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Ausgabe:

1888 Nr. 17

Spalte:

429-431

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schanz, Paul

Titel/Untertitel:

Apologie des Christenthums. 1. Thl.: Gott und die Natur. 2. Thl.: Gott und die Offenbarung 1888

Rezensent:

Hartung, Bruno

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429 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 17. 430

genüber, zu denen faft alle Beamten und einflufsreichen gefchichtlicher und pfychologifcher Thatfache wird an-
Perfonen gehörten, mit einer in Luxemburg und in den ! gefangen, weiter wird vom ,Anfang und Ende des Seins'
benachbarten Diöcefen Trier, Metz und Nancy unerhör- zum .Leben' und zum .Menfchen' emporgeftiegen, es ift
ten Strenge die kirchlichen Cenfuren in Anwendung, j von ,Ziel und Zweck', von .Tugend und Lohn', von der
bewirkte eine Spaltung der faft ganz katholifchen Be- .Seele' die Rede; vielleicht wäre eine andere Ordnung
völkerung in eine clericale und eine anticlericale Partei die richtigere. Daran reihen fich die befonderen, gerade
u, f. w. Selbft die 1853 unter dem Statthalter Prinz Hein- heutzutage vielumftrittenen Fragen, der Schöpfung, des
rieh gebildete, gemäfsigt liberale Regierung machte Alters und der Einheit des Menfchengefchlechts, der
Laurents definitive Entfernung zur Bedingung nicht allein Sintfluth u. a. Eine grofse Kenntnifs der Literatur, be-
ihrer Mitwirkung zu dem damals geplanten Concordate fonders der patriftifchen, aber auch der naturwiffenfehaft-
mit Rom, fondern auch ihres Verbleibens im Amte , liehen, macht das Buch in vielen Abfchnitten fehr inter-
(S. 636). — Von den Mittheilungen des Verf.'s find die I effant, wie z. B. die Gefchichte des ptolemäifchen und
Auszüge aus Laurents amtlichen Erklärungen und Pri- kopernikanifchen Weltfyftems in der Kirche feiten fo aus-
vatbriefen über die von ihm angeftrebte Geftaltung des [ führlich gegeben wird. Von dem Grundfatz aus, dafs
Unterrichtswefens als Illuftration der analogen Beftre- nicht die Theologie, auch nicht die Tradition an fich,
bungen der jetzigen Centrumspartei in Preufsen von be- fondern nur die officicllen Ausfprachen der Kirche bin-
fonderem Intereffe. Charaktcriftifch für Laurent ift auch dend feien, gewinnt der Verf. einen freieren Standpunkt
der authentifche Bericht über eine von ihm im J. 1842 verfchiedenen Dingen, wie den chronologischen Angaben
mit einem grofsen Apparat in Scene gefetzte Teufels- 1 der Genefis, den Einzelheiten des Schöpfungsberichtes
austreibung (S. 240 bis 263). Einen ausführlichen Auszug gegenüber, als manche proteftantifche Theologen, denen
aus dem ganzen Bande bringt der Münchencr ,Deutfche j dann fcharf entgegengetreten wird. Er verfteigt fich bis
Merkur' No. 24 ff. | zu der Aeufserung, felblt die Indcxcommiffion fei nicht

ßonn p jj Reufch immer unfehlbar gewefen. Freilich würde in der Gali-

lei'fchen Streitfrage, an welche er dabei denkt, die mangelnde
Unfehlbarkeit nicht nur die Commiffion, fondern
Schanz, Prof. Dr. Paul, Apologie des Christenthums. I. Thl.: , den Papft felbft treffen. Aber verftehen kann man nach
Gott und die Natur. 2. Thl.: Gott und die Offenbarung. Alchen Aeufserungen, wie Anhängern des Darwinismus,
Freiburg i.Br., Herder, 1887 u. 1888. (VII, 354 u. VII, befonders folchen katholifchen Bekenntnifses welche
„ ' v : rehgiofe und kirchliche Dinge nach Einzelnheiten und

480 S. gr. 8.) M. 9. Aeufserlichkeiten, nicht nach dem Princip beurtheilen, die

In hervorragender Weife wendet fich die katholifche römifche Kirche lieber ift, als der nur vermeintlich freiere
Theologie jetzt apologetifchen Arbeiten zu, und die Proteftantismus, welcher nicht nach zufälligen kirchlichen
vorliegende, welche noch einen dritten Theil ,die Apo- , Entfcheidungen, fondern nach der Confequenz des Ganzen
logie der Kirche' erwarten läfst, gehört zu den umfaffend- und nach dem Mafsftab des Gewiffens urtheilt, mag der-
ften Werken diefer Art überhaupt. Bezeichnend ift die felbe immerhin ein zu enger fein. Paftor Knak, deffen
üreitheilung. Mit dem erften Band ftellt fich der Verf. bekannte Anficht vom Stilleftehen der Sonne fehr von
auf den Boden der natürlichen Theologie, obfehon die ; oben herab betrachtet wird, ftand doch innerlich freier,

Erörterungen über die Schöpfung u. a. fchon mehr vor
ausfetzen, mit dem zweiten auf den des Chriftenthums,
obfehon auch da natürlich katholifche Gedanken beftim-
mend eingreifen, allein erft im dritten Theil wird er völlig

als der katholifche Theolog, welcher fich erft ängftlich
nach einem Ausfpruch der Kirche umfehen mufs, und
dann herzlich froh ift, wenn er feiner Ueberzeugung
folgen darf und fich nicht mit der Bildung der Zeit in

Katholik fein. Liegt fchon darin ein Zugeftändnifs des * Widerfpruch zu fetzen braucht,

wichtigen Gcmeinbefitzes beider Confeffioncn, das auch 1 Der 2. Theil — Gott und Offenbarung, die Offen-

in eingehender Berückfichtigung der evangelifchen Lite- barung im engeren Sinn — geht mehr, als wir es von

ratur Ausdruck findet, fo hat doch nach dem Verf. die Apologien gewohnt find, auf exegetifche und überhaupt

kath. Apologetik neben der demonstratio christiana eine I biblifchc Dinge ein, wohl nicht mit Unrecht, denn weni-

demonstratio catholica zu leiften, d. h. den Beweis zu er- ! ger, als man ahnt, wiffen die .Gebildeten' gerade da-

bringen, ,dafs die kath. Kirche als die wahre, d. h. als von. Eine eingehende religionsgefchichtliche Ueberficht

die von Chriftus geftiftete und von feinem Geift geleitete bereitet den Abfchnitt über das Volk Israel vor, in wel-

und befeelte Kirche, in welcher die von Chriftus geoffen- . ehern eine eingehende Auseinanderfetzung mit Wellhaufen

barte und von den Apofteln verkündigte Wahrheit rein I unter Berufung auf proteftantifche Gelehrte den breite-

und unverfälfeht bewahrt wird, zu verehren ift', von ka- | ften Raum einnimmt. Mofc ift ihm hier, wie fchon im

tholifchem Standpunkt correct. Nun ift aber das Urtheil i erften Theil gefagt wurde, der Verfaffer des gefammten

diefer Kirche auch für das in den erften beiden Theilen ; Pentateuch. Doch .fehlt es in Frankreich fogar nicht an

Bewiefene das zuletzt entfeheidende Zeugnifs, wie wie- 1 gut katholifchen Exegeten, welche den zweiten Theil des

derholt hervorgehoben wird. Damit verliert die ganze ! Ifaias fpäter anfetzen und Daniel in's 2. Jahrhundert

Dreitheilung an Bedeutung. Wie fchon auf proteftanti- verlegen, denn die Kirche habe hierüber nichts be-

fehem Standpunkt die fog. .natürliche Theologie', fo ift ftimmt'. Allein nicht aus dem Judenthum, nicht aus dem

von katholifchem auch die Offenbarung, die allgemein Heidenthum, nur aus der durch Wunder und Weisfagun-

chriftlich fein foll, nur eine Abftraction, welche immer- gen beftätigten Offenbarung — Offenbarung mehr in

hin dem ökumenifchen Sinn des Verf.'s zur Ehre gereicht intellectuellem, als gefchichtlichem Sinn genommen — ift

und uns die Gewähr giebt, dafs viele der katholifchen das Chriftenthum mit feiner neuen Lehre und mit feinem

Theologen uns innerlich näher flehen, als das römifche j neuen Tugendleben, in welchem die Virginität als eine

Syftem zuzulaffen fcheint. befonders werthvolle hervorgehoben wird, zu erklären.

Das ausgefprochene Bedenken gegen das Ganze j In wie weit die Infpiration, die fich auf alles beziehen

fchliefst die mannigfachfte Anerkennung im Einzelnen ! foll, und bei der doch ein Unterfchied zwifchen Glaubens-

nicht aus. So wird man es als den richtigen Weg, das fachen und Gleichgültigem gemacht wird, ja die in Dingen,

Thema des erften Theils ,Gott und die Natur' zu erwei- worüber die Naturwiffenfchaft geficherte Ergebnifse hat,

fen, bezeichnen dürfen, wenn ein befonderer Abfchnitt diefer den Vorgang einräumen foll, als eine wörtliche

über ,Gott' gar nicht da ift, fondern die Beziehung zu oder nur allgemeine, den Geift der Schriftfteller crleuch-

Gott und das Wirken Gottes in der Welt, im Menfchen- tende gedacht ift, wird bei den längeren Erörterungen

geift und die beides betreffenden Probleme zum Aus- hierüber nicht klar. Jedenfalls kann nur eine Auslegung

gangspunkt genommen werden. Von der Religion als im Geift der Kirche uns den Sinn der Schrift erfchliefsen.