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Ausgabe:

1889 Nr. 19

Spalte:

490

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Thiersch, Heinr. W. J.

Titel/Untertitel:

Ueber christliches Familienleben. 8. Aufl 1889

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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4S9 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 19. 49o

Meinung, dafs wir den Scholaftiker Luther da antreffen, ; Thiersch, Heinr.W J.,Ueber christliches Familienleben. S. Aufl.

wo Luther von dem Glauben fo redet, als beftehe er Augsburg, Preufs, 1889. (VIII, 182 S. 8.) M. 2.50

in dem entfchloffenen Furwahrhalten der in der Kirche 1 Dag chriftliche Familienleben' von Thierfch ift die-

überlieferten und m der h Schrift begründeten Dogmen. ^ den zahlreichen Schriften des edlen und

Dem Reformator da^e^en beeegnen wir, wo Luther den ■> 0 , mi 1 1 u _i- n. r L •

uera ivtiormaiur ud^gcu uSS > • ,. , warmherzigen Theologen, welche die weitefte Verbreit-

Glanhen ak den Verkehr mit Gott beichreibt, zu 9, f ,ö , ■ , , . , t- ...

uiauDen ais oen vojwiu r, L ung von allen gefunden hat und in zahlreichen Familien

we rliem im« Gottes Kundgebung an uns n Gnnltus . ö .~, , c . .n ,T , '

weicnem uns uuim "■uuubl-uu"b, . eine Quelle göttlichen Segens geworden ift. Namentlich

erhebt' -(S. 20). - Die S. 34 eingefugte Bemerkung Neu^rmahiten ift fie eine finnige, ernfte und liebliche
foll einem den Begriff der Offenbarung betreffenden be ihren Eheftand; un(f fle werden es nicht zu

Mifsverftändnifs vorbeugen. - Am Schluffe des zvve ten & hab fie y

Capitels hebt H aus der Antwort Luthardt s einen Patftis eindcht(In Dafs auch altere Ehdeute das Jr^J

hervor, aus welchem erhellt, wie unficher fich L. lelblt mit Nutzen zur Hand nehmen, weifs jeder, der das Buch
auf feinem Standpunkt fühlt denn die dort in Betreff und die ^ p fc fc 2 dje » Weinbe

des Glaubensbegriffs gemachte Concefüon zeigt deut- | verderben B
lieh, wie er lieh der Sache nicht erwehren kann: ,Lut> J Dj schwachen des Buches u in dem j j •
hardt fagt dafelbft fchhefshch, dafs allerdings der nismus des Verf/a Sig beftehen JB dgr unmodhldr&ten
Glaubensgedanke von der Gegenwart des .erhöhten Uebertragung altteftamentlicher Gefetzesvorfchriften auf
Chnftus nicht Mittel und Grund des Glaubens fei fondern ; die ^^he jshe> altteftamentlicher Anfchauungen auf die
Frucht des Glaubens Das ift aber gerade der Satz, , G w„t WQ immer fie dem donatiftifchen Zuge des Irden
wir gegen ihn und andere Nachkommen der Scho- ; vin|ianismus dienen können Zum andern find dfe Schwä-
laftiker verfechten' (S. 56). - Abgefehen von diefen ^ fa der befa „ Vorliebe für amerikanifches und
Stellen und von einer *^%tato*^^^wg*- , englifches Wefen und in der möglichft düftern Färbung
fetzung mit L.pfius (S. 30L ift H.s Schrfft im Wefent- - ^ ^ flttliche focialen |üftände der Gegenwart

liehen diefelbe geblieben (vgl. noch 71=7—8^ wo die
Andeutungen der erften Auflage erweitert und mit
Rückflcht auf Frank erläutert worden find; dazu 381 =
412; S. 522 das charakteriftifche Citat aus Luther zu S. 491).

zu fuchen. Solcher Schmerzensfchreie bedarf der Irvingia-
nismus zu feiner Selbftrechtfertigung und zum Beweife der
Richtigkeit feiner eschatologifchen Meinungen. Wie viel
lieber und williger würde man dem ernften Worte lau-
Die fonftigen Aenderungen beziehen fleh in erfter L,n e i fche w es unbefan?en gefprochen wäre!
auf den Stil welcher an häufigen Orten die nachbeffernde j ß[e q deg Buches und jedoch fo hervorragend,

Hand des Verf.'s verra h: durch diefe Cort^n tet t ^ £ ^ nguen Aufl J

nicht feiten die Darfteilung auch im Detail anJg^t gleichlautend ift, nur auf's wärmfte em-

und Präcfion gewonnen (z. B. 37 1: die wirkliche Welt == , / -

4o-: die Welt der Erfahrung). Zum Zweiten hat fich e
H. bemüht, die Schärfe feiner Polemik zu mildern; er
hofft ,in diefer Auflage alles befeitigt zu haben, was in
diefer Beziehung Luthardt oder andere zu Klagen be

Marburg. Achelis.

Schmidt, Paft. Herrn., Die Seligpreisungen Jesu. Ein Büch-
rechtigen konnte'. Dafs H. beftrebt war, alles was irgend- Jein füf Notieidende und Nothelfer. Bafel, Detloff,
wie perfönlich verletzen konnte, auszufcheiden, verdient M
gewifs alle Anerkennung (vgl. z. B. 23 —241 mit 25 bis l889- (VIII, 163 b. 89 M. I. 40.

2Ö2); indeffen wird man wohl zugeben müffen, dafs er Der Herr Verf. hat fich bereits früher durch Predigten

hierin manchmal des Guten zuviel gethan hat. Vor über die Naturpfalmen und über die meffianifchen Pfalmen
allem wird der unbefangene Lefer bedauern, dafs das | und Weisfagungen einen geachteten Namen unter den

neueren Homileten erworben. Das vorliegende Werk
wird diefen Namen nicht beeinträchtigen. Die hervor-
64l) den irenifchen Abfichten des Verfaffers zum Opfer ftechende Gabe des Herrn Verf.'s ift Tiefe und Innigkeit
befallen ift. — Im Uebrigen verweife ich auf die Be- 1 des frommen Gefühls, Kenntnifs des menfehlichen
fprechung der erften Auflage der Herrmann'fchen Herzens und des Herzens Gottes, eine edle Auffaffung

ganz fachlich gehaltene Urtheil über Zöckler's Handbuch
der theologifchen Wiffenfchaften (S. 12—131;

Schrift (TheoL Ltztg, 1887, Nr. 13). Für die Thefe;
welche H. Luthardt gegenüber verfochten hat, eignet er
fich die Form an, welche er bei Kaftan (Die Wahrheit
der chriftlichen Religion, 1889, S. 88) findet: ,Worauf es
ankommt, ift vielmehr dies, dafs die chriftliche Wahrheit
in allen ihren Theilen als Glaubenswahrheit formulirt
wird, fo dafs der Glaube ,und nur der Glaube, welcher
fiducia ift, fich diefelbe aneignen kann'. Und an diefe
Worte knüpft H. die Fragen an, welche den zwifchen
Luthardt und ihm verhandelten Punkt fcharf und klar
charakterifiren: ,Will Luthardt dem Glauben, der nichts
anderes als ein herzliches Vertrauen zu dem Menfchen
Jefus ift, eine folche Bedeutung einräumen? oder will
er den Glauben als assensus zu überlieferter Lehre faffen,
zu welchem dann die fiducia, d. h. ein fich verlaffen
auf folche Lehre hinzutreten müffe?' Um diefen Punkt
bewegt fich die Controverfe, und H., will nichts weiter,
als dafs ,Luthardt und feine Mitarbeiter über ihre
Stellung zu dem chriftlichen Glauben nach dem refor-
matorifchen Grundfatz Luthers eine unzweideutige Antwort
geben'.

Strafsburg i. E. P. Lobftein.

und edle Sprache, fo dafs er für ,Nothleidende und Noth-
helfer' gewifs als Haushalter über reiche Schätze fich erweift.
Dafs der Herr Verf. feine fchönen Gaben auch in Predigten
über die Seligpreifungen Jefu verwerthet, ift trotz der
grofsen Zahl folcher Predigten gewifs nicht zu beanftanden.
Mehr dafs die fchönen Ausführungen mit dem Anfpruch
auf wiffenfchaftliche Originalität und wiffenfehaftliche Licht-
gebung gefchrieben find. Dem Dekalog ähnlich theilt der
Herr Verf. die acht Seligpreifungen in zwei Tafeln, deren
erfte dieUeberfchrift trägt:Jefus unddieNothleidenden, die
zweite fehr gezwungener Weife: Jefus und die Nothhelfer.
Von Lc. 6 geht der Herr Verf. aus und verbindet damit
Mt. 5, denn die äufsere Noth fei die zuerft fühlbare,
von diefer fei auf die innere Noth zu leiten. Natürlich ift
das nicht bei allen Mt.-Seligpreifungen durchzuführen, und
wo es durchgeführt wird, richtet es nur Verwirrung an, wie
befonders aus dem Abfchnitt über die erfte Seligpreifung
zu erfahren ift. So wird von den ,Armen' behauptet,
fie öffnen der barmherzigen Jefusliebc die Herzensthür;
die Urfache der Verarmung wird gleichwohl in der Gottentfremdung
der Armen gefunden ; nur die, welche dies
als Urfache erkennen, find die geiftlich Armen, aber die
geiftliche Armuth ift dennoch die tieffte Quelle alles
Elends, denn fie beftcht in Verachtung der himmlifchen
Güter u. f. w. Auch fonft fehlt es oft an Klarheit,
befonders in der Verwerthung von Bildern- fo find die