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Ausgabe:

1889 Nr. 11

Spalte:

283

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaff, Philip

Titel/Untertitel:

History of the christian church. Vol. VI 1889

Rezensent:

Benrath, Karl

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283

Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. Ii.

284

fcheint fehr forgfältig; das Regifter ift; vortrefflich. In
Summa darf diefe Leiftung, als philologifche wie als
hiftorifche betrachtet, ausgezeichnet genannt werden.

S. 117, Z. 16 lies Cedrenus flatt Credenus; 129, Z. 5
%axanXomiv ftatt ai/iinloxrjv; 136, Z. 5 v. u. 813 flatt 913;
145, Z. 1 887 ftatt 877.
Giefsen. G. Krüger.

Schaff, Prof. Philip, History of the Christian church. Vol.VI.
Modern christianity. The German Reformation A. D.
1517—1530. New-York, Scribner's Sons, 1888. (XVII,
755 S. m. Illuftr. u. 1 Karte, gr. 8.)

Von dem Fortfehreiten der Kirchengefchichte des
unermüdlichen Schaff, welcher feit Jahresfrift die Profeffur
der Kirchengefchichte am Union Scminary in New-York
übernommen hat, ift den Lefern der Th. L.-Z. gelegentlich
Nachricht gegeben worden: zu Bd. 1 vgl. Jahrg. 1883,
Sp. 97 ff.; zu Bd. II Jahrg. 1884, Sp. 136 ff; zu Bd. III
u. IV Jahrg. 1885, Sp. 515 f. Aus diefen Besprechungen
erhellt fchon, dafs wir es hier nicht mit'einer Darftellung
zu thun haben, welche neue Pfade bahnt oder durch
ungewöhnliche Gruppirung und Quellenverwerthung die
altbekannten Dinge in ungeahnte Beleuchtung rückt,
fondern vielmehr mit der Arbeit eines Mannes, der ohne
bis zurUnfelbftändigkeit von feinen Vorgängern abhängig
zu fein, doch im wefentlichen deren Spuren folgt, ihre
Refultate flehtet und verwerthet und befonderen Werth
darauf legt, auch mit der neueften Literatur und Forfchung
ftets auf gutem Fufse zu flehen. Dabei ift der Standpunkt
des Verf.'s, wie er befonders in diefem Bande hervortritt
, der einer warmen wenn auch darum nicht blinden
Theilnahme für Regungen und Entwickelungen echtevan-
gelifchen Chriftenthums, wo immer er es findet; und wenn
er nach diefer Seite hin unter den deutfehen Bearbeitern
etwa Herzog am nächften geftellt werden kann, fo übertrifft
er diefen doch weit fowohl durch die Gruppirung,
als durch die gefällige lesbare Darftellung und einen
fehr ausgebildeten praktifchen Sinn, der ihn gerade das
herausgreifen lehrt, was unter der Menge der Erfchein-
ungen fignifikant ift und interefflrt. Ref. glaubt fleh mit
diefer allgemeinen Charakterifirung diefes ausländifchen
Werkes befcheiden zu follen. Grobe Verftöfse find ihm
nicht aufgefallen, befonders glänzende Leiftungen hat er
auch nicht zu preifen. So mögen denn die folgenden
Einzelbemerkungen bei einer neuen Auflage, die zweifellos
fleh in abfehbarer Zeit als nothwendig herausftellen
wird, ihre Erledigung finden. Selten fehlt oder ift unvoll-
ftändig die neuefte Literatur; jedoch ift dies der Fall
S. 105, wo von Walther's ,Luther im neueften römifchen
Gericht' blofs der I. Theil (1884) und nicht auch der II. Th.
(1885) notirt ift, oder S. 434, wo neben Drews' ,Pirk-
heimer' auch die treffliche Darftellung von Roth (21. Heft
der Schriften des Vereins für Ref.-Gefch.)Berückfichtigung
verdient. Was das Verhältnifs Luther's zu Hutten angeht
(vgl. S. 201), fo ift die Frage nicht mit S. fo zu formu-
liren: bis zu welchem Grade der Erftere fleh des Letztern
.bedient' habe? fondern vielmehr, ob Luther durch Hutten
in die Bahn einer beftimmten Üppofltion hineingeführt
worden fei. Auch S. 204. AI. 2 antwortet darauf nicht.
S. 233 meint S. eine ,Originalcopie' der Bulle gegen Luther
zu haben, und notirt deshalb ,Cocquclincs and Raynal-
dus departures front the original1 (S. 235 ff.), während
doch nur foviel aus dem Facfimile hervorgeht, dafs wir
da einen gleichzeitigen Druck vor uns haben. Ob dies
ein Exemplar des römifchen Originaldrucks — falls ein
folcher hergeftellt worden — ift mir in Anbetracht des
Octav-Formates zweifelhaft. Endlich ift zu dem angeblichen
Porträt Luther's S. 131 ein kräftiges Fragezeichen
zu fetzen. Denn thatfächlich fpricht kein entfeheidendes
Moment dafür, dafs der arme deutfehe Auguftinerbruder
von Giorgone in dem ,Concert' porträtirt worden fei.

Bonn. Benrath.

Koldewey, Friedr., Beiträge zur Kirchen- und Schulgeschichte
des Herzogthums Braunschweig. Wolfenbüttel, Zwifsler,
1888. (VII, 231 S. 8.) M. 3. —; geb. M. 4. —

Der auf dem Gebiete der Reformationsgefchichte
und der Gefchichte Braunfchweigs als Autorität bekannte
Verfaffer bietet in der vorliegenden Sammlung eine willkommene
Zufammenfaffung mehrerer kleiner, früher bereits
der Oeffentlichkeitübergebener Arbeiten, (vgl. Theol.
Stud. und Kritiken 1888; Braunfchw. Anzeigen 1885 und
1887; Jahresbericht des Herzogl. Gymnafiums zu Wolfenbüttel
1869). Die Themata, fämmtlich der Gefchichte
und den Intereffen des braunfehweigifchen Landes entnommen
, dürften auch manchen Nichtbraunfchweiger
anlocken. Niemand wird das Büchlein ohne Befriedigung
und mannichfache Anregung lefen.

Am meiften localen Charakter hat der kurze Auf-
fatz ,Karl Lachmann und die Stadt Braunfchweig', welcher
uns die Jugendgefchichte des grofsen Gelehrten vorführt
(r793—1809). Eine für die modernen Beftrebungen der
Sprachreinigung fehr beachtenswerthe Parallele, zugleich
culturgefchichtlich werthvoll, findet fleh durchgeführt
in der Arbeit über Joachim Heinrich Campe (1746—1818)
als Vorkämpfer für die Reinheit der Mütterfprache'. In
die Reformationsgefchichte führen uns die beiden erften
Auffätze: ,Bugenhagen und die Stadt Braunfchweig' (ur-
fprünglich vor der 400jährigen Geburtstagsfeier des
grofsen reformatorifchen Organifators 1885 erfchienen)
und ,die angebliche Verftümmelung des apoftolifchen
Glaubensbekenntnifses in der Kirchenordnung des Herzogs
Julius, eine Randbemerkung zu Janffens Gefchichte des
deutfehen Volkes'. Die übrigen Arbeiten gehören der
Gefchichte des Schulwefens und der Pädagogik an, nämlich
,Droit von Rofenftern, der Philanthrop des Wefer-
kreifes' (1747—1817) und befonders die unterrichtende
und an charakteriftifchen Zügen reiche Gefchichte des
1576m die Helmftadter Univerfität übergegangenen .Pädagogiums
zu Gandersheim' (1570—1575) und der .Ritterakademie
zu Wolfenbüttel' (1687—1715). Die mit fchlichter,
knapper Eleganz gefchriebenen Auffätze feien nicht blofs
allen Lehrern und Theologen, fondern auch gebildeten
Laien aufs Belle empfohlen.

Magdeburg. W. Bornemann.

Wolfsgruber, Dr. Cöleftin, O. S. B., Joseph Othmar Cardinal
Rauscher, Fürfterzbifchof von Wien. Sein Leben
und fein Wirken. Mit dem Porträt Raufchers und
einem Facfimile feiner Handfchrift. Freiburg in B.,
Herder, 1888. (XXIII, 622 S. gr. 8.) M. 10. —

Eine überfichtliche, mit Sachkenntnifs und ganz ob-
jectiv gefchriebene Darftellung des Lebens und Wirkens
des Cardinais Raufcher (geb. 1797, geft. 1875) von F. v.
Schulte fteht in der ,Allg. D. Biogr.' 27, 449—457. Das
vorliegende Werk bringt nichts Neues von befonderer
Bedeutung. Es ift weniger eine Biographie als eine Lobrede
. In dem Hauptheile, .Raufcher als Fürfterzbifchof
von Wien' (1853—75) wird nicht einmal die chronolo-
gifche Ordnung eingehalten, fondern von Raufcher's
Verdienften in fachlicher Anordnung gehandelt. Wer
aber die Geduld hat, das Werk durchzulefen, wird manches
Intereffante finden, freilich nicht fo viel, als man bei
dem Umfange des Bandes erwarten dürfte.

In einem im Auftrage Metternichs, wie es fcheint,
1836 verfafsten Gutachten über ein kirchenrechtliches
Werk von Beidtel, tadelt Raufcher — im Gegenfatze zu den
jüngft (Nr. 10) mitgetheilten Anfchauungen des Bifchofs
Laurent, — dafs Beidtel die indirecte Gewalt der Päpfte
über die Fürften als ,ein wefentliches und hiemit über
alle Zeitverhältnifsc erhabenes Recht der Kirche' dar-
ftelle, da fie doch .nicht fowohl aus der Natur des Chriftenthums
, als vielmehr aus den ganz eigenthümlichen Ver-