Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1889 Nr. 25

Spalte:

621-624

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Liell, H.F.Jos.

Titel/Untertitel:

Die Darstellungen der allerseligsten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria auf den Kunstdenkmälern der Katakomben 1889

Rezensent:

Ficker, Johannes

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

621

Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 25.

622

einer eingehenden Durcharbeitung des Briefes. Deshalb
will es aber auch, um verftanden zu werden, gehörig
ftudirt fein. Doch wäre es wünfchenswerth, dafs der
Verf. durch Vereinfachung des deutfchen Ausdrucks
hin und wieder dem Verftändnifs des Lesers zu Hülfe
käme.

Kahler will vornehmlich die fortlaufende Gedankenbewegung
des Hebräerbriefes klarlegen. Mit Recht hebt
er hervor, dafs die Ausleger bei der Herausftellung des
Gedankenganges gegen den Autor und noch mehr gegen
fich felbft allzu nachfichtig feien. Ob aber der Hebräerbrief
wirklich ein in all feinen Teilen feftgefchloffenes
Ganze repräfentirt, ift mir feit lange zweifelhaft.

An geeigneten Punkten hat der Verf. den Hauptinhalt
des Folgenden kurz zufammengefafst. Diefe Zu-
fätze find von der eigentlichen Paraphrafe nicht befon-
ders unterfchieden, damit der Text nicht mit zu vielen
Klammern beladen werde. Aber follte es fich nicht
empfehlen, die Zufätze etwa durch kleineren Druck auszuzeichnen
?

Dem Dank für die werthvolle Gabe, mit welcher der

apoftolifchen Urfprungs' und dafs ,die Verehrung Maria's
göttlichen Urfprungs1 ift. Der Verf. geht, um dies zu
beweifen, vom Ephefinum aus, rückwärts. ,Von dem
Lichte, das die Zeit des Concils ausftrahlt, unterftützt,
durchwandern wir die Jahrhunderte, und alle uns begegnenden
Zeugnifse der Väter jener Zeiten erfcheinen uns
in heller und klarer, das richtige Verftändnifs ermöglichender
Beleuchtung ... Zu diefem Verfahren berechtigt
uns der Grundfatz, dafs nur das in der katholifchen
Kirche als Dogma aufgeftellt werden kann, was von Gott
geoffenbart und allzeit gelehrt und geglaubt wurde. Ift
nun auf dem Concil zu Ephefus als Dogma erklärt
worden, dafs die Jungfrau Maria in Wahrheit Gottesmutter
ift, und da in diefem Dogma alle anderen Lehren
in Betreff Mariä enthalten find oder daraus folgen, fo
leuchtet ein, dafs man damals der begründeten Ueber-
zeugung war, dafs die Lehren in Betreff Mariä von Gott
geoffenbart und allzeit in der Kirche gelehrt und geglaubt
worden find. Wir können alfo ohne Sorgen unfern
Weg antreten, wir werden in allen Jahrhundern bis hinauf
in die apoftolifchen Zeiten diefelbe Lehre und denfelben

Verf. uns auf's neue befchenkt hat, füge ich die Bitte J Glauben in Betreff der allerfeligften Jungfrau finden, und

um baldige Fortfetzung des Unternehmens hinzu
Bonn. F. Schnapp.

Liell, H. F. Jof, Die Darstellungen der allerseligsten Jungfrau
und Gottesgebärerin Maria auf den Kunstdenkmälern
der Katakomben. Dogmen- und kunftgefchichtlich bearbeitet
. Mit Titelbild, 6 Farbentaf. und 67 Abbildgn.
im Text. Freiburg iBr., Herder, 1887. (XIX, 410 S.
gr. 8.) M. 8. —; geb. M. 10. 50.
Auf Liell's Buch würde ich, nachdem ich gelegentlich
in der Ztfchr. f. Kirchengefch. (1888 S. 254) ein Urtheil
darüber abgegeben habe, nicht an diefem Orte zurückkommen
, wenn nicht die grofse Anerkennung feitens
der katholifchen Kreife, von denen neuerdings mit dem
Anfpruche, abfchliefsende Refultate zu bieten, die heftigftc
Polemik gegen einige proteftantifche Vertreter der chrift-

lichen Archäologie eröffnet worden ift, ein näheres Ein- I Römifchen Quartalfchrift iSSo

-j- -„r_„j_. 1 r>-----li-----..iLsu j_. _ .; 9/—113)

wenn die fchriftlichen Zeugnifse auch fehlen follten,
wir dürfen mit vollem Rechte annehmen, dafs derfelbe
Glaube nichtsdeftoweniger gelehrt und geglaubt wurde-
(S. 15). Nun werden die Zeugnifse der Väter aneinander
gereiht, zuerft die des fünften, dann die des vierten
Jahrhunderts, und fo fort bis zum erlten. Und ein jedes
Jahrhundert fpricht dasfelbe wie das folgende!

Das Urtheil über diefen, in völliger Ignorirung des
Begriffes gefchichtlicher Entwickelung, ohne jede Spur
kritifcher Bcurtheilung und ohne jede Regung von metho-
difcher Anlage gefchriebenen Theil, der fich namentlich
gegen v. Lehner's forgfältige methodifche Ausführungen
richtet, fpricht fich von felbft. Ich mache nur noch die
eine Bemerkung, dafs die Homilie Cyrill's von Alexandrien,
in welcher der Verf. einen Beweis für die Exiftenz zahlreicher
Marienkirchen vor dem ephelinifchen Concil gefunden
zu haben glaubt, unecht ift, wie jetzt gerade von
katholifcher Seite nachgewiefen wird (A. Einhard in der

gehen auf feine Leiftungen und feine Methode erforder- ! Brauchbares enthält der zweite Theil. Es fehlen uns in

p . ,. t-v tt r , tt i___I • r_______ 1 .i_ >n j — _l-rti: _i___a___l 1___• . ,- , . _..

lieh machte. Der Verf. der ,Principienfragen der chrift-
lichen Archäologie' rühmt in der Zeitfchr. f. kath. Theol.
Bd. XII (1888 S. 303) an Liell die „Gründlichkeit eines
ernften Forfchers". Ift dies Urtheil gerechtfertigt? Welches
find die Anforderungen, die Wilpert an jene Prä-
dicate stellt?

Die Arbeit, welche der Verfaffer ,der heiligen, allezeit

der chriftlichen Archäologie genaue Aufnahmen der Bildwerke
, in Abbildungen oder in genügenden, diefe erfetzenden
Befchreibungen; es mangelt noch an for<*-
fältigen Zufammenftellungen. Das Verzeichnifs der Marien-
darftellungen bei Liell (S. 170—346) ift gut; hinzuzufügen
ift noch ein ravennatifches Relief (Mittheilungen des
römifchen Inftitutes 1887 S. 297 f) Dankenswerth find

reinen Jungfrau, der jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, j namentlich die zahlreichen Abbildungen, von denen ein
unterer mächtigen Fürbitterin im Gerichte als Zeichen grofser Theil vom Verf. felbft forgfältig gezeichnet ift -

der Verehrung" und Dankbarkeit weiht', will eine auf
Cjuellenftudien beruhende Bearbeitung des gefammten
Materials der bildlichen Darftellungen Mariä von katholifcher
Seite fein, und damit zugleich eine Widerlegung
gegnerifcher Anflehten geben, namentlich derer von Victor
Schultze in dem Auffatze: Die Marienbilder in der alt-
chriftlichen Kunft (in den Archäol. Studien). Der erfte
Theil ift dogmengefchichtlichen Zufammenftellungen gewidmet
, der zweite befchäftigt fich mit den Bildwerken
und giebt zuerft die Darftellungen Mariens als Jungfrau
unter dem Bilde der Orantin, fodann die Darftellungen
von Ereignifsen ihres Lebens, zuletzt die Bilder ohne
hiftorifchen Hintergrund. In zwei Schlufscapiteln werden

einige werden zum erften Male veröffentlicht. Viele, be-
fonders Fresken in den Katakomben, find genau unter-
fucht worden, und es berichtigen fich nach diefen Er-
gebnifsen frühere Angaben, wie andererfeits wieder durch
neuere Prüfungen Annahmen Liell's richtig zu (teilen
find (Nr. 11. 25. 89 (b) nach Rom. Quartalfchr. 1889,
2. u. 3. H. S. 290—298). Mit confequenter Gründlichkeit
hat Liell freilich nicht gearbeitet. Von den Sculpturen
find viele nur nach Anderer Befchreibungen angeführt,
bei anderen geht in den Abbildungen Echtes und Ergänztes
nebeneinander, da die Photographie nicht fcheidet.

Aber wir befinden uns überhaupt auf völlig unficherem
Boden, fowie Liell die Aufnahme des an den Monumenten

die kunftgefchichtlichen und die dogmengefchichtlichen ! mit den Händen Greifbaren gethan hat. Es find Anfatze

Ergtbnifse der Bilder zufammengefafst: ,Die Darftellungen

der allerfeligften Jungfrau Maria auf den Kunftdenkmälern

zu einer richtigen Beurtheilung vorhanden, aber es fehlt
jede methodifche Durchbildung. Bewegt fich der Verfaffer

der Katakomben liefern einen vollgiltigen und unumftöfs- ! bei dogmatifch neutralen Fragen einmal freier, fo fpricht

1 fowie er zu feinem eigentlichen Thema zurückkehrt'
plötzlich nur die dogmatifche Gebundenheit. So bleibt

liehen Beweis für den apoftolifchen Charakter der Marienverehrung
'.

Zuerft ift der ,vollgiltige Nachweis geliefert, dafs die er oft unter der Linie des wiffenfehaftlich Erkennbaren
tmmte Lehre in Betreff der jungfräulichen Gottes- oft greift er weit darüber hinaus. Der Weg den uns'

gefammte Lehre in Betreff der jungfräulichen Gottes- oft greift er weit darüber hinaus. Der Weg, den 1
mutter Maria, fowie fie das Concil von Ephefus lehrt. . . 1 Le Blant für die Auslegung der fepulcralen Bildwerke