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Ausgabe:

1888 Nr. 14

Spalte:

358-360

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Comba, Em.

Titel/Untertitel:

Histoire des Vaudois d‘Italie 1888

Rezensent:

Mueller, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 14.

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gewifs nicht fo zu erklären ift, wie es gewöhnlich ge-
fchieht. Verflehen kann ich freilich diefe Berührungen
nicht, fo wenig wie ich weifs, warum das hebräifche
Wort vorne Sewa hat. —

Das Ganze fchliefst ein vierfacher Anhang. Zuerfl ,eine
alte Charakteriftik von zehn Sprachen', die dem im
8. Jahrh. lebenden Armenier Stephan von ~ivvi% entnommen
, urfprünglich aber wohl von einem Oftrömer
des 5. Jahrhunderts herrührend, das Hellenifche weichlich
klingend, das Römifche kurz angebunden, Hunifch
drohend, Syrifch zum Bitten gefchickt, Perfifch über-
müthig, Alanifch fchön geformt, Gothifch wohl ,plaisant'
nennt — fo wird das feltene Wort von einem Armenier
gedeutet — und weiterhin noch das Aegyptifche, In-
difche (wohl = Aethiopifchei und Armenifche charak-
terifirt. Es wäre fehr zu wünfehen, dafs der von de La-
garde gegebene Fingerzeig weiter verfolgt würde; bei den
Juden finden iich bekanntlich ähnliche Zufammenftellungen
der ihnen zunächfl liegenden vier Sprachen. Dabei erfahren
wir gelegentlich, dafs C. F. Neumann im Journ.
Asiat. 1829 Janv. 72 eine Stelle des armenifchen Prince
Parthc Magistros ans Licht gezogen habe, die von denen
zu berücklichtigen fein werde, welche fich mit der chrift-
lichen Apologetik des zweiten Jahrhunderts befchäftigen.—

Der zweite Anhang giebt eine Unterfuchung über
Tf<l (im Dt.); dabei zuerfl viele Emendationen zu Gen.
49, 25 t. und Dt. 33, 13—16, weil diefe Parallele noch
nicht zu ihrem Recht gekommen —> zu Dt. 32 u. 33 noch
weitere Emendationen im 4. Anhang — und in einer
Anmerkung weitere zu Gen. 31, 25 — fo ift auch S. 157
Z. 10 v. u. zu lefen — 49, 6. Pf. 10, 8, dann wegen "VSFti
eine vollfländige Erklärung von Dan. 3, 2. 3. Es ergiebt
fich, dafs data zuerfl in 2 Infchriften des erften Darius
das weltliche Gefetz des Königs bedeutet, im Sinn von
Glaubensgefetz erft in dem nach de Lagarde faffanidifchen
Awefta fich findet, und Wendidad nur über oIlWJo^ aus
Widaewadäta — ,das den Dewen feindliche Gefetz' ent-
ftanden ift. Wie follte auch ein eranifches Wort in den
Hexateuch gekommen fein? Hat der antarcKisaTra =
ntJH") Nehemias fo viel Einflufs gehabt, eine den Ara-
mäern nicht geläufige Vocabel direct aus der Perfer-
hauptftadt in die heilige Urkunde der Juden einzutragen?
(Dabei S. 159 eine Anmerkung über Eugene Burnouf's
als des erften Herleitung von Gott aus perfifch hodä,
über de Lagarde's neue Deutung von 58 als demjenigen,
zu dem man fich (in der Noth oder wenn man Leitung
bedarf) wendet; auch S. 129 in einer Anmerkung eine
Etymologie von üftaQZi'ct = was auf Rechnung gefchrie-
ben wird.) Endlich eine Ueberficht über die von Agathangelus
erwähnte Ordnung des armenifchen Feudaladels
und S. 163 einige wenige Verbefferungen, zu denen ich
nur etwa 70, 2 (ein falfches Komma) zu fügen hätte.

So viel über das, was de Lagarde geleiftet; auf den
Inhalt der von ihm gedruckten Stücke einzugehen, mufs
ich mir vertagen. Nach Gutfchmid's Unterfuchungen ift
der erfteTheil vom Leben Gregor's ,verklärte Gefchichte',
der zweite Theil, die Bekehrung felbft, und was fich
nach der Bekehrung in Armenien zugetragen ,im ftreng-
ften Sinn des Wortes gcfchichtlich, eine Quelle
von abfoluter Zuverläffigkeit'. Daneben welche
Menge intereffanter Einzelheiten, in jedem einzelnen Stück
und durch dieVergleichung beider fich ergebend! Am lehr-
reichften ift das Gefammtbild vom untergehenden Heidenthum
in Armenien und dem bei feinem Eindringen
fchon arg entftellten Chriftenthum. Dafs fie die Obrigkeit
verachten, einen Gekreuzigten heilighalten, ein Holz
anbeten und die Knochen der Geftorbenen ehren: in
diefe 4 Stücke fafst Diocletian $ 67 die Eigentümlichkeiten
der neuen Religion zufammen ; die beiden letzten,
das Kreuzeszeichen und die Märtyrerreliquien, flehen bei
Agathangelus und den Acten weitaus im Vordergrund.

Ulm. E. Neftle.

Molinier, Ch., Etudes sur quelques manuscrits des biblio-
theques d'ltalie concernant l'inquisition et les croyances
heretiques du XID au XVII<= siecle. Rapport ä M. le
ministre de Instruction publique sur une mission
executee en Italie de fevrier ä avril 1885. (Extrait des
Archives des Missions scientifiques et litteraires A. XIII.)
Paris, Leroux, 1887. (2°8 S. gr. 8.)

Molinier, deffen Arbeit über die füdfranzöfifche In-
quifition vom 13. bis 14. Jahrh. diefe Zeitung 1883 Nr. 3
befprochen hat, bringt hier weitere Studien für die Gefchichte
der Inquifition und der Secten, wie er fie im
Auftrag der franzöfifchen Regierung in Italien unternommen
hat. Er berichtet darin mit der Genauigkeit,
die bei ihm bekannt ift, über die von ihm unterfuchten
Hff. und zwar zunächfl über vier Hff., welche fich mit
Darfteilung der Katharer oder eines ihrer Zweige, fowie
des Br. Dulcino befaffen. Von reicherem Inhalt find die
Mittheilungen über vier bisher unbenutzte Hff, welche
das Verfahren der Inquifition befchreiben und als
Handbücher für Inquifitoren zu bezeichnen find.
Sie find ebenfo wie andere längft bekannte die Vorläufer
der grofsen Handbücher des Bern. Guidonis, Zan-
chino Ugolini und Nicol. Eymerich, meift aus örtlichen
Bedürfnifsen entftanden, aber bald in verfchiedenen
Ländern verbreitet. Molinier fetzt dabei den von mir
begonnenen Nachweis fort, wie Bern. Guidonis in feiner
Practica inquisitionis jene älteren Schriften oder Aufzeichnungen
theilweife wörtlich abgefchrieben hat. Er
hat in einer Hf. vom Anfang des 14. Jahrh. eine Abhandlung
gefunden, welche genau den vierten Theil der
Practica enthält. Ich kann ihn für denfelben Thatbeftand
auf Cod. Guelfcrbyt. 369 {Heimst. 315) hinweifen, welcher
auch fonft vielfach diefelben Stucke enthält, wie jene
Hf. der Laurcntiana; die Identität des Stückes mit Pract.
inq. IV hat denn auch ein Lefcr des 15. Jahrh. bereits
erkannt, indem er dazu fchrieb: ,Ecce 4a pars Bemardi
Guidonis'1. Sodann befchreibt M. noch eine fünfte Hf.
der Practica inquisitionis, welche ihmDenifle nachgewiefen
hatte, und weift auf Grund diefer Hff. nach, dafs zwei
Bearbeitungen des Werkes exiftiren, wie ja B. G. auch
fonft feine Schriften in immer wieder neuen Auflagen
bearbeitet hat. — Den Bericht über vier weitere Hff. diefer
Art übergehe ich der Kürze halber. Sie find theils nicht
von demfelben allgemeinen, theils überhaupt von untergeordnetem
Wert.

Im dritten Abfchnitt werden Hff befchrieben, welche
Ketzerverhöre enthalten. Die weitaus werthvollfte Hf.
ift die des Cod. Vatic. 4030, welche Verhöre aus der Umgebung
von Pamiers während der Jahre 1318 und 1325
enthalten und theilweife in naher Beziehung zu den
etwa gleichzeitigen Acten von Carcaffonne und Touloufe
flehen. Molinier giebt eine zufammenhängende Dar-
j Heilung deffen, was fich aus diefer Hf für die Gefchichte
des Inquifitionsverfahrens weiter entnehmen läfst.

Im Anhang find reichliche Mittheilungen aus diefen
Hff. veröffentlicht.

Giefsen. Karl Müller.

Comba, Em., Hisioire des Vaudois d'ltalie depuis leurs
origines jusqu' ä nos jours. Premiere partie. Avant
la reforme. Paris, Fifchbacher. Turin, Löfcher, 1887.
(378 S. gr. 8.)

Em. Comba, Profeffor am Collcgio Valdcse in Florenz,
hat fchon früher in einer kleinen Schrift {Valdo ed i

Valdesi avanti la riforma) den Muth gehabt, mit den
unter den Waldenfern feit Jahrhunderten gepflegten Ueber-
lieferungen über Entftehung und urfprüngliches Wefen
ihrer Gemeinfchaft zu brechen und rückhaltlos die ge-
fchichtlichen Thatfachen anzuerkennen. Auch die An-

I fechtungen aus der Mitte feiner Glaubensgenoffen haben