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Ausgabe:

1888

Spalte:

105-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delitzsch, Franz

Titel/Untertitel:

Fortgesetzte Studien zur Entstehungsgeschichte der complutensischen Polyglotte 1888

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 5. 10. März 1888. 13. Jahrgang.

D«il*&^ I Pecci- Lehre des hl. Thomas über den Ein-

fschüreO " COmplutenf,fchen ™ye[olte flufs Gottes auf die Handlungen der vernünf-

p... r ri' njuA, , , .,• _ m.Ja_ "gen Gefchöpfe und über die Scientia media

Keufs, Die Gefchichte der heiligen Schritten (Nitzfehl

Neuen Teftaments, 6. Aufl. (Holtzmann). v . >'

Lechler, ürkundenfunde zur Gefchichte des Hänng, Zu Ritfchl's Verföhnungslehre (Ritfehl).

chriftlichen Altertums (Bornemann). Kaftan, Das Wefen der chriftlichen Religion,

Harris, The Teaching of the Apostles (diSaxn 2. Aufl. (Gottfchick).

twv inoordiM*), newly edited, with faesi- Somm Individualismus oder Evolutionismus

mite text and a commentary (Harnack). (Gottfchick)

Harnack, Auguflin's Confeffionen (Harnack). >'.

Palmer, Evangelifche Homiletik, in 6. Aufl.

bearb. von Kirn (Achelis).
Rothe's Entwürfe zu den Abendandachten über

die Paftoralbriefe und andere Paftoraltexte,

I. Bd. 2. Aufl. (Bornemann).
Nefemann, Das evangelifche Kirchenlied

(Achelis).

Kries, Die preufsifche Kirchengefetzgebung
(Köhler).

F ick er, Die Darfteilung der Apoflel in der alt-
chrifllichen Kunfl (Dopffel).

Delitzsch, D. Franz, Fortgesetzte Studien zur Entstehungsgeschichte
der complutensischen Polyglotte. Leipzig,
[Dörffling & Franke], 1886. (60 S. 4.) M. 4.—

Nicht häufig wird in fo mufterhafter Weife wie in
diefen .Studien' die Forderung der Wiffenfchaft erfüllt
fein, dafs man auch am kleinften Punkte die höchfte
Kraft einzufetzen habe. Es find minutiöfe Fragen, die
behandelt werden: die Entflehungsgefchichte des com-
plutenfifchen Bibeltextes. Und welche Fülle von Arbeit
hat Delitzfch eine Reihe von Decennien hindurch an die
Löfung des Problemes gefetzt! In Rom, Madrid, Venedig
und Kopenhagen hat er feine Mitarbeiter gehabt. Das
Verzeichnifs derer, welche ihm für feine Studien förderfrüher
dem Cardinal Beffarion gehört hatte. Diefe Angaben
werden durch Delitzfch's Studien vollkommen betätigt
. — Durch handfehriftliche Notizen, welche zum
Theil erft durch Vercellone veröffentlicht worden find,
ift zunächft conftatirt, dafs aus der vaticanifchen Bibliothek
jedenfalls zwei Handfchriften nach Alcala gegangen
find, deren Inhalt auch angegeben wird. Es ift ficher,
dafs der berühmte codex Vaticanus 1209 fich nicht darunter
befunden hat. Delitzfch hat vielmehr nachge-
wiefen, dafs die Complutenfer folgende zwei vaticanifche
Handfchriften benützt haben: 1) cod. Vaticanus 330 (bei
Holmes Nr. 108), nach Holmes aus dem 14. Jahrhundert
, enthaltend den Pentateuch und die hiftorifchen
Bücher. Es ift eine jener Handfchriften, welche nach

•leitet haben (S. 59—Co), umfafst eine 1 den neueren Forfchungen von Field und Lagarde die
°-rofse internationale Gefellfchaft. Und die Fülle von Lucian'fche Recenfion der Septuaginta enthalten (Hol-
xi^r^rial a»lch/>ii ihm auf rtiefp Wf>it» im T.anff Her I mes jNJr. 19, 108 und Ii8). Die nahe Verwandtfchaft

ihres Textes mit der Complutenfis hat fchon Holmes
bemerkt. Aber Delitzfch zeigt, dafs es fpeciell der
Codex 108 ift, welchen die Complutenfer benützt haben.
P"ür den Pentateuch ftand ihnen überhaupt ,keine
andere Handfchrift zu unmittelbarer Verfügung; ihre
Abweichungen von diefer Quelle aber fetzen, abgefehen
von einigen von handfehriftlicher Bezeugung verlaffenen
Eingriffen, die Benutzung von Handfchriften-Collationen
voraus' (Delitzfch S. 6). — 2) Die andere vaticanifche
Handfchrift ift Vaticanus 346 (bei Holmes Nr. 248), nach

IT .1 — .:_ t r,i

.Material, welches ihm auf diefe Weife im Laufe der
Jahre angewachfen ift, ift in der exakteften, forgfältigften
und umfichtigften Weife verwerthet. Eine Reihe von
Detailfragen ift damit für immer erledigt. Gar manches
bleibt freilich auch jetzt noch künftiger Forfchung vorbehalten
.

Schon im Jahre 1S71 hat Delitzfch als erfte Frucht
diefer Bemühungen .Studien zur Entflehungsgefchichte
der Polyglottenbibel des Cardinais
Ximenes' veröffentlicht (Leipzig, Univ.-Progr., 44 S. 4.).
Tendenz und Refultat derfelben waren wefentlich negativer
Art. Eine Menge irriger Meinungen und Vermuthungen
über die Handfchriften, aus welchen die Complutenfer
ihren Text gefchöpft haben, wurde damit ab-
gethan. Ein zweites Heft befchäftigte fich mit den hand-
ichriftlichen Quellen des hebräifchen Textes der Complutenfis
(.Complutenfifche Varianten zu dem alt-
teftamentli chen Texte', Leipzig 1878, Univ.-Pro-
gramm, 38 S. 4.). Das nun vorliegende dritte Heft ift
das reichhaltigfte an pofitiven Refultaten. Es weift, zwar
nicht vollftändig aber doch in weitem Umfange, die hand-
fchriftlichen Quellen für den griechifchen Text fowohl
des Alten als des Neuen Teftamentes nach.

Beim Alten Teltamente (S. 1—29) erltrecken fich
die Studien auf den Text des Pentateuches, der hiftorifchen
und der poetifchen Bücher. Die Herkunft des
griechifchen Textes der Propheten bleibt eine ,noch unerledigte
Frage' (S. 53—56). Für die übrigen Bücher
aber find, wenn nicht vollftändig, fo doch in der Hauptfache
, die handfehriftlichen Quellen ein für allemal nach-
gewiefen. Man weifs aus der eigenen Vorrede der Herausgeber
des grofsen Bibelwerkes, dafs ihnen vaticanifche
Handfchriften zu Gebote geftanden haben; aufserdem
auch aus Venedig eine Abfchrift einer Handfchrift, welche

dafs diefe Handfchrift für mehrere der darin enthaltenen
Bücher die Haupt- wo nicht die einzige Quelle der Complutenfis
gebildet hat. — 3) Auch über die Beffarion-
Handfchrift zu Venedig, von welcher die Herausgeber
nach ihrer eigenen Angabe eine Abfchrift gehabt haben,
ift durch Delitzfch's Forfchungen Licht verbreitet worden.
Es ift cod. Marcianus V (bei Holmes Nr. 68), die ganze
griechifche Bibel Alten und Neuen Teftamentes enthaltend
. Höchft wahrfcheinlich haben aber die Complutenfer
, wie man auch nach ihrer eigenen Angabe annehmen
mufs, nicht von der ganzen Handfchrift eine
Copie befeffen, fondern nur von einem Theile derfelben,
und zwar von folgenden Büchern: Richter, Ruth, Sa-
muelis, Könige, Chronik, Spruche, Prediger, Hoheslied,
Efra apokr., El'ra, Nehemia, Efther, Weisheit, Judith, To-
bit, drei Bücher der Maccabäer. Eine Madrider Handfchrift
, welche diefe Bücher enthält, ift nämlich höchft
wahrfcheinlich identifch mit der aus Venedig nach Alcala
gefandten Abfchrift des Beffarion-Codex. — Sonacli
hatten die Complutenfer fowohl für die hiftorifchen als

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