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Ausgabe:

1888

Spalte:

369-372

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delitzsch, Franz

Titel/Untertitel:

Neuer Commentar über die Genesis 1888

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 15. 28. Juli 1888. 13. Jahrgang.

Delitzfch, Neuer Commentar über die Genefis
(Kautzfeh).

Evans, St. John the author of the fourth gospel

(Holtzman n).
Bois, Adversaria critica de priore Pauli ad Co-

rinthios epistula (Holtzmann).
Hatch, Die Grundlegung der Kirchenverfaffung

Wefteuropas im frühen Mittelalter (Harnack).

Wattenbach, Ueber die Inquifition gegen die
Waldenfer in Pommern und der Mark Brandenburg
(Müller).

Gefs, Die Kloftervifitationen des Herzog Georg
von Sachfen (Kawerau).

Riggenbach, Johann Tobias Beck (Köftlin).

Ritfehl, Theologie und Metaphyfik, 2. Aufl.
(Gottfeh ick).

Luther, Die Theologie Ritfchl's (Gottfchick).
Thikötter, Das Verhältnifs von Religion und
Philofophie (Häring).

Strümpell, Einleitung in die Philofophie
(Reifchle).

Oettingen, Chriftliche Religionslehre (Gottfchick
).

Delitzsch, Franz, Neuer Commentar über die Genesis. Leipzig
, Dörffling & Franke, 1887. (IV, 554 S. gr. 8.)
M. 12.—

Einen nochmaligen Anlauf zur Löfung der Aufgabe

fchriftftellerifchen Betheiligung Mofe's an der Abfaffung
des Pentateuchs bleibt den neuteft. Ausfagen gegenüber
ungebunden' (S. 14). Dagegen fcheiden üch nach S. 17
die Mitarbeiter je nach ihrer verfchiedenen Stellung zur
heil. Schrift und der verfchiedenen religionsgefchichtlichen

nennt der Verf. im Vorwort diefen ,Neuen Commentar', Verwerthung der Refultate. Seine eigene Vorftellung
feine fünfte Bearbeitung der Genefis, in der er diesmal 1 vom Hergang der Entftehung des Pentateuchs bezeich-

den ,Ertrag unabläffiger Nacharbeit feit 1872 niederge
legt' hat. Aus anderen Arbeiten des Verf.'s ift zur Genüge
bekannt, was er unter unabläffiger Nacharbeit verfleht.
So ift es denn felbftverftändlich, dafs wir in diefem
.Neuen Commentar' auch einer Fülle neuen Stoffes begegnen
, wie ihn — abgefehen von der literarkritifchen

net der Verf. (ebendaf.) als ,von der modernen wefent-
lich und grundfätzlich verfchieden'. Den Nachweis dafür
liefert die ganze planvoll angelegte .Einleitung'.

Der Kernpunkt, um welchen fich für den Verf. alles
dreht, ift die Frage: bis zu welchem Grade läfst fich ein
eigner Antheil Mofe's an der Gefetzgebung erweifen?

Bewegung des letzten Jahrzehnts — namentlich die Keil- , Gelingt diefer Nachweis in ziemlichem Umfange, fo ift
fchriftenforfchung zu Tage gefördert hat. Eine Neuerung j das gute Recht der Herleitung der mofaifchen Thora von
ift auch die Einflechtung einer vollftändigen Ueberfetzung Mofe gerettet, mag dann noch fo viel auf Rechnung einer
in die Auslegung. Diefelbe ift in erfter Linie darauf be- , Aus- und Weiterbildung auf dem von Mofe gelegten
rechnet, den Wortverftand des hebr. Textes zu crleich- Grunde zu fetzen fein. Seit dem Aufenthalt in Aegyp-
tern und fchliefst fich deshalb zumeift wörtlich der Vor- ! ten wird bei Israel die Schreibkunft vorausgefetzt; damit
läge au (vgl. z. B. 2, 21: und fchlofs Fleifch an deren ift die erfte Bedingung einer Literatur erfüllt. Zu den
Stelle; 31, 20: und Jakob ftahl das Herz Laban's etc.); doch ^berechtigten Erwartungen' aber gehört, dafs die hohe
fehlt es auch keineswegs an Beifpielen, wo mittelft einer Cultur Aegyptens auf das dort mitten unter reichften
freieren Wendung der wahre Sinn des Textes kurz und i Bildungsmitteln und Bildungsmuftern zum Volk heran-
fchlagend herausgeftellt wird (z. B. 2, 10: und ward zu ! reifende Gefchlecht und namentlich auf Mofe, den Adoptiv-
vier neuen Flüffen; 2, 21: darfft du beliebig effen). fohn einer Pharaonentochter, nachhaltig eingewirkt haben

Die Vorzüge und die Eigenart der Exegefe des Verf.'s werde. In der That weifen mancherlei Einrichtungen,

mit ihrer forgfältigen Reproduction des Gedankengangs
in gehobener, nicht feiten erbaulicher Rede, ihren zahlreichen
Mittheilungen aus dem Schatze der geiftlichen
Auslegung früherer Zeiten, ihren werthvollen Beiträgen
zur Wortforfchung im engeren Sinn, fowie zum Ver-

ftändnifs auch der unfeheinbarften Minutien der mafore- | 7 und 8).

Richtungen und Motive in der pentateuchifchen Gefetzgebung
auf das ägyptifche Vaterland des Gefetzesmitt-
lers hin (S. 6). Nicht minder fordern Gefchichte und
Literatur der nachmofaifchen Zeit das Dafein einer durch
Mofe vermittelten Gottesoffenbarung (f. die Belege S.

thifchen Textüberlieferung — diefes Alles ift fo zur Genüge
bekannt, dafs wir von einer erneuten Charakteriftik
füglich abfehen dürfen. Allen den genannten Eigenfchaf-
ten begegnen wir auch in diefem .Neuen Commentar' auf
Schritt und Tritt — nicht minder auch der alten Scheu
des Verf.'s, felbft in fo verzweifelten Fällen, wie 15, 2
(jetzt: ,der Erbnehmer meines Haufes ift Damask, |ift]
Eliezer'), oder 49, 25 und 26 an dem überlieferten Text
zu rütteln.

Seine Stellung zu der neueren Pentateuchkritik hat
der Verf. bereits in feinen .Pentateuchkritifchen Auffätzen'
(1880 und 1882) dargelegt. Auch in der Einleitung zum
vorliegenden Commentar bekennt er fich rückhaltlos zu
den Hauptergebnifsen der neueren Analyfe, namentlich
auch zu der Reihenfolge der Quellen JE (oder, nach
einer gelegentlichen Bemerkung S. 463, EJ), D und Q.
.Obwohl feiner Grundlage nach aus der mofaifchen Zeit
ftammend', ift doch der Pentateuch ,in feiner vorliegenden
Schlufsredaction nachexilifch' (S. 9); ,die hiftorifch-
kritifche Unterfuchung über die Art und Weife der

Um methodifch zu verfahren, müffe die Pentateuchkritik
von der Prüfung der Zeugnifse anheben, welche
fich auf die unmittelbare Niederfchrift von Theilen der
Thora durch Mofe beziehen (S. 15). Unter diefen aber
ift der Dekalog das ,wurzelhaftefte Document der Sinai-
gefetzgebung und hat als das Echtefte des Echten zu
gelten'. Aus ihm wird man fich fomit einigermafsen
eine Vorftellung von Mofe's Denk- und Sprechweife bilden
können (S. 19). Der Dekalog aber lautet in beiden
Recenfionen jehoviftifch-deuteronomifch; diefe Darftel-
lungsweife, nicht die elohiftifche, ift fomit als der mo-
faifche Urtypus zu betrachten (S. 20). Dafür bürgen
auch die fogen. Signalworte (Num. 10, 35t.) und der
aaronitifche Segen, während weder gefagt wird, noch fich
beweifen liefse, dafs Num. 33 das eigenhändige Stationen-
verzeichnifs Mofe's fei. Auf Grund von Deut. 31, 9. 24
wird S. 22f. für das Deuteronom ein traditionelles Sub-
ftrat poftulirt, an welches die freie Reproduction fich an-

fchliefst..... Der Deuteronomiker hat fich eingelebt

in Mofe's Denk- und Sprechweife und reproducirt aus

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