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Ausgabe:

1888

Spalte:

653-654

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Naumann, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die kirchliche Versorgung der evangelischen Studenten 1888

Rezensent:

Grünberg, Paul

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Seite 1

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653

Die Lutheraner laffen fich feit 1850 (S. 4 u. 13) —
und zwar feit 1872 in ihrer mit einem Aufwände von
6400x3 M. errichteten Privatkirche (S. 5). — mehrmals im
Jahre das heil. Abendmahl meiftens durch einen aus Strafsbure
; berufenen ordinirten Pfarrer (z. Z. insbef. Pfarrrr
Magnus zu Bifchheim) reichen und durch Laien auch
fonft jeden Sonntag Gottesdienft wie Jugendunterricht abhalten
; im laufenden Jahre fand fS. 15) zum erften Male
in Mülhaufen eine Confirmation der (4) luth. Kinder ftatt.
— Die Denkfchrift befpricht die .Entftehung, Kämpfe und
Nöten' des, der Rechtsperfönlichkeit noch entbehrenden
evang.-luth. Vereins der oberelfäffifchen Induftriehaupt-
ftadt (S. 19) und die vermeintliche ,Unionsgefahr in
Pllfafs-Lothringen'.

Ihme hat in feiner, 1883 erfchienenen Schrift: ,Das
hiftorifche Recht unfrer evang. Kirche Augsb. Conf.' angedeutet
, und Prof. Sohm (jetzt zu Leipzig) (ich näher auszuführen
vorbehalten, dafs rechtlich auch jetzt noch,
wie unzweifelhaft vor Erlafs des Gefetzes von 18. Ger-
minal X, der Symbolzwang blühe (,Allg. evang.-luth.
Kirchenztg.' 1884 S. 1065 u. 1885 S. 276, Prof. Dr. O.
Meyer's .Theorie des franz. Verw.-R.' S. 512 u. 514). Die
Mehrheit der landeskirchlichen überbehürden des
Reichslandes erachtet jedoch die ,Augsburger' und die
.reformirte Kirche' in Elfafs-Lothringen nur noch der
Behörden-Organifation nach getrennt' [S. 359 meines
franz. Staatskirchenrechts, vgl. Thcol. Lit.-Ztg. 1886 S. 37,
,Prot. Kirchenztg f. d. evang. Deutfchl.' 1885 S. 482, ,Evang.-
prot. Kirchenbote' zu Strafsburg 1885 S. 82 u. f. w.], weil
nach den, dem Erlaffc der ,org. Artikel für das prot.
Bek.' vorausgegangenen Verhandlungen der formelle
Unterfchied zwifchen Augsburger und Schweizer Kirche
nur noch der Di seiplin halber beibehalten wurde. Die
Befeitigung letzterer Verfchicdenheit durch die jüngfl,
auch auf die 5 ref. Confiftorien ausgedehnte Pfarrprü-
fungs- und Vicariatsordnung des Augsb. Oberconfifto-
riums und durch die feit Mai d. J. angeregte Verlegung
• lys .Schwerpunktes der Pfarrwahlen auch der Augsburger
Kirchen in die Ortsgemeinden' würde (S. 20) ,die admi-
niftrative Union ihrer Vollziehung näher bringen und
die Unterftellung der ref. Confiftorien unter das Ober-
confiftorium in Strafsburg erleichtern'. Dafs die weitaus
überwiegende Mehrzahl der Gläubigen des ,ref. Confifto-
riums' Metz fich weder zum fchweizer Bekenntnifse von
1536, noch zu dem von La Rochelle (von 1571) hält, wie
die Druckfchrift (S. 19) hervorhebt, beweift höchftens
das Bedürfnifs der gefetzlichen Sanctionirung der auch
dort längfl: thatfächlich beuchenden Union. Dafs manche
fich bei der Volkszählung als ,lutherifch' einfehrieben, bedeutete
weniger eine fpeeififche Bekenntnifsfärbung, als
hauptfächlich nur den Gegenfatz zum Katholicismus.

Colmar. F. Geigel, Reg.-Rath a. D.

Naumann, Friedr., Die kirchliche Versorgung der evangelischen
Studenten. (Zeitfragen d. chriftl. Volkslebens, 97. Heft.)
Heilbronn, Gebr. Henninger, 1888. (7oS.gr.8.) M. 1.20.

Als eine J&eitfrage des chriftlichen Volkslebens' von
eminenter Bedeutung erweift Verf. die Frage der kirchlichen
Verforgung der evangelifchen Studenten, indem
er den religiöfen und fittlichen Zuftänden und Schäden
auf unfern Univerfitäten auf den Grund zu fchauen fich
bemüht. Hierbei entwickelt der Verf. neben feinem Ver-
ftändnifs für die Eigenart des akademifchen Lebens und
neben gründlicher Kenntnifs der einfchlagenden Ver-
hältnifse eine Vorficht, Milde und Weitherzigkeit des Ur-
theils, wie fie Klage führenden Theologen nicht immer
<-'igen ift. Beifpielsweife fei hervorgehoben die aufser-
ordentlich nüchterne Beurtheilung des ftudentifchen
Duella (S. 46) und das entfehiedene, vielleicht allzu unbedingte
Eintreten für die .akademifche Freiheit'. —
Indem der Verf. weiterhin verflicht, die .zukünftigen

Aufgaben der Kirche unter den Studenten' darzulegen,
bleibt er fich bewufst, dafs er eine Reihe principieller
theologifcher und ethifcher Fragen nothwendig offen laffen
mufs, dafs nicht fowohl äufsere Mafsnahmen und Ver-
anftaltungen, als die Arbeit geifterfüllter Pcrfonen Hilfe
bringen kann, dafs überhaupt, welche Mittel man auch
gebrauche, auf fchnelle und überrafchende Erfolge auf
diefem fchwierigen und bisher vernachläffigten Gebiet
nicht zu rechnen ift. Die vom Verf. vorgefchlagenen
.Studentenpaftoren' verdienen es wohl nicht, dafs man
mit fchlechten Witzen über fie zur Tagesordnung übergeht
, obwohl fie in concreto folchen Witzen reichlich ausgefetzt
fein würden. Mag aber auch vieles, ja alles, was
der Verf. fagt, „frommer Wunfeh" bleiben; feit Spener's
,Pia desideria1, haben auch fromme Wünfche in unferer
Kirche Bürgerrecht.

Alteckendorf (Elfafs). Paul Grünberg.

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von Cuftos Dr. Johannes Müller,

Berlin W., Opernplatz, Königl. Bibliothek.

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