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Ausgabe:

1889 Nr. 3

Spalte:

59

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weber, Theodor

Titel/Untertitel:

Metaphysik. Eine wissenschaftliche Begründung der Ontologie des positiven Christenthums. I. Bd.: Einleitung und Anthropologie 1889

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 3.

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das Gut zu einem guten Zweck verwendet zu fehen und Cheyne, Prof. Canon T. K., M. A., D. D., The hallowing

gäbe es zu dem billigen Preis von 40000 Fr. a. W. ab.
Allein diefe Summe erfchien Spittler für den guten Zweck
noch viel zu hoch, und er erhielt die innere Gewifsheit,
dafs, wenn Gottes Wille es fei, dafs diefes Gut der Sache

of criticism: Nine sermons on Elijah preached in Ro-
chefter Cathedral, with an essay read at the church
congress, Manchester, October 2nd, 1888. London,

dienen foll, die Eigenthümer mit dem Preis von 20000 Hodder & Stoughton, 1888. (XI, 207 S. 8.) geb.

Fr. fich begnügen werden, und fo war es auch'. Andere
Leute werden in diefer ,innern Gewifsheit' das Ergebnifs
einer fehr berechtigten, aber durchaus natürlichen und
weltklugen Beurtheilung der Leute und Benutzung der

Schon vor 25 Jahren fchrieb Rothe am Schluffe
feiner trefflichen Schrift ,Zur Dogmatik': ,Es ift unmöglich
und vor allem durchaus unevangelifch, es auf die
Dauer fo fortgehen zu laffen, dafs auf der einen Seite

vorhandenen Umftände erblicken. j die Theologie die hl. Schrift kritifch erforfcht und in

Strafsburg i. E. Alfred Kraufs. | folge davon fich immer entfehiedener in einer Anficht

von ihr befeftigt, die, fo vollftändig fie auch die Würde

,,, ■ TU, . . ., .rr r , IE] u t. ! der heiligen Urkunden wahrt, doch von der kirchlich-

Weber, Ihdr., Metaphysik. Eine wiffenfehafthehe Be- dogmatifchen Vorftellung von ihnen toto gittere verfchie-

gründung der Ontologie des pofitiven Chriftenthums.
1. Bd.: Einleitung und Anthropologie. Gotha, F. A.

den ift, und auf der anderen Seite die gläubige Gemeinde
in aller Unfchuld bei diefer letzteren fortbeharrt, ohne
Perthes, 1888. (VIII, 427 S. gr. 8.)~M. 8. - daran irgendwie irre gemacht zu werden feitens der

tr . , r . , o,t , , • Theologie. So kann und darf es nicht bleiben, es mufs

Verf. der fich durch mehrere Schriften als begei- ; zur Wahrheit und Ehrlichkeit kommen zwifchen beiden
iterter Anhänger Anton Günther's bekannt gemacht hat, Theiien; die Aufgabe, diefe wiederherzustellen, fällt aber
ihn auch in vorliegender Schrift als-einen zweiten Kant ! natürlich der Theologie allein zu. Es reicht nicht hin,
P-£r'i flT der Anerkennung feines Melters die dafs diefe die Nothwendigkeit einer hiftorifch-kritifchen
wiflenfchafthche und rehgiöfe Wiedergeburt Deutfchlands Behandlung der Bibel rückhaltlos und mit der That felblt
erhöht, will in diefem Werke die Ontologie des po- anerkenne, fie mufs auch noch den weiteren Schritt
litiven Chriftenthums geben. Er theilt die ganze Meta- thun> dafs fie die Berechtigung und das Bedürfnifs einer
phyhk in Kosmologie und Theologie; die Kosmologie ; f0ichen Behandlung der Schrift auch im Schofse der
gliedert fich 1) in dm Lehre von dem fynthetifchen Welt- l Kirche zur Anerkennung bringe, insbesondere bei der
factor oder dem Menfchen (Anthropologie), 2) von den | giaubigcn Gemeinde, und diefe mit denjenigen Reful-
antithetifchen Weltfactoren, nämlich dem Geifterreiche , taten derfeiben die fie ajs geficherte betrachten darf,
und der Natur. Der vorliegende erfte Band enthalt die , bekannt mache'. Ich glaube in der That, dafs unfere
Lehre vom Menfchen, indem derfelbe zunachft als Geift : ze kirchliche Zukunft von der Erfüllung oder Nicht-
CS 7—'S). dann a^ I-eib (§ 16—23), endlich als Synthefe erfüllunS diefer Forderung abhängt. Delitzfch hat neu-
von Geift und Leib (§ 24—28) betrachtet wird. lich von einem freiten Graben' 'gefprochen. Nun, es

Zunachft wird das Entftehen des Ichbewufstfeins ift ein fehr breiter Graben zwifchen der Auffaffung der
pfychologifch dargeftellt; es entfteht, indem der Geift | Bibel feitens der kirchlich gläubigen Laien undder, welche
lieh als ein Beharrendes, Identifches von allen wechfeln- j auch in der entfchieden .pofitiven' Theologie die herr-
den Vorftellungen und Bewegungen untcrfcheidet. Da- ' fchcnde ift. Die erfteren Hecken noch vollftändig in den
mit erkennt fich der Geift als Subftanz, deren Accidentien j Anfchauungen der altkirchlichen Infpirationstheorie, die
die ihm bewufsten Veränderungen find; fodann als Ur- , letztere dagegen hat diefelbe als unhaltbar erkannt
lache und die Veränderungen als feine, wenn auch durch und fich zu einer hiftorifch-kritifchen Behandlung der
aufsere Einfluffe bedingten Wirkungen. Durch diefe J Schrift verftanden, mit welcher diefelbe fchlechtcrdings
Wahrnehmung am eigenen Ich werden die Verhältmfse unvereinbar ift. Man foll jene auch nur einen Blick in
von Subftanz und Accidentien, von Urfache und Wirkung j das '/öckler'fche Handbuch werfen laffen oder ihnen
als objective erkannt und die Taufchung befeitigt, als 1 fagen, was Delitzfch auf dem Gebiete der altteftament-
lagen hier nur fubjective Kategorien vor. Aus der Sub- | lichen Kritik fur Refultate anerkennt, — fie werden fich
ftantiahtat des Geiftes wird feine Unverganghchkeit ge- ; entfetzen und nicht wiffen, wie fie fich das zurechtlegen
folgert; die Freiheit des Geiftes als Wahl zwifchen ver- ! follen Denn die officielle Kirche ignorirt noch immer
fchiedenen Motiven wird an einem Beifpiel dargeftellt. ! den eingetretenen Zwiefpalt, und die amtliche Verkündi-
Dem Leibe wird die Fähigkeit des vorftellenden 1Tun„ pflegt fich fortdauernd in Formen und Begriffen
Denkens beigelegt; aber nur der Geift vermöge aus Vor- zu bewegen, die die alte Infpirationstheorie vorausfetzen
Heilungen das Gemeinfame zu abftrahiren und fie durch , und fie nirgends zu corrigiren wagen. Daher auch fo-
Kategorien zu verbinden. Dabei wird das Wefen der : viel fcilwächliches Wefen und foviel Advocatenkünftc in
Materie erörtert; endlich eine Theorie über den Urfprung der iandiaungen Apologetik.

des Menfchen und des Menfchengefchlechts fowie über I Da thut öes wohl von England her ein Buch zu be-
den Sündenfall vorgetragen. j kommen m welchem ein Profeffor von Oxford und

Gewifs hat Verf. Recht in feiner Bekämpfung des ! Canon von Rochefter, ein hervorragender Gelehrter und
geiftlofen Materialismus und ebenfo Recht, dals er vom giaubiger Chrift zugleich, die alte Rothe'fche Forderung
Selbftbewufstfein ausgeht als dem helfen, an dem aller mit gleichem Ernft und gleicher Wärme aufs neue erMaterialismus
fcheitern mufs. Aber wir vermiffen in , hebt und zug]eich eine Probe bietet, an der zu erfehen
feiner Darftellung vielfach die zufammenhängende Be- jft wie fie erfu]lt werden kann. Das erftere gefchieht
weisführung; oft werden Behauptungen als zugeftanden in cinem Vortrag den der Verfaffer im October diefes
eingeführt, gegen welche die Gegner erhebliche Bedenken jahres auf dem Church-Congress in Manchefter gehalten
vorbringen würden, oft wird auf fpater zu erbringende hat und der dem Buche als Anhang beigedruckt ift. Das
Beweife verwiefen, oft treten rhetorifche Declamationen diefe Verfammlung vorbereitende Comite hatte nämlich
ftatt Beweifes ein. Wenn daher Verf. hofft, manche der u a das Thema aufgeftellt: In welchem Umfang find
befprochenen Probleme zu endgültigem Abfchlufs ge- die Refultate der hiftorifchen und wiffenfehaftlichen
bracht zu haben, fo dürfte diefe Hoffnung fich vielleicht Kritik, befonders in Bezug auf das alte Teftament in
als trügerifch erweifen. Predigt undJugendunterrichtanzuerkennen? Und Cheyne's

Herborn. Sachfse. ! Vortrag ift eine der Antworten auf diefe Frage. Ex hat

allerdings, wie mir fcheint, nicht fowohl die F rage beantwortet
, in welchem Umfang die Refultate der Kritik anzuerkennen
find, als vielmehr diefe Anerkennung über-