Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1889 Nr. 21

Spalte:

527-529

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ballerini, Antonii

Titel/Untertitel:

Opus theologicum morale in Busenbaum Medullam 1889

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

527 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 21. 528

God shall sit in the templc, wliom our Lord Jesus
shall consume, etc. (LI Thess. 2, 3. 4. 8). Front these
zvords] it is evident, t/tat Vespasian did not call himself
God, nor did he sit in the tevtple, nor was he killed
by the Spirit of the Lord. Accordingly it is manifest
that in the end tribulation arises against the Church, such
a was none like it'.

Dafs diefe Worte — Gwynn hat auch den fyrifchen
Text beider Stücke abdrucken laffen und ein Facfimile
beigegeben — wirklich von Hippolyt herrühren, unterliegt
keinem begründeten Zweifel. Origenes, mit dem
fich Hippolyt in Einigem berührt, bringt gerade die eigen-
thümlichsten Erwägungen nicht (f. Lommatzfch IV
p. 274 f.), und Hieronymus fchreibt in feinem Com-
mentar (zu Mtth. 24, 15): ,Quando ad intelligentiam pro-
vocamur, mysticum monstratur esse quod dictum est. Lcgi-
mus autem in Daniele hoc modo: „Et in dunidio hebdomadis
etc." {Dan. 9, 27). De hoc et apostolus loquitur {II Thess. 2).
„quod homo iniquitatis etc." {Ii Thess. 2, 3/.). Tötest autem
simpliciter aut de Antichristo accipi aut de imagine Caesar
is, quam Pilatus posuit in templo, aut de Hadriani
equestri statua, quae in ipso sancto sancforum loco usque
in praesentem dient stetit. Abominatio quoque, secundum
veterem scripturam idolum nuncupatur, et idcirco additur,
desolationis, quod in desolato templo atquc destructo
idolum posiium sit'. Diefe Erklärung berührt fich auffallend
ftark mit der Hippolyts 1), aber Hieronymus hat
diefe doch nicht gelefen oder nicht behalten; denn die
wichtigfte Angabe Hippolyts hat er nicht aufgenommen.
Diefer kennt, wie feine Auslegung beweift, die Schilderung
des Jofephus im ,bellum Judaicum'; allein dazu
bringt er die bisher unerhörte Kunde: ,That Legion
'seil. ,Dämon' nach Mr. 5, 9; fo vermuthet Gwynn)
which Trajanus Quintus placed, a chief man of
the Romans: he sei up the idol there which is Calle
d Köre'. Gwynn vermuthet, dafs der hier genannte
Trajanus Quintus identifch ift mit dem von Jofephus erwähnten
Trajanus, Anführer der 10. Legion z. Z. der
Belagerung von Jotapata {B. J. III, 7, 31; 8, 8). Diefer
hat nach Hippolyt ein Bild der Perfephone in dem Tempel
aufgerichtet. Wann ift das gefchehen? Zur Zeit der
Belagerung felbft, etwa damals, als der Vorhof erobert
war? oder zu einer anderen, viel fpäteren Zeit? Wir
wiffen darüber nichts, und müffen die neue Kunde einfach
hinnehmen — oder giebt es einen Grund, fie zu
bezweifeln? Bringen die jüdifchen Ueberlieferungen vielleicht
Licht? Gwynn, der die neuen Stücke forgfältig
commentirt und mit Hippolyt's Werken verglichen hat,
hat an diefer Stelle nichts zur Aufklärung beizubringen
vermocht. Vielleicht können Andere helfen. Jedenfalls
gebührt ihm unfer wärmfter Dank, und wir hoffen, dafs
er uns aus dem Commentai des Barfalibi noch weitere
intereffante Mittheilungen bringen wird.

Berlin. A. Harnack.

Ich möchte zu Obigem nur bemerken, dafs M. Ulpius Trajanus,
welcher im J. 67 im Heere Vefpafian's eine Legion befehligte, unter den
hervorragenden Officieren, mit welchen Titus den berühmten Kriegsrath
kurz vor Einäfcherung des Tempels hielt {£. J. VI, 4, 3), nicht erwähnt
wird, alfo damals nicht mehr beim römifchen Heere in Judäa
fich befand.

S c h ü r e r.

B a 11 e r i n i, Antonii, S. J., Opus theologicum morale in Busembaum

Medullam, absolvit et edidit Dominicus Palmieri ex eadem
Societate. Volumen I., tractatus continens generales
de actibus humanis, de conscientia, de legibus, de
peccatis, cum duobus appendieibus. Prato, Giachetti
Fil. et C., 1889. (LXXXVI, 687 S. 8.) L. 6. —.
Unter den von Jefuiten verfafsten Büchern über

1) Auch in der Auslegung des 20. Verfes findet fich eine ftarke
Berührung.

Moraltheologie (Cafuiflik) hat keines eine fo grofse Verbreitung
gefunden, wie die zuerft 1645 erfchienene Medulla
theologiae moralis von Hermann Bufembaum. 1776 zählte
man bereits über 200 Ausgaben. Alphons Liguori, der fo
gut wie officielle Moraltheologe der römifch-katholifchen
Kirche, hat fein Hauptwerk in der Form eines Com-
mentars zu der Medulla veröffentlicht. Seit 1850 fand
allmählich das nach Liguori bearbeitete Compendium
des Jefuiten J. P. Gury eine grofse Verbreitung. Es
wurde nach feinem Tode wiederholt von feinem Ordens-
genoffen Anton Ballerini, feit 1856 Profeffor der Moraltheologie
in Rom, mit Anmerkungen herausgegeben (zuerft
1866). Ballerini trat aber in einen gevviffen Gegen-
fatz zu Gury und Liguori, und diefes veranlafste eine
lebhafte Controverfe zwifchen ihm und den Redem-
toriften, welche für ihren Ordensftifter Liguori eintraten
(f. darüber Döllinger-Reufch, Moralftreitigkeiten S. 437).
Während diefes Streites äufserte Ballerini die Abficht,
das Compendium von Gury (und das Werk von Liguori)
durch eine neue Ausgabe des Buches von Bufembaum
mit einigen Ergänzungen (und Aenderungen) und kurzen
Noten zu erfetzen. Er ift 1881 geftorben, ohne fein
| Werk vollendet zu haben. Die Ordensoberen haben
den P. D. Palmieri beauftragt, dasfelbe zu vervollftändigen
und zu veröffentlichen. Der erfte Band liegt uns vor;
es werden aber wenigftens noch zwei Bände folgen
müffen. Denn Ballerini hat zu manchen Abfchnitten
des Bufembaum nicht kurze Noten, fondern ausführliche
Commentare und Digreffionen gefchrieben. Die moral-
theologifchen Anfchauungen von Bufembaum, Liguori,
Gury und Ballerini find allerdings im wefentlichen die-
felben; aber wer die Jefuitenmoral genau kennen lernen
und darftellen will, wird jetzt in erfter Linie das Buch
von Ballerini benützen müffen. welches im ausdrücklichen
Auftrage der Ordensoberen veröffentlicht worden ift.

Bei der Controverfe zwifchen Ballerini und den Redem-
toriften handelte es fich aufser einer Reihe von fpeciellen
Punkten hauptfächlich um den Probabilismus. Ballerini
bezeichnete nicht nur diefen als die einzig richtige, fondern
auch als die von Liguori vertretene Anficht,und zwar fei Liguori
nicht nurin praxi Probabilift gewefen, was ja kaum zu
beftreiten ift, fondern auch in derTheorie, während dieRe-
demtoriften, und darin haben fie Recht, fagten, Liguori habe
in feinen fpäteren Schriften ftatt des eigentlichen Probabilismus
den Aequiprobabilismus vertheidigt. Ballerini bekämpft
auch in dem vorliegenden Bande in einem Anhange
S. 597—667 diefe Anficht. In dem Buche felbft vertheidigt
er ausführlich den ,einfachen Probabilismus, wie
ihn die Theologen unferer Gefellfchaft vertreten haben'.
Er fügt bei, derfelbe brauche auch nicht mit Rücklicht auf
die Autorität des h. Alphons modificirt zu werden (S. 219),
und Palmieri fagt (S. 221), derfelbe fei ein ,auf feite
Principien genütztes und durchaus logifch zufammen-
hangendes wiffenfehaftliches Syftem, an welchem man
auch nicht (wie Liguori) einen Theil wegnehmen oder
durch etwas anderes erfetzen könne, ohne das Ganze zu
verderben'. Wenn bis in die letzte Zeit Jefuiten und
Jefuitengenoffen mitunter die Angabe, der Probabilismus
fei bei den Jefuiten fo gut wie Ordensdoctrin gewefen,
beftritten und dabei darauf gepocht haben, dafs unter
den erften Bekämpfern des Probabilismus im Anfange
des 17. Jahrhunderts Jefuiten gewefen feien, Rebello und
Comitoli, fo fucht Ballerini nachzuweifen, diefe beiden
feien keine Antiprobabiliften gewefen, der Probabilismus
fei zuerft von den Janfeniften und nur im Anfchlufs an
diefe auch von einzelnen Jefuiten, Gonzalez, Elizalde,
Camargo u. a. bekämpft worden (S. 190). Die von
diefen vertretene Anficht, den Probabiliorismus, erklärt er
für abfurd und nicht der Widerlegung werth (S. 160).
Die Anhänger desfelben überhäuft er mit Schmähungen,
wie mendaces Janseniani et horum inepti plagiarii (S.
193), homines, qui zelo quodam, qui furori similior videtui;
insectati sunt laxitatem, quam consequi existimabant ex