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Ausgabe:

1889

Spalte:

641-643

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köhler, August

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der biblischen Geschichte Alten Testaments 1889

Rezensent:

Kamphausen, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. ScflÜrer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N£. 26. 28- December 1889. 14. Jahrgang.

Köhler, Lehrbuch der biblifchen Gefchichte

Alten Teftamentes, 2. Hälfte, 2. Thl. 1. Lfg.

(Kamphaufen).
Weizfäcker, Das apnftolifche Zeitalter der

chriftlichen Kirche, Regifter (Harnack).
Möller, Lehrbuch der Kirchengefchichte, I. Bd.

(Harnack).

Loofs, Leitfaden für feine Vorlefungen über
Dogmengefchichte (Harnack).

Miodohski, Anonymus adversus aleatores (Jülicher
).

Koetfchau, Die Textüberlieferung der Bücher
des Origenes gegen Celfus (Jülicher).

Ihm, Studia Ambrosiana (Jülicher).

Schaff, A Select Library of the Nicene and

Post-Nicene Fathers, vol. IX. Saint ChrySöst
om (Krüger).

Berger, Les Bibles provengales et vaudoises
(Karl Müller).

Springer, Der Bilderschmuck in den Sacra-
mentarien des frühen Mittelalters (Kicker).

Dalton, Zur Gewilfensfreiheit in Rufsland (Eck).

Hüllte r, Die chriftliche Glaubenslehre vom
Standpunkt des Methodismus (Härtung).

Köhler. Prof. Dr. Aug., Lehrbuch der biblischen Geschichte
Alten Testamentes. 2. Hälfte, 2. Thl. 1. Lfg. Leipzig,
Deichert Nachf, 1889. (168 S. gr. 8.) M. 3. -

Nachdem ich in diefer Litztg. 1876, Col. 153—158 die
erfte Hälfte oder den erften Band von Köhler's Lehrbuch
angezeigt und dann 1885, Col. 273—277 den erften
Theil der zweiten Hälfte oder den. zweiten Band be-
fprochen habe, liegen mir nun die im Februar 1889 ausgegebenen
erften io1., Bogen des dritten Bandes vor.
Der Inhalt diefer erften Lieferung berechtigte zu ihrer
gefonderten Veröffentlichung; er betrifft nämlich die
gottesdienftlichen Verhältnifse in den Königreichen
Ifrael und Juda, fo dafs viele der wichtig-
ften Fragen der altteftamentlichen Theologie hier zur
Erörterung kommen. Nicht die ganze Gefchichte der
gottesdienftlichen Verhältnifse, welche den erften Ab-
fchnitt der fiebenten Periode bildet, wird auf diefen
Seiten abgehandelt, fondern nur der gröfsere Theil der-
felben. Die Ueberfchrift der fiebenten Periode (S. 1)
lautet: ,Der unverfehrte Fortbeftand des ifraelitifchen
Volksthums durch die eingetretene Reichsfpaltung gefährdet
'. Nach Angabe von Literatur über die Gefchichte
der beiden getrennten Reiche und nach (S. 2—4) kurzer
Befchreibung der zuletzt zum affyrifchen und babylo-
nifchen Exile führenden religiöfen Entartung folgt
S. 4—144 das erfte Capitel des genannten Abfchnitts,
welches uberfchrieben ift: ,Die gottesdienftlichen Ver-
hältnifseim nördlichen Reiche'. Eine weitere Gliederung
diefer 140 Seiten in Unterabtheilungen findet fich nicht;
dagegen erleichtern die neben den ungeraden Seitenzahlen
gedruckten Inhaltsangaben dem Lefer die Ueber-
ficht über die in der Erzählung befolgte Ordnung. Der
Verf. befchreibt den Stier - Jehovadienft in Bethel und
Dan als die Sünde Jerobeam's, befpricht das Urtheil des
Königsbuches (S. 47—55) und der Propheten Arnos und
Hosea (S. 56—7o) über den Cultus im nördlichen Reiche
und giebt dann, nachdem er den Cultus unter den Nachfolgern
Jerobeam's I. bis zum Untergange des Reiches
(S. 71—80) betrachtet hat, eine ausführliche Darftellung
der Wirkfamkeit des Elia und Elifa (S. 81 —144). Das
von den gottesdienftlichen Verhältnifsen im füdlichen
Reiche handelnde zweite Capitel (S. 144 ff.) fucht in
dem bis jetzt vorliegenden Stück auf Grund der Bücher
Jeremia und Ezechiel ,ein Bild der gottesdienftlichen Verhältnifse
zur Zeit des Untergangs des jüdifchen Staates
herzuftellen', wobei fich ergiebt, dafs ,die Thora vor Jeremia
und Ezechiel bekannt war' (S. 165—168). Später
will der Verf. die bei Jeremia und Ezechiel gefundenen
Angaben (vgl. S. 145) ,mit den Nachrichten bei Jefaja
und Micha in Bezug fetzen und endlich auf Grund der

fo gewonnenen Ergebnifse die Erzählungen des Königsbuches
und der Chronik beurtheilen'.

Wie die früheren Theile des Lehrbuches, fo zeichnet
fich auch diefe Lieferung durch umfaffende Benutzung
der einfchlägigen Literatur aus. Nur feiten find werthvolle
Abhandlungen dem Verf. entgangen, wie S. 146,
Anm. 6 die Arbeiten von Kuenen und Schräder. Ich
vermuthe nämlich, dafs Köhler fchwerlich mit Stade in
Jer. 7, 18 die Gefammtheit der am Himmel eine Königs-
herrfchaft führenden Mächte gefunden hatte, wären ihm
die Ausführungen Kuenen's (,De Mclechetli des licmels1
in den , Verslagen en Mededeclingen der Koninklijke
Akademie van Wetenschappen, Afdeeling Letterkundc,
3"> Reeks, Deel V. Amfterd. 1888, p. 157—189) und
Schradens Bemerkungen in der Zeitfchrift für Affyriolo-
gie III, S. 353—364 noch bekannt geworden. Der Druck
ift vorzüglich, fo dafs mir nur wenige Verfehen auf-
geftofsen find. S. 19 lies: Bähr ft. Bär; S. 22, Z. 2:
Spitze ft. Spite, und Anm. 2: I K. 13 ft. I K. 14; S. 32:
Menfchenthum ft. Menfchthum; S. 80: Menachem ft. Ma-
nachem; S. 87: 1 K. 18, 1 K. 17 ft. 2 K. 18, 2 K. 17;
S. 105 lies nach S. 106: pietätsvolle; S. 155 lies: deren
meifte ft. deren mefften, und Anm. 3: pentateuchifchen;
S. 162 lies in der letzten Zeile: Jer. 34 ft. Jer. 14; S. 168
lies dreimal: 2 K. 22 ftatt des irrig genannten Capitels 23
oder 30. Störend ift S. 160 fg. bei Ex. 20 die gewöhnliche
Verszählung verlaffen; dagegen giebt S. 91 eine
Correctur zum zweiten Bande.

Obgleich der Verf. fich m. E. den gefchichtlichen
Blick allzu fehr durch feine Liebe für altüberlieferte Meinungen
, durch unbewufste dogmatifche Gebundenheit
trüben läfst, verdient doch feine Arbeit um der Vorzüge
willen, welche längft in den fchriftftellerifchen Leiftungen
des befonnenen und gründlichen Forfchers hervorgetreten
und zu allgemeiner Anerkennung gelangt find, auf allen
Seiten die forgfältigfte Beachtung. Rein willkürliche
Einfälle gleich der wunderbaren Entdeckung, dafs Na-
both ein Bürge: meifter feiner Stadt und ein naher Verwandter
des Königs Ahab gewefen fei, wird man bei
Köhler vergeblich fuchen, da fein nüchterner Sinn ihn
vor folch geiftreichem Wefen glücklich bewahrt. Nur
feiten (vgl. S. 96, Anm. 5; S. 100, Anm. 1; S. 133, Anm. 1)
finden fich rationalifirende Deutungen, obgleich er (S. 84)
in den Wunderberichten von Elia und Elifa ,die Wahr-
fcheinlichkeit legendarifcher Erweiterung' offen anerkennt,
anders als von Orelli, über welchen wir S. 83 lefen, dafs
derfelbe jede legendarifche Erweiterung auszufchliefsen
fcheine. Um fo zahlreicher find die Fälle, in welchen
fich K. durch ftarres Fefthalten an feinen Vorausfetzungen
zu gewaltfamer Gefchichtsconftruction verleiten läfst und
zu Ergebnifsen gelangt, deren Künftlichkeit für die meiden

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