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Ausgabe:

1889

Spalte:

347-350

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nestle, Eberhard

Titel/Untertitel:

Syrische Grammatik mit Litteratur, Chrestomathie und Glossar. 2., verm. u. verb. Aufl 1889

Rezensent:

Ryssel, Viktor

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Theologifche Literaturzeirung. 1889. Nr. 14.

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mufs ich doch bezweifeln, dafs unfere Stelle als Beleg
dafür zu verwerthen ift. Ebenfo wäre S. 30 Dieterici
wenigftens in anderer Form zu verbeffern gewefen: die
Form g?rrh ift allerdings die übliche, aber garh wird daneben
als zuläffig erwähnt, darf alfo nicht mit einem
.fälfchliclv gebrandmarkt werden. S. 46 ift die Bemerkung
zu qätibat mindeftens fchief, wie fchon die Scholien
zu der (falfch 58 ft. 68) citirten Hariri-Stelle zeigen,
event. auch Lane gezeigt hätte. In der Note zu Kam
S. 45 paffen Anfang und Schlufs nicht recht zufammen;
aber der Hrsg. hat da eine Möglichkeit berührt, die bisher
nicht zur Sprache gekommen ift, und der weiter
nachzugehen er hoffentlich Gelegenheit nimmt.

Ich habe alle Kleinigkeiten, an denen ich Anftofs
nehmen zu müffen glaubte, hervorgehoben, um event.
zur weiteren Verbefferung einer neuen Ausgabe, wie fie
das für feinen Zweck brauchbare Büchlein verdient, beizutragen
.

Königsberg. A. Müller.

Nestle, Dr. Eberh., Syrische Grammatik mit Litteratur,
Chreftomathie und Gloffar. 2. verm. u. verb. Aufl.
der Brevis linguae syriacae Grammatica. [Porta lin-
guarum orientalium, pars V.] Berlin.. Reuther, 1888.
(XIV, 72 u. 195 S. 8.) M. 7. —

Ueber den wiffenfchaftlichen und praktifchen Werth
der fyrifchen Grammatik Neftle's hat Ref. in feiner Anzeige
der 1. Auflage im Jahrgange 1882 diefer Zeitung,
Nr. 5, ausführlich gehandelt. Auch ift ein erneuter Beweis
für die Nutzbarkeit des Buches deshalb nicht nöthig,
weil diefelbe durch die Nothwendigkeit einer 2. Auflage
fieben Jahre nach dem Erfcheinen der erften hinlänglich
bezeugt ift. Wohl aber foll auf die Veränderungen
hingewiefen werden, welche die Grammatik
durch die nachbeffernde Sorgfalt ihres Verfaffers erfahren
hat.

Durch ihr Erfcheinen in deutfcher Sprache, an
Stelle des lateinifchen Gewandes der erften Auflage,
wird die Benutzung und Verbreitung des Buches ficher
noch gefördert werden. Aber auch fonft hat Neftle
keine Mühe gefcheut, um Verbefferungen verfchiedener
Art vorzunehmen. Der bibliographifche Theil ift ftark
vermehrt und jetzt nahezu vollftändig. Manches mag dem
Verf. zur Zeit der Abfaffung noch nicht zu Geficht gekommen
fein, wie das Psalterium iuxtaversionem simplicem,
Pschittam vulgo dictam. Ed. C. J. David et J. G. Schel-
hot. Mausilii 1885 (XII, 351 S.), und Ignazio Guidi's Auf-
fatz Mose di Aglicl e Simeone Abbate in den Rcndiconti
de IIa R. Academia dei Lincei. Roma 1886. Es zeugt für
die Rührigkeit, die jetzt auf dem Arbeitsgebiete der
fyrifchen Literatur herrfcht, dafs feit dem Abfchluffe
der Grammatik Neftle's aufser den in der Einleitung
S. VII mitgetheilten Schriften fchon wieder zahlreiche
Publicationen nachzutragen find. So von Ausgaben:
Ebed-Jesu Sobensis carmina selecta {ex libro ,Paradisus
Eden'). Cum praef. et append. syriace edidit ac latine red-
didil H. Gismondi S. J. ßeryti 1888 (XVI, 225, 3 S. 8.);
Histoire de Mar Jab-Alaha, Patriarche, et de Raban Sauma.
Paris, 1888 (XII, 188 S. kl. 8.); Pardaisa dha Edhen seit
Paradisus Eden. Carmina auetore Mär Ebed Iso Sobensi
Prhnvtn edidit et [arab. | notis instruxit Gabriel Cardahi
Libancnsis linguamm arabicae et syriacae in collegio
Urbano de Propaganda Eide professor Romae. Beryti 1889
(VIII, 127 S. 4.); Das Buch von der Erkenntnis der Wahrheit
oder der Urfache aller Urfachen. Nach den fyrifchen
Handfchriften zu Berlin, Rom, Paris und Oxford herausgegeben
von C. Kayfer, Lic. d. Theok, Paftor, Leipzig 1889
(VI, 272 S 4.) und (noch im Erfcheinen begriffen) Bar Bahlul,
Lexicon syriacum, voces syriacasgraecasque cum glossis syr. et
arab. complectens. E plur. codd. edidit et notulis instruxit
R. Duval. Fase. I. Paris 1888 (VI, 22 S., 348 Col. 4.);

— ferner L. J. Tixerot, Les origines de l'eglise d'Edesse
et la legende d'Abgar. Etüde critique, suivie de deux
textes onentaux inedits. Paris 1888 und P. Martin, L'hexa-
meron de Jacques d'Edesse. Extrait du Journal asia-
tique. Paris 1888. Impr. nat. (154 S.). Da Neftle in
der 2. Auflage begonnen hat, einzelne Recenfionen zu
verzeichnen, fo fei noch auf die wichtigen Anzeigen von
G. Hoffmann über Sachau's Inedita Syriaca in den Gött.
Gel. Anzeigen 1871. 31. Stück vom 2. Auguft, und von
R. Gottheil über Kottek, Das 6. Buch des Bellum Iu-
daicum in der in New-Häven, Conn., erfcheinenden
Vierteljahrsfchrift Hebraica Vol. III. April 1887. Nr. 3,
hingewiefen. Auch find zu den Abhandlungen über den
Charakter und textkritifchen Werth der fyrifchen Bibel-
überfetzungen, welche Neftle von feiner Literaturüber-
ficht ausgefchloffen hat und betreffs deren auf Neftle's
Artikel ,Syrifche Bibelüberfetzungen' in Herzog-Plitt's
Prot. Realencyklopädie 2, B. XV, S. 198—200 und auf
Arnold-Fritzfche's Artikel ,Bibelüberfetzungen' ebenda,
B. II, S. 441 f. und S. 447 f. hinzuweifen ift, in jüngfter
Zeit einige hinzugekommen: Dr. Mark Sebök (Schönberger
), Die fyrifche Ueberfetzung der zwölf kleinen
Propheten und ihr Verhältnifs zu dem maforetifchen
Text und zu den älteren Ueberfetzungen, namentlich den
LXX und den Targumim, Breslau 1887 (75 S. 8.); Edv.
Stenij, De Syriaca libri Iobi interpretalione quae Peschita
vocatur. Pars I. Helfingfors 1887 (89 S. 8.) und Laffer
Weingarten, Die fyrifche Maffora nach Bar-Hebräus. Der
Pentateuch. Halle a. S. 1887 (47 S. 8.). Für eine neue
Auflage würde es fleh vielleicht empfehlen, die Schriften,
deren Verfaffer nicht bekannt find, und Sammelwerke,
ähnlich wie fchon jetzt die Infchriften, unter befonderen
Ueberfchriften zu vereinigen, um dadurch das Auffuchen
zu erleichtern, wobei zugleich an paffendem Orte durch
Stichworte auf die Stelle der Erwähnung hingewiefen
fein könnte. Denn wer kann vermuthen dafs Oppen-
heim's Ausgabe der ,Fabula Iosephi et Asenethae' unter
Historia fleht, weil diefe Erzählung zuerft unter dem
Titel Historia Iosephi iusti et Asenethae abgedruckt
wurde? Und wer fucht bei der jetzigen Einrichtung
Cowper's Syriac Miscellanies unter Analecta, während
Dietrich's Codicum syriacoruni speeimina . . . ad illustran-
dam dogmatis de coena sacra etc. unter Codic. fleht? Alsdann
könnten auch einzelne Befprechungen der fyrifchen
Handfchriften, wie die von Friedr. Bäthgen über die
Handfchrift .Sachau 131' (darin auch die Prophetenleben
des Epiphanius in einer von den bisher veröffentlichten
Texten nicht unwefentlich abweichenden Recenfion) in
der Zeitfchr. f. d. alttefl. Wiffenfchaft. Jahrg. VI, 1886,
S. 193—211, unter der Ueberfchrift ,Handfchriftenkunde'
(vgl. jetzt den allgemeinen Abfchnitt am Anfange der
.Literatur') gefammelt werden. Zum Schluffe will ich
noch die Gelegenheit benutzen, um die Fachgenoffen auf
den fchönen Auffatz Deila vita e delle opere del Co. Er.
Miniscalchi Erizzo in den Atti del reale Islituto Veneto
di scienze, lettere ed arti. Tomo II, serie V. (Nov. 75.—
Oct. 76.) S. 645—660 hinzuweifen.

In der Chreftomathie hat Neftle mitRecht die vier erften
Capitel der Genefis flehen laflen, und aus dem N.T. noch das
15. Capitel des Matthäusevangeliums, nach der amerika-
nifchen Ausgabe, hinzugefügt. Ferner hat er die dem Epiphanius
zugefchriebenen Vitae Prop he tarum, von denen er in
der 1. Ausgabe nur die des Jefaia, Jeremia, Ezechiel und
Daniel mitgetheilt hatte, jetzt ihrem ganzen Umfange
nach abgedruckt. Es ift dies um fo dankenswerther,
weil man dadurch Gelegenheit erhält, felbftändig über
die von ihm in der Einleitung S. VIII erwähnte Anficht
zu urtheilen, dafs die fyrifchen Texte (trotz der Unter-
fchrift Z. 403 f.) das Original, die griechifchen nur Ueberfetzung
feien. Ref. kann diefer Annahme nur beipflichten
, ohne damit für den ganzen Umfang der Vitae
die Garantie übernehmen zu wollen. Eine kurze Zu-
fammenftellung feiner Gründe ift vielleicht gerade um