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Ausgabe:

1888 Nr. 25

Spalte:

613-617

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Müller, A.

Titel/Untertitel:

Das gute Recht der evangelischen Lehre von der Unio mystica und ihre Befehdung durch Ritschl und seine Schule 1888

Rezensent:

Herrmann, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 25.

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eines Stadtphyficus in Zwickau annahm; vergl. meinen
Briefwechfel Luther's Nr. 399, Note 11 und Nr. '583, Note 2.

— S. 84 Nr. 28 hätte in den Noten der Name des Sohnes
von Wolfg. Richard angegeben werden follen, der auch
im Regifter fehlt; er hiefs Zeno Richard. — S. 89 Nr. 34
ift (ft. ipsi mit der von Vogt hinzugefügten Ergänzung
sunt) wohl zu lefen: ipsius, ohne sunt. — S. 112 Z. 11 lies
behenget; Z. 30 bin (ft. bun). — S. 126 Nr. 49. Der Brief
an Spalatin fleht auch in dem oben erwähnten Trierer Codex
, mit dem Datum feria 5. /. Rem., alfo 13. März; aufser-
dem bietet diefe Handfchrift an beachtenswerthen Varianten
: Z. 2 (ft. charissimus) Lutherus; Z. 9 Tarnen cum
incidunt . . . conscientia, permittimus (ohne Ibi); Z. 11 Sed
aliquando scandali ratio; Z. 13 non tit omnino, sed tauten
11t aliquandiu solemnitatem; S. 127 Z. 4 (ft. i. e.praedicatoruni)
praedicationibus. — S. 210. Das Citat de Wette IV, 464
ift falfch, vielmehr V, 734. 735. — S. 260 Z. 17 (ft. weit
und feit) ift wohl zu lefen: weit und breit; Z. 19 schiahn.

— S. 300 Z. 8 nutrimentum. — S. 336 Z. 9 v. u. Der
hier erwähnte Magister Carolus Gallus aus Frankreich ift
wohl der am 30. December 1528 in Wittenberg inferibirte
Carolus Vencrus Gallus, auf den es ftimmt, wenn Bugenhagen
1545 von ihm fagt: ,er ift lange in deutfehem Land
geweft, alfo dafs er auch gut Deutfch redet; er hat viel
Jahr bei uns hier geftudirt'. — S. 355 Z. 19 (ft. aus:) uns.

— S. 366 Nr. 175. Die hier angeführte ,Warnung unfers
lieben Vaters Doctoris Martini', welche Bugenhagen an
Chriftian III. von Dänemark 16. Juli 1546 fendet, ift nicht,
wie die Note S. 369 angiebt, ,die Ausgabe von Luther's
Sendfehreiben, deren Vorbericht von Bugenhagen erft
vom 20. Januar 1547 datirt ift', fondern vielmehr die 1531
erfchienene, 1546 neu aufgelegte ,Warnung D. Martin
Luther an feine lieben Dcutfchcn', vergl. Erl. 2. Aufl. 25, 2.

— S. 373 Z. 9 merckts. — S. 400 Z. 16 (ft. eo) ex. — S. 421
In der Note läfst Vogt durch ein Verfehen Auguft von
Sachfen Moritz' Sohn, ftatt Bruder fein. — S. 440 zu
Nr. 226 war in der Note zu erwähnen, dafs Bugcnhagen's
Tochter mit Georg Krakow in zweite Ehe trat; es genügt
nicht, das im Regifter s. v. Krakow auf S. 440 verwiefen
ift. —- S. 446 Z. 2 (ft. nit:) mit. — S. 503 Z. 2 v. u. (ft.
Es:) Er. — S. 529 Z. 12 v. u. (ft. einer) reiner; wenn auch
Vogt's Vorlage, nämlich Schelhorn, Ergötzlichkeiten
gleichfalls ,einer' hat. — Endlich wollen wir auch noch
einen Fehler in den .Berichtigungen' (S. XX) berichtigen:
nicht zu S. 294, fondern 394 gehören die Citate aus CR.
Auch im Vorwort S. VIII Z. 8 mufs es heifsen: (ft. benutzte
Handfchriften), nicht benutzte Handfchriften.

Schliefslich fei noch bemerkt, dafs eine fchr genaue,
42 Seiten umfaffende .Chronologifche Ueberficht zu Bugen-
hagen's Leben und Schriften', fowie gute Regifter wefent-
lich den Werth des Werkes erhöhen.

Oberrad. Enders.

Müller, l'aft. A., Das gute Recht der evangelischen Lehre
von der unio mystica und ihre Befehdung durch Ritsehl
und seine Schule. Halle, Ericke's Sort, 1888. (V, 78 S.
gr. 8 ) M. 1. 20.

Es ift verftändlich, dafs Ritfchl's Kritik der orthodoxen
Lehre von der unio mystica von feinen Gegnern
als ein willkommener Anlafs genommen wird, ihn zu
verdächtigen. Im Zufammenhang damit läfst fleh fo bequem
die Meinung verbreiten, dafs Ritfehl alles Geheim-
nifsvolle aus der Religion befeitige und das Chriftenthum
in das Räfonnement eines trockenen Moralismus auflöfe.
Es ift dies um fo leichter möglich, als die Wenigften den
Inhalt der Lehre von der unio m., wie fie bei Calov
und Quenftedt fleht, kennen. Zu denen, welche fie nicht
kennen, gehört auch der Verf. diefes Schriftchens. Die
wenigen orthodoxen Formeln über die unio mystica, dafs
nämlich diefelbe nicht substantialis, nichtpersonalis fondern
mystica fei, konnte der Verf. zwar leicht nachfehreiben.

Aber indem er,den Lehrtropus' der Orthodoxen, bei deren
Aufzählung er Joh. Gerhard an letzter Stelle nennt, fo
darfteilt, ,wie er in meiner Auffaffung fich reflectirt hat',
begegnet ihm ein Mifsgefchick, aus welchem man deutlich
fehen kann, dafs der Verf. der richtigen Auffaffung und
Darfteilung diefer Dinge nicht gewachfen ift. Auf S. 29
fchickt er der Lehre von der unio mystica, da über
diefelbe in der orthod. Darfteilung in der That nicht viel
zu berichten ift, eine Darfteilung der Art voraus, wie
fleh die evangel. Rechtfertigungslehre in ihm reflectirt
hat. Da hören wir denn, das Recht des göttlichen Recht-
fertigungsurtheils beruhe darauf, dafs die fides salvifica
ein in der Liebe thätiger Glaube fei. Wie würden Möhler
und Döllinger fleh freuen, wenn fle fähen, dafs diejenige
Rechtfertigungskhre, von welcher fie mit Recht fagten,
fle fei die katholifche, auch jetzt noch von einem gelehrten
minister eclesiac unter dem Vorgeben das fei lutherifch,
vertreten wird. Die Bemühungen Ritfchl's um die Klar-
ftellung der Kernlehre unfercr Kirche find doch auch
bei Luthardt nicht fpurlos geblieben. Für unfern Verf.
dagegen haben fle keine Frucht getragen. Vielleicht
durfte er von Ritfehl nicht lernen, weil er ihn bekämpfen
wollte. Solche alten Sachen wie die Apologie der Au-
guftana wird der Verf. nicht lefen mögen. Sonft würde
er ja da oder in Melanchthon's Brief an Brenz vom Mai 1531
Belehrung finden können. Luther hat bekanntlich von
unferer Rechtfertigungslehre gefagt, auf diefer Lehre flehe
Alles, was wir wider den Papft, Teufel und Welt lehren
und leben. Aber heute kann man bei einem Manne,
der in der Kirche Luther's eine Gemeinde pflegen foll
und der fich für fähig hält, als theologifcher Lehrer aufzutreten
, die Wahrnehmung machen, dafs er die Lehre,
der Luther eine folche grundlegende Bedeutung für die
Kirche beimafs, entweder unter dem Deckmantel des
pofltiven Theologen bekämpft, oder was wohl wahrfchein-
lichcr ift, nicht kennt. Das Problem, bei welchem der
Verf. vornehmlich verweilt, ift fo befchaffen, dafs er meines
Zutrauens und meiner Theilnahme fleher fein kann, obgleich
ich bedauern mufs, dafs ein Mann in feiner Stellung
thatfächlich katholifcher und nicht evangelifcher Chrift
ift. Der Verf. geht nämlich von der Thatfache des chrift-
lichen Lebens aus, dafs, während und in Folge des Gebetes,
das Herz eine Stärkung und Bereicherung erfährt, welche
deutlich als etwas nicht durch eigene Kraft erworbenes,
fondern als eine Gabe von Oben empfunden werde.
Diefe Thatfache giebt dem Verf. ein Problem auf, deffen
Löfung er in der Lehre von der unio mystica findet. Er
fagt dann am Schlufs, es fei ihm zweifelhaft, ob Ritfehl
und feine Schüler eine folche Erfahrung als ein Zeugnifs
gefunder Religiolität anfehen würden, und richtet an
uns die Aufforderung, wir möchten uns darüber äufsern
und event. die Löfung des Problems von uns aus verfluchen
. Darauf erwidere ich, dafs diefe Aufforderung
des Verf.'s beweift, wie erfolgreich die gegen uns gerichteten
Verläumdungen bei ihm gewefen find und wieunbefonnen er
als Theolog auftritt. Ein befonnener und theologifch gebildeter
Mann müfste fich doch fagen, dafs Theologen jene vom
Verf. gut gefchilderte Erfahrung nur dann von fleh abweifen
können, wenn fie entweder gänzlich befchränkt find oder
wenn fle offen kundgeben wollen, dafs fle keine Chriften
find. Ich habe über jene Erfahrung ausführlich geredet,
und habe obenein dargelegt, dafs jede Lebensregung
wirklichen Glaubens die Form des Gebetes habe und
jene Gebetserfahrung einfchliefse, weil der Glaube, fo
lange er lebt, fleh auf wunderbare Weife von einer Stufe
zur andern geführt fleht und niemals lediglich von feinem
bisherigen Beftande lebt. Aber allerdings find wir nicht
im Stande, dem Verf. darin zu folgen, dafs er ein folches
inneres Erlebnifs zur Grundlage deffen macht, was die
Orthodoxen unter der unio mystica verftanden. Hierauf
beruht auch feine Abweichung von der Orthodoxie in
diefem Punkte. In der orthodoxen Darftellung bleibt
die Lehre von der unio mystica deshalb unfruchtbar, weil