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Ausgabe:

1889

Spalte:

314-316

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Höck, J. H.

Titel/Untertitel:

Ritual- und Agendenschatz der lutherischen Kirche in Schleswig-Holstein 1889

Rezensent:

Köstlin, Heinrich Adolf

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katholifchen Kirche über; feinem Beifpiele folgten zwei
Töchter. Anton Ulrich ftarb 1714; fein Nachfolger war
ein eifriger Proteftant und feit 1714 ,hat fich keine nennens-
werthe Spur jefuitifcher Thätigkeit in Braunfchweig bemerkbar
gemacht'.

Bonn. F. H. Reufch.

Uhlhorn. Abt Dr. Gerh., Superint. Bodo Sievers u.
Superint. Dr. Rud. Steinmetz, Von den letzten Dingen.

Vier Vorträge, gehalten in Hannover. Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht's Verl., 1888. (78 S. gr. 8.)
M. 1. 20.

Gegenftand und Behandlung weckt für diefe Samm- j
lung von Vorträgen ein gröfseres Intereffe, als im allge- 1
meinen diefe moderne Literaturgattung in Anfpruch
nehmen kann. Sogleich das erfte Stück beweift, dafs ]
es möglich ift, auch in der Form des Vortrags von I
fchwierigen Fragen ganz benimmt zu reden und fo
wirklich zu belehren, dadurch aber auch viel tiefer
zu erbauen, als es bei der beliebten Zufammenftellung 1
wenig zufammenhängender, für den Augenblick glänzender
Gedankenblitze und rührender Anekdoten möglich
ift. Hier erkennt man es dankbar, dafs die Befprechung
,der letzten Dinge' zur fichern Grundlage eine Gefammt-
anfchauung vom VVefen des Chriftenthums hat, dafs nicht
von den letzten ohne klare Erkenntnifs der erften phan-
taürt wird. Das Zufammenfein und die VVechfelwirkung
von Haben und Hoffen, die doppelte Verkehrtheit ungeduldiger
Sehnfucht und befriedigter Diesfeitigkeit wird
mit überzeugender Klarheit befprochen. So gewinnt zugleich
der Herr Verf. einfache grofse Gefichtspunkte für
die .Gefchichte des Lehrftücks', die in eine feine Charak-
teriftik der Gegenwart in ihrer Stellung zur Zukunftshoffnung
und in die praktifchen Rathfchläge mündet, nicht
neugierig, nicht ungeduldig, fondern mit Heilsverlangen,
der Schrift gehorfam, aber auch eingedenk der Bildlichkeit
ihrer Rede auf diefem Gebiet, mit diefer Hoffnung
fich zu befchäftigen, deffen vor allem gewifs, dafs echte
Hoffnung .Geduld und Treue' im .Chriftenthum des täglichen
Lebens', wecken mufs.

Wird man durch diefen einleitenden Vortrag gefpannt
darauf, die hier ausgefprochenen Grundfätze an den einzelnen
Lehrftücken angewendet zu fehen, fo dürfte diefe
Erwartung von dem zweiten Vortrag am wenigftcn befriedigt
werden. Die vielen an fich fchönen Citate und
treffenden Beifpiele erfetzen doch wohl nicht eine in fich
zufammenhängende Beurtheilung des Todes; das voran-
geftellte Thema ,der Tod ein Gericht, aber in Chriftus
kein Tod' enthält in fich felbft Fragen, die im Verlauf
keine erfchöpfende Antwort finden. Sehe ich recht, fo
ift nicht deutlich genug von den oberlten Grundgedanken
der chriftlichen Offenbarung ausgegangen, fo dafs Aus-
fagen, die nur Vermuthungen fein können, mit dem Ge-
wilfen auf eine Linie geftellt werden und dann, wenigftens
für ferner Stehende, diefes leicht fchädigen Itatt ftutzen.

Der dritte Vortrag ift nicht nur eine überaus licht- j
volle Darftellung und principielle Beurtheilung der Lehre
vom .Fegfeuer', fondern er enthält noch mehr, als er unmittelbar
verfpricht. Er rückt die fonft für uns nur hiftorifch
bedeutfame Lehre in das Licht direct praktifcher Bedeutung
durch Befprechung der Frage nach der Fortent-
Wickelung der Abgefchiedenen im Jenfeits, bezw. der
Heilsanbietung an diefelben; den mancherlei Lieblings-
meinungen, die fich in diefer Plinficht geltend machen,
tritt der Herr Verf., wie mir icheint, ebenfo mit Recht '
als glücklich gegenüber. Viele Vertreter der .nothwendi- :
cen fittlichen Fortentwickelung' im Jenfeits machen fich j
offenbar nicht deutlich, dafs fie damit den ev. Grund-
gedanken trüben, und dafs, was fie Berechtigtes meinen,
ganz anders zu befriedigen ift. Bedenklicher als folche |

Speculationen find die Verfuche, die ,enge Pforte weiterzumachen
' durch die Verwifchung der Grenze von Dies-
feits und Jenfeits in Betreff der Heilsanbietung. ,Der Tod
ift Ende der Gnadenzeit für die Berufenen', diefer alte
Satz, den der Herr Verf. fich aneignet, verdient gewifs
in der Gegenwart erneute Beachtung. Nur fcheint es mir zu
weit gegangen, wenn fein weiterer Satz ,Berufene (in diefem
Sinn) find wir alle, die wir Wort und Sacrament haben' auf
alle Glieder der chriftlichen Kirchen angewendet werden
foll. Ohne jede Gefährdung des chriftlichen Ernftes wird
man die Hoffnung, welche der Herr Verf. im Anfchlufs
an 1. P. 3, 19 für die von dem Evangelium Unberührten
ftatuirt, auch auf ,Chriften' ausdehnen dürfen, die eben
nicht im vollen Sinn .Berufene' find, worüber zu ent-
fcheiden felbftverftändlich wir kein Recht haben.

Aus dem letzten Vortrag erlaube ich mir hervorzuheben
, dafs der Inhalt des vollendeten Lebens, wie es
gefchehen mufs, aber nicht immer gefchieht, nicht nur
als ,Schauen Gottes' feitens des einzelnen, fondern ganz
wefentlich als Vollendung auch der Gemeinfchaft gedacht
wird. Vielleicht dürfte dicfelbe noch etwas mehr nicht
nur als religiöfe Gemeinde, fondern auch als fittliche Gemeinfchaft
(im umfaffendften Sinn) gedacht werden. Es
fehlt aber auch diefer Gefichtspunkt keineswegs. — Man
fcheidet von der Sammlung mit dem Gefühl wahrer
Erhebung.

Zürich. Th. Häring.

Liturgisches.

1. Ehrensberger, Hugo, Bibliotheca liturgica manuscripta.

Nach Handfchriften der grofsherzoglich badifchen Hof-
und Landesbibliothek. Mit einem Vorworte von Wilhelm
Brambach. Karlsruhe, Groos, 1889. (IX, 84 S.
gr. 8.) M. 2. 50.

2. Höck, Paft. J. IL, Ritual- und Agendenschatz der lutherischen
Kirche in Schleswig-Holstein. Kropp. Buchhandlg.
,Eben-Ezer', 1888. (152 S. S.) M. 1. 50.

3. Wunderling, Th., Doxologieen, doxologische Lektionen und
Parallelsprüche aus der heiligen Schrift. Zum liturgifchen
Gebrauch an den Feften der evangelifchen Kirche.
Gnadau, Unitäts-Buchhandlung, 1889. (III, 44 S. gr. 8.
M. —. 60.

4. Koehler, Superint. P., Entwurf einer Agende. Evangeli-
fches Rituale. Halle a. S., Strien, 1889. (XIII, 363 S. 8.)
geb. M. 6. —

Die erftgenannte Schrift giebt eine umfichtige Zufammenftellung
und forgfältige Befchreibung der auf der
Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe i. B. befindlichen
Handfchriften von liturgifchen Werken, wobei jedesmal
die Zufammenftellung der für jede einzelne Buchgattung
allgemein gültigen Kennzeichen vorausgeht. Die Schrift
ift für den liturgifchen Forfcher ein werthvolles Hilfsmittel
, fofern fie ihn auf eine grofse Anzahl werthvoller
handfchriftlicher Urkunden aufmerkfam macht und deren
Auffindung wefentlich erleichtert. Sind doch nach Karlsruhe
die Handfchriften von St. Peter im Schwarzwald,
von Reichenau, aus den Kirchen der Klöfter Ettenheim-
Münfter, Gengenbach, Güntersthal, Lichtenthai, Sankt
Blähen, Sankt Georgen, Sankt Märken, Schuttern, Schwarzach
, Tauberbifchofsheim, Thennenbach, Wonnenthal,
aus den Kirchen zu Bruchfal und Meersburg gekommen,
fodafs die Karlsruher Bibliothek ein Handfchriften-Material
enthält, welches von der vorkarolingifchen Zeit bis ins
18. Jahrhundert reicht. Den Werth der liturgifchen Urkunden
für die Gefchichte nicht nur des Gottesdienftes,
der Mufik, der Seelforge, der Alterthümer, der Kunft,
fondern für die der ganzen kirchlichen Cultur hervorzuheben
, ift in diefen Blättern überflüffig. Viel werthvolles