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Ausgabe:

1889

Spalte:

345-347

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jacob, Georg

Titel/Untertitel:

Arabische Bibel-Chrestomathie 1889

Rezensent:

Müller, August

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 14. 13- Juli 1889. 14. Jahrgang.

Jacob, Arabifche Bibekhreftomathie (Aug.
Müller).

Neftle, Syrifche Grammatik mit Litteratur,
Chreftomathie und Gloffar, 2. Aufl. (Ryffel).

Schultz, Altteftamentliche Theologie, 4. Aufl.
(Siegfried).

Kölling, Der erfle Brief Pauli an Timotheus,
2. Thl. (Holtzmann).

Eicken, Gefchichte und Syftem der mittelalterlichen
Weltanfchauung (K. Müller).

Ador, Jefchua von Nazara (Holtzmann).

Jacob, Dr. Georg, Arabische Bibel-Chrestomathie. Hrsg.
und mit einem Gloffar verfehen. [Porta linguarum
orientalium, pars IX.] Berlin, Reuther, 1888. (VII,
54 S. 8.) M. 2.25.

Wenn der Herausgeber diefer gleichzeitig in englicher
und deutfcherGeftalt erfchienenen,arabifchen Bibel-
Chreflomathie' das Bedürfnifs nach einer folchen in der
,an Theologen oft* herantretenden ,Nothvendigkeit, die
arabifche Bibel lefen zu können (fei es zu wiffenfchaft-
lichen, fei es, was häufiger der Fall, zu praktifchen
Zwecken)' gegeben findet, fo mufs der Berichterftatter

gegen eine von Fleifcher vielfach vergeblich gepredigte
Regel ift i'tti (ft. ftü) I S. II, ia.

Der Hrsg. bemerkt mit Recht ,doch wollte ich in
einem Uebungsbuch für Anfänger nicht mit durchgreifenderen
Reformen vorgehen'. Da hätte er aber im Gloffar
nicht die übliche Reihenfolge der Buchftaben h w in
die perfifch-türkifche u Ii umkehren follen. Gewifs ift diefe
auch bei den Arabern eine Weile üblich gewefen, indefs
doch wohl erft nach der urfprünglichen des fyrifchen
Alphabetes, wie fie in dem Zahlwerthe der Zeichen fich
immer (auch bei den Türken!) erhalten hat. Mögen alfo
auch die Lexikographen fie fpäter aus anderem Grunde

als Freund der wif fcn fchaftlieh en Theologie zunächft i wiederhergeftellt haben, fo ift doch die Bezeichnung .ganz

gegen den Schein proteftiren, als ob für die Vertreter
diefer ein anderer Weg zur wiffenfehaftlichen Benutzung
der arabifchen Ueberfetzungen gefunden werden
könne, als der, welcher über das Gebiet der correcten
älteren Sprache führt. Indefs will ich dem, vom Hrsg.
felbft als häufiger bezeichneten praktifchen Gefichtspunkte
keineswegs die Berechtigung abfprechen, und darf unter
diefem das kleine Werk als zweckdienlich empfehlen.
Die Auswahl ift paffend; fie umlafst Gen. 1—4; 22,1—19;
Jud. Ii, 30-4°; I Sam. II; II Reg. 9; Pf. 1; Matth. 6, 9-13.
Dem Text zu Grunde gelegt ift die Ausgabe New York
1S67: ,Die Ueberfetzung London 1844 bietet zwar bef-
feres Arabifch, ift aber nicht fo verbreitet und weniger
wörtlich' — wir fehen gleich, wie unmöglich der wiffen-
fchaftliche Zweck mit dem praktifchen zu vereinen war.
,Von den zahlreichen Hebraismen und den felteneren
Vulgarismen, welche der von mir benutzte Text neben
mancher grammatifchen Feinheit' [?] ,zeigt, habe ich etliche
, bei denen es durch eine leichte Aenderung möglich
war, befeitigt; in anderen Fällen dem Anfänger
durch kurze Notizen im Gloffar Fingerzeige gegeben'.
In der That kann der Text, wie er dafteht. unter dem
von mir gemachten Vorbehalt genügen; wenngleich z. B.
G. 2,11 das fchreckliche keitku durch ellati tliamma (fo
der Araber des Erpenius, den ich gerade bei der Hand

irrthümlich' dafür am Ende felbft ein Irrthum, und die
,Reform' gleichzeitig, da eben alle unfere arabifchen
Lexika die andere Folge zeigen, für den Anfänger ficher-
lich allzu durchgreifend'. Mehr noch gilt das — wenn
nicht ein wiederholtes, dann aber ziemlich auffallendes
Verfehen vorliegt — von der meines Wiffens durch den
Gebrauch keiner Art von Handfchriften gerechtfertigten
rortlaffung des orthographifchen Elif der nunirten Endung
an (ue/tarau G. 1, 5; jauvian G. 1,3; bizran G. 1,29;
gajjidan G. 2, 18).

Auch das Gloffar ift in der Hauptfache forgfältig gearbeitet
; doch fehlen einige Worte, wieder Plural gitlüs
II R. 9, 4; säla II R. 9, 33; sah/bat). 11,37; (a/a'a (Conj. V.)
II R. 9, 30; der Plur. aqsam Pf. 1, 3; qinnijat II R. 9, ,;
kethir II R. 9, 22; kclb, PI. kiläb II R. 9, 10; auch von
den Eigennamen, deren manche im Gloffar Aufnahme
gefunden haben, fehlen andere, wie Aram II R. 9,14; Gür
II R. 9, 27. Die Bedeutungserklärung reicht nicht voll-
ftändig für die betr. Stellen aus bei mahalla IS. II, «j
saJäm II R. 9, n ; fada G. 1, 20; nazala J. 11,37; IS. 11, 1.
Statt zitian S. 37 follte dem Text II R 9, 22 entfprechend
zinatm flehen; banq S. 28 ift zu flreichen, das Wort heifst
in der bekannten Bedeutung nur büq. An falfche Stelle
gerathen find cl-äna S. 26 und schart at S. 39.

Im Gloffar finden fich einige Bemerkungen, die für

habe) und Matth. 6, 10 lita'ti durch lija'ti, maschijetuka den Anfänger unnöthig find, wenn man auch leicht be
durch vtaschi'atitka hätte erfetzt werden können, während ! greift, dafs der Hrsg. fich unbewufst von dem Streben

das im Gloffar S. 41 wenigflens fragend als .Hebraism
in Anfpruch genommene daraba btl-bitqi ganz claffifches
Arabifch ift. Die Vocalifation ift mit vieler Genauigkeit,
unter Durchführung des richtigen Verfahrens allmählicher
Abnahme in der Anzahl der gefetzten Zeichen, feftge-
flellt und ebenfo wie der Confonantentext correct gedruckt
; als Druck- oder Schreibfehler habe ich bemerkt
G. 1, 11 btfzran (ftatt b/zran, wie fonft fleht); 1, iS ta-
kün<z (ft. 7t); 1,16 mdiär (ft. nc); 2, 10 rVannata (ft. g);
2, 18 asna'a1 (ft. u); 3, 18 ajjämf« (ft. i); 22, * muhraqat««
(ft. an); J. 11,34 geinrha (ft. u, was wenigflens beffer
ift); 37 sähibßti (ft. ä, wie V. 33); II R 9, 7 dimdYr (ft. i);
i3 ed-d7*ragi (ft. a), wie der Singular des folgenden Pronomens
nefsihierfordert); 15 juchbku (ft.janch.). Ein Punkt
fehlt zweimal bei achadha G. 2,22; 22,10. Ein Verftofs

beherrfchen liefs, hie und da zu zeigen, dafs fein Ge-
fichtskreis über die ihm geftellte elementare Aufgabe
hinausgeht. Aber wozu Fehler oder Verfehen in Wahr-
mund's Wörterbuch an diefer Stelle corrigiren! S. 35.
36 hat der Hrsg. wenigflens Recht dabei, S. 39 nicht,
da schatal als wirklich arabifch es Wort in der That
ganz modern ift; unfer Text mag nun allerdings (was
ich im Augenblick nicht controliren kann) aus dem
10. Jahrhundert (lammen, aber in demfelben kurzen Pfalm
macht Jacob felbft S. 46 auf den Hebraismus aqsam auf-
merkfam, den ein Araber fo wenig verliehen würde, wie
er masclttül = bin© verftanden zu haben braucht. Ohne
alfo leugnen zu wollen, dafs fchon im 10. Jahrhundert
das Wort (als aramäifches Lehnwort natürlich) auf ara-
bifchem Sprachgebiet vorhanden gewefen fein kann,

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