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Ausgabe:

1889

Spalte:

524

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heiligstedt, Aug.

Titel/Untertitel:

Präparation zum Buche Hiob mit den nötigen die Ueberstzung und das Verständnis des Textes erleichternden Anmerkungen. In 2. verb. Aufl 1889

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1889. Mr. 21.

524

Smith fogar auf jeder ungeraden Seite den betreffenden
Abfchnitt vermerkt, während beide am Schlufs ein Ver-
zeichnifs beigeben, durch welches man ohne Mühe die
Verwerthung jedes Abfchnittes auffinden kann, fehlt es
bei Cheyne an diefem allen. Die beklagenswerthe Folge
ifl, dafs man immer wieder die gröfste Mühe hat, den
Zufammenhang zwifchen dem Texte des Verfaffers und
dem des kleiden herzuftellen, eine Ueberficht in gröfserem
Mafsftabe aber ganz unmöglich wird. Auch bei den
nicht feltenen Umftellungen, Textreinigungen u. dgl.,
die Verf. vornimmt, war eine fcharfe, ziffermäfsige Angabe
jedesmal geboten. Ein kleiner Fortfehritt mit
Smith über Driver hinaus befteht in der Hervorhebung
der Bibelnellen durch curfiven Druck.

Es ifl fchade, dafs alle jene formellen Mängel den
Eindruck des inhaltlichen Reichthums beeinträchtigen,
der doch in der That, wie man das bei Cheyne nicht
anders erwarten wird, ein fehr grofser ifl. Nur auf einzelnes
foll hingewiefen werden. Gegenüber der faft
völligen Vereinfachung, in der uns der Prophet in feinem
Buche entgegentritt, bemüht fich Cheyne, ihn wenigftens
in feiner Jugend einem Kreife gleichgefinnter Genoffen
einzureihen. Er läfst König Jofia unter der Leitung
theokratifch gefinnter Männer aufwachten, unter denen
er ficher den ,Priefter' Hilkia aus Kön. II, 22, mit Wahr-
fcheinlichkeit auch Jeremia's Vater Hilkia — die Gleich-
fetzung beider ift nicht ihm unmöglich, aber unbeweisbar
— erblickt. Jeremia wird ihm fo zum Jugend-
genoffen des Reformkönigs, fchon vor der Reform einer
ihrer Freunde und Vorbereiter (S. 18 ff.;. Die Reform
felbft einfchliefslich der Auffindung des Deuteronomium
ifl ein Hauptgegenftand des Buches, und gerade hier
wird auch der Fachmann manchen fchönen und anregenden
Gedanken finden. Dafs Jeremia hiervon faft völlig
fchweigt, erklärt der Verf., indem er ihm eine fchöne,
feiner Sinnesart angemeffene Rolle zuweift. In Jer.
11, 2—5 und 6—8, 2 parallelen Faffungen desfelben
Wortes, findet er mit Dahler die wichtige Nachricht,
dafs Jeremia als Reifeprediger von Ort zu Ort wandernd
für den neuen Bund Jofia's und das Gefetz des Deuteronomium
gewirkt habe (S. 55 f.). Diefe fruchtbare und
gefchäftige Thätigkeit gab nicht Zeit noch Gelegenheit
zur fchriftlichen Niederfetzung von Reden. In den vorliegenden
Text greift Ch. wie anderwärts fo auch hier
ziemlich tief ein. Stade's Beobachtungen finden durchgängig
Billigung, vielfach fchliefst Ch. aus inneren Gründen
auf fpätere Umarbeitung der Texte durch den
Propheten felbft. Der Fachmann mufs dabei bedauern,
dafs manches nicht weiter verfolgt und das Ergebnifs
feiner ausgebreiteten Unterfuchungen nicht überfichtlich
dargelegt ift. Es wäre fehr dankenswerth, wenn dies
etwa in einer Fachzeitfchrift nachgeholt würde. Auch
Wunderliches läuft mit unter: fo wird fich fchwerlich
jemand finden, der mit Cheyne in c. 25 das ganze Buch
fände, welches Jer. nach c. 36 (insbefondere c. 29) im
zweiten Jahre Jojakim's aufgezeichnet hat (S. 137 f.), um-
foweniger, da dies Capitel in keinem Falle von cc. 46—49
zu trennen ift.— Jer. 50 f. find auch ihm unecht, doch wird
die Reife Cidqia's feilgehalten (S. 168). Die Klagelieder
flammen von 3 Verfaffern (cc. I. 2. 4 von demfelben);
das Buch Hiob ift höchft wahrfcheinlich im Exil ver-
fafst (S. 177 f.). Jer. 15, 10—21 fieht Verf. mit Graetz
als eine der fpäteften Reden Jer.'s an, diejenige, durch
welche er fein Bleiben bei Gedalja begründet (S. 184).
Von dem Tempel zu Silo hat Jer. noch in der Gefchichte
von Samuel und Saul gelefen, ein neues Heiligthum dort
hat Jofia zerftört (S. 116 ff.). Hier und anderwärts wird
reichhaltige Literatur angeführt. Schön ifl auch die Ausführung
über Di521»fi fbbü S. 198 f., auffallend daneben
S. 166 ,ein Bild der Afchera'. Alle Beachtung verdienen
die Gründe für die Gefchichtlichkeit von Reg. II, 22
gegenüber neueren Velleitäten (S. 69 ff.). Hinfichtlich
der Hexateuchkritik fällt auf, dafs Ch. E überhaupt

nicht erwähnt, mit ,Yahvistic narration1 vielmehr den
ganzen Umfang von JE zu bezeichnen fcheint (S. 70 ff.).
Das gefchieht wohl nur der Einfachheit und Deutlichkeit
zuliebe. Der Cammeo Nebukadnezar's, der S. 163 erwähnt
wird, ift neuerdings als unecht, als griechifche
Arbeit, erwiefen.

Befonders reich ift auch diefesBuch wieder an fchönen
Sätzen, in denen beherzigenswerthe Wahrheiten fo niedergelegt
werden, dafs viel Mifsverftändnifs dadurch befeitigt
werden kann. Folgende möchte ich hervorheben. S. 37 f.
,Prophetie ifl nichts anderes als die Darlegung und Illu-
ftrirung der Grundfätze des göttlichen Weltregiments,
hier in der Vergangenheit, da in der Gegenwart, dort
in der Zukunft. Die Illuftrationen indeffen flehen den
Grundfätzen an ftricter Richtigkeit flets nach, und unter
den Illuftrationen verdienen diejenigen, welche es mit
den Umftänden der Gegenwart zu thun haben, unbedingteres
Vertrauen als diejenigen, welche fich mit der
Vergangenheit und Zukunft befchäftigen'. S. 58 ,In der
Welt der Gnade fo gut wie in der der Natur fcheint es
manchmal, als wenn Gott Experimente machte, ehe der
befte und endgültige Plan zur Annahme kommt . . . .
Natur ohne Entwickelung und Offenbarung ohne ge-
fchichtlichen Fortfehritt würden beide die Hälfte von
ihrem Zauber verlieren'.

Einige eigenhändige Verbefferungen des Verf.'s werden
den Lefern willkommen fein. S. 70 zu Anfang des
zweiten Abfatzes 1.: ;at earliest in tlie imddle of the eighth
Century B. C' S. 76 Z. 4 k 1.: ,the fact of the literary
influence of Deuteronomy (—) lipon Jereiniah', S. 173
Z. 27 1.: with some thoughti Ferner lies S. 42 Z. 17
VI ft. IV, S. 52 Z. 26 wliole ft. zvhose, vertaufche die
beiden Anmerkungen S. 91, und 92!

Strafsburg i. E. K. Budde.

Heiligstedt, Dr. Aug., Präparation zum Buche Hiob mit den

nötigen die Ueberfetzung und das Verftändnis des
Textes erleichternden Anmerkungen. In 2. verb. Aufl.
hrsg. von Paff. O. Unbekannt. Halle, Anton, 1889.
(VIII, 151 S. gr. 8.) M. 2. 40.

Für die Beurtheilung der Gattung von Büchern, der
das vorliegende angehört, darf ich auf 1888 Nr. 16 und
1889 Nr. 9 diefer Zeitfchrift verweifen. Unter den Ge-
noflen fcheint diefe Arbeit die befte zu fein, wohl fchon
deshalb, weil der erfte Verfaffer zum Buche Hiob einen,
wenn auch nicht bedeutenden, Commentar felbft ausgearbeitet
hatte. Uebrigens ift auch der Druck viel fauberer
und richtiger, als in anderen Abtheilungen.

Man wird es gerechtfertigt finden, wenn weitere Abtheilungen
und Auflagen diefer Unternehmung hier nicht
mehr zur Anzeige kommen.

Strafsburg i. E. K. Budde.

Reuss, Eduardus, Notitia codicis quattuor evangeliorum
Graeci membranacei viris doctis hueusque incogniti quem
in museo suo asservat Eduardus Reuss Argentoratensis.
Cantabrigiae, typis academicis exeudebant C. J. Clay
A. M. et Filii, [1889]. (24 S. 4.)

Durch Zufall ift es einigen Cambridger Gelehrten
bekannt geworden, dafs Prof. Dr. Reufs einige Seiten
über feine Evangelienhandfchrift gefchrieben habe, und
dafs er den Druck diefer Befchreibung nicht verbieten
würde. Sie haben fich das Manufcript auf einem Umweg
verfchafft, in vorliegendem Hefte zum Drucke gebracht
, und dasfelbe zum fünfundachtzigften Geburtstag
des Altmeifters nach Strafsburg gefchickt. Die Widmung,
S. 3, ift einer weiteren Verbreitung würdig; fie ehrt
unferen Veteranen, fie ehrt aber zugleich die Cambridger