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Ausgabe:

1889 Nr. 17

Spalte:

440-441

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ziegler, H.

Titel/Untertitel:

Der alte Gott lebt noch 1889

Rezensent:

Lindenberg, H.

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439

Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 17.

440

Herder's Briefe an Jon. Georg Hamann. Im Originaltext
hrsg. von Otto Hoffmann. Berlin, Gaertner, 1889.
(VI, 284 S. gr. 8.) M. 6. -

Mit der Veröffentlichung diefer bisher ungedruckten
Briefe Herder's an Hamann hat der Herausgeber nicht

in den Kämpfen feiner harten Jugend, in denen er für
fein fpäteres Wirken bis hinein ins Einzelne fichtbar
vorbereitet und zugerüftet wird.

Anzuerkennen ift befonders an diefer Biographie,
dafs fie fich auf ihren Gegenftand befchränkt und das
Allgemeine nur fo weit hereinzieht, als es zum Ver-

nur einen höchft werthvollen Beitrag zur Kenntnifs ffändnifs nöthR ift.
Herder's und Hamann's geliefert, fondern auch für die „

gefammte Zeitgefchichte unfchätzbares Quellenmaterial j Dresden. Meier

zugänglich gemacht. Die Briefe umfaffen den Zeitraum
von 1764 bis 1787 und verbreiten fich über Alles, was I Ziegler, H., Der alte Gott lebt noch oder die Stellung-
Herder während diefer bedeutungsvollen Jahre befchäftigt . nähme des menfchlichen Herzens zu dem lebendigen
hat. ,In diefen Blättern', fagt der Herausgeber mit
vollem Recht, ,find nicht nur die Entwicklungsfiufen
feines Seelenlebens, der Gang feiner Studien und Entwürfe
, das Heranreifen feiner Werke erkennbar, wir
begegnen hier auch einem recht ftattlichen Kreife von

Gott. Ein Wort des Kampfes und ein Wort des
Friedens an die heutigen Chriften. Braunfchweig,
Schwetfchke & Sohn, 1888. (VI, 125 S. gr. 8.) M. 2.—
,Es geht trotz unferer Erfolge nicht bergan, fondern

Bekannten und Unbekannten in fo fein und fcharf ge- j bergab mit uns Deutfchen, wenn der lebendige Gott
zeichneten Bildern, dafs uns das Gefammtgemälde der I nicht wieder die Stelle einnimmt, die ihm gebührt' —
Zeit mit warmem Lebenshauch anmuthet'. Von dem I von diefer Ueberzeugung durchdrungen, fucht der Verf.

reichen Inhalt auch nur annähernd eine Vorftellung zu
geben, ift auf dem hier zugemeffenen Raum unmöglich.
Dagegen darf nicht unerwähnt bleiben, dafs der Herausgeber
durch eine Reihe den Briefen angefügter, auf
gründlichfter Detailforfchung beruhender Erläuterungen,
durch eine chronologifche Zufammenftellung der Antworten
Hamann's mit einem Hinweis auf die Stelle ihrer
Veröffentlichung, fowie durch ein vorzügliches Sach- und
Perfonenregifter den Werth diefer Brieffammlung beträchtlich
erhöht und das Auffinden einzelner werthvoller 1 lungen (1. Der eine Gott. 2. Die Leugner des lebendigen
Bemerkungen dem Forfcher erleichtert hat. Die mühe- ! Gottes. 3. Der Beweis vom Dafein Gottes. 4. Die reli-
volle Arbeit, die auf diefe Veröffentlichung verwandt ift, j giöfe Gewifsheit) gegen die vom Standpunkt der exacten

diefer mit ebenfoviel Wärme wie Klarheit gefchriebenen
Abhandlungen auf der einen Seite die principiellen
Gottesleugner und die Indifferenten, auf der anderen
Seite die grofse Schaar der Unfelbftändigen und Unfreien,
die fich in Glaubensfachen blindlings äufserer Autorität
unterwerfen, für den Standpunkt eines auf innerer Erfahrung
ruhenden — und darum von aller äufseren
Autorität unabhängigen Glaubens zu gewinnen. Die
Argumente, die der Verf. in den vier erften Abhandwird
nicht fo unfichtbar bleiben, wie der Herausgeber
meint, fondern ihm den wärmften Dank Aller fichern,
die mit dem hier behandelten Zeitraum fich eingehender
befchäftigen.

Nuffe. H. Lindenberg.

Hahnemann, Ffr. Edm., Karl Wagner-Groben, Pfarrer. Sein
Leben u. Wirken. Mit Photogr. Bafel, Miffionsbuch-
handlung, 1889. (VIII, 183 S. 8.) M. 1. 60; geb. M. 2. 40. UckrePig^^

Eorfchung aus wider die Religion erhobenen Einwände
vorbringt, find nicht gerade neu. ,Ihr kennt die Religion
nicht', ruft er den Gegnern zu und beffreitet ihnen das
Recht, was aufserhalb des Gebietes der exacten Eorfchung
liege, für Einbildung zu erklären. ,Unfer Glaube ruht
auf Erfahrung'. Dafs die üblichen Beweife für das Dafein
Gottes keine Beweiskraft haben, erkennt der Verf.
an; er will nur einen Beweis gelten laffen, und diefer
befteht darin, dafs das den Menfchen befriedigende fitt-

Pfarrer K. Wagner, der auch im evangelifchen der Erfcheinungswelt gegenüber frei macht, nur aus
Deutfchland durch verfchiedene, in mehrfachen Auflagen I einer über die Erfcheinungswelt hinausgehenden Urfache
erfchienene Schriften (z. B. Jacobs Pilgerleben', ,die j erklärt werden kann. Dafs es eine religiöfe Gewifsheit
Macht des Gebetes', ,von Tabor nach Golgatha') bekannt ! giebt, ift ihm eine gefchichtlich feftftehende Thatfache,
geworden ift, von Geburt ein Württemberger, hat fich in und er fucht nachzuweifen, dafs fich diefelbe von der
einem vielbewegten, unruhigen Leben voll Arbeit und 1 eingebildeten Glaubensgewifsheit des Fanatikers fehr
Kampf frühzeitig verzehrt (geb. 1836, f 1886). In dürf- j beltimmt unterfcheiden laffe. Nachdem fo in den erften
tigen Verhältnifsen aufgewachten, hindurchgegangen durch j vier Abfchnitten die allgemeinen grundlegenden Fragen
eine rauhe, entbehrungsvolle Jugend unter der Preffe j erörtert find, folgt nun im fünften unter der Ueberfchrift:
eines fauren Kellnerdienftes, zu dem den reichbegabten, i ,Nur immer wieder der Gekreuzigte?' eine Apologie des
tiefinnerlichen Jüngling der Unverftand der Seinen zwingt, ! chriftlichen Glaubens. Von jeder dögmatifchen Formel
wird er nach diefem Fegefeuer von einem unwiderfteh- j über die Perfon Chrifti abftrahirend, verflicht der Verf.
liehen Trieb, in dem ihn auch wiederholte Abweifung an einem aus dem Leben gegriffenen Beifpiel nachzu-
nicht irre macht, ins Miffionshaus nach Bafel geführt, weifen: ,welche Erfahrungen in Bezug auf Gott machen
von da als Diafporaprediger nach Brafilien, dann zurück diejenigen, welche durch Chriftum in ihrem religiöfen

nach Europa in die Schweiz, die ihm durch feine Gattin,
eine Bafelerin, deren Namen er nach Bafeler Sitte dem
feinigen beigefügt, zur zweiten Heimath geworden war,
und zwar nach Laufanne, wo er überaus fchwere, aber
fiegreiche Kämpfe mit den Reformern durchkämpft, und
zuletzt einem dringenden Rufe folgend nach Edinburgh
als Pfarrer der dortigen deutfchen Gemeinde, wo er
unter einer geradezu fieberhaften Thätigkeit erliegt.

Das vielbewegte Leben des Mannes voll Glaubens

Leben beftimmt find, an fich felber durch ihn', um dann
weiter die Frage zu beantworten: wo liegt der Punkt,
an welchem Jefus von Nazareth von allen Menfchen fich
derartig unterfcheidet, dafs folche Wirkung fich aus ihm
allein erklärt. Hier wird nun das eigenartige perfön-
liche Verhältnifs Jefu zu Gott auf Grund der neutefta-
mentlichen Urkunden dargeftellt, wie es fich einerfeits
charakterifirt fchon durch die Art der fittlichen Forderung
einer vollkommenen Gerechtigkeit in einem Reich

und Gebetes, einer energifchen und feurigen Natur mit j der Gerechtigkeit, andererfeits durch die vollkommene
kraftvoller,volksthümlicherBeredtfamkeit und mit grofsem Erfüllung diefer Forderung in dem Leben Jefu, indem

praktifchem Gefchick, unermüdet in dienender und
fliehender Liebe, wird von dem Biographen in fchlichter,
anfpruchslofer Weife mit warmer Pietät gezeichnet.

er verkündend, lehrend, handelnd, leidend, fterbend die
perfönliche Darftellung der wahren Gerechtigkeit des
Himmelreichs ift und fo ,unfer Held, unfer Vorkämpfer,

Ergreifend ift es, die erziehende Hand Gottes in diefem , unter deffen Führung wir felber das höchfte Gut er
wunderbar geführten Leben zu verfolgen, insbefondere ! greifen und in das Kindesverhältnifs zu Gott treten'.