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Ausgabe:

1888

Spalte:

395-396

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fischer, Bernard

Titel/Untertitel:

Hebräische Unterrichtsbriefe 1888

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Seite 1

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395

Wortvvurzeln mit gröfseren Typen den einzelnen Artikeln
vorfetzen laffen; ebenfo find die Anfangsbuchftaben der
alphabetifch aufgeführten Eigennamen herausgefetzt, fo
dafs z. B. fiJTbit unter der Rubrik -jb«, jB^bit unter sbx,
IFjO^ unterTPiDX, ?©in unter ©in fteht; 'durch folche
Mohftra hätte Merx fein Buch nicht verunzieren follen.
— bx „Gott", das im Targumifchen auch fozufagen Eigenname
ift, darf heute nicht mehr unter der Wurzel
blX aufgeführt werden. — Dafs der Name des Berges
Nebo auf die Wurzel 33 zurückgehe und ,hoher Berg'
bedeute, glaube ich nicht; der Berg ift ficher nach dem
Gott benannt. — f. v. Dm fucht Merx zu beweifen, dafs
der Anfang von ip 18. ,ich will dich lieben' erft in fpäterer
Zeit hinzugefügt fei. Dies Wort, in das fich freilich auch
Hitzig nicht finden konnte, ift aber fo charakteriftifch,
dafs der angebliche Interpolator ein viel originalerer Kopf
gewefen fein müfste, als der Dichter des Pfalms felbft.

Einen Druckfehler habe ich auf S. 168 Z. Ii aufge-
fpürt, wo ftatt des fyrifchen y ein b ftehen mufs.

Die Officin Drugulin in Leipzig hat fich durch die
für den Druck des Buches unternommene Anfertigung
babylonifcher Vocaltypen ein neues Verdienft um das
Studium der orientalifchen Sprachen erworben. Leider
find hin und wieder Punkte und Striche abgefprungen,
fo in meinem Exemplar gleich im Anfang der Ueberficht
über die babylonifchen Vocale das Zeichen für Patach
(ä und a).

Als Lohn für feine mühfame Arbeit wünfche ich dem
Herrn Herausgeber eine eifrige Benutzung feines Buches;
zu den Lernenden, für welche es nach einer Stelle der
Vorrede ,auch' beftimmt ift, gehören wir auf diefem Gebiete
alle.

Halle a. S. Friedrich Baethgen.

Fischer, Dr. Bernard, Hebräische Unterrichtsbriefe. Nach
bewährter Methode für den Selbftunterricht in Alt-
und Neuhebräifch bearbeitet. (In 10 Lfgn.) i.—3. Lfg.
Leipzig, C. A. Koch, 1888. (96 S. gr. 8.) ä M. —. 75.

Die Methode diefer Briefe ift die bekannte Touffaint-
Langenfcheidt'fche, genauer, nach des Verfaffers eigenen
Worten, die des jüdifchen Cheder's (TT)"!), nach welcher der
Schüler, fobald er die Buchftaben und Lefezeichen gelernt
hat, einen Bibeltext, gewöhnlich den Pentateuch, in
die Hände bekommt, um fich im Lefen der Worte zu
verfuchen, während der Lehrer nach jedem Worte die
Ueberfetzung giebt. So unterrichtet der Verfaffer diefer
Unterrichtsbriefe zuerft (3. Brief) über die Buchftaben,
Vocale und anderen Lefezeichen, um dann fofort vom
vierten Briefe an leichte Texte mit deutfcher Interlinearverfion
folgen zu laffen, die am Schluffe analyfirt werden
. Daneben her gehen Erörterungen über den Bau
des einfachen Satzes, über das Nomen, feine Verbindung
mit Präpofitionen, die Pronomina, die Verbal- und No-
minalfuffixe (— 7. Brief, S. 64). Am Schlufs jedes Briefes
werden Aufgaben geftellt, deren Löfungen je am Anfang
des folgenden ftehen. Die Frage, ob es fich überhaupt
empfiehlt, eine Sprache, zumal eine todte, in diefer P^orm
zu lehren, mag dahingeftellt bleiben. Einen entfchiede-
nen Mifsgriff fehe ich aber in dem ausgiebigen Gebrauch,
der von den Kunftausdrücken der jüdifchen Nationalgrammatiker
gemacht wird. Das kann für den Anfänger
nur erfchwerend fein. Ueberflüffig find auch die gram-
matifchen Theorien, die, ganz gegen den Geift des Cheder,
hier und da eingeftreut werden. Schlimmer ift, dafs die-
felben meiftens unrichtig find. So wird 7b von fifixb
hergeleitet, das follte eigentlich nb geben, aber das n
wird zu 3 erweicht (S. 39). Die Entftehung von TT
denkt er fich fo, dafs in IT das 1 des Plurals einge'-
fchoben wird, und er meint, dafs deshalb jadöw,
nicht jadäw, auszufprechen fei. Beide Ausfprachen
find jedoch gleich barbarifch, da filbenauslautendes

I i nicht nicht wie w oder gar f, fondern rein vo-
j califch auszufprechen ift; alfo TT jadüzc, T3X abiu (vgl.
Nöldeke, kurzgef. Syr. Grammat. S. 26, Anm. 1). Ohne
Beweisgrund zu fagen, die Ausfprache des Tetragramms
Jahve' fei ,ganz falfch' (S. 25), ift fehr keck. Im 2. Brief
giebt Verf. eine Ueberficht über Gefchichte und Litera-
I tur. Der Standpunkt ift im Grofsen und Ganzen der traditionelle
. Abweichend von diefem hält er das Buch
Efther für eine Ueberfetzung aus dem Perfifchen (S. 8);
die Kanaaniter find nach ihm ,aus Afrika herbeigekom-
mene chamitifche Stämme, die, nachmals Phönizier genannt
, die in dem Lande urfprünglich aramäifche Sprache
! dialektifch zur phönizifchen Sprache umgemodelt haben,
j welche dann zur hebräifchen Sprache fich erweiterte'.
Der Verf. ift fonft mit der Sprache durchaus vertraut
und deshalb wird mancher die Hefte mit Erfolg be-
[ nützen. Im Allgemeinen ift die Methode für einen
Schüler, der fchon in anderen Sprachen grammatifch
gefchult ift, zu mechanifch. Aber es ift hohe Zeit, dafs
die Lehrer des Hebräifchen an unferen Gymnafien endlich
einmal dem Cheder das grofse Geheimnifs feines
Erfolges abfehen. Diefes befteht darin, dafs der Schüler
nicht mit Grammatik vollgeftopft, fondern fo rafch wie
möglich in die Leetüre eingeführt wird. An der Hand
der Leetüre müffen die Formen eingeprägt werden. Nur
fo werden die hebräifchen Vorkenntnifse der Theologie-
ftudirenden beffer werden.

Strafsburg i. E. Dr. Friedr. Schwally.

Halfmann, Dr. Herrn., Beiträge zur Syntax der hebräischen
Sprache. 1. Stück. (Gymn.-Progr.) Wittenberg, 1888.
(X, 33 S. gr. 4.)

Wer über den dermaligen Zuftand der Syntax der hebräifchen
Sprache unterrichtet ift (vgl. auch A. Müller
in der Recenfion von Cornill's Ezechiel, Zeitfchr. d. D.
Morgenl. Gef. 1887, XLI, S. 726), wird eine jede Arbeit,
die das Verftändnifs des Alten Teftaments in diefer Richtung
fördern will, mit Freuden begrüfsen. Der Verfaffer
der vorliegenden Programmarbeit hat es unternommen,
die Bedeutung des Nifal und fein Verhältnifs zum Paffiv
feftzuftellen. ,Die Arbeit foll in drei Theilen folgendes
enthalten: I. Ueber den Unterfchied zwifchen Nifal und
Paffivum. II. Statiftifche, nach Büchern geordnete Ueberficht
fämmtlicher im Alten Teftament vorkommenden
1) Nifal-Formen. 2) Pual-, Hofal- und blI3p-Formen.
III. Ergebnifs. Das vorliegende erfte Stück enthält davon
I und II, 1'.

Seite IV—VII wird ausgeführt, dafs das Nifal vor-
i kommt 1) in der Bedeutung des Zulaffens einer Handlung
an fich (wofür 13T.:T Jof. 8, 15 ein vorzüglicher Belag
ift), 2) in reflexiver, refp. reeiproker, 3) in paffiver Bedeutung
. Der nächfte Zweck des Verf.'s ift nun, zu un-
terfuchen, in wieweit die Neigung der hebräifchen Sprache,
1 den urfprünglichen Sinnesunterfchied der Medial- und
Paffivformen aufzuheben, im Alten Teftament vorliegt,
refp. von den älteren zu den jüngeren Büchern fortfehrei-
tet. Diefe Unterfuchungen find noch zu erwarten. Von
i dem Material liegen bis jetzt die Nifalformen vor, 4139
' an der Zahl, nach der Reihenfolge im Kanon. Voraus-
| gefchickt werden diejenigen Formen, von denen fich nicht
ficher entfeheiden läfst, ob fie Nifal- oder Qalbildungen
find. Was lbt«3 Jef. 59, 3. Thr.4,14 anbetrifft, fo bezweifle
ich, dafs es der Ueberreft eines ehemals im Hebräifchen
vorhanden gewefenen Paffivum zum Nifal ift, fondern halte
I es für eine maforethifche Mifchform, die durch Emen-
1 dation zu befeitigen ift. Aus dem Arabifchen zu fchliefsen,
dafs das Hebräifche einmal ein Paffivum Nifal gehabt
haben müffe, halte ich für unberechtigt. — Liegt es nicht
ferner vielleicht nahe, in der fyftematifchen Durchführung
des Paffivs der elf Formen des arabifchen Verbums etwas
Secundäres zu fehen? — Aber auch in unzweifel-