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Ausgabe:

1889

Spalte:

55-56

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Briefe Bendicts XIV an den Canonius Pier Francesco Peggi in Bologna (1729-1758) 1889

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

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feine im Uebrigen fear fleifsige Abhandlung in weiteren
Kreifen Beachtung verdienen. So aber wie fie vorliegt
hat fie faft nur für fpecififch katholifche Philofophen
Werth, die fich für die Details der fcholaftifchen Appli-
cationen der ariftotelifchen Sätze über Materie und Dorm
und andere Subtilitäten der Lehrer des Mittelalters als
folche intereffiren.

Kiel. F. Nitzfeh.

Briefe Benedicts XIV an den Canonicum Pier Francesco Peggi

in Bologna (1729—1758), nebft Benedicts Diarium des
Conclaves von 1740, hrsg. von Frz. Xav. Kraus.
2. Ausg., vermehrt mit Flaminio Scarfelli's Biographie
des Papftes und einer Bibliographie feiner Werke,
mit den Bildnifsen des Papftes und des Canonicus
Francesco Peggi. Freiburg i Br., Mohr, 1888. (XX,
308 S. 8.) M. 8. —

In diefer Ausgabe find den nicht abgefetzten Exemplaren
der 1884 erfchienenen erften die auf dem Titelblatte
angegebenen Stücke, ein zweites Vorwort und
eine Widmung an die Univerfität Bologna zu ihrem Jubiläum
beigefügt. Von den zwei Bruchftücken von Biographien
geht das eine nur bis zum J. 1708, in welchem
Prosper Lambertini Cardinal wurde. Sie enthalten neben
vielem Unbedeutendem einige intereffante Notizen, namentlich
über die Thätigkeit Lambertini's bei den Verhandlungen
über die chinefifchen und malabarifchen Gebräuche
unter Clemens XL, Innocenz XIII. und Benedict
XIII. (S. 243; vgl. meinen Index 2,771). Wenn der Herausgeber
S. IX fagt, der Bericht darüber fei ,offenbar mit
dem diplomatifchen Silberftift' gefchrieben, fo bezieht
fich das darauf, dafs er die Jefuiten nicht ausdrücklich
nennt. Benedict XIV. fagt in dem Briefe, mit welchem
er die 1744 darüber erlaffene Bulle (S. 263) Peggi über-
fandte (S. 20): ,Damit ift eine Sache erledigt, welche
mehr als 40 Jahre dem h. Stuhle die gröfsten Verlegenheiten
bereitet hat. Die Jefuiten zeigen fich wenigftens
äufserlich nicht unzufrieden. Wenn fie es innerlich wären,
hätten fie Unrecht, da fie doch nicht verlangen können,
dafs die Päpfte, um ihnen nicht zu mifsfallen, die Cathedra
der Wahrheit zu einer Cathedra der Diffimulation
in den wichtigften Sachen umgeftalten'.

Von den Briefen, 179 an Peggi, 13 an andere, find
,fehr viele Billete, Höflichkeitsaustaufche und dgl. ohne
Belang' (S. XVII), — auch diefe find aber vollftändig ein-
fchliefslich der Adreffe abgedruckt, — manche enthalten
intereffante Notizen oder find für den Papft charakte-
riftifch (die wichtigeren verzeichnet der Herausgeber S.
XVII). Mit der ihm eigenen Disinvoltwa, fchreibt er in
Nr. 65: ,Wir fchicken unferm Canonicus Peggi anbei
Unfer Rundfehreiben an die Bifchöfe von Polen (vgl.
S. 275, 124), welche viel trinken und wenig verliehen,
indem Wir ihm zugleich den apoftolifchen Segen geben'.
In Nr. 84 beauftragt er Peggi, zwölf Exemplare feiner
Werke an die einzeln namhaft gemachten Bibliotheken
der Klöfter und einige einzelne Perfonen in Bologna
abzugeben, und fügt bei: ,Wir find ebenfo feft wie davon
, dafs Wir Herben müffen, davon überzeugt, dafs
aufser Ihnen keiner von denen, welche das Gefchenk erhalten
, auch nur aus Neugierde ein Blatt davon lefen
wird. Anders verhält es fich, Gott fei Dank, mit anderen
Ländern und mit anderen Städten, die nicht den Titel
«Mutter der Studien» haben'. ,In Bologna, fagt er S. 46,
gibt es wenige, welche etwas fchreiben, nicht viele, die
etwas lefen, fehr viele, die weder fchreiben noch lefen,
aber fchwätzen'. Und S. 109: ,Die Studien, die in Bologna
gefchätzt werden, find diejenigen, welche fich mit
Müfsiggehen, Vergnügungen, Lachen und Kucheneffen
vereinigen laffen'. S. 27 fagt er, es gebe dreierlei Theologen
: folche, die viele Kenntnifse, — una buona guar-

darobba, einen guten Schulfack, — hätten, aber nichts
damit anzufangen wüfsten (er nennt als folche die Car-
dinäle Paffionei und Monti und Monfignor Fontanini);
folche, die eine gute Logik und Uebung hätten und die
von Gelehrten der erfteren Art ihnen gelieferten Materialien
zu benutzen verftänden; endlich folche, die beides
vereinigten, ,und unter diefen nimmt in Italien der Abate
Muratori die erfte Stelle ein. Solcher Männer bedarf der
h. Stuhl. Mit Thränen in den Augen fagen Wir: in Bologna
ift weder die erfte, noch die zweite, noch die dritte
Art vertreten'. S. 52 nennt er Muratori ,das wahre Licht
der italienifchen Gelehrfamkeit.' S. III erwähnt er, der
Infant Ludwig von Spanien habe auf den Cardinalshut
verzichtet. ,Der arme Menfch war zum Geiftlichen geboren
; aber die fpanifche Etikette, nach welcher die
Prinzen nichts ftudiren und nichts lernen dürfen, hat gemacht
, dafs der Schritt, den er jetzt gethan, gerechtfertigt
ift'.

lntereffant ift der Bericht über das Conclave, in welchem
Lambertini zum Papfte gewählt wurde. Es dauerte
vom 5. März bis 17. Auguft 1740, länger als irgend eins
der letzten Jahrhunderte (S. 156). Vier der 55 Cardinälc
darben während desfelben, einer, Porzia, angeblich vor
Aerger über ein Pasquill (S. 162). Die Führer der beiden
Hauptparteien waren Card. Corfini, der Nepote Clemens
' XII., welcher ,in den letzten Jahren den Willen
feines Oheims despotifch regulirt hatte' (S. 151), — mit
ihm war der franzöfifche Cardinal Tencin verbündet, —
und der noch von Clemens XI. ernannte Cardinal Camerlengo
Annibale Albani. Cardinal Aldovrandi hatte am
11. Aug. 33 Stimmen, fo dafs ihm nur noch eine fehlte
(Benedict XIV. bezeichnet ihn fpäter, S. 91, als einen
confufen Kopf, imbroglione). Auf 30 Stimmen brachten
es auch Cardinal d'Elci, obfehon er als halber Gallicaner
galt (S. 155), und der gelehrte Dominicaner Gotti. Von
Lambertini war in den erften Monaten gar nicht die
Rede; erft als die beiden grofsen Parteien fahen, dafs
ihre Candidaten nicht durchzubringen waren, wurde er,
als keiner Partei und keiner der betheiligten Regierungen
mifsliebig, aufgeftellt und dann einftimmig gewählt.

Die S. 251—308 abgedruckte Bibliografia Benedeit,itut
ift ein Verzeichnifs der in einer Privatbibliothek zu Bologna
vorhandenen Schriften des Papftes (namentlich
vieler Einzeldrucke von amtlichen Erlaffen) und vieler
auf ihn bezüglichen Gelegenheitsfchriften. Der Herausgeber
hätte wenigftens das Verzeichnifs der Schriften
des Papftes zu einem vollftändigen erweitern follen.

Der Druck könnte correcter fein. Diefelben Perfonen
heifsen S. 211 Panphilus, S. 236 Pamphilus, S. 215 Caprara,
S. 238 Caprarus, S. 216 Funia, S. 239 Farnia. S. 212
wird hinter Circa anni 1692 ein Wort wie initium^ finem
oder dgl. ausgefallen fein. S. 219 Z. 12 /. exiguus ft.
exigens, S. 239 Z. 15 v. u. fit ft. sit, S. 245 Z. 3 ipsae
ft. ipse, S. 248 Z. 9 v. u. quid ft. qui, S. 153 Z. 6 v. u.
trattenne ft. trattame, S. 167 Z. 11 v. u. tuta ft. tutta, Z.
10 v. u. pub ft. piii u. f. w. u. f. w.

Bonn. F. H. Reufch.



Trede, Th., Leo XIII. und sein Jubiläum. Neues und Altes
aus dem Vatikan. Leipzig, Grunow, 1888. (III, 76 S.
gr. 8.) M. 1. 20.

Vor allen anderen Schriften, die über Leo XIII.
und fein Jubiläum erfchienen find, hat diefe Veröffentlichung
den grofsen Vorzug, dafs fie aus unmittelbarer
Anfchauung hervorgegangen ift. Der Verf. ift bekanntlich
Prediger an der deutfehen evangelifchen Gemeinde
in Neapel und kennt daher italienifche und insbefondere
religiös-kirchliche italienifche Verhältnifse fehr genau.
So bietet er uns denn im Anfchlufse an das mit fo
grofsem Pompe begangene Papftjubiläum, das eine ,di-
mostrazione mondiale' fein follte, ,Neues und Altes aus