Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1888

Spalte:

585-586

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Behrmann, Georg

Titel/Untertitel:

Einführung in die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments 1888

Rezensent:

Holtzmann, Oskar

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack. Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 24. i. December 1888. 13. Jahrgang.

Behrmann, Einführung in ilie heilige Schrift
Alten und Neuen Teflaments (O. Holtzmann).

Die Briefe des Neuen Teftamentes, im jetzigen
Deutfch wiedergegeben (O. Holtzmann).

Kaufmann, Die Gefchichte der deutfchen Uni-
verfitäten, I. Bd. (Nitzfeh).

Baum, Magiftrat und Reformation in Strafsburg
bis 1529 (Kawerau).

Arnold, Die Neronifche Chriflenverfolgung Israel, Valentin Weigels Leben und Schriften
(Krüger). (Kawerau).

Frank, Syftem der chrifllichen Sittlichkeit,

2. Hälfte (Ilerrmann).
Stofch, Die heiligen Sakramente der Kirche

(Jhrifli (Lindenberg).
Burchardi, l'aradoxa (Lindenberg).
Saredo, Codice ecclesiastico, 3 Bde. (Geigel).
Schmitt, Die Kullusbaulafl (Geigel).

Behrmann, Hauptpaft. Georg, Einführung in die Heilige
Schrift Alten und Neuen Testaments. Vorträge. Gütersloh
, Bertelsmann, 1888. (V, 341 S. gr. 8.) M. 4. 50;
geb. 5. 50.

Diefe vierzehn Vorträge des auf dem Gebiete prak-
tifch-erbaulicher Exegefe bekannten Verfaffers wollen in
fchöner und gewandter Form einem gebildeten Publicum
das Verftändnifs der heiligen Schrift erfchliefsen. Die
Rückficht auf die Bildungsftufe der Zuhörer macht fich
namentlich in einer mitunter etwas ftark hervortretenden

ähnliche neuteftamentliche Unterfuchungen einfach als
,Gemüthlofigkeiten' abzttweifen (S. 169).

Ein Hauptärgernifs ift für Behrmann die Gefchichte
des Volkes Ifrael von Stade. Gegen fie hauptfächlich
ift der ganze dritte Vortrag der erften Serie gerichtet.
Zunächft fällt es auf, wie Behrmann S. 49 gegen die
Herunterfetzung des Pentateuchs vom Ausgangspunkt
zum Schlufsftein der altteftamentlichen Entwicklung ankämpfen
kann, nachdem er S. 34 gefagt hat, dafs von
dem Jahr 444 an der Erwerb der früheren Zeit unumftöfs-
lich feftftehe, mit dem Zufatz: diefer Erwerb ift das GeHäufung
gelehrter oder auch geiftreicher Bemerkungen fetz. Ganz falfch und irreführend ift es, wenn S. 51 be

;eltend, durch die fich der Vortragende feinen Zuhörern

hauptet wird, dafs die Hypothefcn der negativen Kritik

gegenüber als Ihresgleichen legitimirt (vgl. die Befprechung ,zu zeigen verfprechen, wie fich ohne Sprung, nämlich

der Eigenart der Semiten S. 21 ff.; ferner den Vergleich
der lutherifchen Abendmahlslehre mit der modernen In-
fpirationslehre S. 36). Manchmal führen folchc Bemerkungen
auch irre; es ift z. B. kaum zutreffend, wenn S.
104. 115 der Prophet Hofca als Minnefänger bezeichnet
wird, der die Liebe Gottes zu feinem Volke feiert. Aus
den kritifchen Aufhellungen Behrmann's läfst fich ermeffen,
welches Quantum wiffenfehaftlich-theologifcher Refultate
heutzutage ein gebildeter Mann für unumgänglich hält,
der dabei die Bekenntnifsfchriften unferer (lutherifchen)
Kirche als normativ für den gläubigen Chriften anfleht
(S. 35). Die fünf Bücher Mofis find nicht von Mofe ge

ohne Bruch mit dem Alten und ohne Eintritt eines
fchöpferifch Neuen in geradliniger Entwicklung aus dem
Heidenthum das Judenthum und aus dem Judenthum das
Chriftenthum entwickelt habe'. Dazu vgl. Stade S. 130:
,Man drückt die Bedeutung Mofes für die altteftament-
liche Religion herunter. Wie alle Religionsflifter hat er
feinem Volke einen neuen, fchöpferifchen, deffen Leben
umgeftaltenden Gedanken gebracht. Diefer neue Gedanke
war die Verehrung Jahve's als Stammgottes'. Es möchte
wohl kaum ein Buch aufzutreiben fein, das ftärker als
Stade's Gefchichte des Volkes Ifrael es immer wieder betont
, dafs Ifrael das claffifche Volk der Religion ift. Die

fchneben, wenn auch einige Abfchnitte von ihm her- bittere Polemik gegen diefes Buch wird fich alfo wohl

mehr aus äfthetifchen als aus religiöfen und wiffenfehaft-
lichen Gründen erklären. Auf äfthetifchem Gebiet mag
Stade dem formgewandten Max Müller immerhin nach-
ftehen; dafs Max Müller theologifch über Stade ftehe
(S. 305), ift eine gänzlich unbegründete Behauptung.

Grofs-Gerau. Lic. Oscar Holtzmann.

rühren; der Prediger Salomo hat einen unbekannten Ver-
faffer, die Sprüche Salomo's flammen nur theilweife von
diefem Könige her; Jefaia und Deuterojefaia werden
unterfchieden. Die Herleitung des 90. Pfalms von Mofe
ift Behrmann ein ergreifender Gedanke; die Annahme,
dafs David einen Theil der Pfalmen gedichtet habe, wird
vertheidigt. Der Zweck des Hohenliedes ift: uns die
bräutliche und eheliche Liebe in ihrer Unverbrüchlichkeit
darzuftellen. Inbetreff der Synoptiker wird die Zwei- Briefe, die, des Neuen Testamentes, zu leichterem Verftänd-
quellenhypothefe vorgetragen, dagegen rühren die neu- nifs für den Erbauung fuchenden Lefer im jetzigen
teffamentlichen Briefe von den traditionellen Verfaffern Deutfch wiedergegeben. Roftock, Werther's Verl.,

]Si£^crXA9Mg^^ ganZC | l888- (Vm, 243 IS.) M. geb. M. 1. 35.

Es mufs nun auffallen, wenn diefer confervative Vorliegende Umgeftaltung des Luthertextes will dem

biblifche Kritiker eine Menge recht negativ kritifcher Mangel abhelfen,dafs die neuteftamentlichen Briefe ,weni-
Pofitionen auf weltlichem Gebiet unbefehen übernimmt j ger, als fie verdienten, benutzt und oft wohl gegen andere
(S. 46: kein Sefoftris, kein Rampfinit, keine Semiramis, j Erbauungsbücher mit Unrecht zurückgefetzt werden'. Diefe
kein Ninus; Sardanapal war tapfer und hochgebildet; | Zweckfetzung überfieht, dafs die neuteftamentlichen Briefe
nicht Cyrus, fondern Darius gründete das Perferreich; gar nicht als Erbauungsfchriften gefchrieben find. Sie
den Aegyptern fehlt hiftorifcher Sinn; nicht die Phönizier, geben unter Bezug auf längft vergangene Verhältnifse An-
fondern die Hethiter vermittelten den Griechen die weifungen zur chriftlichen Lcbensgeftaltung ganz beftimm

orientalifche Cultur). Bei folch kritifcher Stellung zur
überlieferten Profangefchichte hat man doch kein Recht,
die Refultate altteftamentlicher ,Einzelforfchung von
minutiöfer Genauigkeit' (S. 40) ohne Weiteres nach höchft
oberflächlicher Beurtheilung über Bord zu werfen oder

ter Gemeinden oder Perfonen. Ihrer praktifchen Anwendung
auf die Gegenwart mufs alfo immer ihr gefchicht-
liches Verftändnifs die Richtung geben und es ift nicht
unbedenklich, ein folches Verftändnifs jedermann zuzutrauen
.

585 586