetzt ( ßitzius, Predigten, 2. und 3. Bd. (Meier).

Zahn. Gefchichte des Neuteftamentlichen Ka- , von J. von Pavly, 1. Lfg. (Dalman). Bornemann, Schulandachten (Grünberu).

nons, I. Bd. 1. Hälfte (Jülicher).
Harnack, Das Neue Teftament um das Jahr
200 (Derf.).

Strack, Aboda zara, herausgegeben und erklärt
(Dalman).

AIowaiov Epfii/va'a rwv 'C,u)yQÜ<pojv (Phil.
Meyer).

Briefwechfel zvvifchen Marten fen und Dorner
2 Bde. (Lemme).

Bornemann, Schulandachten (Grünberg).
Goltz, Das Bedürfnifs befonderer Jugendgottes-

dienfle (SchloiTer).
..Halte was du hall", Zeitfchrift für Paftoral-
Theologie, hrsg. von Sachfse (Schloffer).

Meulenbelt Predikant Hendrik Huibrecht, De prediking dem Gericht über Jerufalem ergiebt fich die Auffaffung
van den profeet Ezechiel. Proefschrift. Utrecht, Breijer,
1888. (XII, 239 S. gr. 8.)

Mit einer individualiftrenden Behandlung des Ezechiel
wünfcht der Verf. der allzuviel harmonifirenden und
ciogmatifirenden Methode entgegenzutreten, die in der
ATI. Theologie gegenwärtig herrfche. Es ift begreiflich
und zu loben, dafs er fich hierbei gerade die Schrift
Ezechiel's wählte, in der charaktervolle Individualität mit

von Israels Sünde und in höchftem Mafse auch die Vor-
ftellung von Jahve's Wefen und Walten. So kommt der
Verf. alfo doch darauf hinaus, die Gedanken Ez.'s in ein
ihnen fremdartiges Schema zu zwängen und fie damit
zufammenhangslos und gleichgültig zu machen. Nach
einander ziehen faft fämmtliche ATI. Vorftellungen an
uns vorüber, aber die alten Bekannten erfcheinen alle in
fo blaffer und dürftiger Geftalt, dafs der Lefer fich zur
Aufmerkfamkeit zwingen mufs. Das kann nicht anders

grofser Durchfichtigkeit gepaart ift. Auch wird Niemand fein, wenn, wie das hier eigentlich überall gelchieht,

dem Verf. das Zeugnifs verfagen, dafs er bei liebevoller
Verfenkung in feinen Gegenftand weder Kraft noch Zeit
gefpart hat, um ihm gerecht zu werden. Was im letzten
Menfchenalter über Ezechiel vorgebracht ift, kennt er
genau und reproducirt es den Hauptfachen nach, indem

Schema und Mafsftab der orthodoxen Dogmatik zu Grunde
gelegt werden. ,Bij zulk eene kennis van Jahve als Ezechiel
bezat, kan liet ons niet verwonderen, dat de profeet zoo klein
van zieh zelven dachten met zoo grooteneerbiedtegenai'er Jahve
vas vcrvuld' (S. 54). Oder: uNaarmate Jahve's onstoffelijk-

er fich überall zugleich um felbftändiges Urtheil bemüht, heid beter begrepen werd1 u. f. w. (S. 51). Daher kann der
Wenn feine Mühe gleichwohl nicht von entfprechendem Verf. auch die richtigen Beobachtungen, die er macht,
Erfolg gekrönt war, fo liegt der Fehler in der Anlage nicht entsprechend verwerthen. Wirklich unterfcheidet
feiner Arbeit. Ezechiel zwifchen Jahve und der mm Tins ähnlich, wie

Nur von einer Predigt, nicht von einer Theologie j fonft zwifchen Jahve und dem mm unterfchieden
Ezechiel's will er wilfen, weil Ezechiel's Wort überall
praktifch und nicht theoretifch fei. Daher müfsten die
Anfchauungen Ezechiel's viel von ihrem Werthe verlieren
, fobald man fie ihres concreten Charakters entkleide
und fie aus ihrem urfprünglichen Zufammenhange
loslöfe (S. 4. 5). Aber einerfeits ift Ezechiel freilich
kein Theologe in fo hohem Wortfinne wie der Anonymus
von Jef. 40 — 66, gleichwohl ift er nicht nur Prediger und
Seellorger, fondern auch ein Religionslehrer von ftark
dogmatifirender Tendenz, er ift ferner Apokalyptiker und
in hohem Mafse Gefetzgeber. Andcrfeits hält der Verf.
nicht, was er verfpricht, wenn er Ez. vor allem deshalb
als Prediger auffallen will, um feine Anfchauungen überall
in concreter Lebenswahrheit darfteilen zu können. Der
Charakter der ATI. Religion bringt es allerdings mit
fich, dafs jeder ihrer Wortführer vor allen Dingen aus
dem gefchichtlichen Zufammenhange verftanden fein will,
in dem er fleht. Es fragte fich alfo, wie Ezechiel's Anfchauungen
überall feiner eigenfhümlichen Zeitlage entflammen
oder doch durch fie hervorgerufen find, und wie
er umgekehrt durch feine Forderungen auf diefelbe einwird
. Während dies aber in Wahrheit fehr einfach aus
der transcendenten Gottesvorftellung Ez.'s zu erklären
ift, möchte der Verf. hierin (freilich etwas verftohlen)
Anfätze für die kirchliche Trinitätslehre conftatiren
(S. 51 ff.). Apologetifche Tendenz blickt mehrfach in
abfehwächender Auslegung durch (z. B. S. 19. 20 betr.
Ez. 15. 20, 30. 31) und hierbei wird die Argumentation
zuweilen ein wenig unfolide. Darüber, dafs Ez.'s Gefetz-
gebung von einem Hohenpriefter von befonderer Heiligkeit
fchweigt, fucht er fich damit zu beruhigen, dafs Ez.
ja eigentlich Prediger fei (S. 203). Umgekehrt hätte der
Verf. fich diefes Ümftandes erinnern müffen, wenn er
den univerfaliftifchen Charakter der Zukunftshoffnungen
Ez.'s damit retten will, dafs Ez. einmal (16, 53 ff.) von der
Wiederherftellung Sodom's redet (S. 225 f.). Unter diefen
Umftänden darf man fich nicht wundern, wenn er anderen
Auffaffungen nicht immer gerecht wird. Ewald fagt mit
Recht und ich bin ihm darin nur gefolgt, dafs Ez. fchon
deshalb kein eigentlicher Prophet fein konnte, weil er
nicht inmitten feines Volkes lebte. Denn als Mittelsmänner
zwifchen Gott und Volk find die Propheten vor
wirken will. Erft von da aus kann weiter gefragt werden 1 allem Volksredner, ihre eigenthümliche Inspiration ift
nach Ez.'s Individualität und nach dem Einflufs, den er aus- daher wefentlich dadurch bedingt, dafs fie das Volk vor
geübt hat. Aber was der Verf. feiner Darftellung von Ez.s j flch haben (vgl. dag. S. 23. 41. 42) Im UebrDen ift es
Predigt bezüglich der damaligen Zeityerhaltnilse voraus- j lobend anzuerkennen, dafs der Verf. auf andere Meinungen
fchickt und einflicht, hat zu derfelben keine innerliche Be- j einzugehen ernftlich bemüht ift. Nur einmal wird eine
Ziehung. Wenn er vollends die erfte Hälfte feiner Darstel- j ganz unverfängliche Aeufserung Wellhaufen's über apoka-
lung disponirt(S.35—147): 1) Jahve, der Israel erwählt hat, j jyptjfche Zukunftshoffnungen (Prolegomena :i S ä?8)
2) Israels Verhalten gegen Jahve, 3) das Gericht über durch Hinweis auf Ex. 20, 7 abgethan. ' '

Juda — fo fieht man leicht, dafs der Gang feiner Dar-

ftellung geradezu der umgekehrte fein follte. Denn aus I ^aiei. K. Smend. ,

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