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Ausgabe:

1889 Nr. 19

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492

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Begräbnissliederbuch. Auszug aus dem Neuen Gesangbuch für Evang. Gemeinden Schlesiens 1889

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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491 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 19. 492

BergeFing er Gottes, welche nach oben ziehen(S.3);fofoll ' Erinnerung, dafs in jedem Sünder der Jefuitenwurm fich
man .glücklich fein', nur foweit man Andere glücklich ; rege, dem Ernft des apoftolifchen Wortes Bahn zu be-

macht, und man kann nur fo weit wahrhaft glücklich
sein, als man von Gott beglückt ift (S. 10) u. dgl.
mehr. Ungefchickte Ausdrücke finden fich öfter, S. 13:
glimmendes Licht (ftatt: Docht), S. 20: Chriftus ftarb
am Willen Gottes u. f. w. Eigenthümlich ift es jedoch,
dafs alle derartigen Verftöfse faft ausfchliefslich den
erften Bogen der Sammlung angehören; je weiter man
lieft, um fo mehr verfchwinden fie, um fo reicher und
fchöner fliefsen die Gedanken, und der Lefer fcheidet
von dem Buch mit dem Eindruck tiefer und wahrer Erbauung
.

Ein Anhang von 15 Anmerkungen die vorgetragene
Erklärung theils rechtfertigenden, theils ergänzenden
Inhalts befchliefst die Sammlung. Predigten derartigen
Anhang beizugeben, ift ungewöhnlich und wohl nicht
empfehlenswerth. Ueber die Richtigkeit von Anm. 10
kann man überdies fehr abweichender Meinung fein.

Marburg. Achelis.

reiten und die dem Jefuitenwurm angenehme Deutung
des dreiftufigen Gotteswillens an uns: des guten, des
wohlgefälligen und des vollkommenen, dem Lefer gründlich
zu verleiden. Wie gewiffenweckend weifs der Herr
Verf. zu Rom. 12, 7. 8. S. 239 ff. von der Würde und
der fittlichen Verpflichtung des geiftlichen Amtes zu
reden, von der Heuchelei der Faulheit, man müffe auf
die Kraft des heiligen Geiftes fich verlaffen und könne
der eignen treuen Arbeit entbehren. Diefe Anführungen
feien hinreichend, um auf die reiche Gabe des Herrn
Verf.'s und deren Verwendbarkeit nicht nur für gebildete
fchriftfrohe Gemeindeglieder, fondern auch, vielleicht fo-
gar vornehmlich, für im praktifchen Amt flehende Theologen
, mit wärmfter Empfehlung aufmerkfam zu machen.

Marburg. Achelis.

Gess, Gen.-Superint. a. D. Dr. Wolfg Friedr., Bibelstunden
über den Brief des Apostels Paulus an die Römer Cap.9-16.
Bafel, Detloff, 1888. (X, 465 S. 8.) M. 5. —

Eine reife und werthvolle Frucht der Mufse, die
nach einem arbeitsreichen Amtsleben dem Herrn Verf.
auferlegt oderbeffer: gefchenkt ift, liegt in diefem zweiten
Bande der Bibelftunden über den Römerbrief vor. Es ift
eine fehr dankens werthe Gabe, der Gemeinde dargebracht, ,

damit der Gemeinde die mühfame theologifche Arbeit! und dieLiederftrophen ausgewählt, welche bei Begrabnifsen

Begräbnissliederbuch. Auszug aus dem Neuen Gefangbuch
für Evang. Gemeinden Schlefiens. Mit Genehmigung
der Kirchenbehörde. Breslau, Korn, 1889. (100 S.
fchmal 8.) geb. M. —. 50.

Der Gedanke, ein folches Begräbnifsliederbuch zu-
fammenzuftellen, ift überaus praktifch für die Gemeinden,
in welchen Leichen predigten üblich find, oder in welchen
an den Särgen oder Gräbern gemeinfam gefungen zu
werden pflegt. Die Ausführung des Gedankens in dem
vorliegenden Büchlein ift vortrefflich in Einrichtung, Format
, Druck u. f. w. Aus dem Gefangbuch find die Lieder

zu gute komme und für ihr Glaubenslebcn und ihre | zur Verwendung kommen, doch fo, dafs die Nummern
Schriftfreudigkeit verwerthet werde. Selbftverftändlich j der Lieder und Strophen im Gefangbuch beibehalten
wird nur ein Bruchtheil der Gemeinde an dem Werk ; flnd- B™ Büchlein beginnt z. B. mit Nr. 70, Str. 8 9.
des Herrn Verf.'s fich erbauen können; nur die, in welchen ! l°i TesLfol§tl_Ni'v89■ 9°- 295- 304 «• »• w. Ein Regifter
bereits ein Verlangen nach Schriftverftändnifs erwacht ift, des Inhalts befchliefst das Ganze,
und unter diefen nur die, welche der nöthigen Geiftes- Marbuig. Achelis.

bildung und Geifteskraft nicht ermangeln, um das fich--

zu eigen zu machen, was ihnen hier dargeboten wird. Notiz

Dafs diefer Bruchtheil nicht fo gering ift, dafs der Herr ; T7r , .. , , . .... . ,T . .r . T .,,

Verf. die Freudigkeit hat, fo gehaltvolle und umfang- zu Ufener srel.gionsgefch.chtlichenUnterfuchungen Teil l.
reiche Bücher ihnen zu gut ausgehen zu laffen, ift ein Die fcharffinnigen Ausführungen Ufener's über die

erfreuliches Zeichen. Möge auch vorliegendes Werk den Entftehung des Weihnachtsfeftes in der Stadt Rom unter
Zweck feiner Veröffentlichung erreichen, an feinem Theil Papft Liberius haben wohl allgemein ihres Eindruckes
felbftändige Schriftkenntnifs zu pflegen und Bibelchriften nicht verfehlt. So disputabel vieles andere in diefen
heranzubilden, die ihrerfeits ein Salz der Gemeinde find. Unterfuchungen auch fein mag, hier wird er fich unein-
Es ift einem Manne wie Gefs gegenüber nicht unfere gefchränkten Dank und Zuftimmung erworben haben.
Aufgabe, der Flxegefe im Einzelnen kritifch nachzugehen Bekanntlich hat er davon Abftand genommen, in feiner
und abweichende Auffaffungen geltend zu machen. Wir j Arbeit die Schriften neuerer Kirchenhiftoriker zu berück-
befchränken uns auf die Motivirung des Dankes, den j fichtigen. Er geht feinen Weg unbeirrt durch die Ar-
die deutfche evangelifche Chriftenheit dem Herrn Verf. ' beiten feiner Zeitgenoffen, nur auf die Quellen felbft fich
für feine Gabe fchuldet. Der fchwierigfte Theil der ' gründend. Man dürfte ihm daher auch keinen Vorwurf
Arbeit ift der erfte, die gemeinverftändliche Erklärung machen, wenn er Dinge als eigene Entdeckungen vorträgt,
der Capitel 9—Ii. Die Art und Weife, wie der Herr die andere vor ihm ausgefprochen haben. Anders fleht
Verf. feine Aufgabe bewältigt, ift befonders für Pfarrer , es auf S. 270. Hier fchreibt er in Bezug auf die von

und Lehrer höchft inftructiv. Aus weiter und tiefer
Lebenserfahrung weifs der Herr Verf. den zu doctrinärer
Behandlung fo leicht verführenden Stoff praktifch zu beleuchten
und dem Lefer Muth zu machen, ihm in das
Labyrinth der Gottesgedanken, wie fie der Apoftel vorträgt,
zu folgen. Den dankbarften und ethifch reichften Stoff
bietet der gewöhnlich als 2. Theil des Römerbriefs bezeichnete
Abfchnitt Cap. 12—16. Hier ift die Aufgabe
nicht, dunkle Worte und Begriffe aufzuhellen, fondern
das im Wortlaut leicht Verftändliche in feiner Tragweite
und Anwendbarkeit zur Erweckung und Vertiefung ethi-
fcher Anfchauung fruchtbar zu erweifen. Oft ift's dem
Herrn Verf. in meifterhafter Weife gelungen. Wie wirk-
fam wird S. 217 zu 12, I. 2 die exegetifche Ausführung

Ambrofius de virginibus III, citirte Predigt von Liberius
bei der Einfegnung der Marcellina: ,Alle ausnahmslos
haben es als felbftverftändlich betrachtet, dafs unter
dem ,Geburtstag des Heilands' das Weihnachtsfeft des
25. December zu verliehen fei'. Er nimmt fomit ausdrücklich
für fich die Ehre in Anfpruch, zuerft entdeckt
zu haben, dafs jene Rede des Liberius thatfächlich am
Flpiphanienfelte gehalten worden fein mufs. Da fei daran
erinnert, dafs diefe für Ufener's Arbeit grundlegende
Entdeckung fchon 50 Jahre vor ihm von einem dänifchen
Theologen gemacht worden ift. Lic. Wilhelm Rothe
wendet fich nämlich in feiner noch heute lefenswerthen
Schrift: de pericoparum quae hodie in ecclesia Danontv,
usurpantur originc, Kopenhagen 1839 P- 20 gegen Nean-

durch einen hiftorifchen Excurs über den Jefuitenorden der, der Kirchengefchichte Bd. II Abth. 2 S. 659 (3. Aufl.
und fein Gefchick, den Dienft Chrifti dem Fleifche be- | 1856, I, S. 580) in diefer Predigt des Liberius das erfte
quem und leicht zu machen, unterbrochen, um mit der j Zeugnifs für eine F"eier des Weihnachtsfeftes erblickt