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Ausgabe:

1889 Nr. 9

Spalte:

230-231

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fischer, Bernard

Titel/Untertitel:

Hebräische Unterrichtsbriefe 1889

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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229 Theologifche Literaturzeitung. 1889. Nr. 9. 230

fprechend. von der früheren Stufe des überwiegenden
Glaubens zu dem Lobpreis für erfüllte Verheifsungen.
So theilt fich auch die Gefammtzahl der Pfalmen in
3 x 30 = der Jubelzahl, und wirklich fteigert jeder
50. Pfalm das Rühmen Gottes: Pfalm L fordert Israel
dazu auf. Pfalm C die ganze Erde durch Israel, Pfalm
CL das Univerfum, alles was Odem hat. So zeigen
die 2 erften Bücher mit 72 = 3 x 24 Pfalmen in jedem
24. eine Steigerung in der Offenbarung der Macht des
Königs von Israel und der Sicherheit Zion's (vgl. zu dem
einzelnen S. 80—84). Vor allem aber wird die urfprüng-
liche Meffianität der im Neuen Teftament meffianifch
verwendeten Pfalmen, für die man einzeln betrachtet
uberall eine zeitgefchichtliche Auffaffung einfetzen könnte,
durch deren Stellung im Pfalter über jeden Zweifel erhoben
. Nach dem einleitenden Pf. I fleht der meffianifche
Pf. II am Anfang des Ganzen; Pf. XX—XXII, die meffianifche
Idee in fich fteigernd und entwickelnd, bilden
die Mitte des erften Amen-Buches (19 vorher, 19 folgend);
Pf. LXXII den Schlufs des zweiten; Pf. LXXXIX den
Schlufs des dritten Amen-Buches. Endlich Pf. XLV bildet
genau die Mitte der Amen-Bücher (44 vorher, 44 folgend,
je 2 Alphabete). Am Schluffe des zweiten Buches und
des Pf. LXXII lefen wir das berühmte p tri mbsri ian
HJi; das bedeutet fonnenklar. dafs David's Gebete, feine
höchften Wunfche, erfüllt fein werden mit der Vollendung
deffen, was in Pf. LXXII verhelften ift. Zeigt uns das
erfte Amen-Buch die meffianifche Hoffnung vom Standpunkt
des davidifchen Königthums aus, das zweite noch
gefteigert vom falomonifchen in Salomo's Pfalm, fo das
dritte von dem finkenden und zufammenbrechenden irdi-
fchen Königthum aus in Pf. LXXXIX, der uns damit bis
zur babylonifchen Verbannung hinabführt. Von da an
ift nur noch Jehovah König, fonfl findet fich von Pf. XC
an das Wort ,König', ,König fein' nicht mehr, auch nicht
vom meffianifchen König. Danach weift Buch IV auf
die babylonifche Verbannung und hat vielfache Berührungen
mit Jefaia 40—66; Buch V beginnt in Pf. CVII
mit der Rückkehr und ftellt lieh folgerichtig neben
Sacharja; Buch VI mit dem Tempelweihpfalm CXV1II,
dem grofsen Gefetzespfalm CXIX, den Wallfahrtspfalmen
CXX— CXXXIV tritt neben Efra und Nehemia; Buch VII
mit dem triumphirenden Ausbruch des Lobpreifens bildet
einen paffenden Schlufs. Grundlage und Ausgangspunkt
für diefen Procefs war dem Pfalmenfänger David die
ihm gewordene Weisfagung Sam. II, 7, 12—16 und die
von ihm felbft berichtete Offenbarung in Pf. CX, von der
wir angefichts des gerade damals dringenden Bedürfnifses
berechtigt find anzunehmen, dafs David lie gerade bei
der erften Gründung feines Königthums erhalten hat
(S. 37). Die darin enthaltene Weisfagung, dafs der König-
Meffias fein follte ,ein Priefter ewiglich, nach der Ordnung
Melchifedech's' warf die darauf gerichteten Erwartungen
David's und feiner Nachfolger von Anfang an in eine
weit entfernte Zukunft, fo weit entfernt, dafs fie erft
durch einen völligen Wechfel und Beifeitefetzung des
mofaifchen Gefetzes bedingt war, nach welchem nur die
Söhne Aaron's, alfo kein Davidide, das Priefteramt bekleiden
durften. Dafs dies für Alle, ,die an die Wahrhaftigkeit
der Schrift glauben iund nur für folche fchreibt
der Verf.)' über Zweifel und Frage erhaben ift, beweift
er ausführlich aus der ihm augenfeheinlich als ganz klar
trfcheinenden Korah-Gefchichte Num. 16 und fährt dann
fort: ,Diefe Erzählung ift entweder wahr oder falfch.
Wenn wahr, fo waren die Priefter vom erften Anfang
an unterfchieden und gefondert von dem Reftder Leviten,
und die Theorie unferer neueren Kritiker, welche die
Unterfcheidung erft nach der Wegführung nach Babylon
wollen gemacht haben, ift durchaus unhaltbar. Wenn
falfch, fo ift die Einrede degaler Fiction', die man vorbringt
als die Einfügung fpäterer Feftfetzungen als ur-
fprüngliche Theile eines älteren Gefetzbuches vielleicht
rechtfertigend, unanwendbar auf ein Stück, das die Erzählung
von Thatfachen zu fein vorgiebt, welche entweder
gefchehen find oder nicht. Wenn fie nicht gefchehen
find, fo mufs die ganze Erzählung als ein fchamlofer Betrug
angefehen werden, eine Hagada, fabricirt, um die
facerdotalen Prätentionen und Ufurpationen des priefter-
lichen Standes zu befchönigen; und mit ihr find Wahrheit
und Autorität des ganzen Buches dahin, welches
eine Täufchung und Fälfchung enthält, wie fie nimmer
von den Knechten des Gottes der Wahrheit ausgehen
konnte' (S. 37 f.).

Damit darf ich meine Mittheilungen fchliefsen. Es
kann keinen fchrofferen Gegenfatz geben als den zwifchen
dem eben angezeigten Buch von Cheyne und dem vorliegenden
. Dies letztere verräth neben aller aufgewandten
Mühe und nicht geringer Gelehrfamkeit faft völligen
Mangel an hiftorifchem Sinn. So oft der Verf. hervorhebt
, dafs er den Fehler vermeiden wolle, das Neue
Teftament in das Alte hineinzulefen, fo fern ift er jedem
ernftlichen Verfuche, fich ein Bild von den wirklichen
Stufen der Offenbarungsgefchichte zu machen. Der Un-
terfchied von Gefchichte und Tradition ift ihm gänzlich
unbekannt, und darum die letztere überall mafsgebend.
Es leuchtet ein, dafs wenn man den oben aufgeführten
und ähnlichen Beobachtungen überhaupt einen Werth
beimeffen will, fie einen folchen nur für die Redactoren-
und Sammlerarbeit am A. T., nicht für die der Verff.
haben können; aufserdem mag man verfuchen, ob für
den Bau der einzelnen Lieder hie und da aus dem Buche
etwas zu lernen ift. Gewifs wenig Frucht für eine fo
rührend hingebende Arbeit.

Strafsburg i. E. K. Budde.

Die Psalmen. Hebräifcher Text mit einer kurzen Auslegung
. Nach Dr. Aug. Heiligftedt's Tode fortgefetzt
und zu Ende geführt von Dr. Max Budie. Halle,
Anton, 1888. (III, 424 S. gr. 8.) M. 6.—

Von dem vorliegenden Buche find 3 Lieferungen
(300 S.) laut Anzeige auf dem Umfchlag von 1876—1880
erfchienen; von Pf. 97 an hat der Fortfetzer die Arbeit
übernommen. Es will eine Ergänzung zu der ,Präpara-

i tion zu den Pfalmen' fein, die fchon in 4. Aufl. erfchienen
ift. So darf denn wohl auf die Anzeige der ,Präpara-

j tion zum Propheten Jefaja' in Nr. 16 des vorigen Jahrgangs
diefer L.-Z. verwiegen werden; kommt diefe kurze
Auslegung noch hinzu, fo mag fich der Lernende freilich
Arbeit und Nachdenken gänzlich erfparen, und die Zugabe
des hebräifchen Textes forgt vollends auch für die
Bequemlichkeit. Das hat nun fein Aber; denn einen
hebräifchen Text mit dem vollen Apparat der Accente
u. f. w. zu drucken, ift an fich überaus fchwierig, auf fo

j fchlechtem Papier geradezu unmöglich. Zudem treten

j mit S. 141 an die Stelle fcharfer und deutlicher Typen
recht fchlechte und häfsliche. So wimmelt der Text von
Druckfehlern und Ungenauigkeiten, wie jede Stichprobe
beweifen wird ; S. 356 ift in dem mir vorliegenden Exemplar
überhaupt nicht zu lefen. Und wenig beffer fleht
es mit dem Commentar unter dem Texte. Ueber deffen
Inhalt ift kaum zu reden, da er nur einen Auszug aus

I den bellen Handbüchern bieten will. Im ganzen erhält
man den Eindruck des Veralteten in jeder Beziehung;
das Buch kann daher durchaus nicht als Erfatz anderer
Handbücher empfohlen werden.

Strassburg i. E. K. Budde.

Fischer, Dr. Bernard, Hebräische Unterrichtsbriefe. Nach
bewährter Methode für den Selbflunterricht in Alt-
und Neuhebräifch bearbeitet. 4—10. (Schlufs-) Lfg.
Leipzig, C. A. Koch, 18S9. (S. 97—212. gr. 8.)
a M. —. 75.

Die erften Lieferungen diefer Arbeit liefsen fchon
erkennen, dafs an das wiffenfehaftliche Verftändnifs des