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Ausgabe:

1888 Nr. 22

Spalte:

541-542

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grimm, Carol. Ludov. Wilh.

Titel/Untertitel:

Lexicon Graeco-Latinum in libros Novi Testamenti 1888

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 22.

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felbe Weife gehandelt; nach Vorführung der Traditionen I
der verfchiedenen Quellen lauten die Ueberfchriften der
Paragraphen: Das alte Teftament für fich; Mofe und ;
feine Religion; die ausländifchen Nachrichten. Hierauf
in einem 3. Cap. die Eroberung Canaans in ähnlicher
Weife: die Ueberficht über die Eroberung in Rieht. 1
u. 2, 1 — 5; die Eroberung Canaans nach dem Buch
Jofua bis zum Bündnifs mit Gibeon, der hiftorifche Ge-
halt der Erzählung; die Ereignifse nach dem Bündnifs von I
Gibeon bis zu Tode Jofua's.

Hier eine Bemerkung: wer Gefchichte fchreibt, darf
wohl nicht vergeffen, dafs feine Arbeit eine wiffen-
fchaftliche und eine litcrarifche zugleich ift. Ein vollendetes
Gefchichtswerk ift zugleich ein Kunftwerk. Auf
die Compofition ift die gröfste Sorgfalt zu legen. Die
folide Offatur des Gebäudes darf fich nirgends verleugnen,
aber lie darf fich nur zu errathen geben, nicht roh zum
Vorfchein treten. Die Gefchichtserzählung beruht ganz
und gar auf der kritifchen Vorarbeit; der Kritiker be- |
reitet die Materialien zu, der Gefchichtfchreiber nimmt
fie fertig auf und verwendet fie zu einem kunftgerechten
harmonifchen Aufbau. Ein Blick auf die Inhaltsangabe
bei Kittel genügt, um fich zu überzeugen, dafs er diefen
Gefichtspunkt aus dem Auge verloren hat. Von Compofition
kann kaum die Rede fein; wir erhalten eine
Reihe von kritifchen Vorarbeiten, von Auffatzen über
Inhalt und Werth der Quellen; dies nenne man Skizzen,
Vorarbeiten, Unterfuchungen zur Gefchichte Ifraels, oder
wie man will, aber nur nicht Gefchichte der Hebräer.
Um den jUnterfchicd recht zu fühlen, vergleiche man
Kittel und Renan über denfelben Gegenftand. Bei jenem
fchadet der Kritiker dem Schriftfteller, und dies ift be-
dauernswerth, wie der fchöne Abfchnitt über Mofe und
feine Religion (§ 24) beweift, bei diefem fteht allerdings
der Künftlcr dem Kritiker arg im Weg.

Indeffen find die Unterfuchungen Kittel's mit grofser
Sorgfalt und Nüchternheit geführt. Ob es ihm aber
gelungen ilt, die Patriarchen als hiftorifche Perfönlich-
keiten zu retten? Wenn man z. B. vernimmt, dafs der
nach Aegypten eingewanderte Stamm Jofeph ficherlich ein
hervorragendes, zu Aegypten in befondere Beziehung
tretendes Stammeshaupt befitzen mufste, welches die Tradition
mit dem Namen des Stammes benennt, fühlt man
fich nicht gar fehr beruhigt. Was von der wunder-
famen aufsergewöhnlichen Dauer des Schlachttages bei
Gibeon und dem auffallend langen Währen des Tageslichtes
, welches als Thatfache benchen bleibe, auch wenn
die Weife, wie es naturgefetzlich fich vollzog, uns
unbekannt ift, gefagt wird, ift mir nicht recht verftänd-
lich. Doch, wie gern ich auf das Nähere einginge, mufs
ich innehalten. Reufs fagt in feiner Gefchichte der heiligen
Schriften Alten Teftaments, g 73: ,Wir haben in
den vorhergehenden Blättern für Mofen mehr gefchicht-
lichen Stoff zu retten gefucht, als heute, angefichts der
unwiderleglichen Ergebnifse der Kritik, felbft bei gutem
Willen noch möglich feheint. Nach dem Urtheil mancher
unferer Zeitgenoffen viel zu viel'. Ich glaube faft, dafs
fich dies Wort auf Kittel's erften Band anwenden läfst.
Allein er geht mit fo grofser Bedachtfamkeit und Gründlichkeit
zu Werk und veranfehaulicht, zuftimmend oder
widerfprechend, den heutigen Stand der Forfchung fo
trefflich, dafs man ihm alle Anerkennung zollt und aus
feiner gewiffenhaften Arbeit, auch wo man nicht überzeugt
wird, grofsen Nutzen zieht.

Colmar. L. Horft.

Das Neue Testament, uberfetzt von Carl Weizfäcker
D. Th., dritte und vierte neu bearb. Aufl. P'rei-
burg i. B, Mohr, 1888. (XII, 471 S. 8., M. 4.—

Grimm, Carol. Ludov. Wilib., Lexicon Graeco-Latinum in
libros Novi Testamenti, editio tertia emendata et aueta.

Auch unter dem Titel: Christ. Gottl. Wilkii Clavis
Novi Testamenti philologica usibus scholarum et ju-
venum theologiae studiosorum aecomodata etc.
Leipzig, Arnold, 1888. (XIV, 474 S. Lex.-8.) M. 12.—

Diefe beiden vortrefflichen Hülfsmittel zum elementaren
Verftändnifs des Neuen Teflamentes find gleichzeitig
in neuen Auflagen erfchienen. Wir haben über
beide fchon aus Anlafs der früheren Auflagen eingehender
berichtet, über Weizfäcker's erfte Auflage: Jahrg.
1876, Sp. 414; über die zweite Auflage: Jahrg. 1882, Sp
317; über Grimm: 1878, Sp. 4, 1879, Sp. 225. Beide
Werke find in den neuen Auflagen abermals forgfältig
revidirt und mannigfach verbeffert. In Weizfäcker's
Ueberfetzung find die Zahlen der Capitel und Verfe,
welche das vorigemal vveggelaffen worden waren, diesmal
wieder an den Rand gefetzt. Die Weglaffung war
aus dem Beftreben entfprungen, , alle Störung des Lefers
zu entfernen'. Es ift aus praktifchen Gründen fehr
dankenswerth, dafs die Zahlen wieder angegeben find.
Eine wirkliche Störung können die nur am Rande
fliehenden Ziffern doch kaum verurfachen. Auch im Texte
felbft ift (nach der Vorrede S. IX) ,wiederum Vieles berichtigt
', manches nach Andeutungen Anderer, das
meifte nach ,eigener neuer Prüfung'. — In Grimm's
Wörterbuch ift der feit der vorigen Auflage erfchienene
Text von Weftcott und Hort überall berückfichtigt;
aufserdem aber auch manches Einzelne verbeffert. Die
Vorrede nennt als verbefferte Artikel namentlich: aßßvt,
üöi/.la, leviolkev, Gt/HHUulog, äipi ( Bü.lal, jhxailtiu tob
trtov, ßoavtqyig, eßpatS, eniovoiog, Cvyog, (-Juddaiog, <««-
01'ty utret, röung, ic'amg, nXinQUfta, 71 gsoßvieoog, y/Vrrw,
'l'hog, OJOavra. Manchen Stoff zu Ergänzungen würde
dem Verfaffer die werthvolle englifche Bearbeitung feines
Werkes von Thayer geboten haben (A grcek-englisli
Lexicon of tlu Neiv Testament, being Grimm's Wilke's
Clavis Novi Testamenti, translated revised and enlarged
by J. H. Thayer, Edinburgh 1886; vgl. Theol. Litztg.
1886, Sp. 553). Es würde fich dabei aber nicht um ein-
■ zelne Ergänzungen, fondern um ganze Kategorien von
folchen gehandelt haben, weshalb der Verf., um den Umfang
feines Werkes nicht erheblich anfchwellen zu laffen,
auf eine Benützung derfelben verzichtet hat.

Die Nothwendigkeit wiederholter Auflagen ift ein er-
! freulicher Beweis dafür, dafs die beiden Werke fchon in
! weiten Kreifen eingebürgert find. Möchten fie es noch
immer mehr werden. Es giebt keine befferen Hülfsmittel
für das elementare Verftändnifs des Neuen Teflamentes;
und ich glaube nicht zu viel zu fagen, wenn ich es für
wünfehenswerth erkläre, dafs fie in der Hand eines jeden
Theologie-Studirenden, ja eines jeden Geiftlichen fein
möchten.

Giefsen. E. Schürer.

Meyer, Dr. Heinr. Aug. Wilh., Kritisch exegetischer Kommentar
über das Neue Testament. 5. Abth. Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht's Verl., 1888. (gr. 8.)
M. 7. —

Inhalt: Kritifch exegetifches Handbuch über den I. Brief an die
Korinther. 7. Aufl., neu bearb. v. Confift.-R. Prof. Dr. Georg
Heinrich (XII, 516 S.)

In Bezug fowohl auf die felbftändige Erklärung des
erften Korintherbriefes durch Heinrici wie auf feine Bearbeitung
des Meyer'fchcn Commentars dazu fei hier nur
auf Schürer's Anzeigen in diefen Blättern (Jahrg. 1880,
Nr. 20. 1881, Nr. 25) verwiefen. Die neue Auflage über-
fchreitet den Umfang der früheren um mehr als 2 Bogen.
Neu hinzugekommen find einige Bemerkungen in der
Einleitung, z. B. S. 2 f. bezüglich der Verfaffungsfrage.
Weiterhin wird der Bewegung der Textgefchichte Rechnung
getragen, doch auch hier die Autorität der älteren