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Ausgabe:

1889 Nr. 2

Spalte:

35-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wedewer, Herm.

Titel/Untertitel:

Johannes Dietenberger 1475-1537. Sein Leben und Wirken 1889

Rezensent:

Kawerau, Gustav

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35 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 2. 3Ö

auch gedruckt vorhanden, und zwar in der Bafeler Ausgabe
der Wittenberger Propositiones von 1522. Die Mittheilung
, welche ebendafelbft aus Crufe's Schrift von
1523 über feine Leetüre Luther'fcher Schriften gemacht
wird, weicht eigenthümlich ab von der aus der gleichen
Quelle flammenden Angabe darüber bei Lentz, Gefch

haben ihm die Nach weifungen über das, was noch an
Schriften Dietenberger's vorhanden ift, beigefteuert und
fomit ift er in der Lage gewefen, in wohl erfchöpfen-
der Vollltändigkeit die Bibliographie feiner Schriften
zu liefern. Und da er aus diefen uns nicht allein um-
ftändliche Excerpte, fondern von einigen derfelben aucli

der Homiletik I 339; ich vermag nicht zu entfeheiden, 1 vollftändigen Neudruck giebt, fo wird feine Arbeit jeder-
wer von beiden das Richtige bietet. Auf S. 74 folgt der 1 zeit in diefer Beziehung willkommen geheifsen werden.
Verfaffer der Walch'fchen Lutherausgabe und Uhlhorn, Freilich ift die Anlage feines Buches recht wenig ge-
indem er erzählt, Luther habe 1519 der Herzogin Mar- j fchickt, denn wenn er im erften Theil (Dietenberger's
garethe, der Mutter Ernft's, feinen Sermon von der Bufse ! Leben) über die Entftehung fämmtlicher Schriften refe-
gewidmet. Allein Knaake hat Weim. Ausg. II 709 fchon j rirt, im zweiten Theil Auszüge aus denfelben mittheilt,
richtig angemerkt, dafs jene Dedication vielmehr der i dann wieder in befonderm Abfchnitt die Bibliographie
Gemahlin des Herzog Friedrich des Unruhigen (aus der ! behandelt und wieder in einem neuen Capitel zu jeder
mittleren Braunfchw. Linie), einer Tochter des Grafen i Schrift die Bibliotheken aufzählt, die noch Exemplare
Konrad v. Rietberg, galt, die nicht mit der gleichnamigen | befitzen, fo leuchtet ein, dafs es dabei ohne vieltache
Mutter Ernft's verwechfelt werden darf. Jene vermählte ! Wiederholungen nicht abgeht, und dafs dasfelbe bei anfielt
am 16. Nov. 1483 und wurde fchon am 5. März derer Verarbeitung auf weniger Raum hätte geboten
1495 Wittwe. Nach dem Tode ihres Gemahls erhielt werden können. Auch fei erwähnt, dafs bei diefer grofsen
he das Schlofs Königslutter zum Unterhalt, dann (1504) Gründlichkeit doch die bibliographifchen Angaben nicht
Schlofs Gandersheim; noch fpäter ift Poggenburg im I von der Genauigkeit find, wie wir fie heutigen Tags geStifte
Hildesheim in ihren Händen. (Diefe Notizen nach j wohnt find*). Man wird ja aber von einem Hiftoriker
freundlicher Mittheilung des Archivars Dr. Zimmermann j noch mehr verlangen müffen, als dafs er Bücher fammehv,
in Wolfenbüttel.) Zu Heinrich Bock's, des Predigers des regiftriren, refp. abfehreiben kann, und da mufs denn
Herzogs, Anwefenheit in Augsburg 1530 fei auf Brief- ; gefagt werden, dafs Wedewer den höheren Anfprüchen,
wechfel des J. Jonas I 165 verwiefen, wo von mir über I die man an eine hiftorifche Arbeit flellen darf, in keiner
diefe Perfönlichkeit Irriges vermuthet'wurde. Zu S. 180 ' Weife gewachfen ift. Wer des Mannes Leben befchreibt,
verweife ich betreffs der Literatur über den Lüneburger ! deffen fchriftftellerifche Arbeit in der Hauptfache BeSchulmann
Tulichius auf die, wie es fcheint, fehr wenig j kämpfung einzelner Schriften Luther's gewefen ift, von
bekannte Schrift von F. L. Hoffmann, der ältefte Lehr- j dem darf man doch billiger Weife erwarten, dafs er fich
plan für eine deutfehe Schule, Hamburg 1865 S. 18 — 28 j feltzuftellen bemüht, gegen welche Schriften eigentlich
und dazu auf meine Bemerkungen in Stud. u. Krit. 1888 | fein Held die Feder führt; auch zu prüfen, ob er feinen
S. 387. Gegner richtig verbanden und der Wahrheit gemäfs über

Der Verfaffer hat inzwifchen feine hier in gelehrter
Ausführung vorgetragenen archival. Studien auch noch
in einer für weitere Kreife anfprechenderen Form für
den Verein für Reformationsgefchichte bearbeitet; hier
ift zweckentfprechend die Darfteilung zu einem Lebensbilde
Ernft's des Bekenners erweitert. Es ift zu hoffen,
dafs dadurch Name und Bedeutung eines der edelften
Fürften des Reformationszeitalters in gebührender Weife
in unferer Mitte bekannt gemacht werde.

Kiel. G. Kawerau.

Wedewer, Herrn., Johannes Dietenberger 1475 — 1537.
Sein Leben und Wirken. Mit 4 Tafeln. Freiburg i/Br.,
Herder, 1888. (VIII, 499 S. gr. 8.) M. 8. —; auf
Büttenpap. M. 12. —; geb. M. 15. —

Kaum war die oben angezeigte Monographie, die
Frucht faft neunjähriger Studien, erfchienen, als auch
fchon der Mainzer /Katholik' (September-Heft 1888) dem
Verfaffer mit vollen Händen und in überfchwänglichen
Worten den Dank für feine Leiftung quittirte. ,Wir glauben
nicht zu irren', fo fchliefst nach reichlichem Lobe jene Anzeige
, ,wenn wir fagen, dafs der Verfaffer durch diefe Schrift
fich für immer einen Ehrenplatz unter den katholifchen

Hiftorikern unferes Vaterlandes erworben hat; möge er I nur gegen die .grofse Lüge' feines 25jährigen röm. Bis

ihn referirt habe. Mit Staunen kann man aber hier
wahrnehmen, wie aufserordentlich wenig W. fich um die
betreffenden Schriften Luther's bekümmert hat. Ei bildet
fich z. B. ein, Dietenberger's zweite Schrift fei gegen
Luther's .Bedenken und Unterricht von den Klöftern'
von 1522 gerichtet, während fie fich gegen deffen Schrift
,Urfache und Antwort, dafs Jungfrauen Klöfter göttlich
verlaffen mögen' von 1523 wendet. Seine neunte Schrift
ift nach W. S. Iii veranlafst durch Luther's Buch de
votis monasticis von 1522, nach S. 299 durch Luther's
Schrift lipiscopis et diaconis und durch ,ein zweites Buch
über die Gelübde' (S. 303); es wäre anzugeben gewefen,
dafs der erfte Theil diefer Schrift wörtlich Luther's 139
Thefen de votis von 1521 abdruckte, alfo durch diefe
veranlafst ift und dafs erft der zweite Theil lieh hernach
gegen die Schrift de votis monasticis wendet. Ebenfo-
wenig hat er fich darum bemüht, gegen welche Schrift
Luther's eigentlich die von Cochleus verfafste, von Dietenberger
überfetzte Schrift ,ob Sant Peter zu Rom fey ge-
wefsen' fich richte. Hätte er Erl. Ausg. 27,287 ff. nach-
gefchlagen, fo würde er erkannt haben, dafs er grobe
Unwahrheit berichtet, wenn er aus Dietcnb. mittheilt,
Luther leugne, dafs St. Peter zu Rom gewefen fei, da
Luther vielmehr Petri Anwefenheit in Rom fefthält, und

noch gröfseres in Zukunft leiftenl' Mit gefpannten Er- ! thumes fich ereifert. Auch würde er dann nicht fich ge-
wartungen nahmen wir das fo lange vorbereitete und fo j drungen gefühlt haben, in einer Anmerkung die Lcfer
laut angepriefene Buch zur Hand, können wir doch an
ihm lernen, was man von einem ,kathol. Hiftoriker' heutigen
Tags zu erwarten hat. Da fei denn zunächft der
grofse F'leifs anerkannt, den der Verf. wie auf die bio-
graphifche, fo befonders auf die bibliographifche Seite
feiner Arbeit verwendet hat. In erfterer Beziehung liefs
fich freilich nicht eben viel gewinnen, denn das Leben
eines Mönches ift für den Biographen unergiebig. Diefes

Manko verdeckt der Verf. doch nur dürftig durch •) Ich habe die Schrift Nr. 13 (s. 467) verglichen und gleich in

laiige, zur Sache nicht gehörige und dazu nur Bekann- der Wiedergabe desTl.eU zwei VngenauigW.ten gefunden (1, fett ü und

tes bietende Mittheilungen aus Frankfurts Retormations- 1 » .1 , 'eofmo wieder zwei Fehler in der Wiedergabe der Schlufs-
gefchichte. Weit reicheren Stoff bot die bibliogra- ! w(en'^tS&&"iHS?"" ™* ^^>^d»^>
phifche Seite dar. Mehr als 70 deutfehe Bibliotheken 1 .Bordüre'«Tbmtt^rg "7"' **" verftiindlicher als ^ndVirte' oder

feines Buches erft noch befonders auf die Schrift des
Velenus JPtrmn apostolum Rom am non vetiisse1 aufmerk-
fam zu machen, weil fie ihm zufällig bekannt geworden
ift, denn er würde gemerkt haben, dafs Luther
a a. U. gerade auf diefe Schrift Bezug nimmt und
ihre, wie er meint, zu weit gehenden Behauptungen
einzufchranken fucht. Uebrigens wurde er diefe Schrift