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Ausgabe:

1889

Spalte:

51-52

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Büning, Adalb.

Titel/Untertitel:

Ein neues Fragment des Quedlinburger Itala-Codex 1889

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

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Strack, Prof. Dr. Herrn., Einleitung in den Thalmud. (Schriften
des Institution Judaicum in Berlin, Nr. 2. Sonderabdruck
aus der Real-Encyklopädie für proteft.
Theol. u. Kirche 2. Aufl. Bd. 18.) Leipzig, Hinrichs,
1887. (76 S. gr. 8.) M. 1. 20.

des Codex, von welchem andere Stücke die in der Zeit-
fchrift des Harzvereins 1874 abgedruckten Stellen I Sani.
9, 1—8; 15, 10—17; 2 Sam. 2, 29—3, 3; i.Kön. 5, 2—9
(die beiden letzten auch in den Studien und Kritiken
1876) geliefert haben. Diefe Bruchftücke find für Itala-
Forfcher befonders werthvoll, weil von den Büchern Sa-

Die vorliegende Schrift ift von uns bereits in der j muels und der Könige fonft wenig erhalten ift.
proteft. Kirchenzeitung 1887 Nr. 36 denjenigen praktifchen Bonn. F. H. Reufch.

Theologen empfohlen worden, welche bei der gegenwärtig
fo lebhaft erörterten Judenfrage mitzureden beab-
fichtigen, aber fich nicht damit begnügen wollen, blofs
auf die Juden zu fchimpfen, fondern mit einigem Ver-
ftändnifs über die Dinge reden möchten, welche da in
Frage kommen. An diefer Stelle möchten wir auch die
wiffenfchaftlich gerichteten Theologen aufmerkfam auf
das Büchlein machen, welche nicht Zeit haben, den Thalmud
eigens zu ftudiren, aber, in ihren Studien bisweilen
auf thalmudifche Fragen ftofsend, nach einem ficheren
Gewährsmann fich umfchauen. Strack ift durch den hervorragenden
jüdifchen Bibliographen Steinfehneider zu-
erft in die Kenntnifs des Thalmud eingeführt worden
und darf nächft Franz Delitzfch neben Dalman und
Wünfche zu den beften chriftlichen Kennern desfelben
gerechnet werden. Zum Lehrmeifter aber eignet er fich
gerade in hervorragender Weife durch fein auch bei feiner
hebräifchen Grammatik hervorgetretenes methodifches

Steude, Tic. E. G., Die Auferstehung Jesu Christi. Eine
hiftorifche Unterfuchung für die Gebildeten. Leipzig,
Grunow, 1888. (IV, 132 S. gr. 8.) M. 2. —

Der Herr Verf. bietet in diefer Schrift eine weitere
Ausführung feiner Abhandlungen in den Theol. Studien
u. Kritiken 1887 u. in der ,Chr. Welt' 1887. Wie dort
wird er auch jetzt in dem aufmerkfamen Lefer den Eindruck
hervorrufen, dafs in der That die wiffenfehaftliche
Verhandlung über die Ofterbotfchaft noch keineswegs
eine abgefchloffene ift, dafs nicht, wie es den Anfchein
haben mag und auch manche verfichern, nur die alten
gegnerifchen Anflehten immer wiederholt werden. Der
Grund ift, abgefehen von allen metaphyfifchen Fragen, der
Fortfehritt der gefchichtlichen Unterfuchung. Man kann
es daher nur billigen, dafs der Herr Verf. fich ftreng
GefchVck, in welchem er denrÄufbau der Sache fo an- | aud den Boden einer ,hiftorifchen Unterfuchung' (teilt,
gelegt hat, dafs zuerft die elementarften Vorkenntnifse I Sehr fördernd ift nun gleich zu Anfang die klare
begründet werden, ohne welche ein Eindringen in die ; Ausfprache darüber, dafs den Ofterglauben, dieGewifs-
Sache fchlechthin unmöglich ift, als z. B. Tranfcription, ! heit Jefus lebt' auch derjenige haben kann, .welcher
Citirungsweife bei Mifchna, Gemara, jerufalem. Thalmud, j von der leiblichen Auferftehung Jefu fich nicht zu überErklärungen
der hauptfächlichlten, in diefer Literatur l zeugen vermag'. Es rft kein Widerfpruch mit diefem
fortwährend vorkommenden Benennungen u. dgl. Dann Satz, wie man dem Verf. fchon vorgeworfen hat, wenn
wird die Eintheilung der xMifchna nebft ihren Ordnungen, i S. 109 u. 125 doch von einer Heilsbedeutung der leib-
Tractaten u. f. w. befprochen; darauf erfolgt kurze In- , hchen Auferftehung die Rede ift, denn damit meint er
haltsangabe der 63 Mifchnatractate, im Anfchlufs daran einerfeits nur eine ,gewiffc Stärkung und Vergewifferung
anhangsweife die Aboth des R. Nathan. Dann wird ein des Ofterglaubens', andererfeits die ehnfthehe Auf-

Ueberblick über die Gefchichte des eigentlichen Thal
mud und der Thalmudim gegeben, ein chronologifches
Verzeichnifs der Schriftgelehrten, endlich Winke darüber,
wie man innerhalb der fchönfärberifchen und der ent-
ftellenden Urtheile einen Weg zur richtigen Schätzung
des Thalmud gewinnen kann (S. 61—63). Zuletzt erfolgt
ein Ueberblick über die wichtigften Werke der Literatur
über den Thalmud. —

Vielleicht liefsen fich bei einer neuen Bearbeitung
des Stoffs innerhalb der Rubrik: Hermeneutik S. 63—65

erftehungshoffnung als befonderes Moment des Ofterglaubens
, das nicht zum Chriftenglauben als folchem gehöre
, fo wichtig es dem fein wird, dem es wirkliche
Ueberzeugung geworden. Durch jenen Grundfatz wird
man in die richtige Stimmung wirklicher Unterfuchung
verfetzt, die, wie der Verf. an Beifpielen zeigt, bei Freund
und Gegner mannigfach zu vermiffen ift. —

Das Hauptintereffe concentrirt fich natürlich auf die
Beurtheilung der Vifionshypothefe. In forgfamem Ge-
dankenfortfehritt wird hier der Lefer dem Ergebnifs zu-

noch ein Paar concrete Beifpiele aus der halachifchen j geführt; ,fubjectiv' und ,obj ecti v' begründete Vifionen
Discuffion einfügen, damit der Lefer eine lebendige Vor- i werden genau unterfchieden; fodann in Betreff der erfte-
ftellung davon bekäme, wie eine gefetzliche Frage von j ren die Gegengründc, welche fie unwahrfcheinlich
den verfchiedenen Autoritäten behandelt beziehungsweife ; machen (der ruhige, nicht ftürmifche Verlauf, das Aufhören
der überhaupt nicht häufigen Erfcheinungen u. f. w.
im Vergleich mit den uns fonft bekannten religiöfen
Vifionen), und der Hauptgrund, der fie für den Verf.
ausfchliefst, nämlich die Unbegreiflichkeit, wie Vifionen,
deren Vorkommen im N.T. ja unbezweifelt ift, die Grundlage
für den Glauben an leibliche Auferftehung Jefu
bilden konnten. Treffend fcheidet der Herr Verf. in
diefer Frage wieder die verfchiedenen Möglichkeiten:
das, was als Vifion erlebt und zuerft auch aufgefafst und
erzählt war, wird fpäter umgefetzt in jene andere Vor-
j ftellung; oder, das Erlebnifs, welches Vifion war, fetzte

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Buninq, Dr. Adalb., Ein neues Fragment des Uuedhnburger , a <■ a u 1 u u- u • n. ,c a Cr u _~r

den Auierftehungsglauben. Hiebei ift (S 82) fachgemafs

gelöft worden ift. Zugleich würde dies zur Ausrottung
der noch immer wieder auftauchenden Anficht beitragen,
als fei der Thalmud ein Rechtscodex mit ganz beftimm-
ten Abfchlüffen über jede einzelne Frage. — Auf Einzelheiten
einzugehen ift hier kein Raum. Wir weifen
nur beifpielsweife kurz darauf hin, dafs auch bei manchen
derfelben der Verf. in aller Kürze wichtige Berichtigungen
angebracht hat wie S. 18 über Akkum u. a. m.

Jena. C. Siegfried.

Itala Codex. Gymnafialprogr. Quedlinburg, 1888. (24 S.
4. und ein lithographirtes Facfimile.)

Diefe Arbeit ift ein Separat-Abdruck aus dem Programm
des Quedlinburger Gymnafiums*) und bietet mit
den nöthigen Erläuterungen 1 Kön. 3,9 — 6, 17 in einer
vorhieronymianifchen Ueberfetzung nach einem Stücke

wieder unterfchieden: Jene unbewufste notwendige Um
fetzung ift entweder zu erklären durch Einwirkung fei es
einer Thatfache (leeres Grab), fei es anderer Vorftellun-
gen (der jüdifchen Auferftehungshoffnung oder beffer
des mit ihr combinirten Wiederkunftsgedankens) oder
durch ,Aenderung des Auferftehungsbegriffs' bei den Jüngern
felbft, d. h. durch den Nachweis, dafs derfelbe fo

*) Sie ift nicht im Buchhandel, aber für 50 Pf. von dem Heraus- l geartet gewefen, um gerade durch Vifionen ganz erklärt
rreber zu beziehen. I zu werden. Steude befpricht eingehend diefe Verfuche,