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Ausgabe:

1889 Nr. 19

Spalte:

478

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Taylor, C.

Titel/Untertitel:

An essay on the theology of the Didache 1889

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche I.iteraturzeitung. 1889. Nr. 19.

478

barer zu machen. Nicht minder id er darauf bedacht
gewefen, durch eingehende Berückfichtigung der inzwi-
fchen über den Brief erfchienenen Abhandlungen das
Werk auf der Höhe der Zeit zu erhalten.

Waren bei der erften Neubearbeitung mehrere voll-
ftändige Commentare über den Jakobusbrief neu zu vergleichen
, fo handelte es fich jetzt lediglich darum, einige
die fogen. Einleitungsfragen behandelnden Auffätze (von
Holtzmann, Klöpper, v. Soden u. A.) zu prüfen und fich
mit ihnen auseinanderzufetzen. Infolge deffen hat nur
die Einleitung hier und da wichtige Zufätze und Ergänzungen
erfahren, während die Detail-Exegefe im wefent-
lichen unverändert geblieben ift. Um den Umfang des
Buches nicht zu vermehren, hat der Verf. mit Recht die
meiden Vervveifungen Huther's auf die Erklärungen von
J. P. Lange geftrichen, fofern letztere den Lefer nur zum
Lachen reizten, hingegen zur Löfung der betr. Fragen
nichts beitrugen.

Gegen die erneuten Verfuche, den Jakobusbrief in
das 2. nachchriftliche Jahrhundert zu verlegen, verhält
fich Beyfchlag durchaus ablehnend. Die Polemik gegen
alte und neue von den Gegnern vorgebrachte Argumente
ift kurz und fchlagfertig. Der Verf. fieht die von ihm
bisher eingenommene Pofition in keinem Punkte er-
fchüttert; er hält nach wie vor den Jakobusbrief für das
ältefte Schriftdück des N. T's.

Auch die jüngft von Ufteri in denStud.u.Krit. (1889II)
veröffentlichte Unterfuchung über ,Glaube, Werke und
Rechtfertigung im Jakobusbrief' wird den Verf. fchwer-
lich zu einer Aenderung feines Urtheils veranlaffen.
Ob der Mittelweg, den Ufteri in der Beftimmung des
Verhältnifses zwifchen Paulus und Jakobus einfchlagen
möchte, gangbar ift, werden fpätere Arbeiten feftzuftellen
haben. Ufteri felbft wagt ,bei der noch fo mangelhaften
Kenntnifs der urchriftlichen Verhältniffe namentlich auf
judenchriftlichem Gebiet' fich nicht mit voller Sicherheit
auszufprechen.

Vielleicht find die neuerlichen Verhandlungen über
die Apokalypfe des Johannes geeignet, die Abfaffungs-
zeit unferes Briefes genauer zu beflimmen. Nach Spitta
(Die Offenb. des Joh. S. 521 f.) ift die chriftliche Ur-
apokalypfe, welche er um das Jahr 60 gefchrieben fein
läfst, wahrfcheinlich vom Jakobusbrief abhängig. Beyfchlag
freilich, der fo energifch für die Einheit der Apokalypfe
eingetreten ift, wird eine derartige Stütze für
feine Anficht verfchmähen. Allein einer genaueren Ver-
gleichung des Jakobusbriefes mit der Apokalypfe und
ebenfo mit dem nahe verwandten 1. Petrusbriefe hätte
er fich nicht entziehen follen. Mögen auch die von
Holtzmann beigebrachten Parallelen vielfach unerheblich
fein, die enge Beziehung diefer Schriftftücke zu einander
bleibt beliehen, und es handelt fich hier durchaus nicht
um blofse Gefchmacksurtheile.

Auf Anregung Haupt's hat fich Beyfchlag entfchlof-
fen, die textkritifchen Erörterungen in die Erklärung des
Briefes zu verarbeiten. Diefes Verfahren verdient gewifs
den Vorzug vor dem von anderen Bearbeitern des
Meyer'fchen Commentars befolgten und auch von Haupt
eigentlich empfohlenen, die textkrit. Bemerkungen am
Anfang eines jeden Abfchnittes in Anmerkungen mitzu-
theilen. Doch hätten neben Tifchendorf auch Tregelles
fowie Weftcott und Hort eine genaue Berückfichtigung
erfahren follen.

Bonn. F. Schnapp.

1. Schaff, Phil., Prof., The Teaching of the Twelve Apostles

{Jidayi} rc5» dioöey.a änootülwv) or the Oldest Church
Manual, the Didache and kindred Documents in the
original, with translations and discussions of post-
apostolic teaching baptism worship and discipline etc. |

3. ed. revised and enlarged. New York, Funk &
Wagnalls, 1889. (X, 325 S. gr. 8.)
2. Taylor, C, D. D., An essay on the theology of the Didache

with the Greek text, forming an appendix to two
lectures on the teaching of the twelve apostles. Cambridge
, Deighton, Bell & Co., 1889. (32 S. 80 is. 6d.

Schaffs bekannte vortreffliche Monographie über die
Didache liegt nun in 3. Ausgabe vor — ein Beweis, wie
ftark das Intereffe für das ,Oldest Church Manual1 ift.
Schaff hat eine kritifche Ueberficht über die Literatur von
1886—1888 hinzugefügt (p. 307—320) und einige kleine
Aenderungen im Text vorgenommen. Im Wefentlichen
ift die neue Auflage eine unveränderte.

Taylor hat feinen ,Two lectures on the Teaching1 eine
ebenfo anziehende als werthvolle Unterfuchung über die
Theologie der Didache beigegeben, in welcher er auf
Grund einer eingehenden fclrwägung einiger Stellen in
der Schrift (c. 8—II, 15. 16) zu dem Ergebnifs kommt,
dafs der Verfaffer diefelbe Stellung zum A.T. einnimmt
wie Jüdin, deffen Dialog in vieler Hinficht als ein Com-
mentar zu der Didache betrachtet werden kann. Die
Nachweifungen Taylor's — auch in Bezug auf die Vor-
dellungen von Chridus, die der Verf. gehegt hat — find
Muderdücke einer feinen und gründlichen Unterfuchung
und bezeichnen einen wirklichen Fortfehritt in der Er-
kenntnifs der Didache.

Berlin. A. Harnack.

Hiickstädt, Päd. Dr. Ernd, Der Lehrbegriff des Hirten.

Ein Beitrag zur Dogmengefchichte des 2. Jahrhunderts
. Anklam, 1889. [Leipzig, Buchhandlg. des Vereinshaufes
.] (III, 66 S. gr. 8.) M. 1. 20.

Diefe Abhandlung giebt einen forgfältigen Ueberblick
über die religiöfen und theologifchen Anflehten des
Hermas in fydematifcher Zufammendellung. Der Verf.
fucht meid Anfchlufs an Harnack und befindet fleh
noch öfter im Gegenfatz zu Zahn, hat alfo den richtigen
Standpunkt zur Beurtheilung eingenommen. Nothwendig
war feine Arbeit nicht. Link's Unterfuchung über Chridi
Perfon und Werk im Hirten des Hermas kann ihm unmöglich
entgangen fein; doch citirt er fle nicht, was er
hätte thun müffen, um nicht den Schein zu erwecken,
als fürchte er nach diefem Auffatz Ueberflüffiges zu
fagen. Pofltiv Unrichtiges habe ich nicht gefunden. Die
Auseinanderfetzung über den (Teuröracng (Ad'ofog, äyiog)
ayytlng läuft im Refultat infofern auf diejenige Link's
hinaus, als auch Hückdädt darunter den erhöhten
Chridus verdanden wiffen will (vgl. diefe Zeitung, 1886,
Sp. 588). Doch identificirt H. den ,namenlofen Engel'
mit dem Erzengel Michael, was Link bedreitet.

Giefsen. Gudav Krüger.

Kinzler, theolog.Lehr. Adf., Selectapatrum latinorum, hrsg.
und erklärt. Bafel, Miffions-Buchhandlg., 1889. (XLV,
176 S. 8.) M. 2. —

Einzelausgaben von Schriften der Väter find ein
Bedürfnifs, das fich Jedem, der Seminarien oder Uebungen
zu leiten hat, fühlbar machen wird. Wenn man in der
alten chridlichen Literatur mit Studenten eine Schrift
lefen will, die nicht zu den ,apodolifchen Vätern' gehört
— von Augudin's Bekenntnissen fehe ich ab —, fo wird
man dets daran fcheitern, dafs die betreffende Schrift
einzeln entweder gar nicht oder nicht genügend herausgegeben
id. Und fo bleiben die wichtigden ungelefen
oder werden doch nicht unter Aufficht des fachkundigen
Lehrers gelefen, da man, wie genugfam bekannt, die
Anfchaffung des ganzen Tertullian, felbd in der enc-
gedruckteden Ausgabe, oder des Judin oder Anderer
nicht von jedem Studenten verlangen kann.