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Ausgabe:

1889 Nr. 3

Spalte:

64

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ziethe, W.

Titel/Untertitel:

Beröa. Predigten 1889

Rezensent:

Wächtler, August

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63 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 3. 64

Charakter der Zeit gefchildert wird, aus der die betreffen-[ Die von Witte getroffene Auswahl ift zu loben; es
den Bibelabfchnitte flammen, dafs mit gleicher Gewiffen- . wäre erwünfcht, wenn das Jahr der Entftehung bei jeder
haftigkeit die religiöfen Anfchauungen ermittelt werden, j Predigt hätte vermerkt werden können. Störend wirkt

die denfelben zugrundeliegen, und die Stufe kenntlich
gemacht wird, die diefe im Gefammtentwicklungsgang
der altteftamentlichen Religion einnehmen, dafs fie mit
unfererchriftlichenErkenntnifs zufammengehalten werden,
um fowohl die Verfchiedenheit von ihr, als auch die
keimartigen Anfätze zu ihr, die fie enthalten, zum Be-
wufstfein zu bringen, und dafs fie auf diefe Weife zugleich
zu fruchtbarer Anwendung auf unfer Leben gebracht
werden. Wenn damit noch der Nachweis verbunden
wird, und wenn es gelingt, denfelben einleuchtend zu
machen, dafs durch alle die aufgezeigten menfchlichen
Vermittlungen der üffenbarungscharakter der in der
Schrift beurkundeten religiöfen Entwicklung nicht aufge-

die in den Eingangsworten oft wiederkehrende Beziehung
auf die vorige Predigt, welche fich in der Auswahl nicht
findet; in vielen Fällen hätte fich dies leicht ändern
laffen; jedenfalls wäre der anfcheinend aus dem Originaldruck
überkommene Druckfehler in der 3. Predigt ,Luther
als Vorbild unferes Glaubens' (1. Zeile), welcher den Irrthum
erweckt, als ob die Predigt im Jahre 1733 gehalten
wäre, zu befeitigen gewefen.

Halle a/S. A. Wächtler.

Ziethe, Pred. W., Beröa. Predigten über neuteftament-
liche Schriftftellen im Anfchlufs an die Evangelien des

hoben wird, fo wird man ebenfowohl den Forderungen Kirchenjahres. Berlin, Hauptverein für chriftl. Erbau
der theologifchen Wiffenfchaft als dem Beuurfmfs der | J Arm o e o i_

Erbauung fliehenden Gemeinde genügt haben. ungsfchnften, 1889. (VIII, 819 S. gr. 8.) geb. M. 3.60.

Auesburo- T Hans Der Verf. gehört zu den fruchtbarften Predigtheraus-

_ IL JL_zl_'.__! gebern unferer Zeit. Aufser einer vollftändigen Evan-

Tholuck's, A., Ausgewählte Predigten. Mit einer Einleitung gelienpoftille, Immanuel 8. Aufl., hat er eine Epiftel-
von Leop. Witte. 2. Aufl. [Bibliothek theolog. Klaf- poLille, Bethel 3. Aufl., einen Predigtjahrgang über
fiker, 3. Bd.] Gotha, F.A.Perthes, 1888. (V, 304 S. 8.) aUteftamentliche Texte, Sil o ah 2 Aufl. und einen ftarken
, i j Band von I redigten über die Leidensgeichichte veroffent-

geb. JYL. 2.40. licht. Die vorliegende Sammlung zählt nicht weniger

Dafs Tholuck's Predigten nicht veraltet find, zeigt 1 als 75 Predigten. Bei der guten Ausftattung und der

fleh auch darin, dafs diefe Auswahl bereits in zweiter
Auflage erfcheinen mufste. In der That dürfte es wenig
Predigten diefer Art geben, welche vor faft fünfzig Jahren
gehalten, noch heute fo wenig Spuren der Vergangenheit
an fleh tragen. Denn es find nicht lehrhafte Darlegungen,
auch nicht myftifche Betrachtungen, fondern Tholuck's

billigen Preisftellung feitens des Berliner Hauptvereins
für chriftliche Erbauungsfchriften wird auch diefer Band
weite Verbreitung finden. So viel wir wiffen, werden
Ziethe's Predigten vielfach bei Lefegottesdienften in Landkirchen
benützt und eignen fleh gerade hierzu vor andern
, denn fie find einfach und verftändlich, durch zahl-

Predigten greifen unmittelbar in's Leben hinein, haben, ! reiche biblifche Beifpiele anfehaulich gemacht und in
wie er felbft von der rechten Predigt es fordert, ,den j beneidenswerther Vollftändigkeit auf's forgfältigfte aus-
Flimmel zum Vater und die Erde zur Mutter'. Welcher ] geführt, bereiten auch dem Vorlefer wenig Schwierig-
Art der Text auch fein mag, Tholuck's Predigt ift immer j keiten. In ruhigem Flufs fchreitet die Rede gleichmäfsig
der Art, dafs er die Wahrheit, welche er aus demfelben fort und erhebt fleh feiten zu gröfserer Eindringlichkeit,
entwickelt, den Hörern in ihrer ganzen Stärke an's Herz j Die Gewohnheit, welche der Verfaffer allerdings mit
zu bringen und unmittelbar auf fie einzuwirken bemüht j vielen Predigern theilt, nach der Textverlefung erit eine
ift. Bezüglich der homiletifchen Form herrfcht die gröfste j andere oft ziemlich entlegene Sache zur Sprache zu

Mannigfaltigkeit auch in diefer kleinen Auswahl; bald
wird jedes Wort des Textes einzeln erwogen, bald wird
Thema und Eintheilung vom Texte beftimmt, bald auch
der ganze Gedankengang fertig zum Text gebracht,
z. B. hat die Predigt über den Text Offenb. 21, 5 ■—
,Siehe ich mache alles neu' — das Thema: die Gnade
und unfere Temperamentsfünden. Im Ganzen liebt es
Tholuck, die Hörer erft durch ein Exordium auf den

bringen, dann erft wieder auf den Text, ftatt auf das
Thema hinzuleiten und nach des letzteren Ankündigung
regelmäfsig ein Gebet folgen zu laffen, ift nicht blofs un-
fchön, fondern namentlich für volksthümliche Predigten
bedenklich. Die Predigt felbft wie die Aufmerkfamkeit
der Hörer wird gewinnen, wenn der Prediger von Anfang
an zeigt, wie viel ihm daran liegt, gerade das Wort,
welches er als Text verlefen hat, feinen Hörern nahe-

Text vorzubereiten, er bietet auch Predigten mit kunft- zubringen, und die Hörer follen auch den Eingang der

gerechtem Tranfltus, und folche, in denen fleh beides oder Predigt und nicht erft die Ausführung als etwas anfehen,

nichts von beiden findet. Den Schlufs bildet bald ein wozu der Prediger Gottes Segen erbeten. Was der Verf.

Gebet, bald eine eindringliche Vermahnung, bald eine j in feiner Antrittspredigt und in der Dank- und Jubel-

ermunternde Verheifsung. Dafs in den der Auswahl vorgedruckten
Erörterungen Tholuck's über die Predigt,
wie in den Predigten felbft ,die Predigt des reinen Gotteswortes
' überall die Vorausfetzung ift, obwohl auch ihm
ein Kritiker den Vorwurf gemacht hatte, dafs er diefe
Hauptforderung nicht vorangeftellt habe, braucht nicht
erft gefagt zu werden. Schriftgemäfs find die Predigten
immer; er erweift fleh auch hier als den Meifter, der
überall aus dem Vollen fchöpft, ohne dafs er an die hergebrachten
Begriffsbeftimmungen der Glaubenslehre fich
bindet; auch wo er ein einzelnes Gebiet behandelt, ,redet
aus ihm die Gottesfülle', ,die innere Salbung, welche die
Wahrheit in feinem Herzen verriegelt'. Der Reichthum
feiner Phantafle, feine tiefe Menfchenkenntnifs und die
muthvolle Energie, mit welcher er die Hörer anfafst,
treten uns auch aus dem gedruckten Wort entgegen und
müffen felbft denen, welche ihn nicht gehört haben, die
Schönheit und Gewalt feiner Rede, die Gefchmeidigkeit
feiner Stimme und die anhaltende Kraft des Vortrags
vergegenwärtigen.

predigt feiner 25jährigen Amtsführung an der Parochial-
kirche bekennt, dafs er Jefum Chriftum, dafs er der Herr
fei, predigen wolle und gepredigt habe, bezeugt auch
diefe ganze Sammlung.

Halle a/S. A. Wächtler.

Seeligmann, Pfr. O., Evangelische Predigten. Ein Beitrag
zum Aufbau wahren Chriftenglücks in Haus und Herz.
Leipzig, Strübig, 1888. (159 S. 8.) M. 1. 80.

Als einen ,Beitrag zum Aufbau wahren Chriftenglücks
in Haus und Herz' hat der Verfaffer diefe neunzehn
Predigten veröffentlicht. Diefe Beziehung tritt auch
in allen Predigten hervor; von dem Glück chriftlichen
Lebens in der Familie weifs der Verfaffer mit Wärme
zu reden und bemüht fich, die Bedeutung des Evangeliums
für die einzelnen Glieder und für ihre Lebensaufgaben
darzulegen. Gewifs ift hier eine dankbare Aufgabe
für die evangelifche Predigt. Aber es will uns be-