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Ausgabe:

1889 Nr. 5

Spalte:

123-124

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tiesmeyer, Ludw.

Titel/Untertitel:

Aus dem Bilderschatz der Bibel. Tägliche Andachten über biblische Bilder 1889

Rezensent:

Schlosser, Georg

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Seite 1

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123 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 5. 124!

wortet fich durch die andere Frage, ob das heil. Abend- I diefe Bilder gewinnt fie eine befondere Anfchaulichkeit
mahl und der Empfang desfelben einen obligatorifchen und Behältlichkeit; auf der anderen Seite aber erfchweren
Charakter haben dürfe, oder ob wir nicht alle Urfache die Bilder auch wieder das Verftändnifs, weil fie aus ganz

hätten, das Moment der freien Entfchliefsung auf Grund
des freien Bedürfnifses, das in unferem Katechumenat uns
fo völlig abhanden gekommen ift, an diefer Stelle mit

fremdartigen Verhältnifsen entnommen find. Es ift darum
nach beiden Seiten eine fehr dankbare Aufgabe für
ein evang. Andachtsbuch, das die Gemeinde vor allem

ganzem Ernfte geltend zu machen. in die Gedanken der Schrift einführen und aus ihr aufer-

Ift die Confirmation der Abfchlufs des obligatorifchen , bauen foll, diefe Bilderfprache der Bibel zum Ausgangskirchlichen
Unterrichts, fo verfteht es fich von felbft, dafs I punkt feiner Betrachtungen zu nehmen. Auf der einen
fie einen confeffionellen Charakter im Unterfchied von j Seite macht diefe Anfchaulichkeit und Behältlichkeit die
dem univerfell-chriftlichen oder ökumenifchen Charakter 1 Bildreden der Schrift für die Hausandacht, an der doch
der Taufe trägt, weil ja der katechetifche Unterricht j auch Kinder und Gefinde betheiligt zu fein pflegen, be-
diefen Charakter hat. In fo fern ift die fogenannte kirchen- [ fonders geeignet; auf der anderen Seite wird durch die
regimentliche Auffaffung der Confirmation mit der kate- i Auslegung fchwieriger Bilder das Schriftverftändnifs er-
chetifchen zu verbinden. Doch es ift hier nicht der Ort, I heblich gefördert. Gar vieles, worüber man fonft am
des näheren unfere abweichenden Amfchauungen darzu- | Ende achtlos hingelefen hätte, gewinnt dadurch mit einem
legen. Nur das fei noch bemerkt, dafs der Herr Verf. J Male ein ganz neues Licht und eine ungeahnte Bedeutung,
nach gründlicher Darlegung und Vertheidigung feiner j Diefer Auslegung haben die Verff. grofse Sorgfalt zuge-
Anficht das lehrreiche Büchlein mit der ,Behandlung der wendet. Es ift ihnen zunächft immer darum zu thun,
Confirmation' befchliefst und auch hier eine Menge wohl ! den Sinn des Bildes an feinem Ort und zu feiner Zeit
durchdachter Bemerkungen, unter anderem eine Confir- 1 feftzuftellen. Wenn fie davon ausgehend die Grenzen
mationsliturgie im Umrifs, darbietet. j der Auslegung überfchreiten und das Bild nach allen

Marburg. Achelis.

Steinmann, Pfr. Rud., Botschaft des Trostes. Ein Handbüchlein
für Kranke, Alte und Gebrechliche, namentlich
zum Gebrauch für Seelforger an Kranken- und
Sterbebetten. Zürich, Schultheis, 1888. (291 S. 12.)
M. 2. 20.

Der Herr Verfaffer hat das Büchlein zu feinem eigenen
Gebrauch bei amtlichen Krankenbefuchen zufammen-
geftellt. Es ift aus dem Bedürfnifs der Praxis herausmöglichen
Beziehungen, die es haben kann, verwerthen,
fo hat das für die praktifche Auslegung keinen Anftand,
wenn es mit Gefchmack gefchieht und von der fchlichten
Einfalt der Bibel nicht allzufehr abweicht. Wir begrüfsen
darum dies Buch als eine tüchtige Handreichung wirklich
fruchtbaren Schriftverftändnifses in unferen chrift-
lichen Häufern.

Was feinen Werth als Andachtsbuch anlangt, fo darf
von ihm gefagt werden, dafs es gefunde Speife bringt,
biblifches Chriftenthum voll religiöfer Wärme und fittlichen
Ernftes. Die Verff. kennen das Menfchenherz, feine

iewachfen und weifs dies Bedürfnifs in trefflicher Weife , ^häden und feine Bedürfnifse und nicht minder die
tu befriedigen. Der erfte Theil enthält Schriftworte ^?albe™s Guead d.e allen Schaden heilt, und wiffen fie

darzubieten nicht in mechanifch dogmatifcher Weife,
fondern in ernft fittlicher Erfaffung der Gnade und des
Heils. Aber Ref. kann doch nicht umhin, einige Aus-
ftellungen zu erheben. Ich möchte das mit aller Zurückhaltung
thun, da erfahrungsgemäfs die individuellen Bedürfnifse
nirgends verfchiedener find, und es nirgends
fchwerer ift, es allen recht zu machen, als bei den für
die häusliche Andacht beftimmten Erbauungsbüchern.
Für mein Bedürfnifs find diefe Betrachtungen für die
Morgenandacht zu lang. Der moderne Menfch, auch der
fromme, hat nach meiner Erfahrung morgens meift nicht
nur wenig Zeit, fondern auch wenig Bedürfnifs nach
längeren erbaulichen Ausführungen. Ein kurzes körniges
Wort, das man in Gedanken mitnehmen kann, und das
unter der Arbeit des Tages fortklingt, das ift es, wonach
wir verlangen. Eine Morgenandacht follte m. E. vor
allem zur inneren Sammlung verhelfen, darum in die
Stille, in das eigene Herz, in das Angefleht der Ewigkeit
führen, nicht aber den Blick in die Welt lenken. Diefem
Bedürfnifs Rheinen mir diefe Betrachtungen nicht immer
zu entfprechen. Nicht wenige von ihnen find ja ganz
vortrefflich, aber fie bringen zu viel und zu vielerlei.
Dafs fie ftark lehrhaft find, hängt ja wohl mit der be-
fonderen Aufgabe zufammen, die fie fich geftellt haben,
und es ift an fich kein Schade; aber es herrfcht darin
vielleicht mehr der Predigtton, als der der Andacht. Auch

die Sprache läfst manchmal die biblifche Salbung und
T.esmeyer, Ludw u Herrn. Werner Paftoren, Aus dem EinfaP der aUen fter, vermiffen. Trotz ailedem kann

Bilderschatz der Bibel. Tagliche Andachten über bi- j kh gebildeten Familien, die nach einem Andachtsbuch

und Liederworte für Kranke und Genefende und für
Alte, Gebrechliche und Sterbende; der zweite Theil
zufammenhangende Schriftabfchnitte, Gebete und Bibel-
lectionen. Jeder diefer Abfchnitte zerfällt wieder in eine
Reihe Unterabtheilungen für die verfchiedenen Bedürfnifse
und Gruppen der Leidenden. Die Schriftftellen und
auch die Liederverfe find mit Sorgfalt und Gefchmack
ausgewählt, und die Oekonomie des Buches, obgleich
man auch anders eintheilen und gruppiren könnte, dem
Zweck wohl entfprechend. Eigenthümlich wird den deut-
fchen Lefer berühren, dafs die altteftamentlichen Apokryphen
ziemlich ftark benutzt find und ganz gleich den
kanonifchen Büchern behandelt werden, und dafs die
Sprüche nicht nach der Lutherifchen, fondern nach der
Züricher Ueberfetzung angeführt flehen. Doch es fei
ausdrücklich bemerkt, dafs der letztgenannte Umftand
nicht fo ftörend ift, wie es vielleicht beim erften Blick
erfcheinen mag. Namentlich den praktifchen Geiftlichen
felbft fei das Büchlein für ihre feelforgerlichen Gänge
warm empfohlen; aber auch den Kranken und Gebrechlichen
, befonders denen aus gebildeteren Ständen, kann
es in die Hand gegeben werden. Die Ausftattung ift
einfach und gefällig.

Marburg. Achelis.

blifche Bilder. Bremen, Heinfius, 1888. (IV, 678 S.

gr. 8.) M. 6.50; geb. M. 7.50.
Vorliegendes Andachtsbuch will den köftlichen Schatz
der Bilderfprache der Bibel für das Erbauungsbedürfnifs
der Gemeinde verwerthen. Das ift jedenfalls ein fehr
fruchtbarer Gedanke. Der Reichthum der Bibelfprache
an fchönen und tieffinnigen Bildern ift es ja gerade vor
allem, was ihr ein fo eigenartiges Gepräge verleiht. Durch

fuchen — und es ift unter denen, die folche Bedürfnifse
haben, aus den oben genannten Gründen viel Suchens
darnach —, nur empfehlen, das vorliegende einmal in
Gebrauch zu nehmen. Sie werden es ficherlich nicht
ohne Förderung thun. Und zumal zum Gebrauch an
Sonntagen für folche, die den Gottesdienft nicht befuchen
können, ift es trefflich geeignet.

Giefsen. Gg. Schloff er.